Dienstag, 25. November 2008

Ideologische Wurzeln und Ziele der Schulsexualerziehung - Vortrag an der Katholischen Universität in Lublin/Polen am 18. November 2008 (Ausz.)

Mathias v. Gersdorff


Recht herzlich möchte ich mich für die Einladung bedanken, an der katholischen Universität von Lublin zu sprechen. Thema soll die Schulsexualerziehung sein, angesichts der Tatsache, daß zur Zeit in Polen erwogen wird, diese einzuführen.

Das Thema ist polemisch und kann aus verschiedenen Blickwinkeln angegangen werden. Deshalb habe ich gar nicht den Anspruch, eine umfassende Sicht wiederzugeben. Stattdessen werde ich mich auf die ideologischen Wurzel, die Ziele und einige wenige neuere Entwicklungen beschränken.

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Die Schulsexualerziehung war im Westen eines der großen Themen Ende der 60er Jahre, als die sog. Sexuelle Revolution im Vormarsch war. Damals, als es heftige Auseinandersetzungen zu diesem Thema gab, wurden vorwiegend ideologische Argumente für die Verteidigung der Sexualerziehung in den Schulen angeführt.

Heute wird in der Regel die Schulsexualerziehung mit rein praktischen Argumenten verteidigt. Es wird behauptet, daß Kinder heutzutage früh mit sexuellen Inhalten in Berührung kommen – sei es Fernsehen oder Internet – und deshalb müssen sie auch früh aufgeklärt werden. Ansonsten werden sie sich ihre Informationen von den Medien holen.

Was dann in den Schulen geschieht, ist normalerweise eine ausschließlich biologische Erklärung des Problems - also frei von moralischen Aspekten. Üblicherweise werden ausführlich sämtliche Verhütungsmethoden präsentiert und wie man sie benutzt.

Die „Sexuelle Revolution“ bekämpfte die christliche Sexualmoral und begann zunächst mit dem Anspruch, die „Freie Liebe“ und die „Wilden Ehen“ zu etablieren, um der traditionellen Familie ihren privilegierten Platz in der Gesellschaft wegzunehmen.

Sie hat sich immer mehr radikalisiert und hat schon früh angestrebt, die Kinder zu indoktrinieren. Dies geschah damals vor allem durch die Einführung der Schulsexualerziehung.

Heutzutage neigt man zu vergessen, daß die Sexuelle Revolution keine spontane Bewegung war, sondern durchaus dirigiert und vorher von Philosophen durchdacht. Einer der wichtigsten Vertreter war Herbert Marcuse, wichtiger Vertreter der sog. Frankfurter Schule, die Ideegeberin der 68er Studentenrevolte und Autor des Buches Eros und Zivilisation. Dort findet man die wichtigsten Ideen und Stichworte der Sexuellen Revolution.

Aber schon vor ihm hatte es Denker gegeben, die anhand einer Revolution der Sitten und Gewohnheiten, vor allem der Sexualmoral, eine sozialistische Gesellschaft errichten wollten. Wilhelm Reich (1897 – 1957) schrieb 1936 sein Hauptwerk „Die Sexuelle Revolution“. Dort vertrat er offen die These, daß die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft ohne sexuelle Revolution nicht möglich sei, denn nur so ließe sich die traditionelle Familie, für ihm Hort von Konservativismus und Despotie, zerstören.

Die Strategie, gesellschaftliche Änderungen durch eine Revolution der Sitten und Gebräuche herbeizuführen, wird bis heute von linken Kräften benutzt. Neuestes Beispiel ist die sog. Homo-Ehe.

Die Schulsexualerziehung strebte am Anfang dieselben Ziele von Reich und Marcuse an, also die Zerstörung der bürgerlichen Strukturen, vor allem der Familie, um den Sozialismus aufzubauen.

Dies wird besonders deutlich, wenn man sich mit dem Hauptverantwortlichen für die Gestaltung der Schulsexualerziehung Anfang der 70er Jahre beschäftigt, also mit dem Professor für Sozialpädagogik Helmut Kentler.

Auch er wollte die Gesellschaft revolutionieren und hat dies auch nicht verheimlicht. Die Sexuelle Revolution wurde von ihm offen als ein Instrument angesehen, um eine neue, sozialistische Gesellschaft einzurichten.

Kentler hat mehrere Bücher zur Sexualerziehung geschrieben, die sehr deutlich seine Gesinnung verdeutlichen.

Um sich ein Bild darüber zu machen, welche ideologischen Ziele Kentler verfolgte und wie er die Kinder indoktrinieren wollte, zitiere ich einige Passagen seines Buches „Sexualerziehung“, das vom Institut für Sexualforschung an der Universität Hamburg herausgegeben wurde. Das Buch erschien 1970.

Kentler erläutert, daß die Sexualerziehung revolutionär sein muß: „In meinem Verständnis kann es nicht Aufgabe der Pädagogik sein, überkommene Normen und bestehende Institutionen schlicht zu sichern und die Menschen ihnen zu unterwerfen. Erziehung soll vielmehr die Menschen befähigen, die Normen und Institutionen so zu verändern, daß ihnen eine Emanzipation von erfahrenen Zwängen möglich ist“ (S. 36).

Es geht also gar nicht primär um Sexualerziehung, sondern um eine angebliche gesellschaftliche Emanzipation. Die sog. „sexuelle Befreiung“ ist das Vehikel dazu. Die Bedeutung der Sexualerziehung, um die Gesellschaft zu verändern, verdeutlicht Kentler an mehreren Stellen: „Sexualerziehung, die Erziehung der Sexualität sein soll, setzt wohl eine Gesellschaft voraus, die Kritik an sich selber nicht nur zuläßt, sondern fordert, die veränderungswillig ist, die überflüssige Herrschaftsverhältnisse abbaut und weiterhin notwendige Herrschaft rational kontrolliert, so daß sie der … irrationalen Kontrollen durch Ideologien, Tabus, Vorurteile nicht mehr bedarf, und sich statt dessen orientiert am utopischen Gehalt ihrer kulturellen Überlieferung“ (S. 39).

Es geht also um einen Umsturz der herrschenden Machtverhältnisse, um den Umsturz der bürgerlichen-kapitalistischen Gesellschaft, um den Sozialismus aufzubauen. Der Weg ist eine Revolution der Kultur, unter anderem der Sitten.

Wenn für Kentler die Sexualerziehung ein Instrument für eine gesellschaftliche Revolution ist, so muß sie demzufolge auch politischen Charakter haben und dadurch Eingang in die Schulpolitik finden: „Emanzipatorische Sexualerziehung setzt den politisch bewußten, für die emanzipatorischen Interessen der Heranwachsenden politisch engagierten Sexualerzieher voraus. Nur er ist in der Lage, die gesellschaftlichen Anforderungen, die den Heranwachsenden konkret in Wertungen, Normen, Institutionen begegnen, so zu interpretieren, daß deutlich wird, welche kulturell-zivilisatorischen Errungenschaften mit ihnen gesichert, welche Herrschaftsinteressen mit ihnen durchgesetzt werden sollen“ (S. 41).

Genauso wie bei den schon erwähnten Herbert Marcuse oder Wilhelm Reich, ist für Kentler die traditionelle Ehe nur eine unter vielen „Sexualformen“. Die christliche Moral, die Kentler für repressiv hält, diene dem Zweck, willkürliche Lebensformen zu legitimieren und aufrechtzuerhalten. Die moderne Sexualerziehung müsse demzufolge die Monopolstellung der Ehe zerstören: „Repressive Sexualerziehung versteht sich als eine sexualpropädeutische und sexualethische Veranstaltung mit dem Ziel, die Eheinstitution und damit die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse zu sichern und alle Gefährdungen abzuhalten, die Heranwachsende dazu bringen könnten, die Ehe nicht mehr als die einzige Institution legitimer sexueller Beziehungen anzuerkennen“ (S. 48).

Unter „repressiver Sexualerziehung“ versteht Kentler die Vermittlung der christlichen Sexualmoral, also eine Moral, für die die Sexualität der Zeugung von Kindern innerhalb der Ehe dient. Diese Sexualmoral unterstützt also die traditionelle Ehe, die wiederum als Hort von Konservativismus, Despotie und Ungerechtigkeit von linken Denkern wie Kentler, Marcuse oder Reich angesehen wird.

Kentler hat durchaus erkannt, daß die Sexuelle Revolution einen Paradigmen-Wechsel in der Menschheit und ihrer Kultur herbeiführen soll. Die sexuelle Libertinage sollte alle menschlichen Lebensbereiche revolutionieren, um im Sinne von Marx und Marcuse eine „neue“ Gesellschaft mit einem „neuen“ Menschen aufzubauen: „Die Forderung nach sexueller Freizügigkeit ist der Ausdruck eines Gewissens, das Änderung der Kultur, der Normen, der Herrschaftsverhältnisse verlangt“ (S. 81).

Diese Revolution ist für Kentler eine höhere Stufe des Sozialismus: „Es kann auch nicht übersehen werden, daß der Weg, der zum Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse führen könnte, von Freud nicht gedacht wurde - dazu blieb er zeitlebens bürgerlichem Denken allzusehr verhaftet. Erst, als es gelang, Psychoanalyse und marxistische Gesellschaftsanalyse miteinander zu vermitteln, konnte angegeben werden, welche gesellschaftlichen Mächte eine Veränderung der Gesellschaftsordnung verhindern und welche Strategien zu entwickeln sind, um die Gesellschaft menschenwürdiger einzurichten“ (S. 92).

An die Stelle des Klassenkampfes kommt der Kampf zwischen Vertretern sich opponierender Wertesysteme: „Warum eine Diskussion zwischen den Anhängern repressiver und emanzipierender Sexualerziehung so schwierig, fast unmöglich ist, dürfte jetzt deutlich sein: Repressive Sexualerziehung bezieht ihre Legimitation aus dem Menschenbild, in dem für Vorstellungen von einem besseren Leben kein Platz ist, weil jeder Versuch, das Normengefüge und womöglich die Normen selbst zu ändern, als ein Angriff auf die Fundamente der Kultur angesehen wird“ (S. 77).

Kentler, wie auch seine Vorgänger, sieht durchaus, daß es hier um einem Zusammenstoß zweier Wertesysteme, zweier Weltanschauungen geht: Die christliche versus die neuheidnische der 68er Revolution. Ein Dialog ist da gar nicht möglich, denn jedes System müßte etwas abgeben, das ihn fundamental kennzeichnet.

Das waren die Ideen der Menschen, die in Westdeutschland die Schulsexualerziehung eingeführt haben. Heute argumentieren wenige so. Vor allem wird nicht mehr so offen behauptet, daß man eine gesellschaftliche Umwälzung in Richtung Sozialismus anstrebt. Die gesellschaftliche Komponente ist aber nach wie vor sehr präsent, wie man beispielsweise an dem Umgang mit Homosexualität, Transsexualität und Unterschiede zwischen den Geschlechtern sehen kann: Hier werden offen gesellschaftspolitische Ziele anstrebt.

Das Thema „Sexuelle Emanzipation des Kindes“ begann sich ab Mitte der 80er Jahren abzuschwächen und noch stärker nach den Pädophilie-Fällen in Belgien im Jahr 1997. Doch zwischen Mitte der 80er und Ende der 90er Jahre sind noch einige Bücher erschienen, die eine weniger ideologische Sprache sprechen als die der 70er Jahre, die noch sehr stark geprägt war von der marxistischen Rhetorik der Studentenrevolte, aber im Grunde genommen dasselbe sagt: 1. Das Kind hat von Anfang an eine Sexualität, 2. diese soll es möglichst frei ausüben, also keine moralische Erziehung durch die Eltern, 3. insbesondere keine Vermittlung der christlichen Sexualmoral.

Eines dieser Bücher ist „Lieben, kuscheln, Schmusen“, das von „Pro Familia“ in Nordrhein-Westfalen herausgegeben wurde.

Es ist wichtig, zu wissen, daß „Pro-Familia (International Planned Parenthood)“ eine der Institutionen ist, die sich am stärksten für die Abtreibung einsetzen und ebenso für eine völlig permissive Sicht der Sexualität. Oft werden Angestellte von Pro Familia von Schulen eingeladen, um Sexualerziehung zu vermitteln.

Für die Autoren des Pro-Familia Buches gilt genauso wie für den oben zitierten Kentler, daß man die Kinder im Vorschulalter so gut wie überhaupt nicht im eigentlichen Sinne erziehen soll. Vor allem soll man den Kindern keine moralischen Normen vermitteln und man soll sie nicht hindern, sich selbst zu berühren.

Aber das reicht den Autoren des „Pro-Familia-Buches“ immer noch nicht. Die Kinder sollen ungehemmt miteinander versuchen, Geschlechtsverkehr zu spielen.

Die Autoren erläutern lange, daß man auf solche Ereignisse nicht schockiert reagieren, sondern versuchen soll, sich in die Perspektive der Kinder hineinzuversetzen. Sie erklären, daß die Kinder möglicherweise ihren Eltern zugeschaut haben und möchten das nachmachen. Deshalb ihre Meinung: „Die Kinder leben hier weniger genitale Sexualität aus, vielmehr spielen sie die für sie wichtigen und bekannten Erwachsenen nach, probieren aus, wie es wäre, wenn man so alt und groß ist wie Vater und Mutter.“

Das ist natürlich haarsträubend. Die Autoren tun im Grunde genommen hier nichts anderes, als das Prinzip anzuwenden, daß Kinder keine Erziehung, vor allem keine moralische Erziehung, brauchen. Ich habe noch nie von Kindern gehört, die solche Handlungen vornehmen. Täten sie es dennoch, würden sie nach einer Ermahnung ihr Fehlverhalten sofort einsehen, da sie intuitiv spüren, daß ihre Tat nicht in Ordnung war. In Kindern, vor allem im Vorschulalter, ist das Gewissen noch sehr fein und klagt sofort an, wenn etwas schlechtes getan wurde. Wenn man Kinder auf eine böse Tat aufmerksam macht, können sie oft gar nicht vertuschen, daß sie sich schämen. Die Autoren dieses Buches gehen aber davon aus, daß die Kinder dieses, in den Augen der Autoren falsche moralische Empfinden, von der Gesellschaft durch die Eltern aufgezwungen bekommen. Es ist dann nur folgerichtig, daß sie den Eltern empfehlen, so wenig Einfluß auf die Entwicklung der Kinder zu nehmen, wie nur möglich.

In den Methoden zur Indoktrination geht das „Pro-Familia-Buch“ sehr weit, denn es empfiehlt eine Reihe von Spielen und Übungen für Kinder, damit sie ihre „Sexualität entfalten“. Dazu gehört auch Körperkontakt durch Massage u.ä., was ich hier nicht näher schildern möchte.

Das Buch von „Pro-Familia NRW“ ist wegen der Empfehlungen von Spielen und Übungen besonders radikal. Ich habe es hier zitiert um zu veranschaulichen, wie liberal, antichristlich und schlichtweg abstoßend eine staatliche Sexualerziehung sein kann.

In der Regel bleiben die Bücher eher theoretisch und geben den Eltern relativ allgemeine Empfehlungen, wie man mit der „kindlichen Sexualität“ umgehen muß. Aber dennoch schreiben fast alle in ermüdender Eintönigkeit dasselbe: 1. Das Kind hat von Anfang an eine Sexualität, 2. diese soll er möglichst frei ausüben, also keine moralische Erziehung durch die Eltern, 3. insbesondere keine Vermittlung der christlichen Sexualmoral.

Die Literatur unterscheidet sich also nur in den Methoden oder in den Schilderungen der sexuellen Handlungen.

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Gender Mainstreaming

Bevor ich zum Schluß komme, möchte ich eine neue politische Idee nicht unerwähnt lassen und zwar das sog. Gender Mainstreaming.

Gender Mainstreaming gehört streng genommen nicht zur Schulsexualerziehung, doch es lohnt sich, einige Worte darüber zu verlieren, denn immer wird diese von der Europäischen Union angeordnete Lehre auch in Kindergärten oder in Volksschulen angewandt.

Im wesentlichen will die Ideologie des Gender Mainstreaming die sogenannten kulturellen Unterschiede zwischen den Geschlechtern auflösen.

Ein solcher ist beispielsweise für die Vertreter dieser Ideologie die Tatsache, daß Buben mit Autos oder Waffen spielen während Mädchen mit Puppen.

Dies wird kritisiert, weil diese Unterschiede die Diskriminierung der Frau fördern. Die Frau wird in eine dem Mann untergeordnete Rolle gedrängt, die nicht aufgrund ihrer unterschiedlichen Biologie zu erklären ist, sondern aufgrund kultureller Aspekte. Um den obigen Beispiel zu verwenden: Die Buben werden zu Machern erzogen, während die Mädchen zu Müttern, die sich zu Hause um die Kinder kümmern und für den Mann kochen, wenn er nach Hause kommt.

Es gibt schon Kindergärten, die die Kinder ganz in dieser Gender Mainstreaming Mentalität erziehen. So müssen Buben mit Puppen spielen und sich die Fingernägel lackieren, während die Mädels Häuser bauen.

Die österreichische Zeitung „Die Presse“ vom 11. Sept. 2008 zur Gründung eines solchen Kindergartens: „Es wurde bewusst darauf geachtet, den Kindergarten geschlechtsneutral zu gestalten: Weder gibt es typische Mädchen oder Bubenfarben in der Gestaltung der Räume noch die typischen Spielbereiche wie Puppenecke oder Baubereich. Männliche Prinzessinnen oder weibliche Feuerwehrmänner sind daher in diesem Kindergarten keine Seltenheit“, so die Zeitung „Die Presse“ vom 11. Sept. 2008.
Eine Radikalisierung dieser Ideologie findet dann statt, wenn nicht nur die Unterschiede zwischen Mann und Frau verwischt werden sollen, sondern auch zwischen sog. heterosexuellen und homosexuellen Menschen.

Auch hier wird jede Betonung der eigenen Geschlechtlichkeit kritisiert, da sie als ein diskriminierendes Verhalten bezeichnet wird.

Wie auch die Homo-Ehe, fand die Verbreitung der Gender-Mainstreaming-Lehre ihren Anfang in den Vereinten Nationen und der Europäischen Union (Vertrag von Amsterdam). Rein theoretisch ist jedes Mitgliedsland verpflichtet, Maßnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter einzuführen. Meistens wird diese Politik von den Familienministerien in die Tat umgesetzt.

Schluß

Es ließe sich noch vieles über die Schulsexualerziehung sagen, doch ich möchte hier Schluß machen.

Vielen Dank für Ihr Zuhören

Kommentare:

Old Geezer hat gesagt…

"In meinem Verständnis kann es nicht Aufgabe der Pädagogik sein, überkommene Normen und bestehende Institutionen schlicht zu sichern und die Menschen ihnen zu unterwerfen. Erziehung soll vielmehr die Menschen befähigen, die Normen und Institutionen so zu verändern, daß ihnen eine Emanzipation von erfahrenen Zwängen möglich ist"

Was ist daran negativ?

Und selbstverständlich ist es notwendig, mit christlicher Sexualmoral zu brechen, denn wie kann man erwarten, das Regeln, die für verarmte, nomadisierenden Viehzüchter in der Bronzezeit angemessen waren, heutzutage noch sinnvoll sein könnten?

IBIF hat gesagt…

@ Old Geezer:

Zur Frage der "Befreiung" von unterschiedlichen Zwängen als Gestus unterschiedlichen Phänotypus gibt es diesen dieses Thema ein wenig vertiefenden Artikel:
Phänomenal: Jedem Sozial-Ismus seine Sozio-Logie
Ohne jetzt auf die Sache selbst, die bewußte sexuelle Manipulation der Kinder durch schulische Erziehung einzugehen, ist immer entschiedener Argwohn angebracht, wenn politische Gewalt gebraucht oder dieser das Wort gereicht wird. In Deutschland werden die Kinder und ihre Eltern per staatlichem Schulzwang in die Einrichtungen genötigt, in denen dort dann Manipulationen vorgenommen werden. Dabei sind Sie, sehr geehrter Old Geezer, keineswegs so liberal, wie sie tun. Denn Sie geben ja durchaus an, zu wissen, was "sein soll" - für andere! Diese Anmaßung - und es ist eine solche - kennzeichnet auch das Tun der Schulpolitiker und "Volkserzieher". Das 'politische Mittel' (Franz Oppenheimer) ist aber gerade kein zulässiges Mittel, es trachtet danach die Menschen von Staats wegen zu bilden. In einer Sozialordnung, die sich diesen Namen verdienen will, bilden aber die Bürger den Staat - nicht umgekehrt. Und auch eine anarchische Ordnung kennt genau solche politischen Mittel nicht. Hier wird niemand zu seinem "Glück" gezwungen - sei es das nach christlicher Überzeugung oder das nach sozialistischer Vorstellung. Und selbst Gott zwingt nicht, jedenfalls nicht JHW.
Wie schnell man sich im übrigen in Sachen Zwangsbeglückung verrennen kann, zeigt dann gleich schon ihr letzter Absatz. Wie die Marxisten machen Sie soziologische und sogar gesellschaftlich-institutionelle Ableitung allein an den ökonomischen Verhältnissen unterschiedlicher Zeiten fest. Was unterscheidet denn den Menschen (hier zu verstehen als Gattungsbegriff) der Bronzezeit wirklich von dem der Moderne? Am ehesten noch Masse und Vereinzelung, die man früher so nicht kannte. Ökonomisch ist der Mensch übrigens immer Produzent, Händler und Konsument/Tauscher - auch damals und auch heute. Nur die einzelne Anteile schwanken. Auch "in sich drin" dürften Sandwüstennomaden von einst und die modernen Betonwüstennomaden von heute nur marginal unterschiedlich sein. Die angeblich offensichtliche Notwendigkeit, irgendwelche bewährten (das gestehen Sie ja implizit zu) Institutionen mit Gewalt zu zerstören, ist also keineswegs gegeben. Ihre Sichtweise ist daher möglicherweise zu ändern, jedenfalls aber derart nicht zu begründen.

Anonym hat gesagt…

Ich stehe auf der Seite Old Geezer, denn seine Meinung zum Vortrag ist für mich nachvollziehbar. Die Meinung von IBEF passt da eher zum Vortrag und will den Disput in diese Richtung ziehen; auch der Hinweis auf einen weiterführenden Artikel. Für mich ist die Bemerkung über Schulzwang und sämtliche daraus resultierende Äußerungen von großer Menschenverachtung und sehr einseitig gesehen. Der Mensch ist ein soziales Wesen und sollte sich auch so verhalten: Zum Gelebten wie zum Leben. Er hat bisher nur so überlebt und wird es in Zukunft weiterhin tun. Wenn zum einen Erscheinungen neueren Datums als unwürdig gezeigt und die, älteren Datums, glorifiziert werden, dann ist wohl dieser Erkenntnisgehalt recht zweifelhaft. Wir sollten uns alle um solche Erscheinungen wie: Ich, Du und Wir bemühen. Dann würde sich das Er und Sie verständlicher zeigen und aus dem GemeinschaftsSie nicht ein abwertendes Die werden. Oder meint jemand, dass der Satz, "Das Weib sei dem Manne untertan", noch seine Berechtigung hat?
Chorleiter