Montag, 8. Juli 2013

Was Ungeborene während der Schwangerschaft alles können

Faszinierende Tatsachen berichtet Dr. Britta Barchet bei Eltern.de

Ab dem 5. Schwangerschaftsmonat trinkt ein Baby Fruchtwasser in kleinen Schlucken und scheidet es wieder aus. Das trainiert Nieren und Schluckmuskeln. Praktisch dabei: Das Fruchtwasser erneuert sich alle paar Stunden. Das Baby übt auch das Saugen und lutscht hingebungsvoll an seinem Daumen, im zweiten Drittel der Schwangerschaft durchschnittlich 18-mal pro Stunde. Das haben Wissenschaftler mit Ultraschallkameras entdeckt. Vor lauter Daumennuckeln haben manche Babys sogar Schwielen an den Händen, wenn sie zur Welt kommen. Erst umstritten, jetzt nachgewiesen: Ungeborene können bereits Gähnen. Das machen sie vermutlich nicht, weil sie müde sind, es scheint mit der Entwicklung des Gehirns zusammenzuhängen. Auch kann ein Baby ab dem 7. Schwangerschaftsmonat die Augen öffnen. Und es probiert seine Hände und Füße aus. Die Bewegungen werden immer kräftiger: Was werdende Mütter anfangs als Flattern spüren, sind gegen Ende der Schwangerschaft ganz ordentliche Tritte. Die kann auch der werdende Vater von außen bewundern.

Was am Anfangs als zartes Pochen oder Vibrieren spürt, kann gegen Ende der Schwangerschaft zu einem kleinen Bauch-Beben werden: Das Baby hat Schluckauf. Weil es sich beim Fruchtwasser trinken verschluckt hat. "Vor der Geburt hickst der Mensch am meisten", sagt Jens Keßler von der Uniklinik Heidelberg. Er vermutet, dass dieser Reflex die Atemmuskulatur des Ungeborenen trainiert. Andere Mediziner nehmen an, der Schluckauf schütze das Ungeborene davor, dass Flüssigkeit in die Luftröhre gelangen kann. Eines steht jedenfalls fest: Er ist völlig harmlos. Jedes Ungeborene hat unterschiedlich viel Schluckauf - also kein Grund zur Beunruhigung.

Das Baby kennt noch kein Tag und Nacht. Ab dem siebten Schwangerschaftsmonat kann es zwar Hell und Dunkel unterscheiden. Aber wenn Mütter mit einem dicken Pullover im dunklen Kino sitzen oder im Bikini Sonne tanken, kommen im Bauchinneren nur ein bis zwei Prozent von diesem Licht an. Deshalb leben Babys völlig unabhängig von den Zeiten da draußen. Sie befinden sich zunächst in einer Art Dämmerzustand. Ab der 30. Schwangerschaftswoche kann man von Schlaf sprechen und ab der 36. Woche von Tiefschlaf. Das haben Forscher beim Messen der Hirnaktivität von Ungeborenen herausgefunden. Ein Baby ist etwa alle zwei bis vier Stunden wach und schläft insgesamt 16 bis 20 Stunden am Tag.

Ist das nicht für jede Schwangere ein schönes Gefühl: Das Baby kann seine Mutter schon hören. Spätestens ab der 25. Schwangerschaftswoche, denn da ist sein Gehör ausgereift. Geräusche dringen gedämpft zu ihm vor, durch das Grundrauschen Ihres Blutes und das Pochen des Herzschlags hindurch. Wenn jetzt eine Tür zuschlägt, kann es sein, dass das Baby im Bauch zusammenzuckt. Am deutlichsten hört es aber Mamas Stimme, die ihm immer vertrauter wird. Manfred Hansmann, Leiter der Uni-Frauenklinik in Bonn, beobachtet seit vielen Jahren, wie eng die werdende Mutter und das Kind in ihrem Bauch miteinander verbunden sind. Er sagt: "Ich bitte die Frauen, nach der Ultraschall-Untersuchung noch ein wenig liegen zu bleiben und laut mit ihrem Kind zu reden. Wenn ich kurz darauf noch einmal auf den Bildschirm schaue, schwimmen die meisten Ungeborenen sehr entspannt im Uterus. Die Pulsfrequenz der Babys beruhigt sich, manchmal kann ich sogar die Entspannung in ihren Gesichtszügen erkennen."
Wissenschaftlich erwiesen ist: Die Aromen von Lieblingsspeisen der Mütter, mit denen häufig gekocht wird, gelangen in das Fruchtwasser. Das Fruchtwasser kann man sich als eine Suppe aus verschiedenen Geschmacksnoten vorstellen, die sich verändern. Und weil das Baby Fruchtwasser trinkt, nimmt es die Veränderungen wahr und speichert seine Eindrücke. So prägt eine Mutter durch ihre Ernährung schon vor der Geburt die Vorlieben des Babys. Und deshalb mögen indische Babys später gerne Scharfes und türkische Knoblauch.

Momente die werdende Eltern genießen sollten. Zum Beispiel, indem der Vater sein Ohr auf den Bauch legt. Mit etwas Glück kann er den Herzschlag des Babys hören. Der klingt wie ein schnelles Tuckern. Auch die Stupser und Tritte kann er deutlich spüren - wenn er im richtigen Augenblick die Hand an der richtigen Stelle hat. Je größer der Babybauch, desto deutlicher sind die Bewegungen zu sehen. Manche mögen auch eine sanfte Bauchmassage mit duftendem Pflegeöl. Das tut nicht nur den Müttern und ihrer Haut gut, manchmal reagieren sogar die Babys auf die warmen Hände vom Vater. Was für ein erstes kleines Glück!

Einzelne Studien zeigen, dass bestimmte Fähigkeiten eines Kindes bereits im Mutterbauch angelegt werden. Eindeutig erwiesen aber ist: Dass eine entspannte Mutter die beste Frühförderung ist. Im Bauch bekommen Babys alles, was sie brauchen. Die Vorfreude auf ein Kind ist die beste Grundlage.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Warum heißt es Muttersprache und nicht Vatersprache?
Bereits ab der 20. Gestationswoche hört der Foet im Mutterleib flüssigkeitsangekoppelt die Mutterstimme und ist nach der Geburt massiv darauf fixiert, sodass eine längere (max. bis zu 3 Jahren) dyadenspezifische Beziehung zwischen diesen beiden Personen notwendig ist, zumal in diesem Zeitraum zumindest zwei kürzere Phasen besonders begierigem Sprechlernen des Kleinkindes individuell verschieden auftreten (siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 3. Auflage, Logos-Verlag, Ansbach, 2013)