Montag, 18. Oktober 2010

Buchbesprechung: Beth Felker Jones: Faszination mit Biß. Was die Twilight-Saga so unwiderstehlich macht


Vampire sind Figuren, die traditionellerweise in der Grusel- und Horrorliteratur erschienen sind: finstere Gestalten, die sich von menschlichem Blut ernähren, übermenschliche Fähigkeiten besitzen, aber auch leicht zu töten sind, wenn man ihre Schwachpunkte kennt.

Doch im Zuge der Schwemme an Vampirliteratur seit etwa zehn Jahren, haben einige Autoren begonnen, die Vampire etwas menschlicher zu gestalten und Romane fabriziert, die man kaum noch der Gruselliteratur zuordnen kann. Einer der erfolgreichsten Autoren dieser Art ist die US-Amerikanerin Stephenie Meyer mit ihrer Romanreihe „Twilight“. In Deutschland sind ihre Bücher unter den Titeln Bis(s) zum Morgengrauen, Bis(s) zur Mittagsstunde, „Bis(s) zum Abendrot und Bis(s) zum Ende der Nacht erschienen und waren, genauso wie in den USA, ein großer kommerzieller Erfolg. Die ersten beiden Romane wurden mittlerweile verfilmt und ebenso mit großem Erfolg in den Kinos gezeigt.

Beth Felker Jones, Assistenzprofessorin am Wheaton College in Wheaton, Illinois, USA, untersucht in ihrem Buch, was diese Romane für so viele so faszinierend macht. Sie richtet sich dabei an die weiblichen Leser und Fans der Twilight Romane und möchte ihnen erklären, wie diese Faszination entsteht. Sie will den Lesern die Elemente liefern, damit sie sich nicht von den Romanfiguren und der Handlung hinreißen lassen, sondern sie über das Gelesene reflektieren und sich Gedanken machen, ob all das, was Stephenie Meyer schreibt, mit dem christlichen Glauben im Einklang zu bringen ist. Felker Jones richtet ihre Analyse von vornherein an ein christliches, genauer eigentlich an ein evangelikales Publikum, gleichwohl auch Katholiken und Christen anderer Denominationen viele Elemente für eine solide Analyse der Twilight Bücher aus christlich-biblischer Sicht erhalten. Beth Felker Jones geht nicht auf die immanenten literarischen Techniken, auf die Methoden des Aufbaus der Charaktere oder die in den Fantasy-Figuren enthaltenen Archetypen ein. Insofern ist Felker Jones Buch für denjenigen, der Informationen über den inneren Aufbau der Twilight-Bücher sucht, weniger interessant, gleichwohl die Autorin sehr gut darstellen kann – immer aus christlich-biblischer Perspektive – welche Projektionsflächen für die Bildung des fiktionalen Traumes beim Leser in den Romanen aufgebaut werden.

Gerade hier sieht Felker Jones die große Gefahr dieser Romane: Der Hauptvampir und seine Familie sind durch und durch idealisierte Figuren, die leicht Mädchen und jüngere Frauen zum Schwärmen verführen können. In Stephenie Meyers Bücher sind die (guten, es gibt auch böse) Vampire eigentlich die besseren Menschen und sind als literarische Figuren genau so aufgebaut, daß sie die tiefsten Sehnsüchte, Träume und Wünsche der modernen Frauen im Alter zwischen 18 und 30 erfüllen. Felker Jones ist keineswegs erstaunt, daß so viele weibliche Leser von den Geschichten rund um den Vampir Edward, seiner Geliebten Bella und die weiteren Hauptfiguren der Twilight-Saga hingerissen sind, denn diese Figuren sind perfekte Projektionsflächen für die Sehnsüchte der modernen Frau. Für Felker Jones besteht vor allem hier eine große Gefahr, daß die Leserinnen zu Ansichten und Idealen verführt werden, die nicht christlich sind. Stephenie Meyer, so Felker Jones, gaukelt dem Leser eine Traumwelt vor, die es nicht gibt, aber so schön aussieht und so sehr zum Träumen verführt, daß dagegen die christliche Lebensweise, die Opfer verlangt, verblaßt. In den Twilight-Romanen wird eine völlig unrealistische und romantische Sicht von Ehe, Liebe, Familie, Sinn des Lebens usw. dargestellt, die leicht viel attraktiver als die christliche erscheinen kann.

Beth Felker Jones: Faszination mit Biß. Was die Twilight-Saga so unwiderstehlich macht. Aßlar 2010, Gerth Medien 9,95 Euro. ISBN 978-3-86591-558-0

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Man kann es auch übertreiben mit den Warnungen vor "unchristlichen" Medienprodukten... Etwas Romantik gehört zum Leben dazu.

Anonym hat gesagt…

Lächerlich,

da möchte ein Mädchen jungfraulich in die Ehe gehen, so wie es in der Bibel steht und BFJ meint das wäre unchristlich, dabei plant die evangelische Kirche kirchliche Zeremonien für Homoehen, obwohl das in der Bibel als Greuel bezeichnet wird. Wer ist denn hier unchristlich??? Andererseits hat BFJ keine wirkliche Ahnung von der christlichen Ehe, denn die ist viel attraktiver als die eines Vampirs.

Twilight ist gute Unterhaltung auf gutem Niveau, wieso schreibt BFJ nicht was über Tarrentino, das wär doch sinnvoll.

Theophilus