Donnerstag, 3. Oktober 2013

Union darf nicht weiter das "C" demolieren/Christdemokraten verdanken ihren Wahlerfolg vor allem den Kirchenmitgliedern

Mathias von Gersdorff

In „Machtwechsel“ beschreibt Arnulf Baring den „seismographischen Charakter von Bundespräsidentenwahlen“. Für die Jahre 1949 bis 1979 hätten diese eine große atmosphärische Bedeutung gehabt. Diese Wahlen seien ein Barometer für die Stimmungslage der Nation. Bei der Kandidatensuche würden bewußt oder unbewußt die Grundströmungen in der Bevölkerung eine große Rolle spielen.

Vieles spricht dafür, daß etwa dreißig Jahre nach Erscheinen von „Machtwechsel“ diese Einschätzung immer noch zutrifft, doch eher um zu erklären, wieso die letzten beiden Bundespräsidenten beim Volk „nicht angekommen“ sind. Nach dem Rücktritt Horst Köhlers wurde Christian Wulff rein aus machtpolitischen Überlegungen heraus am 3. Juni 2010 gewählt. Ob er das Amt des Bundespräsidenten ausfüllen konnte oder nicht, spielte bei der Kandidatenwahl kaum eine Rolle. Viele hielten damals den Gegenkandidaten, Joachim Gauck, für den besseren. Mit Wulff zog zudem eine „Patchwork-Familie“ auf Schloß Bellevue ein. Unter diesen Umständen konnte Wulff gar nicht als Bundespräsident wirklich ernst genommen werden.

Nach Wulffs Rücktritt folgte am 18. März 2013 nun Joachim Gauck. Doch auch er blieb bis heute eine blasse Figur. Eine Symbiose zwischen Amt und Person ist nicht erfolgt, parteiübergreifende Identifikationsfigur ist er bis heute nicht geworden. Auch er brachte unregelmäßige Familienverhältnisse nach Schloß Bellevue. Der verheiratete Man lebt mit einer Lebensgefährtin zusammen.

„Wilde Ehe“ und „anderer Bahnsteig“ erzeugen keine Geborgenheit

Zum Zeitpunkt der Wahl meinten wohl viele Politiker, die Eheverhältnisse seien in unseren Tagen unwichtig. Das stimmt aber nicht. Der Familienreport 2012 des Bundesfamilienministeriums berichtet, daß sich drei Viertel aller jungen Deutschen eine Familie wünschen. Für 80 Prozent gehört Familie zum persönlichen Glück dazu.
Die Sehnsucht nach Familie geht mit der Sehnsucht nach Stabilität, klaren Verhältnissen und Verläßlichkeit einher. Die Deutschen sind ein Volk mit einem besonders stark ausgeprägten – fast pathologischen – Sicherheitsbedürfnis. Dieses Bedürfnis ist aufgrund von Eurokrise, Globalisierung und schwieriger zu planender Zukunft in den letzten Jahren immer größer geworden. Ein in „wilder Ehe“ lebender Bundespräsident konnte den Deutschen da kaum eine kuschelige Geborgenheit vermitteln.

Angela Merkel, deren politischer Instinkt oft unterschätzt wird, hat das offenbar erkannt und Forderungen innerhalb der Union nach Gleichstellung von Homo-Paaren und nach Adoptionsrecht durch Kristina Schröder, Matthias Zimmer und andere schnell und unmißverständlich mehrmals eine Absage erteilt. Zuletzt tat sie das zu Beginn des Frühjahrs 2013, also in einer Zeit, in der sich die Parteien thematisch für den Wahlkampf positionierten. Die Union sollte beim Thema Ehe und Familie nicht zerstritten im Wahlkampf auftreten.

Tendenziell konservative Atmosphäre

Bemerkenswert ist, daß auch SPD und Grüne diese Themen kaum während des Wahlkampfes aufgriffen, obwohl diese Parteien sogar eine Öffnung des Ehegesetzes für homosexuelle Paare befürworten. Die diversen Vereine von Homosexuellen haben sich auch zurückgehalten.
Sicherlich hatte das mit den gigantischen Demonstrationen in Frankreich gegen die Homo-Ehe zu tun. Obwohl die Politiker ein solches Ausmaß hierzulande nicht zu befürchten hatten, wollten sie offenbar nicht den Wahlkampf mit derart polemischen und polarisierenden Themen belasten. Auch zeigte die enorme Polemik gegen das „Orientierungspapier“ der EKD zur Familie, daß sich gegenwärtig das Interesse für gesellschaftsrevolutionäre Themen in Grenzen hält.

In dieser tendenziell konservativen Atmosphäre konnten die Grünen nur verlieren. In einer Zeit, in der die Menschen Sicherheit und Geborgenheit suchen, kamen die Grünen wie ein schriller Haufen daher, der mit irrsinnigen politischen Forderungen eine neue Republik ausrufen wollte. Die Pädophilie-Debatte zeigte dann nicht nur den moralischen Sumpf dieser Partei, sondern wie weit ideologische Verblendung führen kann. Die Grünen wurden als starrsinnige Fanatiker empfunden, die keine Skrupel bei der Durchsetzung ihrer verkorksten Ideen kennen.

Trotz Laisierung: Politik auf christliche Prinzipien stützen

Der absolute Kontrast dazu war Angela Merkel. Manche werfen ihr vor, sie sei die vollendete Pragmatikerin. Doch möglicherweise mögen sie gerade deshalb so viele Deutsche, wie die Meinungsumfragen zeigen. Merkel verkörpert für diese Menschen die „preußischen Sekundärtugenden“. Viele wollen, daß sich Politiker schlicht als „Diener des Staates“ beweisen. Jedenfalls schafften es Angela Merkel und die Union, sich als Garanten für Sicherheit und Stabilität zu präsentieren.

Welche politische Linie wird die Union unter diesen Bedingungen in den nächsten Jahren wählen? Die Christdemokraten verdanken ihren Wahlerfolg vor allem den Kirchenmitgliedern. 52 Prozent der Katholiken und 42 Prozent der Evangelischen haben Union gewählt. Falls die Union nicht gegen ihre eigene Basis regieren will, darf sie das nicht aus dem Auge verlieren.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26. September 2012 widmete der Rolle des Christentums in Politik und Gesellschaft eine umfangreiche Analyse auf der Basis von Umfrageergebnissen des Instituts für Demoskopie Allensbach. Die Ergebnisse zeigen, daß das Christentum für die Mehrheit der Deutschen großen Einfluß haben sollte – auch für Menschen, die sich nicht als Christen empfinden! Die Tatsache, daß sich kontinuierlich dauerhaft viele Menschen von der Kirche abwenden, hat somit nicht im selben Maße zu einer Laisierung der politischen und kulturellen Ansichten geführt. „So wird auch der Gedanke, Politik auf christliche Prinzipien zu stützen, heute stärker akzeptiert, als man angesichts des Bedeutungsverlusts des Glaubens annehmen könnte“, urteilte die FAZ.

Insofern befindet sich die Union aufgrund der Koalitionsmöglichkeiten in einer sensiblen Situation. Falls sie sich dem Druck beugt, das „C“ weiter zu demolieren, könnte sie schnell ähnliches erleben wie zuletzt die FDP oder die Grünen.

Erstveröffentlichung: Junge Freiheit Online am 1. Oktober 2013

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ah natürlich jemand in einer Patchwork Familie kann man natürlich nicht ernst nehmen...einen bastardzeugenden Ehebrecher als Landesvater aus einer christlichen Partei ist natürlich ernstzunehmen und natürlich ist jeder in der Kirche gegen homoehe und Adoption ist zwar falsch aber was solls...

Old Geezer hat gesagt…

Tolle Theorie...
...dummerweise springt mit Horst Seehofer ein prominentes Gegenbeispiel rum.
Zudem war Gauck beim Volk sehr belibt - trotz seines seit Jahren getrennten Ehelebens und seiner Folgebeziehung.

"Die Christdemokraten verdanken ihren Wahlerfolg vor allem den Kirchenmitgliedern. 52 Prozent der Katholiken und 42 Prozent der Evangelischen haben Union gewählt. Falls die Union nicht gegen ihre eigene Basis regieren will, darf sie das nicht aus dem Auge verlieren. "

Und wieder wird hier wieder ein vollständig umbestätigte Behauptung in den Raum gestellt!
Der Autor träumt vielleicht von diesem Zusammenhang, er bleibt es aber schuldig zu belegen, daß der Glaube tatsächlich einen relevanten Einfluß auf die Wahlentscheidung hatte.
Zumal man ja etliche alternative Parteien zur Wahl gehabt hätte, wenn es einem WIRLICH um den Glauben gegangen wäre;
oder vielmehr eh gar nicht wählen sollte, gemäß dem Jesus Wort mit dme Kaiser und Gott.

Anonym hat gesagt…

@ Old Geezer

Was für ein Gebabbel!
"Unbewiesene Behauptungen"?
Nein, ist alles belegt. Nur: Sie informieren sich erst gar nicht und behaupten dann, das Vorgebrachte sei unwahr.
Diese Masche von Ihnen sind die meisten Leser in diesem Forum leid!
Bemühen Sie sich doch endlich mal um die eigene Kenntnisnahme von Tatsachen anstatt ständig zu leugnen, was längst Allgemeinwissen sein kann!
Also: raus aus der verkrusteten Haut, um beweglicher sein zu können ... oder raus aus dem Forum ...

Lupusmagnus hat gesagt…

Wo bitte ist ihr Beweis das Menschen die CDU wählen dies auf Grund ihres Glaubens tun Anonym?

Der Fakt ist, dass mehr Kirchenmitglieder die CDU wählen das ist richtig. Daraus kann man aber nicht auf die Motivation der Wähler zurückschließen. das wäre eine ganz andere Frage.

Der einzige der hier derzeit babbelt sind sie!

Sagen sie mir doch mal ihr "Allgemeinwissen"

Denn auch wenn der Glaube für jemanden die Motivation war, heißt das noch längst nicht das er dieselben Dinge wie z.B. Herr von Gerstorff will.

Zumindest hoffe ich das, denn ich habe keine Lust auf einen alles zensierenden überwachenden religiösen Polizeistaat.

Grandloser hat gesagt…

Erst mal Anonym beherzigen mal das :

Bemühen Sie sich doch endlich mal um die eigene Kenntnisnahme von Tatsachen anstatt ständig zu leugnen, was längst Allgemeinwissen sein kann!

und zweitens, Herr Gersdorf interpretieren müssen Sie nochmal üben. Nur weil 80 % der deutschen Familie schätzen, hat das nichts mit Ehe zu tun. Die Ehe ist nur eine Form von Familie, daher schließen Sie wieder einmal falsch.
Partner ohne Schein sind eine Familie, Verwandte Personen bilden eine Familie etc. Übrigens wäre ich vorsichtig die Religöse Ehe als Familie zu definieren, da der Staat ja nur die Zivilehe als rechtlich bindend anerkennt, und Sie Herr Gersdorf somit vielen Christen damit das das Recht eine Familie zu sein absprechen.

Genauso bei der Bundestagswahl, der Grund warum die Homoehe dort nicht vorkam ist ganz einfach das BVerG hat da alles geregelt, da die Regierung dort absichtlich alles verschleppt hat.

Ergo Herr Gersdorff nicht von sich auf andere schließen.
Und das was Sie christliche Prinzipien nennen sind die 08/15 Forderungen des Humanismuses verpackt in Angst und Aberglaube vor neuem.

Erasmus hat gesagt…

Vielleicht ist es dem einen oder anderen aufgefallen, dass der Wunsch eines Menschen nicht immer das konkrete Ziel ist.
Nicht ganz schönes Beispiel: Fast alle wünschen sich Reichtum, doch die wenigsten erreichen ihn, können beim Eintreffen von ihm mit ihm so umgehen, dass die anderen Wünsche sich noch weiterhin ohne Abstriche erfüllen können und erfüllen könnten?
Wir haben gefühlt oder bewusst das Umschwenken im Ergebnis von Zielen bemerken können. Der sich nicht scheut das Neue umzusetzen und ehrlich auch so bezeichnet, ist der, der das Leben so akzeptieren kann, wie es ist.
Er wird für sich nicht unbedingt auf die Unterschiede sehen, die dann auch oft genug mehr anderer Leute Weisheit sind. Er wird, wie ein Schiffsführer, seine Position Orten, seinen Lebensraum beäugen. Und den für den Augenblick von ihm gewonnenen Erkenntnisstand für sich und andere durchsetzen.
Andere Auf dem Schiff kommen besser, die sich unterordnen, oder anpassen, oder sich danach frei richten.
Sonst kann es passieren, dass nicht genug Mannschaft da ist, um im Sturm das Schiff auf Kurs zu halten und Schäden von ihm abzuwenden.
Wer auf der Top die Arme hochreißt und meint, er wäre der Größte, findet sich leicht im Wasser wieder. Oder schlimmer.
Verprellt nicht die, die für euch sind, auch wenn ihr das nicht merkt. Füllt euer "Spielfeld" im Leben auf der ganzen euch zur Verfügung stehenden Fläche aus. Und überprüft, ob ihr auf dem richtigen Feld seid. Ein Klavier auf grünem Rasen macht sich gut, ist aber auf die Dauer eher störend.
Ich überlasse heute den Ratgeber zum Sonntag den nach dieser Stunde lechzenden Leuten, gehe auch nicht zum Frühschoppen.
Doch nach dieser Pause auf dieser Site werde ich manches noch einmal überprüfen.
Ja, Widerspruch soll sich nicht in Widerwillen äußern. Die Erkenntnis steht an erster Stelle, wenn ich diese Themen und Meinungen überschaue.
Versucht es einmal.
Schmiedet das Eisen wie euch selbst. Und liebet euren Nächsten, solange er noch warm ist.

Old Geezer hat gesagt…

@Anonym:

"Nein, ist alles belegt. Nur: Sie informieren sich erst gar nicht und behaupten dann, das Vorgebrachte sei unwahr"

Belegt ist lediglich, dass mehr Mitglieder der Staatskirchen CDU wählen, aber nicht, warum sie dieses tun.
Ich stelle die Frage in den Raum, wieviele Wähler die CDU aus Kirchenkreisen verlieren würde, würde sie z.B. die Abschaffung des Religionsunterichts und die völlige Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe ins Wahlprogramm aufnehmen - ich vermute nicht viele.
Ebenso frage ich mich, wieviele Stimmen z.B. die SPD aus Kirchenkreisen gewinnen würde, wenn sie die Gleichstellung aller Religionen und Partnerschaften ins Parteiprogramm aufnehmen würden - ich glaube auch nicht viele.
Und ein drittes Szenario: eine theoratisierung des CDU-Kurses, z.B. durch Planung des verpflichtenden Religionsunterichts bis zum Abitur, der Unterbindung jeglicher Stammzellenforschung und der Übernahme des polnischen oder irischen Abtreibungsrechts - ich würde darauf wetten, daß sie dieses Stimmen kosten würde, sogar unter Kirchenmitgliedern.

Mein Hypothese - die ich natürlich nicht beweisen kann, da ich keine repräsentativen Umfragen machen kann und mir keine solche bekannt sind - ist, daß die CDU um ihren Nimbus der Wirtschaftskompetenz und Stabilität gewählt wird, und das dieses beim "Establishment" und der "Gentry" oder auf Deutsch dem offiziell als 'Mittelstand' titulierten "Spießbürgertum" der wichtigste Posten ist, und genau diese Gruppe sich überproportional (zumindest pro forma) auch in den Mainstream-Kirchengemeinden wiederfindet,

Wie gesagt: ich stelle das als Hypothese in den Raum, nicht als Tatsache; aber es entspricht meinem Eindruck von Gesprächen zur Wahl mit solchen Leuten und es ist nicht schlechter belegt als die These des Ursprungsautors.