Montag, 29. November 2010

Bergers „Enthüllungs“-Buch "Der heilige Schein" - ein scheinheiliger Angriff auf Wahrheit, Glaube und Sitte

Felizitas Küble ist Leiterin des KOMM-MiT-Jugend-Verlags und des Christoferuswerks in Münster

Das „Enthüllungs“-Buch des Theologen und Religionspädagogen Dr. David Berger fängt schlecht an, enthält doch bereits die entscheidende Behauptung im ersten Abschnitt seines Vorworts eine beinharte Lüge:

„Die heuchlerische, bigotte Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität brachte mich dazu, mich öffentlich zu outen und gleichzeitig als Herausgeber und Chefredakteur der konservativen Zeitschrift „Theologisches“ zurückzutreten.“
In Wirklichkeit trat der schwule Religionslehrer im April 2010 bereits vor seinem Outing zurück, nachdem der Vorsitzende der „Fördergemeinschaft Theologisches“, Dogmatik-Professor Dr. Manfred Hauke, dem homosexuellen Bekenntniseifer Bergers in „Facebook“ auf die Spur gekommen war. Um seiner wahrscheinlichen Entlassung als Chefredakteur der populärwissenschaftlichen Zeitschrift „Theologisches“ zuvorzukommen, trat Berger die Flucht nach vorne an und gab öffentlich den Rücktritt von seinem ehrenamtlichen Posten bekannt.

Doch damit nicht genug: Auf die Vorhaltungen Haukes, er sei mit einem „homosexuellen Milieu“ verknüpft, reagierte der Entlarvte in einer auf „Kath.net“ veröffentlichten Stellungnahme zunächst mit hartnäckigem Leugnen. Zugleich warf er Professor Hauke nichts weniger als „Verleumdung“ vor.

Einige Zeit später erklärte Berger sodann das glatte Gegenteil, als er sich in der linksgerichteten „Frankfurter Rundschau“ als schwul outete, wobei er seine Erklärung mit massiven Angriffen auf die kirchliche Haltung zur Homosexualität garnierte.

Über diesen tatsächlichen Verlauf der Geschehnisse, die Berger in seinen Buch zu vertuschen versucht, berichtete im April 2010 eine Stellungnahme des Münsteraner Christoferuswerks, die im internationalen jüdischen Nachrichtenportal EIP-News erschien:
http://www.eip-news.com/2010/04/katholischer-theologe-outet-sich-als-schwuler/

„Der heilige Schein“ - so lautet der Buchtitel des einst konservativ agierenden Theologen, der mit seinem „Blick zurück im Zorn“ vor allem eine geharnischte Abrechnung mit der katholischen Kirche - und insbesondere mit dem traditionsorientierten Spektrum - vorlegt.

Dabei trifft dieser ironische Titel vom „heiligen Schein“ vor allem auf Bergers eigene Autobiographie zu, hat er doch Freunde, Bekannte und Mitstreiter jahrzehntelang getäuscht und seinen homosexuellen „Partner“ als Cousin vorgestellt, wie er selber einräumt.

Gleichwohl überreicht er den „Schwarzen Peter“ nicht etwa sich selbst; vielmehr dreht er den Spieß um und attackiert die katholische Kirche aufs Schärfste, vor allem frühere „Freunde“ und konservative Weggefährten, besonders jene, die ihm in bester Absicht zu einer erstaunlich schnellen Karriere in der katholischen Kirche verholfen hatten, darunter der von Berger häufig unfair und infam angegriffene Dogmatiker Manfred Hauke.

Die nächste Unwahrheit präsentiert Berger bereits auf der zweiten Seite seines Vorworts. Dort wirft er Bischof Overbeck vor, dieser habe öffentlich behauptet, „daß homosexuell zu sein eine Sünde, weil wider die Natur sei“.

Wahr ist hingegen, daß der Oberhirte von Essen geäußert hatte, „Homosexualität ist eine Sünde“: er sprach also nicht negativ über schwule Menschen als solche, auch nicht über die homosexuelle „Neigung“, sondern bezog sich auf die Ausübung dieser Orientierung, was sich auch aus dem Zusammenhang der betreffenden Anne-Will-Talkshow ohne weiteres ergibt.

Hat der Kölner Theologe möglicherweise den genauen Wortlaut der bischöflichen Äußerungen vergessen? - Dies dürfte eher unwahrscheinlich sein. In einer Pressemeldung des von mir geleiteten Christoferuswerks hatte ich mich ausführlich mit eben diesem Aspekt befaßt und bereits im Frühjahr 2010 eine entsprechende Klarstellung über die Wortmeldung Overbecks veröffentlicht:
http://www.eip-news.com/2010/04/katholischer-theologe-outet-sich-als-schwuler/

Daß Berger diese Stellungnahme sehr wohl kennt, geht daraus hervor, daß er auf S. 264 seines Buches aus exakt diesem Artikel zitiert.

Ein derart unseriöses und unaufrichtiges Vorgehen zeugt von erheblichen Charakterdefiziten und einer miserablen Streit(un)kultur, die einem Geisteswissenschaftler besonders schlecht ansteht.

Darüber hinaus enthält das Buch des „Thomisten“ Berger eine Reihe peinlicher theologischer und religionshistorischer Plattheiten, Fehlleistungen und Irrtümer, die aus dem Munde eines angeblich so exzellenten Kenners des hl. Thomas von Aquin doppelt merkwürdig anmuten.

Dabei mag offen bleiben, ob tatsächliche Unwissenheit vorherrscht oder nicht vielmehr das Bestreben erkennbar wird, die kirchliche Lehre mitunter als Zerrbild zu präsentieren, um sodann auf diesen Popanz umso heftiger draufschlagen zu können. Seriös ist eine solche Vorgehensweise jedenfalls nicht, von wissenschaftlichem Ethos ganz zu schweigen.

Hier seien einige Beispiele erwähnt:

1. Auf S. 25 schreibt der Autor, die überlieferte Meßform („lateinische, tridentinische Liturgie“) sei „bis in die 1950 Jahre weltweit vorgeschrieben“ gewesen. Erstens war sie dies nicht weltweit (z.B. nicht für die griechisch-katholische Ostkirche und andere unierte Teilkirchen mit eigenem Ritus).

Zweitens ist die Datumsangabe „bis in die 1950er Jahre“ völlig unsinnig, denn die klassische Form der hl. Messe wurde in Wirklichkeit erst 20 Jahre später (Anfang 1970) nach der sog. „Liturgiereform“ verbindlich abgelöst durch den „Novus Ordo“, also die heute übliche Meßform (auch „gewöhnlicher Usus“ genannt).

Man fragt sich doch, wie es möglich sein kann, daß ein thomistisch geprägter Theologe, der sich mehr als ein Jahrzehnt führend in speziell traditionsorientierten Kreisen bewegte, offenbar über einfachste Sachverhalte nicht korrekt informiert ist.

2. Noch absonderlicher gestalten sich Bergers Ausflüge in die Sphären der Dogmatik und Sakramententheologie – dies sind offenbar Dimensionen, die den Akademiker Berger sichtlich überfordern. So schreibt er zum Beispiel auf S. 30 Folgendes:

„Die vieldiskutierte päpstliche Unfehlbarkeit, die jeden Katholiken zu absolutem Gehorsam verpflichtet, ist die Krönung der amtsautoritären Struktur der katholischen Kirche.“

In Wirklichkeit beinhaltet das Unfehlbarkeitsdogma gerade nicht die „Krönung“, sondern vielmehr eine „Begrenzung“ (!) päpstlicher „Amtsautorität“, denn dieses Dogma legt fest, daß sich die „Unfehlbarkeit“ des Papstes allein auf die definitive Verkündigung von Dogmen über Glaube und Sitte bezieht, nicht jedoch seine Person betrifft, auch nicht seine allgemeinen Äußerungen im Rahmen seiner Amtsausübung.

Auch hier baut Berger zunächst ein Zerrbild der kirchlichen Lehre auf, um diese dann umso stärker der Lächerlichkeit preiszugeben („absoluter Gehorsam“).

Dieselbe wissenschaftlich unehrliche Taktik wendet er beim gleichen Thema auf S. 58 erneut an, indem er von Papst Pius IX. behauptet, dieser habe „sich selbst und alle seine Nachfolger gegen größte Widerstände in der Kirche für unfehlbar erklärt“. - Auch diese Äußerung erweckt den irreführenden Eindruck, als ob sich das Unfehlbarkeitsdogma auf das persönliche Leben oder das allgemeine Wirken des Papstes beziehen würde, was bekanntlich nicht zutrifft.

3. Auf S. 285 f. baut der Autor erneut ein Zerrbild auf, diesmal von der katholischen Lehre über das Sakrament der Ehe:

„Hauptaufgabe der Laien ist es demzufolge, eine christliche Ehe zu führen, in der möglichst viele Kinder gezeugt und katholisch erzogen werden. Allein dieses hehre, von der Kirche mit dem Ehesakrament abgesegnete Ziel berechtigt sie, so etwas Furchterregendes wie die Sexualität überhaupt zu praktizieren.“

Abgesehen von der unpassenden Ironie im Sprachstil ist auch dieser Seitenhieb Bergers unzutreffend. Tatsache ist nämlich, daß die Weitergabe des Lebens nicht das einzig wesentliche Ziel der christlichen Ehe darstellt. Ein ebenso wichtiger Sinngehalt ist die gegenseitige Heiligung und menschliche Hilfestellung der Ehepartner, vor allem ihr gemeinsames Bemühen, einander auf dem Weg zum ewigen Heil zu begleiten und zu unterstützen.

Eben deshalb sah die kath. Kirche niemals die geringste Schwierigkeit darin, Brautleute kirchlich zu trauen, die biologisch unfruchtbar sind oder sich in einem hohen Alter befinden, in dem die Weitergabe des Lebens unmöglich ist. Interessanterweise ist Unfruchtbarkeit durchaus kein Ehehindernis, Impotenz allerdings sehr wohl. Offenbar sieht sich der Theologe Berger außerstande, die kirchliche Ehelehre korrekt darzustellen.

Mit der „Weitergabe des Lebens“ steht der „Enthüllungs“-Autor ohnehin auf Kriegsfuß, genauer: mit der Unantastbarkeit des menschlichen Lebens.

Durch das ganze Buch hindurch zeigt sich seine Abwertung der Lebensrechts-bewegungen (zB. als „fanatisch“ auf S.124) sowie sein Plädoyer für Abtreibung; er verwendet den verharmlosenden Begriff „Schwangerschaftsabbruch“, wobei er diese tödliche Willkür als „freie Entscheidung im christlichen Geist“ mißdeutet (S.108).

Ebenso unsinnig ist seine mehrfache Betonung eines angeblich „gesetzlich erlaubten Schwangerschaftsabbruchs“ (z.B. S. 211), den er gutheißt. In Wirklichkeit hat das Bundesverfassungsgericht unmißverständlich festgehalten, daß die Vernichtung ungeborener Kinder im Rahmen der Fristenregelung zwar „straffrei“, aber gleichwohl „rechtswidrig“ ist, so daß der Ausdruck „gesetzlich erlaubt“ als mehrdeutig bis irreführend angesehen werden muß.

Als ähnlich menschenverachtend wird man Bergers Äußerung über die hl. Maria Goretti empfinden, wobei er eine brutale Vergewaltigung mit Todesfolge als „Annäherungsversuch“ schönredet: „Die heilige Maria Goretti wehrte sich beim Annäherungsversuch eines etwas älteren Jungen so heftig, daß sie dabei ums Leben kam“ (S.112). - Mit anderen Worten: das Opfer war selber schuld!

Auch an anderen Stellen zeigt sich der „schwule Theologe“ (so sein Buch-Untertitel) von einer eher zynischen Seite, etwa auf S. 243 f.:

Berger wünscht seinem Kontrahenten, dem theologisch konservativen Dogmatiker Manfred Hauke nichts weniger als ein Berufsverbot an den Hals. Seinem Haßobjekt wirft er zunächst „Frauenfeindlichkeit“ vor mit der Begründung, Hauke gelte als "bekanntester und eifrigster Gegner des Feminismus und des Frauenpriestertums".

Besonders perfide ist überdies Bergers verleumderische Unterstellung, mit der er Hauke ohne jeden Beweis in Verbindung mit der "Homophobie" des unseriösen Radau-Portals „Kreuz.net“ bringt.

Nach diesen unfairen Attacken verfaßt Berger, der selbst als Religionslehrer an einem Gymnasium wirkt, folgende Breitseite über den Theologie-Professor Hauke, der einst sein Duzfreund war:

"Bei all dem darf man nicht vergessen: Hauke ventiliert solche Ansichten nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern hat in der katholischen Kirche Ämter inne, die es ihm erlauben, Einfluß auf junge Menschen auszuüben.

So ist er nicht nur Professor für Dogmatik an der theologischen Hochschule in Lugano, die eng mit der von Don Luigi G. - einem engen Freund Ratzingers - gegründeten und politisch einflußreichen Bewegung "Communione e liberazione" verbunden ist. Hauke betätigt sich auch als Studienpräfekt im Luganer Priesterseminar San Carlo, ist also für die wissenschaftliche und charakterliche Ausbildung zukünftiger Pfarrer verantwortlich."

Mancher wird jetzt denken: „Na und?“ - Aber Berger, der in seinem Buch so gerne von „Toleranz“ und „Meinungsfreiheit“ schwadroniert, kommt nun knüppeldick zur Sache mit einer massiven verbalen Drohgebärde:

"Neben allem anderen wird man sich fragen müssen, inwieweit diese Tätigkeiten mit seinen öffentlich geäußerten Vorstellungen vereinbar sind, schließlich ist die Diskriminierung aufgrund von Lebensformen laut Artikel 8 der Schweizerischen Bundesverfassung verboten."

Angesichts der Tatsache, daß es nicht zuletzt Professor Hauke war, der dem jungen Berger zur Karriere im konservativ-kirchlichen Spektrum verhalf, erscheint dieser unverhüllte Ruf nach einem Berufsverbot für den einstigen Mitstreiter als besonders infam. Hier kommt dem Leser wohl schnell das bekannte Sprichwort in Erinnerung: „Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr!“

Wenn es freilich nicht um Kritiker des ideologischen Feminismus geht, sondern um die vielverehrte Freimaurerei, verwandelt sich David Berger vom intoleranten Berufsverbots-Befürworter in einen pathetischen Hofsänger humanistischer Floskeln; er rühmt die Freimaurer wegen ihres „Einsatzes für Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Humanität“. Zugleich erinnert er an die „Aufarbeitung der dunklen Vergangenheit“, womit er freilich die kirchliche meint, nicht etwa die geschichtlichen „Leichen im Keller“ der Freimaurerei.

Angesichts dieses Verbrüderungsgesanges erstaunt es wenig, daß der Kölner Theologe den Artikel „Herbert Vorgrimler und die getrennten Brüder“ Ende 2009 aus dem online-Archiv des „Theologischen“ löschte bzw. dessen Löschung veranlaßte.

In der erwähnten Abhandlung, die im November 2003 im „Theologischen“ erschien, hatte ich mich kritisch mit der Freimaurerei auseinandergesetzt und die kirchliche Ablehnung dieser Ersatzreligion des Pseudo-Humanismus ausführlich begründet.

Sowohl die Veröffentlichung wie die Löschung des Artikels erfolgte zu einer Zeit, als Dr. Berger Chefredakteur des „Theologischen“ war. Auf meine schriftliche Anfrage, ob es sich um eine Löschung oder evtl. um ein technisches Versehen handelt, erhielt ich nie eine Antwort.

Was Berger munter selber praktizierte, kritisiert er heftig, wenn ihm von anderer Seite etwa ein halbes Jahr später Ähnliches geschieht. Auf S. 266 beschwert er sich wehleidig darüber, daß das katholische Nachrichtenportal „Kath.net“ seine dort veröffentlichten Beiträge löschte, nachdem er sich öffentlich als Homosexueller geoutet hatte.

Dies Vorgehen erinnert Berger sogleich an das in der Antike berühmt-berüchtigte Wort von der „damnatio memoriae“, wonach man bei einer verhaßten Person den Namen aus allen Aufzeichnungen tilgt. Zudem beanstandet Berger, daß Kathnet-Chef Noe seine „Anfragen“ wegen der gelöschten Artikel „unbeantwortet“ gelassen habe.

Man sieht: Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe! - Oder mit anderen Worten: Wer so kräftig austeilen kann, sollte auch etwas einstecken können, ohne gleich ins öffentliche Lamentieren zu verfallen.

Freilich ist genau dies ein durchgängiges Kennzeichen der Bergerschen Abrechnung mit Kirche und Konservativen: er klagt und wehklagt mit besonderer Inbrunst, was nur noch von seinem Bedürfnis nach ständiger Anklage in Richtung seiner Kontrahenten übertroffen wird.

Aus diesem Strickmuster von Klage, Wehklage und Anklage ergibt sich sein egozentrisch-selbstgefälliger Versuch, sich als gebeuteltes und diskriminiertes „Opfer“ zu präsentieren, die katholische Kirche hingegen auf die Anklagebank zu setzen und insgesamt durch diese Buchveröffentlichung an seiner eigenen Legende zu basteln.

Kommentare:

Paul Oldenburg hat gesagt…

Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum die Kirche den Hochmut (Pride) an erster Stelle der Hauptsünden aufführt.

D. hat gesagt…

Normalerweise schreibe ich sachlich, aber: selten so gelacht...
Es ist sehr interessant, wie Frau Küble verzweifelt versucht, ein Argument mit dem selben Argument zu entkräften, und sich dabei in den eigenen Haarspaltereien und Wortklaubereien verliert und damit den gesamten Text extrem unglaubwürdig macht.
Als Beispiel einmal die "beinharte Lüge" gleich am Anfang:

"„Die heuchlerische, bigotte Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität brachte mich dazu, mich öffentlich zu outen und gleichzeitig als Herausgeber und Chefredakteur der konservativen Zeitschrift „Theologisches“ zurückzutreten.“

In Wirklichkeit trat der schwule Religionslehrer [...] deshalb zurück, weil der Vorsitzende der „Fördergemeinschaft Theologisches“, [...] dem homosexuellen Bekenntniseifer Bergers in „Facebook“ auf die Spur kam. Um seiner absehbaren Entlassung als Chefredakteur [...] zuvorzukommen, trat Berger [...] zurück [...] " "

In diesen beiden Abschnitten steht jeweils genau dasselbe, nur aus zwei Blickwinkeln. Einmal wurde er zum Rücktritt getrieben, einmal wollte er der absehbaren Entlassung zuvorkommen. Einmal wurde er zum Outing gezwungen, einmal erfuhr es sein Vorsitzender, was de facto das selbe bedeutet. Ich erkenne hier keine "beinharte Lüge".

Auch interessant ist die nächste Lüge, diese inzwischen nicht mehr beinhart, sondern nur noch unwahr.

"Die nächste Unwahrheit präsentiert Berger bereits auf der zweiten Seite seines Vorworts. Dort wirft er Bischof Overbeck vor, dieser habe öffentlich behauptet, „daß homosexuell zu sein eine Sünde, weil wider die Natur sei“.

Wahr ist hingegen, daß der Oberhirte von Essen geäußert hatte, „Homosexualität ist eine Sünde“: er sprach also nicht negativ über schwule Menschen als solche, auch nicht über die homosexuelle „Neigung“, sondern bezog sich auf die Ausübung dieser Orientierung, was sich auch aus dem Zusammenhang der betreffenden Anne-Will-Talkshow ohne weiteres ergibt."

Willkommen in den Reihen der professionellen Haarspalter. Die Aussage eines Satzes ist das, was am Ende verstanden wird. Ich mache hier einmal ein, mich auf dieser Seite wahrscheinlich unbeliebt machendes, Beispiel:

Religion ist scheiße.

Nun dürfen Sie, Frau Küble, sich nicht über diese Äusserung erzürnen, habe ich doch nur die Religion als solches gemeint, und nicht die Menschen, die sie ausüben. Über diese spreche ich nicht negativ.
Nun, meine Aussage werden Sie, sowie viele andere, mich eingeschlossen, als eine Negativäusserung gegen religiöse Menschen empfinden. Oder überzeugt Sie etwa meine (Ihre) Argumentationsweise, in welcher ich (Sie) erläutere, weshalb die Äußerung neutral ist?

Da es in Ihrem Text von solchen einfach nicht durchdachten Argumentationsversuchen wimmelt und ein Kommentar zu allen diesen den Rahmen sprengen würde, belasse ich es bei diesen Beispielen. Aber eines noch:

""Dabei trifft dieser ironische Titel vom „heiligen Schein“ vor allem auf Bergers eigene Autobiographie zu, hat er doch Freunde, Bekannte und Mitstreiter jahrzehntelang getäuscht und seinen homosexuellen „Partner“ als Cousin vorgestellt, wie er selber einräumt." "

Wollen Sie einem Menschen vorwerfen, dass er bewusst andere Menschen täuscht, weil er keine andere Wahl hat, da er sonst seinen Beruf nicht ausüben und sich seinen Lebensunterhalt nicht verdienen kann? Und vor allem, weil er das machen muss, da er gleichzeitig er selbst sein und in der Kirche arbeiten will, aus Glaubensgründen?

Denken Sie darüber nach...

Gruß
D.

Protector Fidei hat gesagt…

Lieber D.,

weil er das machen muss, da er gleichzeitig er selbst sein und in der Kirche arbeiten will, aus Glaubensgründen?

Wie kann man überhaupt einer Glaubensrichtung anhängen, die einen wesentlichen Teil des eigenen Wesens als sündig, ja krank betrachtet?

Und so muss es doch eine unendliche Verbiegung für ihn gewesen sein, auch noch für die zu arbeiten. Verständlich, dass diese Demütigung in Verbitterung endet und in einem Blick zurück im Zorn.

Nein, man kann nicht ein bisschen Katholik sein. Ich denke, Her Berger hat die falsche Lösung für seinen Konflikt gewählt. Insofern sehe ich mich dieses Mal, dieses eine Mal, mit Herrn v. Gersdorff einig, der in einem anderen Artikel zum Thema schreibt: Berger war [..] zugleich Protagonist dessen, was er in seinem Buch angreift. (auch wenn er daraus die falsche Folgerung zieht).

Woher allerdings die offenbar genauso tiefe Verbitterung der Frau Küble kommt, erschließt sich mir nicht so leicht. Anstatt sich in pharisäerhafter Krittelei zu ergehen, wäre es nicht an ihr, den neutestamentarischen Auftrag anzunehmen und in christlicher Nächstenliebe auf Herrn Berger zuzugehen, um in freundlichem Dialog wieder aufzubauen, was die Amtskirche in diesem Menschen kaputtgemacht hat?

Grüße,
Protector


Zur Maria Goretti lese man das hier. Gut dass das Mädchen sich gewehrt hat. Schlimm der brutale Mord, der folgte. Erfreulich, dass die Tat durch eine harsche Strafe gesühnt wurde. Und noch besser, dass Pius XII. hier ein gesellschaftliches Zeichen gesetzt hat. Dennoch frage ich mich in küble'scher Tradition, wo hier das bereits zu einer Seligsprechung erforderliche Wunder zu finden sein soll?

Der Chorleiter hat gesagt…

Was meint ihr, wie wir im ehemaligen Teil Deutschland aufgetreten sind, uns gegeben haben?
Einst habe ich es gegenüber rot getan, heute ist dieses rot ganz gemütlich zu schwarz, violett und gelb geworden, das Diktat vom Wort zum Mammon gewandert.
Frei fühlt man sich, wenn man sich in dem Gewirre bewegen kann.
Die begrenzte Bewegungsmöglichkeit durch eingeengtes Territorium ist heute durch durch finanzielle Enge ersetzt.
Wer früher eigene Ansichten für größeren Bewegungsradius und mehr eigenen Luxus opferte, ist auch heute damit gut beraten.
Ich kann diesen Herrn Berger verstehen. Das Drumherum ist mit gut gegenwärtig. Das Vorgehen und die Worte seiner Gegenspieler sind mir sehr vertraut, denn man liebt auch heute den Verrat - aber nicht, den Verräter.
Und Schein heilig trifft heute besser zu als vor über zwanzig Jahren.