Mittwoch, 22. Februar 2017

Wie das linksgrüne Milieu denkt: Religion ist Privatsache, Sexualität nicht

Plakat von "Kinder in Gefahr" bei einer "Demo für alle" in Stuttgart
Mathias von Gersdorff

In einem Interview für den „offenen Kanal Kassel“ habe ich die ungewöhnliche These geäußert, die katholische Kirche sei hinsichtlich Sexualität liberaler als das links-grüne Milieu. Meine Begründung: Die katholische Kirche vertritt zwar eine sehr strenge Sexualmoral, strebt aber gar nicht an, diese dem Volk über das Schulsystem aufzuoktroyieren, wie das viele Politiker wollen. Stattdessen behauptet die Kirche, dieser Bereich gehört ins Elternhaus, das heißt, ins Private.

Das linke Milieu ist der Auffassung, es sei hinsichtlich Sexualität sehr liberal. Ist das wirklich so?

Jedenfalls nicht, wenn man unter „liberal“ eine Grundhaltung versteht, nach der jeder allein für sich selbst entscheiden soll, wie er leben und denken will.

Keineswegs ist das die Grundhaltung der Linksgrünen: Linke und Grüne missionieren ihre Gender-Ideologie mit einem Eifer, den man bei Christen selten findet. Sie verteidigen diese irrsinnige Ideologie mit einem Fanatismus, den man sonst nur in besonders radikalen Sekten findet.

Und vor allem: Linke und Grüne fordern, dass der Staat seine Machtinstrumente verwendet, um diese Ideologie dem ganzen Volk aufzuoktroyieren. Auf diese Weise wird Gender in Deutschland systematisch zu einer wahren Staatsdoktrin erhoben.

Nichts Derartiges ist von der katholischen Kirche zu vernehmen: Ihre Sexualmoral ist zwar streng, doch keineswegs wird gefordert, dass sie via Schulsystem zu einer Art Staatsdoktrin wird.

Wenn es um Religion in der Öffentlichkeit geht, werden die Rollen gewissermaßen getauscht. Je weiter man nach links blickt, desto deutlicher wird behauptet, Religion sollte reine Privatsache sein.

Auch dieses Credo der Linken wird mit einem Impetus und mit einer Aggressivität verteidigt, die man im christlichen Milieu kaum kennt. Man muss nur einmal zu einer Demonstration von Lebensrechtlern oder zu einer „Demo für Alle“ gehen, um eine Idee der Wut und des Hasses der linken Gegendemonstranten zu sehen. Die Gotteslästerungen, zu denen die linksradikalen Chaoten fähig sind, kann man gar nicht wiedergeben. Und dabei sind manche dieser Straßendemonstrationen gar nicht christlich geprägt, jedenfalls nach außen nicht. Doch schon allein der Verdacht, dass diese Menschen christlich motiviert sein könnten, bringt die Chaoten zur Weißglut.

Ist das etwa ein Zeichen von Liberalismus und Toleranz?

Dabei fordert beispielsweise die katholische Kirche keineswegs, dass Religion generell öffentlich sein soll. Sie will Freiheit für die Religionsausübung und mischt sich ein, wenn es um Gesetze oder sonstige Aspekte des öffentlichen Lebens geht, die die Moral betreffen, wie das Elternrecht, welches beim Thema Sexualerziehung eine besonders große Rolle spielt.

Zudem sind – um bei der katholischen Kirche zu bleiben – ihre Argumente nicht direkt aus der Bibel entnommen, sondern aus dem Naturrecht, also einem universellen und unabhängig von der religiösen Konfession gültigen Referenzpunkt.

Allein aus Gründen des heute so hoch gepriesenen Pluralismus müsste die Stimme der Kirche bzw. der Christen willkommen sein.

[Fairerweise muss man an dieser Stelle feststellen, dass die Grünen keinen radikalen Laizismus vertreten. Gleichwohl nutzen sie punktuell radikallaizistische Argumente, wie beispielsweise in der Auseinandersetzung um "Gender" in den Schulen.]

Es kommt hinzu, dass – zumindest was die katholische Kirche betrifft – gar kein Anspruch besteht, den Staat bzw. das politische Leben eines Landes in allen Bereichen beeinflussen zu wollen.

Im Gegensatz dazu wollen Linksgrüne alle öffentlichen Lebensbereiche prägen und daß der Staat überall, inklusive im Privaten, Vorschriften macht und durchsetzt, wie etwa beim Essen (Nur ein Beispiel: https://www.gruene-bundestag.de/themen/ernaehrung.html ).

An diesen wenigen Überlegungen und Beispielen wird klar: Viele benutzen die Worte „Liberalismus“, "Toleranz“ oder „Trennung von Kirche und Staat“ als Tarnworte und wollen in Wahrheit ihren eigenen absoluten ideologischen Anspruch kaschieren.

© Mathias von Gersdorff. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung

1 Kommentar:

AR hat gesagt…

Zu diesem Artikel muss man eigetlich nichts mehr sagen - zu klar und logisch ist die Sachlage. Mann könnte es auch unter dem Titel "Die Intoleranz der Toleranten" veröffentlichen.
Doch in Wahrheit geht es nicht um Toleranz, sondern um eine Ideologie, nach deren Muster Staat und Gesellschaft verändert werden sollen. Wer sich dem entgegenstellt - und tut er es auch nur durch Argumente in der Öffentlichkeit - wird auf eine sehr lieblose und radikale Weise angegriffen. Wer mal auf einer entsprechenden Demo war, weiß, wovon ich rede. Da gelten Recht und Gesetz nicht mehr viel und man scheut sich nicht, zu beleidigen, zu sabotieren und die Demo zu stoppen, wo es möglich ist. Polizeianweisungen wurden z.B. von den Gegendemonstranten mit einem breiten Grinsen einfach kopfschüttelnd abgewiesen. Oder man zieht den Stecker, um die Übertragung einer Rede unmöglich zu machen. Gewalttätige Übergriffe, die ich selbst beobachten konnte, tauchten später nicht in den Medien auf, da sie wohl unter einem gewissen Schwellenwert lagen. Und dann kann es sein, dass sie keiner Partei zugeordnet werden ...
Es ist wirklich erstaunlich, mit welch radikalen Ideologen sich hier manche Politiker und viele Medien im Schulterschluss zeigen.