Dienstag, 15. November 2016

Hessischer MdL Irmer beklagt im neuen Lehrplan Akzentverschiebung zu Lasten von Ehe und Familie und Indoktrination

MdL Hans Jürgen Irmer. Foto: Sven Teschke. Wikimedia Commons Lizenz https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en
Mathias von Gersdorff

Als erster CDU-Landtagsabgeordneter übt Hans-Jürgen Irmer deutliche Kritik am neuen „Lehrplan zur Sexualerziehung“ von Kultusminister Ralph Alexander Lorz (CDU).

Irmer war bis Anfang 2015 schulpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Zum neuen Lehrplan äußert er sich in der Monatszeitung „Wetzlar-Kurier“ mit einer Auflage von 113.000 Exemplaren.

Eine der wichtigsten Kritikpunkte ist die deutliche Relativierung der Bedeutung der klassischen Ehe und Familie im Vergleich zum Lehrplan von 2007. In diesem war noch die Vermittlung der grundlegenden Bedeutung von Ehe und Familie als zentrale Institutionen ausdrücklich als wichtiges Ziel vorgesehen. Im neuen Lehrplan von CDU-Kultusminister Lorz geht es in erster Linie, so in der Einleitung um die Akzeptanz sexueller Vielfalt und die Vielfalt partnerschaftlicher Beziehungen.

Hans-Jürgen Irmer ist der Auffassung, die Ziele des Lehrplanes würden die Kinder überfordern: „Es stellt sich die Frage, ob man Sechs- oder Achtjährige beispielsweise, wie vorgesehen, mit dem Thema der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften befassen soll. Und es stellt sich auch die Frage, ob Zehn- oder Elfjährige sich mit dem Thema Bisexualität, Homosexualität und Transsexualität befassen müssen.“

Inakzeptabel ist für Irmer die Tatsache, dass der neue Lehrplan die Möglichkeit zulässt, externe Gruppen in die Schulen zu holen. So könnten klassische Lobbyistengruppen wie SchLAu (Schwul Lesbisch Bi Trans* Aufklärung) eingeladen werden, „die natürlich als Betroffene nur das Ziel haben können, ihre Position zu vertreten“, so Irmer.

MdL Irmer fragt sich, ob der neue Lehrplan nicht das Indoktrinierungsverbot verletzt und weist auf ein Gutachten von Professor Dr. Christian Winterhoff zu einem dem hessischen ähnlichen Schulgesetz aus Schleswig-Holstein hin: „Die Schule muss [entsprechend eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts, Anm. des. Verf.] den Versuch einer Beeinflussung der Schüler mit dem Ziel unterlassen, ein bestimmtes Sexualverhalten zu befürworten oder abzulehnen. Er [Anm.: Prof. Winterhoff] hat ferner darauf hingewiesen, dass das Oberverwaltungsgericht Münster festgestellt hat, dass das verfassungsrechtliche Zurückhaltungs- und Toleranzgebot missachtet und in sein Gegenteil verkehrt wird, wenn schulische Sexualerziehung mit dem Lernziel erfolgt, jegliches Sexualverhalten ohne Unterschied zu befürworten. . . . Deshalb kommt Winterhoff zu dem Schluss, dass es verfassungswidrig ist, wenn in öffentlichen Schulen mit dem Ziel auf Kinder eingewirkt wird, diese zur Akzeptanz sexueller Verhaltensweisen in jedweder Art und zur Anerkennung derselben als gleichwertig zu erziehen.“

Es ist erfreulich, dass langsam auch CDU-Politiker erkennen, wie schädlich der neue „Lehrplan zur Sexualerziehung“ ist. Hoffentlich bleibt es nicht bei dieser Stellungnahme des Landtagsabgeordneten Irmer und viele folgen seinem Beispiel und manifestieren öffentlich ihre Ablehnung.

Kommentare:

Leo Trotzki hat gesagt…

Irmer hat recht. Deshalb mögen ihn die Merkelianer ja auch nicht besonders.

Hulk hat gesagt…

Wieso heißt das "Genderwahnsinn", wenn er knapp 75% davon über Bildung spricht und dann am Ende einmal sinngemäß sagt "Wir bilden uns die Sexualisierung im Vorschulalter nicht ein, die gibt es wirklich und die ist doof"? Nebenbei bemerkt kann ich als Grundschullehrer keine Sexualisierung meiner Schüler erkennen, nicht einmal zum Ende der Grundschulzeit. In der dritten Klasse lernen die Schüler, wozu ihre Körper da sind, dass sie damit nicht leichtfertig umgehen sollen und dass sie es nicht als ekelhaft empfinden sollen, wenn sich Menschen lieben, unabhängig vom Geschlecht. Diese Grundbildung finde ich wichtig, da sie in einem Alter kommt, in der die ersten unter ihnen geschlechtsreif werden oder anfangen, ernsthafte Vorstellungen von sowohl einem Sexualleben als auch ernsthafte Abneigung gegenüber Menschen mit diversen sexuellen Ausprägungen zu entwickeln. Viele Eltern ignorieren die Sexualität ihrer Kinder, weshalb sexuelle Bildung in die Schule gehört (wenn die Eltern sich selbst darum kümmern ist das natürlich umso besser, aber leider eben nicht die Regel). Es wird nicht vermittelt, dass eine Ehe weniger wert ist als andere Lebensgemeinschaften, sondern, dass die Menschen, die anders leben, nicht weniger wert sind, und das finde ich sehr wichtig, denn auch wenn die Kinder damit sowieso in Kontakt kommen (zB durch sich küssende Männer in der Fußgängerzone), entstehen eben in diesem Lebensalter oft die Ressentiments, die Jahre später zu Abneigung, Ekel, Mobbing, oder gar Hass und Gewalt gegen eben diese Minderheiten führen. Es heißt nicht "sexuelle Früherziehung", weil wir asexuellen Wesen eine Sexualiat anerziehen, sondern weil wir sowieso sexuelle Wesen dazu erziehen, mit ihrer Sexualität und der anderer zu leben. Und das findet in der Schule statt, weil es zu viele Eltern gibt, die sich diesbezüglich nicht oder nicht genug um ihre Kinder kümmern.