Mittwoch, 25. August 2010

Renommierte Psychiater bestreiten Zusammenhang von Zölibat und Mißbrauch

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster
Kontakt: felizitas.kueble@web.de


In der seit Februar 2010 anhaltenden Mißbrauchsdebatte, die nicht frei von hysterischen Zügen ist, wird mitunter die Ehelosigkeit katholischer Priester direkt oder indirekt als Ursache für pädosexuelle Verfehlungen benannt; zumindest wird der Zölibat mit Hinweis auf diverse Vorfälle infrage gestellt - und dies sogar seitens katholischer Oberhirten (darunter z.B. die Bischöfe Lehmann, Schick, Schönborn oder Jaschke).

Die Frage steht also im Raum: Besteht ein Ursache-Wirkung-Verhältnis oder zumindest ein gewisser Zusammenhang zwischen dem Zölibat und den Vorfällen von sexuellem Mißbrauch?

Dr. Norbert Leygraf ist Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen. Gegenüber dem „Deutschlandradio“ erklärte der Gerichtspsychiater am 23. August 2010, kein Mensch werde durch den Zölibat pädosexuell geprägt, zumal diese Neigung bereits während der Pubertät entstehe, der Zölibat erfolge hingegen viel später. Daher sei es „nicht sonderlich einleuchtend“, überhaupt einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Mißbrauch herzustellen.

Dr. Leygraf widersprach zudem der Auffassung, daß abnorme Formen der Sexualität unter kath. Priestern überdurchschnittlich vertreten seien: «Irgendwelche Studien, die belegen würden, daß sie besonders häufig Leute mit einer abnormen Sexualität wären, gibt es nicht.»

Der bekannte evangelische Kriminal-Psychiater Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber aus Berlin erklärte bereits am 6.2.2010 zu Beginn der Mißbrauchsdebatte, daß katholische Priester gerade wegen ihrer geistigen Grundhaltung weitgehend davor geschützt seien, zu Mißbrauchstätern zu werden. Kröber ist Mitherausgeber des Standardwerkes „Handbuch der Forensischen Psychiatrie“. Seinen Studien zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, daß ein kath. Priester zum Mißbrauchs-Täter wird, 36 x mal geringer als bei Männern, die nicht zölibatär leben.

Ähnlich argumentierte Manfred Lütz, Direktor eines Psychiatrischen Krankenhauses in Köln, in der FAZ vom 11.2.2010: „Den Zölibat in diesem Zusammenhang (Kindesmißbrauch) zu nennen, ist besonders verantwortungslos. Auf einer Tagung 2003 in Rom erklärten die international führenden Experten – alle nicht katholisch – es gebe keinerlei Zusammenhang dieses Phänomens mit dem Zölibat.“ - Bei dieser Tagung handelte es sich um einen kompetenten Fachkongreß: er dauerte eine Woche und versammelte international führende Forensische Psychiater, Mediziner und Sexualwissenschaftler zum Thema Mißbrauch.

Kommentare:

Old Geezer hat gesagt…

Vielleicht generiert der Zölibat nicht per se Mißbracuh, aber
überlegen wir mal logisch:

Man bietet einen Job an, mit dem kleinen Mako, das der Angestellte dann sein Sexualleben vergessen kann.
Wie wirkt sich das wohl auf die Akttraktivität der Anstellung für normale, junge Männer aus?
Korrekt, katastrophal!
Vonn 100, die sonst durchaus interessiert wären, winken dann doch 99% dankend ab; ...und der eine, der überbleibt, hofft auf aiene atrraktive Haushälterin.
Aber wie ist die Wirkung aus die Kandidaten, die eh keine normale, legale, öffentlich kommunizierbare Sexualitä haben - Asexuelle, verklemmte Homosexuelle, Nekrophile, Zoophile und eben auch Pädophile?
Es wäre ihnen schlicht egal; vonn 100 solcher Kandidaten würden sich 100 sagen, daß sie ihr Neigungen als Priester auch nicht besser verstecken / unterdrücken müßten, denn als Versicherungsvertreter.
Und zudem beinhaltet der Priesterjob (im Unterschied zum Gebrachtwagenhändler, z.B.) eine gewisse Respektsposition, der Arbeitgeber ist eine Art Parralelgesellschft mit merkwürdigen Riten, die für die Staatsanwaltschft schwer zugänglich ist und die bekannt dafür ist, Verbrechern s#Schutz und Zuflucht zu gewähren, und schließlich bietet sie intern die Option an, Lippenbekenntnisse als Buße anzurechenen - kurz: wenn man sich als Proiester mal nicht im Griff hat, hat man auch noch wesendlich bessere Chancen ungeschoren wegzukommen, denn z.B. als Gerüstbauer.

-> die Folge von all dem ist natürlicherweise, daß sich Menschen mit abseitigen Neigungen verstärkt im, Dienst der Kirchen sammeln.

Dirk hat gesagt…

So ist es.
Kein offensichtlicher kausaler Zusammenhang, aber eine offensichtliche Korrelation, die Sie sehr schön herausgearbeitet haben.
Leider.

Ebenfalls schade finde ich, dass Frau Küble hier immer wieder Raum gegeben wird, wenig durchdachte und undifferenzierte Äußerungen zu verbreiten. Etwas Lektorat wäre vielleicht kein Fehler.

Man kann sich nur freuen, dass sogar die ersten Bischöfe hier einen Tick weiter denken und die richtigen Schlüsse ziehen. Lasst uns gemeinsam beten, dass auch Herr Ratzinger vom Herrn mit Erkenntnis gesegnet wird.

Philipp hat gesagt…

meiner Meinung nach sind die Argumente beider Seiten hier (von Frau Kübler und den beiden Kritikern) durchaus schlüssig. Aber ich finde es unerhört und respektlos den Opfern gegenüber gleich im ersten Satz lesen zu müssen üder die "Mißbrauchsdebatte, die nicht frei von hysterischen Zügen ist". Das ist äußerst tendenziös und nimmt mich gegen die Autorin sofort ein.

Dirk hat gesagt…

Lieber Philipp,

so leid es mir tut, aber Frau Kübler hat Stimmen zitiert, die etwas "widerlegen", was keiner behauptet hat, nämlich dass das Zölibat pädofil mache. Sie hat daher gar kein Argument genannt, das schlüssig sein könnte :-)

Abr sie hat doch absolut Recht damit, dass die Debatte hysterisch ist. Die vielerorts, wie auch hier, vertretene These, dass Missbrauch unter zölibatär Lebenden statistisch seltener sei als unter der nicht-zölibatär lebenden Bevölkerung ist zum Beispiel sehr zynisch, ihre gebetsmühlenhafte Widerholung absolut hysterisch im ursprünglichen Sinne . Und zwar unabhängig davon, ob die These richtig ist oder nicht.

Und die "Studien" von Hans-Ludwig Kröber aus Berlin hätte ich auch gerne mal gesehen.

Grüße,
Dirk

Anonym hat gesagt…

Wer als Priester in den Dienst Jesu Christi tritt, sollte sein Amt so verstehen, dass er ein Stellvertreter Jesu ist und in seinem Verhalten christusähnliche sein muss. Im Matthäus 18:6 steht folgendes: "Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde." Ich habe den Eindruck, dass Pädophilie als Kavaliersdelikt angesehen wird, ganz im Gegensatz zur Auffassung der Bibel. (Lies auch Matthäus 19:14)
Angenommen, ein grosser Teil der Theologiestudenten glaubt garnicht an Gott, sondern findet es toll, mit den Menschen zu arbeiten; dann hat man auch nicht die moralische Basis, sondern ist eher "Liberal" und befürwortet Pädophilie und Homosexualität.

Anonym hat gesagt…

Die Biebel ist gegen Zölibat: 1. Timotheus 3:2-5: 2 Deshalb soll der Bischof ein Mann ohne Tadel sein, nur einmal verheiratet, nüchtern, besonnen, von würdiger Haltung, gastfreundlich, fähig zu lehren;
3 er sei kein Trinker und kein gewalttätiger Mensch, sondern rücksichtsvoll; er sei nicht streitsüchtig und nicht geldgierig.
4 Er soll ein guter Familienvater sein und seine Kinder zu Gehorsam und allem Anstand erziehen.
5 Wer seinem eigenen Hauswesen nicht vorstehen kann, wie soll der für die Kirche Gottes sorgen?

Anonym hat gesagt…

Theohilus sagt:

Im 1. Timotheus steht: Zölibat ist eine Folge des Abfalls vom Glauben. Diese dämonische Lehre wurde von heuchlerischen Lügnern verbreitet:

Der erste Brief an Timotheus, Kapitel 4

Falsche Haltungen
1 Der Geist sagt ausdrücklich: In späteren Zeiten werden manche vom Glauben abfallen; sie werden sich betrügerischen Geistern und den Lehren von Dämonen zuwenden,
2 getäuscht von heuchlerischen Lügnern, deren Gewissen gebrandmarkt ist.
3 Sie verbieten die Heirat und fordern den Verzicht auf bestimmte Speisen, die Gott doch dazu geschaffen hat, dass die, die zum Glauben und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangt sind, sie mit Danksagung zu sich nehmen.

Anonym hat gesagt…

"Wenn er jünger als 13 ist, ist es nicht schwul oder?"
So oder so ähnlich könnte die Einstellung mancher Geistlicher sein.

Anonym hat gesagt…

Ich bin auch Psychiater, Diplom vor 30 Jahren erlangt. War Anstaltsarzt, habe Pädophilie nicht unter Patienten gehabt (Bayerischer Böhmerwald, Pichlberg), eher Zoophilie. Ich bin damit einverstanden, dass extreme Forderungen eines Arbeitgebers zur Auswahl von Psychopathen führen kann. Vor Mobnaten wohnte ich einer katholischen Messe in der Graf Arco-Schlosskirche zu Schönburg bei Pocking (Kr. Passau) bei, wo der sympathische, sich als Pfarreferent nach der Messe vorstellende Priesterkleidträger von Rotthalmünster eine Messe hielt. Ich habe es gar nicht bemerkt, dass die Wandlung fehlte, denn ich gehe fast seit meiner Geburt in die Kirche. Aber meine Frau - Spätbekehrte - merkte es. Vor Jahrhunderten wäre so eine Liturgie als protestantisch gebrandmarkt worden: Scheiterhaufen! - Warum wird der Pfarrreferent selbst nicht zum Priester geweiht, wenn es so zuverlässig und geeignet ist, dass er iim Auftrag des Klerus Messe liest und predigt? - Was soll dieser Crampf? Kann Rom im 21. Jh. mit uns machen, was sie will? Es ist mir klar, dass ein Verheirateter weniger Zeit für die Kirchengänger hat, aber warum lässt man nicht genügend an der Anzahl zu? - Ist es besser mit einem Pfarrer einen Dutzend von Pfarreien zu versehen? Das ist doch nicht gescheit... Man wird besser zu Pantheisten!