Dienstag, 15. Januar 2013

Die Zahl der Internetsüchtigen nimmt zu

Die Fachstelle für Mediensucht in Hannover berichtet über die steigende Zahl der Internetsucht in Deutschland.

„Onlineaktivitäten wie Spielen, Kommunizieren und Pornografiekonsum ermöglichen, notwendigen Reifeprozessen und den Umgang mit eigenen Gefühlen auszuweichen“, sagte Eberhard Freitag, Leiter der Fachstelle des Diakonischen Werks in Hannover.

Freitag beschäftigt sich mit Menschen, die jeden Tag mehrere Stunden im Internet oder bei Facebook verbringen. Allein in Hannover leiden mehrere tausend Menschen unter der Sucht, darunter vor allem Jugendliche und junge Männer, die durch die Pornofilme keinen normalen Beziehungen mehr mit Frauen eingehen können. Ebenso Angehörige, die merken, wie ein Mensch durch das Internet leidet und sich isoliert.

Vor allem bei jungen Männern führt der übermäßige Konsum von Internet-Pornografie zu einer Verzerrung. „Studien dazu dokumentieren eindrucksvoll, dass Jugendliche, je häufiger sie Internetpornos konsumieren, das Gezeigte für realistisch halten“, sagte Freitag.

„Der regelmäßige Konsum befördert ein negatives Frauenbild und reduziert Frauen auf ein Objekt sexueller Begierde.“ Die Hemmschwelle, selbst zum Täter sexueller Gewalt zu werden, sinke, sagte Freitag.

„Die Internetsucht nimmt zu“, sagte Freitag. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt die Zahl der Süchtigen in Deutschland auf mehr als 500.000.

Trotzdem geht es Freitag nicht generell um ein Internet-Verbot, sondern um den gesunden Umgang mit dem Medium.

Wie groß der Einfluss sozialer Medien auf das Verhalten von jungen Menschen ist, dürfe nicht unterschätzt werden, betonte Freitag: Eigenständigkeit, kritisches, unabhängiges Denken und bewertungsfreie Beziehungen seien dadurch immer weniger möglich. Menschen wollten nur noch gefallen.

Kommentare:

Old Geezer hat gesagt…

"Onlineaktivitäten wie Spielen, Kommunizieren und Pornografiekonsum ermöglichen, notwendigen Reifeprozessen und den Umgang mit eigenen Gefühlen auszuweichen"

Sicher, das geht - zeitweise - ebenso wie mit Bibelstudien, Büderlesen, TV, Kino, Partymachen, ausgehen, etc.
Was ist jetzt hieran etwas besonderes?

"Freitag beschäftigt sich mit Menschen, die jeden Tag mehrere Stunden im Internet oder bei Facebook verbringen"

Hat ihm schon jemand erklärt, daß es heute für viele, völlig normal ist, ihren Facebook-Account, Instant-Messanger, in Email-Tool permanante nebenbei offenzuhalten, ebenso wie sie per Mobil- (und Festnetz-)Telefon und SMS auch fast immer erreichbar sind; und Millionen im Internet arbeiten bzw. dieses als normales Werkzeug (Google Docs, etc.) ständig benutzen.
Die Zeitquote kann hier für sich alleine also keine Aussage liefern; welche andere Kriterien hat er?

"Ebenso Angehörige, die merken, wie ein Mensch durch das Internet leidet und sich isoliert."

Ja, das sind diesleben Angehörigen, die regelmäßig sagen "Also unser Kind erzählt uns alles, wir haben keine Geheimnisse voreinander."?
Die eigene Familie ist oft der beste Grund, sich abzusetzen - nur muß man sich heute nicht mehr dazu aus dem Haus schleichen, sondenr es Reicht die Tür abzuschließen und die Kopfhöhrer aufzusetzen.

". „Studien dazu dokumentieren eindrucksvoll, dass Jugendliche, je häufiger sie Internetpornos konsumieren, das Gezeigte für realistisch halten“, "
...ungefähr bis zum ersten echten eigenen sexuellen Kontakt; dann setzt Ernüchterung ein, und bei der Interneterfahrenen Gruppe dann eine Recherche bei verläßlichen Quellen und die Beruhigende erkenntnis "Ich stinke nicht ab, ich bin normal".
Das mag in fundamantalistischen Kreisen allerdings etwas anderes sein, in denen als Quelle der Aufklärung nur die obskuren Ideale der Eltern (an denen diese zwar selber meist gescheitert sind, dieses aber niemals zugeben werden) zur Verfügung stehen.
Und man fragt sich: 'wer leidet hier?' tatsächlich die Kinder oder nciht vielmehr die Eltern, die deren Abnabelungprozeß nicht verknusen können?

"Die Internetsucht nimmt zu“, sagte Freitag. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt die Zahl der Süchtigen in Deutschland auf mehr als 500.000. "

Schätzt?
Wieder die Frage - anhand welcher Kriterien?

"Trotzdem geht es Freitag nicht generell um ein Internet-Verbot"

Wenigstens etwas, nachher fordert noch jemand "Strom aus!", "Alphabetisierung war schon ein Fehler." und "Zurück zum Faustkeil".

Michael Pöhlmann hat gesagt…

Hallo, es stimmt was Old Geezer schreibt.
Zum Beispiel ist Autofahren auch eine Sucht und dadurch sterben Menschen, da regt sich keine Regierung drüber auf.
Die Dinge ändern sich.
Ich bin der Meinung, es sollten viel mehr Menschen das Internet nutzen, täten sie es, könnte man tausende von Flügen canceln und es gäbe wieder bessere Luft. Es sollten auch viel mehr Menschen die Möglichkeit haben, das Internet zu nutzen.
Das sollten unsere Politiker mal vormachen. Die müssen nicht wegen jeder Belanglosigkeit in die USA fliegen oder nach Afghanistan oder China. Das kann man alles ONLINE regeln.
Das Internet ist eine der sinnvollsten Erfindungen, es darf nur nicht ausgenutzt werden. Hohe Strafen für Internetbetrüger!

DEWo hat gesagt…

Was @Old Geezer und @Michael Pöhlmann schreiben, trifft nicht den Kern der Sache!
Ich möchte mich nur auf einen wie mir scheint besonders wichtigen Gesichtspunkt einlassen:

Pornografische Darstellungen sind in der Regel „gestellt“, das heißt, sie stellen sexuelle „Betätigungen“ völlig übertrieben dar und suggerieren, das sei normal. So wird der „Partner“ zum sexuellen Gebrauchsgegenstand, und wenn er „im wirklichen Leben“ nicht das bringt, was da vorgeführt wird, so taugt er vermeintlich nichts auf diesem Gebiet, und man macht sie/ihn für das Ausbleiben einer gesteigerten eigenen Lustempfindung verantwortlich ...

Was in unsere Gesellschaft fehlt, ist echte Aufklärung über solche und ähnliche Zusammenhänge. Gerade Jugendliche haben zu wenig Lebenserfahrung, um die auf elektronischem Weg empfangenen „Behauptungen“ als unrealistisch entlarven zu können. Insofern sind sie besonders stark jenem verheerenden Einfluss ausgesetzt, was echte Partnerschaften von Grund auf gefährdet.

An diesem Punkt versagt unsere Gesellschaft in besonders verantwortungslosem Maß: Man lässt zu, dass ein taugliches und lebensbejahendes Heranwachsen geradezu vereitelt wird, weil man die jungen Menschen einem elektronischen „Betreuer“ überlässt: Vermeintlich „gut aufgehoben“, so mogeln sie sich durch den Tag - und manchmal auch durch die Nächte - mit all jenen Folgeerscheinungen, die sie aus dem eigentlich wünschenswerten Lebenskreis hinauskatapultieren in eine „Umlaufbahn“, die sich nur um sie selbst dreht! Wie kommt es, dass 20% der jungen Menschen zwischen 17 und 24 Jahren in Berlin von Hartz IV leben? Schaut man genauer hin, so erschließen sich einem die Zusammenhänge recht deutlich!

Was den Menschen in der Medienwelt vorgeführt wird, kann zwar unterhaltsam sein und dazu beitragen, die Zeit herumzubringen, doch bewirkt es nur allzu oft, dass das Individuum seiner eigenen Triebwelt überlassen wird, aus der er irgendwann nicht mehr herausfindet.

Michael Pöhlmann hat gesagt…

Ja, okay. Es trifft nicht den Kern des Artikels.
Man muss das Ganze aber auch als Ganzes betrachten.
Es wird ja niemanden etwas beigebracht, in der Schule. Surfen im Internet könnte ein Schulfach sein. Pornoseiten könnten locker verboten werden, technisch kein Problem. Oder Pornoseiten müssen mit erheblichen Kosten für den User verbunden sein.
Hier ist ganz allein die Politik/Gesetzgeber/Eltern gefragt. Am Ladentisch darf man ja auch keine Pornos kaufen/verkaufen.
Also, nehmen Sie die Seiten doch einfach aus dem Netz.
Wir müssen insgesamt umdenken. Da liegt das Problem. Luft, Wasser, Leben, ...

ich hat gesagt…

da frage ich mich ob die ausübung einer bestimmten lenssicht nicht auch eine sucht sein kann?
sucht ist meiner auffassung alles streben zum gemeint guten und interessanten ohne vernünftige steuerung als einfaches streben und geniessen ohne auf wenn und aber. lust vor verstand, verstend ohne verstehen.
was braucht man die eigene meinung wenns en apparat gibt.
vorweg wieder die verbotsdrohung. verbote können über manie zur sucht führen und schaffen gute ausreden. keine gewollte wirkung. doch das will kaum einer wahr haben. vom netz nehmen?
bringt nur gleiches mit anderen worten.
immer daran denken: wir sind gegen die endgültige wirkung des gifts. wenn es uns hilft schlucken wir es trotzdem.
alles eier frage des zwecks und der dosis. sag nie nie. äh?

Old Geezer hat gesagt…

@DEWo:

Dieselben Übertreibungen, Wunschvorstellungen oder literarischen Überhöhungen können die Jugendlichen in Romanen, klassichen Aktemagazinen, erotischen Filmen, Erzählungen ihrer Buddies, Predigten ihrer Priester, etc. lesen, sehen und hören, seit Jahrzehnten, Jahrhunderten oder Jahrtausenden.
(Der hier vielgeschmähte Dr. Sommer & Co. sind da überigens durchaus das realisitische Gegengewicht).
Allerdings bietet gerade das Internet ihnen auch die Möglichkeit, sich anonym (also ohne Schamnanfall) auf medizinischen, sozialogischen bzw. psychatrischen Seiten oder in Selbsthilfeforen objektiv zu informieren.

"Überlassen":
Auch das ist nichts, in dem sich das Internet besonders hervortut.
Schon immer suchten sich Jugendliche, die nichts zu tun hatten oder sich selbst überlassen wurden, eine Clique, eine Hobby oder eine Rückzugsmöglichkeit, die ihre Eltern oder die Geselllschaft meist ablehnten, und auch die Suchtproblematik kam nciht erst mit Internet, Computerspielen oder Fernsehen auf.

"Berlin":
In Berlin ist die Wirtschaftslage bescheiden - was erwarten Sie da?
Selbstverständlich fürht ein Mangel an florierenden Unternehmen zu weniger Arbeits- und Ausbildungsplätzen und somit zu mehr Hartz IV; dazu kommen noch all die zwar in Lohn und Brot befindlichen, die aber zwaichen Dumpinglöhnen und Hauptstadtpreisen auch nur noch als Aufstocker über die Runden kommen.
Dieses irgendwie auf die Verfügbarkeit von Pronographie oder Medien zurückzuführen ist schon mehr als gewagt.

Old Geezer hat gesagt…

"Pornoseiten könnten locker verboten werden, technisch kein Problem. Oder Pornoseiten müssen mit erheblichen Kosten für den User verbunden sein.2

Huh?
Wie das denn?
Ababgesehn von einer für alle Provider verbindlichen Whitelist, (die weit über den Zensurbemühungen von China, Nordkorea oder dem Iran hinausgeht und für von Bildung und Infomration lebendes Land wie Deutschland tödlich wäre) bleiben nur die technisch extrem aufwendigen clientseitigen Analysen des optischen Flußes und Eltern, die bei Surfen immer hinter ihrem Kind stehen.

"Hier ist ganz allein die Politik/Gesetzgeber/Eltern gefragt. Am Ladentisch darf man ja auch keine Pornos kaufen/verkaufen."

Klatr dürfen!
Haben Sie noch nie eine Bahnhofsbuchhandlung oder eine Videothek betreten?
Und wer kennt bitte keine volljährigen Bruder / Kumpel / Bruder des Kumpels der das Zeug für einen kaufen kann, sollte der Verkäufer tatsächlich auf die Altersfreigabe achten?

Verbote dieser Art gibt es schon soo lange, und nie haben sie wirklich funktioniert.
Klärt die Kinder RECHTZEITIG GRÜNDLICH und FAKTENBASIERT auf, dann ist die Neugier schnell befriedigt und Euch müssen diese medialen Angebote wenig Kopfzerbrechen machen.

Michael Pöhlmann hat gesagt…

@old geezer
Sie wollen keine Änderung, Sie wollen nur Recht behalten.
Ich danke Ihnen für Ihre Worte und Ihnen alles Gute. Ciao

Rex hat gesagt…

Und Sie wollen ihr Recht behalten.
Dieses gedachte Recht klingt gut in den Ohren. Doch es verschließt sich vor der bestehenden Rechtssprechung.
Will jemand Klarheit über die rechtlichen Möglichkeiten, sollt eman ihm nicht mit "keine Änderung" kommen. Der so vorgeht akzeptiert, sein wollen ist durch kein können gedeckt.
Z.B.: "Pornoseiten könnten locker verboten werden, technisch kein Problem."
Aber ein rechtliches ist es schon. Vor dem Schalter auf die Paragraphen schaun. Da könnte man ja Neo-Nazis auch leicht abschalten?
Man sollte auch mal auf den Schluss schauen. Wollen wollen viele. Können wollen ebenso. Doch konkret und für für deutsche Verhältnisse gibt es mehr zu beachten.
Dann wird die Behauptung eine Unterstellung und man selbst verliert an zumindest Glaubhaftigkeit.

Michael Pöhlmann hat gesagt…

Hello,

Mir fällt bei solchen Diskussionen immer wieder auf, alle suchen Gründe und Dinge die aussagen was nicht geht, man muss Dinge suchen die gehen und dann was tun.
Ich sage Ihnen, es ist technisch möglich Pornoseiten von heute auf morgen aus dem Netz zu nehmen, wenn man es will.
Für mich ist dieser Smalltalk beebdet.
Danke und ciao

Old Geezer hat gesagt…

@Rex & Michael Pöhlmann:

Es ist sowohl ein Rechtliches als auch ein technisches Problem, wobei bei einer technisch unsauberen Lösung eine ganze Flut von weiteren rechtlichen Problmen losgetreten werden.

Zudem sehe ich wenig Sinn darin, wenn man damit nur den Tausch von DVDs & Flashkarten auf den Schulhof fördert.

"Ich sage Ihnen, es ist technisch möglich Pornoseiten von heute auf morgen aus dem Netz zu nehmen, wenn man es will.
Für mich ist dieser Smalltalk beebdet."

Steht also als unbewiesene Behauptung (Dogma, Märchen, Glaubensbekenntnis) im Raum.
Sowas überzeugt schon aus Pfarrersmund kaum noch jemanden.
Wenn Sie meien, ein Verfahren zu kennen, welches dieses ermöglicht, sollten sie es wenigstens skizzieren, um diese Aussage in den Rang einer Hypothese zu erheben.