Mittwoch, 1. September 2010

Allensbach-Studie über die Familie in Deutschland erschienen

Auf große Medienresonanz stieß die jüngste Allensbach-Studie „Familienmonitor 2010“, die die Befindlichkeiten und Wünsche der Deutschen hinsichtlich der Familie wiedergeben soll.

Demnach ist der Wunsch nach Kindern deutlich gestiegen. Laut der Studie wollen 52 Prozent der Kinderlosen unter 50 Jahren "bestimmt" Kinder. 2008 waren es noch 43 Prozent. Auch Eltern unter fünfzig Jahren wollen zu einem höheren Anteil als vor zwei Jahren (12 gegenüber 9 Prozent) "bestimmt weitere Kinder". Dementsprechend gibt es einen Rückgang bei den Unentschlossenen, während jeder Fünfte weiterhin sagt, er "möchte keine Kinder".

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" von 1. September 2010 bemerkte, daß offenbar finanzielle Förderung nicht entscheidend sei, sondern die sog. „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Konkret bedeutet das mehr Betreuungsmöglichkeiten der Kinder außer Haus und mehr Flexibilität in der Gestaltung der Arbeitszeit.

Laut „Frankfurter Rundschau“ sind nur 16 % der Mütter von Kindern 18 Jahren in der Lage, Beruf und Erziehung zufriedenstellend zu regeln. 72 % gelingt das nicht und 68 % sind mit den Angeboten unzufrieden und wollen mehr Ganztagsbetreuung. In dieselbe Richtung argumentiert Bundesfamilienministerin, die erklärt hat: "Wie zufrieden die Familien sind, hängt ganz besonders davon ab, ob sie genügend Zeit mit ihren Kindern und Angehörigen verbringen können. Mehr Zeit ist die Leitwährung einer modernen Gesellschaftspolitik. Mein Ziel ist deshalb, bessere Voraussetzungen für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen. Dafür brauchen wir flexiblere Arbeitszeiten und eine Unternehmenskultur, die nach der Qualität geleisteter Arbeit und nicht nach der Präsenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fragt."

Kritisch kommentierte die linksalternative "TAZ" die Worte der Ministerin: „Kristina Schröder deutete die Ergebnisse der Studie in ihrem Sinne. "Nicht Geld, nicht Infrastruktur, sondern Zeit ist die Leitwährung moderner Familienpolitik", sagte sie. Im Zuge des Sparpakets der Bundesregierung hatte die Familienministerin das Elterngeld für Hartz-IV-EmpfängerInnen ebenso gestrichen wie die im Koalitionsvertrag vereinbarte Verlängerung der Vätermonate.“

Die linksgerichtete „Frankfurter Rundschau“ folgert daraus, daß die Politik gefordert sei, um mehr Flexibilität in den Betrieben zu erzwingen: „Die Entwicklung der Teilzeitarbeit in Deutschland stagniert aber seit Jahren. Freundliche Appelle à la Kristina Schröder, doch bitte für ein familienfreundlicheres Klima in der Wirtschaft zu sorgen, verpuffen. Hier ist Politik gefragt. Eine Möglichkeit, die Arbeitgeber stärker in die Verantwortung zu nehmen, wäre eine Ausweitung des seit 2001 geltenden Rechtsanspruchs auf Teilzeitarbeit. Bislang kann der Arbeitgeber den Wunsch nach Teilzeit aus allgemeinen betrieblichen Gründen ablehnen. Anders in der gesetzlichen Elternzeit: Hier müssen dem Wunsch der Mütter und Väter nach weniger Stunden im Job sehr dringende Gründe entgegenstehen. Warum nicht diese Regelung auf alle Eltern ausweiten, auch nach Ablauf der dreijährigen Elternzeit? Das wäre zumindest ein Schritt.

„Die Welt“ erkennt in einem Artikel mit dem Titel "Die Deutschen haben wieder Lust auf Familie" auch einen Mentalitätswandel, denn viele Eltern wünschen sich heute Kinder, ohne daß sich zuvor „Bedingungen“ erfüllen: Offensichtlich fällt es jungen Paaren inzwischen auch leichter, sich für ein Kind zu entscheiden als noch vor drei Jahren. 2007 nannten die Befragten deutlich häufiger Bedingungen, die vor einer Familiengründung unbedingt erfüllt sein müssten – etwa eine gute finanzielle Situation oder eine abgeschlossene Berufsausbildung. Familienministerin Schröder sieht in dem Ergebnis einen „bedeutenden Mentalitätswandel““. Die Welt weist aber auch darauf hin, daß Vereinbarkeit von Kind und Beruf wichtiger als Steuersenkungen ist.

In einem weiteren Artikel schreibt die "Welt" zum Mentalitätswechsel der Deutschen hinsichtlich Kinder: "Das setze sich von einer bisher verbreiteten Überzeugung ab, dass die Familienphase eines Paares in einem engen „biologischen Zeitfenster“ erst nach der abgeschlossenen Berufsausbildung beginnen solle."

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, daß für eine sehr große Mehrheit der knapp zweitausend befragten Eltern und kinderlosen Erwachsenen die Familie für sie der mit Abstand wichtigste Lebensbereich sei. „Bei Vätern und Müttern liegt die Zahl bei gut neunzig Prozent, in der Gesellschaft insgesamt rangiert der Wert bei knapp unter achtzig Prozent. Gute Noten erhält das Elterngeld. Seitdem der Beschluss fiel, es einzuführen, stieg die Zustimmungsrate von siebzig auf achtzig Prozent. Parallel dazu antworten zwei Drittel der Mütter und sogar drei Viertel der Väter, dass eine Familienpause für sie eine Bereicherung gewesen sei. Damit verbunden wünschen sich vor allem Väter eine Verkürzung ihrer Arbeitszeiten.“

Die Bundesregierung gab in ihrer Presseerklärung vom 31. August 2010 an, voll auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie setzen zu wollen: „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss eine Kernaufgabe der Familienpolitik bleiben. Das ergab der Monitor Familienleben 2010 des Instituts für Demoskopie Allensbach. Danach fordern 69 Prozent der Bevölkerung und 78 Prozent der Eltern das Thema vorrangig zu behandeln.“ Um diese zu erreichen, soll unter anderem eine Initiative "Flexible Arbeitszeiten" begonnen werden.

Die Studie kann HIER gelesen werden (PDF, 167 MB)

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