Dienstag, 21. Juni 2016

Väter in Abtreibungsproblematik einbeziehen

Mathias von Gersdorff

In der öffentlichen Diskussion werden ungewollte Schwangerschaften und die Abtreibungsproblematik als Themen behandelt, die ausschließlich Mütter betreffen. Die Realität sieht aber ganz anders aus, so ein Spezialist für Epidemiologie Elard Koch PhD vom „Melisa Institute“: Zu den meisten Abtreibungen kommt es aufgrund von Druck seitens Dritter. Sein Beitrag erschien in der chilenischen Zeitung „El Mercurio“ am 19. Juni 2016.

In den Vereinigten Staaten gaben 64 Prozent der Frauen an, man hätte sie zu einer Abtreibung gedrängt.

In Chile, – Land, in welchem zurzeit eine Liberalisierung der Abtreibung im Parlament debattiert wird – gaben 44 Prozent der Frauen an, man hätte Druck auf sie ausgeübt. In über 50 Prozent der Fälle sei es der Vater gewesen.

Studien zeigen, dass die mangelnde Unterstützung seitens des Vaters ein entscheidender Grund für eine Abtreibung ist (Journal of Mental Health & Addiction 2009).

Das „Melisa Institute“ fand heraus, dass in 18 Prozent der Fällen von schwanger gewordenen Jugendlichen die schiere Angst vor einer negativen Reaktion des Vaters zu einer Abtreibung führt.

Es überrascht kaum, dass die fehlende Unterstützung oder gar das Verschwinden des Vaters die Entscheidung für eine Abtreibung begünstigt. In 21 Prozent der Abtreibungen in Chile war der Druck des Vaters entscheidend.

Nicht minder wichtig sind die psychologischen Folgen für die Väter: Während das „Post Abortion Syndrom (PAS)“ bei Frauen schon recht umfassend erforscht wurde und die Literatur dazu umfangreich ist, wissen wenige, dass auch Väter unter ähnlichen psychologischen Belastungen leiden. Dieser Sachverhalt sollte in der öffentlichen Diskussion eine größere Rolle spielen.


Kommentare:

Grandloser hat gesagt…

Kurzer Einwurf zum PAS:

Unter dem Begriff Post-Abortion-Syndrom (PAS, von engl. „post abortion“ – „nach dem Schwangerschaftsabbruch“), auch mit den Synonymen Post-Abortion-Stress (PAS) oder Post-Abortion-Stress-Syndrom (PASS) bezeichnet, wird ein psychisch-emotionales Syndrom als Folge eines Schwangerschaftsabbruchs verstanden.

Das „Post-Abortion-Syndrom“ wird weder in der ICD der Weltgesundheitsorganisation noch im DSM der American Psychiatric Association als Störung klassifiziert.[1] In der Wissenschaft ist die Existenz eines Post-Abortion-Syndroms nicht anerkannt.[1][2][3][4][5][6]

Des Weitern ist auffällig, die Verstärkte Präsenz chilenischer "Experten" erst mit den Nicht haltbaren Aussagen zum Cannabis und mit einer Fantasie-Krankheit der Abtreibungsgegner. Das wirft alles ein schlechtes Licht auf die Recherche.

noch ein Bier, dann fahren wir! hat gesagt…

Es ist alles gut recherchiert. Wir brauchen Menschen, die den Kindesmord ächten und unter Strafe stellen. Mit Merkel ist das nicht zu machen.

Anonym hat gesagt…

Wie immer eben,etwas verstößt gegen Christliche Werte bzw gegen den Mist der in der Bibel steht und schon sind die Bibeldeppen da und hetzen !

Grandloser hat gesagt…

noch ein Bier, dann fahren wir! Gut recherchiert? Herr Gersdorff lässt oft Fakten wg, zitiert falsch und fährt fehlerhafte Studien auf....glaubwürdig ist anders.
Und nur zur Info Abtreibung ist in Deutschland nicht straffrei, die Straf wird nur nicht verhängt wenn hohe gesetzliche Hürden gegeben sind. Und zum Unsinn mit dem Wunschkandidaten der das Recht ändert, wo waren Sie seit 1974? Wenn es die Lebensrechtbewegung in 40 Jahren rein gar nichts bewirkt hat würde ich mal ins Grübln kommen.....

Leo Trotzki hat gesagt…

Das alles ist nur ein Symptom der großen Krise des Spätkapitalismus. Aus aktuellem Anlaß (Abstimmung in Großbritannien) hier ein Ausschnitt der großartigen Rede des IKVI-Sekretärs Peter Schwarz über die bevorstehenden Klassenkämpfe in Europa, und wie die Arbeiterklasse sie erfolgreich bestehen kann:

Die Bedeutung des Brexit-Referendums für die europäische Arbeiterklasse

Von Peter Schwarz

22. Juni 2016

Am 14. Juni sprach Peter Schwarz, der Sekretär des Internationalen Komitees der Vierten Internationale, auf einer Veranstaltung der britischen Socialist Equality Party zum Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Die SEP ruft zu einem aktiven Boykott des Referendums auf.

Neben einem interessierten Publikum in London verfolgten auch Zuhörer in Indien, Sri Lanka, Amerika und zahlreichen europäischen Ländern die Rede, die im Internet als Life-Stream übertragen wurde.

Der Nationale Sekretär der SEP, Chris Marsden, eröffnete die Veranstaltung. Er erklärte, dass beide Lager im Referendum von rechten Tories geführt werden, die für eine Politik der Einsparungen, des Militarismus und des Nationalismus eintreten. Entgegen der Behauptung pseudolinker Gruppen könne weder das Austritt- noch das Verbleib-Lager von Arbeitern unterstützt werden. Beide Seiten schürten gezielt Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit, um einen gemeinsamen, grenzüberschreitenden Kampf der Arbeiter zu verhindern.

Die Rede von Peter Schwarz geben wir hier im Wortlaut wieder.

*****

Das Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) vom 23. Juni ist nicht nur ein politischer Wendepunkt für Großbritannien, sondern für ganz Europa, und zwar unabhängig davon, wie es ausgeht.

Sollte eine Mehrheit der Teilnehmer für den Austritt aus der EU stimmen, wird dies weitreichende wirtschaftliche Auswirkungen haben. Es ist natürlich nicht leicht zu beurteilen, welche Prognosen ernsthaft sind und welche nur Propaganda. Doch eine objektive Beurteilung muss zum Schluss kommen, dass die wirtschaftlichen Folgen eines Brexit unkalkulierbar sind. Der Rückzug der zweitgrößten Volkswirtschaft aus der EU würde sich massiv auf den Wert des Pfunds auswirken, auf die Finanzmärkte und die Aktienkurse, auf Investitionen, Handel und Arbeitsplätze.

Das Folgende ist nur ein Beispiel für die zahlreichen Probleme, die aufkommen werden: Es gibt innerhalb der EU Tausende von Abkommen, die Handel, Wirtschaft, Produktion und Steuern regeln. Sie würden ungültig und müssten neu verhandelt werden. Zudem hat die EU mehr als 50 Handelsabkommen mit anderen Staaten abgeschlossen, die für Großbritannien nicht mehr gelten würden und neu verhandelt werden müssten.

Solche Verhandlungen dauern üblicherweise Jahre oder Jahrzehnte. Ein Brexit würde also zu unüberschaubaren Komplikationen, Reibungen und Spannungen führen. Er würde Entwicklungen beschleunigen, die schon jetzt weltweit zu beobachten sind: Zunehmender Wirtschaftsnationalismus, der Zerfall der Weltwirtschaft in Handelsblöcke, die Verschärfung von Währungskriegen, Handelskriegen und nationalen Gegensätzen. Solche Entwicklungen kennzeichneten die 1930er Jahre. Sie gingen mit Rezession und Massenarbeitslosigkeit einher und trugen wesentlich dazu bei, den Zweiten Weltkrieg auszulösen.

(WSWS vom 22. Juni 2016)

Gunnhild Tegenthoff hat gesagt…

Das Frauen nicht gerne als Alleinerziehende durch Leben gehen wollen, sich zu gehen getrauen, kann leider nicht jeder nachvollziehen. Es gibt Familien, die sich trennen: auch hier werden in 9 von 10 Kinder von der Mutter allein aufgezogen. Der Staat sagt: zu Alimente Zahlen verpflichten. Realität: nicht jeder Elternteil zahlt Alimente, bzw. die Alimente sind so gering, dass davon kein Kind satt wird.
Väter in das Thema Schwangerschaft, Verhütung, Familienplanung, Aufziehen der Kinder einzubeziehen ist überall Thema - auch im Todesfall. Doch gesetzlich geregelt: Vieles kann nur Mutter für ihr Kind allein bestimmen, z.B. ob Sie ihre Schwangerschaft austragen will, ob sie ihr Sternenkind einem Armenbegräbnis oder dem Klinikmüll oder einem Begräbnis im Auftrag der Angehörigen gehen lassen will. Nicht alle Frauen können darauf vertrauen, das sie mit Kind geliebt werden, das sie mit ihrem Kind nicht im Stich gelassen werden.
Beruflich ist die Elternrolle noch immer schwer vereinbar.
Jeder, der für das Leben ist, sollte im Todesfall auch für sein Begräbnis sein - doch die Zuführung von während der Schwangerschaft, Geburt oder kurz danach verstorbenen Kindern ist in vielen Fällen nur auf Wunsch der Mutter möglich.

Leo Trotzki hat gesagt…

+++ EILMELDUNG +++

Der BREXIT ist nun Realität! Auflösungserscheinungen in Brüssel und billige Durchhalteparolen von Merkel in Berlin. Worauf sich die Arbeiterklasse nun einstellen muß, lest ihr bei WSWS.