Dienstag, 1. Dezember 2009

Sachkunde statt Ideologie – Christa Meves mahnt Kristina Köhler


Michael Ragg (Domspatz Agentur)

Die neue Bundesfamilienministerin Kristina Köhler soll sich nicht von Ideologen vereinnahmen lassen, sondern sich mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen über Kindesentwicklung vertraut machen. Dazu rät die bekannte Jugend-Psychotherapeutin und Bestseller-Autorin Christa Meves in einem Interview mit Michael Ragg. So gehöre es zu den Erkenntnissen der neueren Hirn- und Hormonforschung, dass ein Mensch nur dann in vollem Umfang bindungs- und bildungsfähig werde, wenn er in seiner ersten Lebenszeit in engem persönlichen Kontakt zu seinen nahen Angehörigen, vor allem zur Mutter, stehe.

Der von Kristina Köhler zur Priorität erklärten Ausbau der Fremdbetreuung von Kindern gehört nach Ansicht von Christa Meves nicht zu den zentralen Sorgen der Familien. Vielmehr hätten die meisten Eltern großes Interesse daran, ihre Kinder vorrangig selbst zu erziehen. Dazu bräuchten sie die Unterstützung des Staates. Diese solle in der Regel durch finanzielle Hilfe erfolgen und nicht lediglich durch Ausgabe von Gutscheinen. Das grundsätzliche Misstrauen, Familien würden ein Betreuungsgeld für sich statt für die Kinder verwenden, sei nicht berechtigt, betonte Christa Meves, deren Erziehungsratgeber zwei Generationen christlicher Eltern zum Leitfaden geworden sind. Für die geringe Zahl erziehungsunfähiger Eltern habe der Sozialstaat immer Lösungen gefunden.

Für ganz unrealistisch hält die mit dem Deutschen Schulbuchpreis ausgezeichnete Psychagogin Köhlers Vorsatz, sie wolle die erste Frau sein, „die Ehe, Kinder und Karriere unter einen Hut bringt, ohne dass irgendein Teil darunter leidet". Das sei "ein vierzigjähriger Wunschtraum der Feministinnen". Das Ergebnis der vielen Langzeitbemühungen sei aber "erschreckend negativ". "Ein Boom seelischer Erkrankungen schon bei Kindern im Vorschulalter" sei die Folge. Auch für die moderne Frau müsse der Vorsatz lauten: "alles zu seiner Zeit".

Christa Meves rät Kristina Köhler davon ab, sich an ihrer Amtsvorgängerin Ursula von der Leyen zu orientieren. Beim derzeitigen Hauptproblem der Familienpolitik, dem Geburtenschwund, sei deren Politik wirkungslos geblieben.

Kommentare:

Christoph Rebner hat gesagt…

:-) danke für ihr und Ihr Engagement!

Dirk hat gesagt…

Wer ist eigentlich Christa Meves?

Stammt von ihr nicht der Satz: „Die Frau hat von ihrer biologischen Aufgabe her ein natürliches Bedürfnis nach Unterwerfung, der Mann nach Eroberung und Beherrschung.“
(aus: „Ehe-Alphabet“,1973)

Und schreibt sie nicht in den DVU- und Republikaner-Medien von Frey und Schönhuber? Schönes Weltbild, dass den Kindern da vermittelt werden soll.

Aber immerhin:

> Christa Meves rät Kristina Köhler davon ab, sich an ihrer Amtsvorgängerin Ursula von der Leyen zu orientieren.

Also keine weiteren verfassungswidrigen Gesetzesvorlagen zu befürchten? Ich atme auf.

Einen wunderschönen Tag wünsche ich!

Philipp hat gesagt…

Endlich mal jemand, der Eltern nicht alle Kompetenz abspricht!
Vielen Dank!

Dirk hat gesagt…

"Eltern" ganz pauschal hat eigentlich noch niemand die Kompetenz (zu was eigentlich) abgesprochen. Erfahrene Fachleute hatten, wenn Sie, Philipp, darauf anspielen, davon berichtet, dass in bestimmten sozialen Schichten zusätzliche Transferleistungen für Kindererziehung in 70% der Fälle dazu führen, dass Kinder genau mit dieser Transferleistung im Blick erst gezeugt werden? Erstaunlicherweise hat dazu noch niemand Stellung genommen. Polemisiert wie Sie aber, das haben schon viele. Ist ja auch einfacher, nicht wahr.

Norbert Westhof hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Norbert Westhof hat gesagt…

An den Leser

Ich kann Frau Meves nur recht geben und möchte an dieser Stelle betonen, wie froh ich bin, daß sie sich seit Jahrzehnten so entschieden für die Rechte der Kinder auf eine gesunde Erziehung in der eigenen Familie und durch dieselbe einsetzt. Sie tut dies vor dem Hintergrund ihres Fachwissens durch ihre eigene Ausbildung, als Leserin vieler neuer Publikationen zu neurobiologischen und psychologischen Themen sowie als erfahrene Mutter und inzwischen Großmutter (sowie Ur-Großmutter?). Immer behält sie einen anständigen Ton und bleibt sachlich – anders als einige ihrer Gegner, die ausfallend werden, ironisch, zynisch oder einfach nur Dummheiten verbreiten wollen.

An Frau Meves

Ja, Frau Meves, der Kampf geht weiter! Die nächste Generation steht bereit und die übernächste. Es sind einige meiner und einige der jüngeren, jetzt ins Erwachsenenalter tretenden Generation, welche sich des Werts Ihrer Worte bewußt sind und danach handeln. Sie sind es auch, welche, an den Orten ihres Wirkens im Privatleben wie im Beruf darauf hinwirken, daß andere ebenfalls einsichtig handeln, statt sich von ideologischen Steuerungsimpulsen leiten zu lassen.

Trotz allem ist die Wirkung begrenzt. Sie wissen, wovon ich spreche. Sie selbst haben mit den höchsten Politikern zusammengesessen und ihnen deutlich machen können, wie wichtig eine Kehrtwende sei. Die explizite oder implizite Antwort war doch häufig bloß jener Sachzwang und andere furchtbare Argumente gegen die Vernunft.

Es bedarf, um richtig handeln zu können, nicht allein der Einsicht, sondern auch des Glaubens, der Ehrfurcht nämlich vor Gott, die alle inneren Hürden zu überwinden in die Lage versetzt, und der Hoffnung sowie des Vertrauens auf Gottes gütige Allmacht. Darauf weisen Sie, liebe Frau Meves, immer wieder hin. Den Glauben an Gott aber kann man nicht machen. Er wird geschenkt.

Unser Kampf sei daher immer auch vom Gebet begleitet für diejenigen, welchen wir die Einsicht wünschen, daß Gott ihnen nämlich mit dieser Einsicht auch den Glauben schenke und daß er diesen wie uns helfe, wirkungsvoll zu handeln. Dann kann das Werk gelingen!

Ihr Norbert Westhof

Gino hat gesagt…

Der gemeine Mann betrachtet die Religion als richtig, der Weise als falsch und der Politiker als nützlich.
(Seneca, römischer Philosoph, 4-65 n.Chr.)
Gino

Anonym hat gesagt…

@ Norbert Westhof:

Wie kommst du darauf du oder andere Christen würden nicht Ideologisch handeln.
Der Unterschied ist nur, dass Christen ihre Ideologie als Religion bezeichnen und glauben, sie sei richtig, weil sie von einem magischen und allmächtigen Wesen kommt, dass man weder sehen, schmecken, fühlen, riechen oder hören kann.
Dass man die These nicht widerlegen könne, es gäbe einen Gott, ist kein Beweis, dass sie stimmt.
Oder kann mir jemand beweisen, dass Jesus NICHT der Sohn der "Fliegenden Spaghettimonsters" ist?
Wenn doch, hier gibts 1.000.000 Dollar dafür: http://www.boingboing.net/2005/08/19/boing_boings_250000_.html