Dienstag, 24. Juni 2014

Studie zur Jugendkriminalität: Jugendliche Mädchen werden häufiger straffällig als vermutet

Wie entwickelt sich die Jugendkriminalität mit fortschreitendem Alter? Dieser Frage sind Kriminologen aus Bielefeld und Münster in einer bislang einzigartigen Langzeitstudie nachgegangen. 13 Jahre lang haben die Forscher rund 3.400 Jugendliche aus Duisburg jährlich anonym befragt. Zu Beginn waren die Jugendlichen 13 Jahre alt. Die Forscher befragten sie nach ihren Werten, ihrem Verhalten und nach begangenen Straftaten. Herausgekommen sei ein Bild davon, wie sich die Jugendkriminalität entwickelt. Das sagen die Professoren Klaus Boers (Münster) und Jost Reinecke (Bielefeld), die die Ergebnisse im Mai dieses Jahres vorgestellt haben. Die Studie sei repräsentativ für deutsche Großstädte.

Eine der unerwarteten Erkenntnisse der Untersuchung betrifft weibliche Jugendliche. Demnach stehen Mädchen ihren männlichen Altersgenossen in Sachen Ladendiebstahl kaum nach - vor allem nicht im kritischen Alter zwischen 14 und 15 Jahren.

Ebenso überraschend sind die Zahlen im Bereich der seltener auftretenden Gewaltkriminalität. "Mädchen sind häufiger gewalttätig als bisher angenommen", sagt Klaus Boers, Kriminologe an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Laut Polizeistatistik begingen Jungen sechsmal häufiger Gewaltdelikte als Mädchen. Bei der Befragung habe sich dagegen ergeben, dass 61 Prozent der Jungen schon einmal mit einer Gewalttat straffällig geworden seien - aber auch 37 Prozent der Mädchen.

Meist hört die Kriminalität nach der Jugend auf

Zu den beruhigenden Ergebnissen gehört, dass zwar ein großer Teil der Heranwachsenden irgendwann eine Straftat begeht. Die allermeisten hören jedoch bald wieder auf. 84 Prozent der befragten Jungen und 69 Prozent der Mädchen haben laut Studie eine Straftat begangen. Meistens handelte es sich dabei um Ladendiebstahl, das "Kerndelikt" unter Jugendlichen, wie es heißt. 
Gleich nach Ende der Kindheit steigt die Kriminalität sprunghaft an. Doch bereits im Alter von 15 bis 16 Jahren gehen die Zahlen stark zurück - weitgehend ohne dass die Täter mit Polizei oder Justiz in Berührung gekommen sind. "Das ist ein Ausdruck einer erfolgreichen Gesellschaft", meint Kriminologe Boers. 

Nach der Studie gehören sechs bis acht Prozent der Jugendlichen zu den Intensivtätern. Sie begehen die Hälfte aller Taten und Dreiviertel aller Gewaltdelikte. Die Studie räumt allerdings mit dem gängigen Vorurteil auf, dass aus den jugendlichen Intensivtätern später schwerkriminelle Erwachsene werden. Spätestens zum Ende des Jugendalters nämlich gingen die Delikte auch in dieser Gruppe deutlich zurück. Voraussetzung dafür sind allerdings stabile soziale Bindungen, ein Job oder eine Ausbildung.

Mit Angaben aus Süddeutsche. de

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