Dienstag, 19. Mai 2015

Unterschätzt: Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Depression steigt deutlich an

Christiane Jurczik

Leichte depressive Verstimmungen bis hin zu schweren depressiven Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, unter denen anscheinen immer mehr Kinder und Jugendliche leiden. Die Erkrankung kann bereits im Kindesalter beginnen, kann chronisch verlaufen und die psychosoziale Entwicklung erheblich beeinträchtigen, berichtet Die Welt am 02.03.15.

Die Zahl entsprechender Diagnosen sei in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen, sagt Gerd Schulte-Körne von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uni München. "Es gibt eine dramatische Zunahme im ambulanten und stationären Bereich." Bei zwei bis vier Prozent der Kinder im Grundschulalter stellen Fachärzte eine depressive Episode von mehreren Wochen oder Monaten fest, bei Jugendlichen sind es 14 Prozent, fast so viel wie bei Erwachsenen mit 20 Prozent.

"Wir haben so viele Kinder, die depressiv erkrankt sind. Aber wir haben immer noch ganz wenig Wissen, wie wir ihnen helfen können", sagt Schulte-Körne. Sport, Lichttherapie, Gespräch und nur im Notfall Medikamente – erstmals gebe es zumindest Behandlungsleitlinien. Doch selbst Fachärzte wendeten noch immer ungeeignete Gesprächsmethoden und Medikamente an. Depression bei Kindern wird unterschätzt. Auch eine Trennung der Eltern erhöht das Risiko.

Eine Depression hat nicht eine einzige Ursache

Grund für die hohen Zahlen bei Jugendlichen sind unter anderem neben der Pubertät, schulische Überforderung – und Mobbing in Schule oder sozialen Netzwerken. Fast 30 Prozent der Schüler sind damit konfrontiert, fast die Hälfte spricht nicht darüber und schämt sich für das "eigene Versagen". Stress durch Belästigung und Beschimpfung ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor für Depression. Hinzu kommt die exzessive Nutzung des Internets und damit ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus. "Durch veränderte Lebenswelten haben die Kinder auch weniger Möglichkeiten zu kompensieren – sie gehen viel weniger raus." Dabei sind gerade frische Luft, Licht und Bewegung die beste Therapie.

Ein Hauptrisiko für psychische Störungen bleibt ein frühes Trauma. "Am meisten betroffen sind Kinder, die frühe traumatische Erfahrungen hinter sich haben: Sexueller Missbrauch, körperliche Misshandlung", sagt Schulte-Körne. Trotz Aufklärung: "Wir wissen, dass das immer noch relativ häufig passiert – und oft weggeguckt wird."

"Wenn man dann ein Trauma in der Kindheit erlebt, hat man ein deutlich höheres Risiko, an Depression oder posttraumatischer Belastungsstörung zu erkranken."

"Wir versuchen, dass wir Kinder bei Trennungen und in schwierigen Familiensituationen früh begleiten", sagt Schulte-Körne. Und: "Wir müssen frühzeitig in Familien gehen, in denen die Eltern schon depressiv erkrankt sind." So haben zum Beispiel Kinder, deren Eltern an Depressionen leiden, ein dreimal höheres Risiko, depressiv zu erkranken.

Depression ist kein Zeichen persönlichen Versagens, mit schwierigen Lebensumständen umzugehen, sondern eine Erkrankung. Ein depressives Kind ist nicht faul, aggressiv oder unerträglich, weil es so sein will. Ein depressives Kind ist krank und braucht Hilfe. Ein depressives Kind ist auch kein Grund, an den elterlichen Fähigkeiten zu zweifeln, aber es ist ein Grund, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Kommentare:

Germaniens letztes Topmodell hat gesagt…

Der Preis unserer Zeit. Wenn Alle immer unnatürlich gut drauf sein sollen, stimmt unter der Oberfläche etwas nicht.

Anonym hat gesagt…

Der Staat soll endlich aufhören über die Familien zu herrschen.
Wir alle sind verblendet.
Von frühester Kindheit an werden wir auf Funktionieren getrimmt.
Kinderkrippe, Kindergarten und nicht zu vergessen die Drillschule.
Alles läuft nur auf schön brav für den Staat zu arbeiten und zu konsumieren hinaus.
Uns wird über die Medien suggeriert, was wir alles angeblich brauchen.
Um all dies finanzieren zu können, müssen natürlich beide Eltern arbeiten und die Kinder so früh wie möglich weg, denn die stehen hierbei nur im Weg.
Kann denn die Materie wirklich unsere Zukunft sein?
Ist es nicht endlich an der Zeit aufzuwachen und die wahren Werte zu erkennen?
Hören wir endlich auf uns als Werkzeuge für die Machthaber dieser Welt einsetzen zu lassen!!!
Wir laufen Tag für Tag dem Geld hinterher, aber reich werden wir nicht, sondern immer unglücklicher und kranker.
Es bleibt kaum noch Zeit füreinander und jegliches Mitgefühl geht verloren.
Die Machthaber und Geldgierigen dieser Welt für die wir alle arbeiten lachen uns aus und erklären uns für dumm.
Ist es nicht an der Zeit endlich aufzuwachen und aufzustehen?

Anne Nichtpoc hat gesagt…

Der Zinseszins ist das Grundübel.Die regieren uns,denen wir das Geld geben.In gekauften Denkfabriken wird unser gutes Bildungssystem ausgehebelt und als Mutter mußt du schon sehr gewitzt sein ,um diesen Angriff auch auf neugierige, gesunde Kinder zu überstehen.Die Gesellschaft fördert den Ellenbogen.Heute würde ich meinen Kindern mehr gesunden Ellenbogen beibringen und mit List kommt man durch ,nicht mit Ehrlichkeit.Ich finde nur,wir sollten mehr den Selbstheilungskräften vertrauen und uns nicht in Panik mit solchen Meldungen setzen lassen. Depressionen heilen durch Veränderungen,die manchmal marginal sein können,wie das Anschaffen einer Katze oder ein neuer Freund.Dass viele Eltern ihre Rolle unterschätzen ist ein Fiasko,das gebe ich zu.

NikoBelik1 hat gesagt…

Religion und Kirche machen genau das selbe und das schon seit mehr als 2000 Jahren ! Welche Werte sollen das sein ? Christliche Werte oder Werte wie sie Religiöse Fanatiker gerne hätten ?

Anonym hat gesagt…

Niko Belik,

wenn man ihre ganzen Kommentare durchliest, könnte man meinen, dass ihr Wortschatz nur aus zwei Worten besteht " religiöse Fanatiker".
Kommen Sie sich nicht langsam selber albern vor.
Sagen Sie doch Ihre Meinung zum Thema sachlich, ohne ständig andere Meinungen zu bewerten.
Ihr Verhalten ist fanatisch!!!

NikoBelik1 hat gesagt…

Ich versuche immer sachlich zu bleiben, leider kriegt man hier keine echten Antworten,von den Betreibern kommt nie was, die stellen hier Beiträge ein die unterstreichen sollen wie "Böse" die Welt doch ist und das alles wieder gut wird wenn man sich der Religion/Kirche/Glauben zuwendet !