Dienstag, 28. Juni 2016

Marxistische Wurzeln der Gender-Ideologie

Mathias von Gersdorff

Bekanntlich behauptet die Gender-Theorie, dass die menschliche Geschlechtlichkeit weitgehend kulturell bestimmt ist. Die Gender-Ideologen akzeptieren zwar, dass es biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt. Doch wie sich diese biologischen Unterschiede entfalten, welche reale Form sie annehmen, ist rein kulturell – und für die Gender-Ideologen damit willkürlich bestimmt.

Für die Gender-Ideologen entsteht aber die Kultur nicht irgendwie spontan, sondern sie ist Ausdruck bzw. konstituierendes Element einer bestimmten Herrschaftsform. Diese wird aber als willkürlich oder gar despotisch angesehen und deshalb muss sie überwunden werden.

Die marxistischen Wurzeln von Gender sind somit evident: Der Mensch besitzt im Grunde gar keine individuelle Identität, sondern ist ganz und gar gesellschaftlich bestimmt. Der Mensch ist im Wesentlichen Produkt seiner konkreten sozialen Umgebung. Heute wäre das die „kapitalistische Herrschaftsform“. Diese müsse überwunden werden, um eine ideale Gesellschaft aufbauen zu können, so der marxistische Schlachtruf.

In dieser Lesart ist Gender ein Subprodukt von Antonio Gramscis Auffassung einer marxistischen Kulturrevolution.

Erstaunlicherweise ist in Deutschland „Gender“ in gewissen katholischen Milieus durchaus populär. Dass sich „Gender“ aus übelsten Ideologien speist, spielt für manche offenbar keine Rolle.

Die Männerseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichte beispielsweise ein Faltblatt mit dem Namen „Gender sensibel“ – eine Art soft-Version von „Gender“. Der „Katholische Deutsche Frauenbund“ hat die Broschüre „Gender, Gender Mainstreaming und Frauenverbandsarbeit“ herausgegeben. Caritas, BDKJ etc. haben ähnliche Publikationen und wohlwollende Stellungnahmen zu Gender verbreitet.

Der deutsche Katholizismus steht in dieser Hinsicht ziemlich alleine da, denn neben den letzten Päpsten haben die Bischofskonferenzen von Portugal, Spanien, Polen, der Slowakei, von Norditalien und von Sri Lanka, sowie der Bischof von Chur, Vitus Huonder, scharf die Gender-Ideologie in Hirtenbriefen verurteilt.

Dabei gab es eine deutsche Stimme, die schon seit langem vor der Bestrebung warnt, die wahre menschliche Identität zu missachten und den Menschen in marxistischer Manier zu einem gesellschaftlichen Produkt zu reduzieren.

So schreibt Kardinal Joseph Ratzingerin der Instruktion Libertatis Nuntius (1984), in der er die Irrtümer der Befreiungstheologie erläutert: „Wir rufen in Erinnerung, daß der Atheismus und die Negation der menschlichen Person, ihrer Freiheit und ihrer Rechte, sich im Zentrum der marxistischen Konzeption befinden. Diese enthalten auch die Irrtümer, die die Wahrheiten des Glaubens über die ewige Bestimmung der Person direkt bedrohen. Mehr noch, wer eine solche Analyse in die Theologie integrieren will, bei der die Kriterien der Interpretation von dieser atheistischen Konzeption abhängen, verstrickt sich in schlimme Widersprüche. Das Verkennen der geistigen Natur der Person führt dazu, diese völlig dem Kollektiv unterzuordnen und ebenso die Prinzipien eines sozialen und politischen Lebens zu leugnen, die mit der Menschenwürde übereinstimmen.“

Gender übernimmt dieses Grundprinzip aus der Befreiungstheologie und dem klassischen Marxismus. Das Arbeitsfeld von Gender ist aber nicht die Ökonomie, sondern die Geschlechtlichkeit. Das ist aber noch viel schlimmer, denn die Geschlechtlichkeit ist viel wichtiger für die Bestimmung der Identität und der Persönlichkeit eines Menschen, als seine Stellung im ökonomischen Produktionsprozess.

In "Salz der Erde", erschienen 1996, schreibt Kardinal Ratzinger zu den radikalsten Ausprägungen des Feminismus, die schon starke Ähnlichkeit mit der Gender-Ideologie besitzen: „Dabei ist nicht bloß an die Befreiung von Rollenzwängen gedacht, sondern letztlich wird eine Befreiung von der biologischen Bedingtheit des Menschen anvisiert. Man unterscheidet nun das biologische Phänomen Sexualität von dessen historischen Ausformungen, die man „gender“ nennt. … Es darf gar keine Aussage der >Natur< mehr geben; der Mensch soll sich beliebig modellieren können.“

Es ist verblüffend, wie früh Kardinal Ratzinger die tiefe Bosheit von „Gender“ erkannt hat, nämlich zu einem Zeitpunkt, als der Begriff lediglich in manchen Vorlesungssälen weniger Universitäten bekannt war.

Verblüffend ist aber auch, wie ungehindert „Gender“ trotzdem Eingang in manche katholische Milieus Deutschlands finden konnte.

Kommentare:

damasus hat gesagt…

Dass die Gender-Ideologie trotz der Stellungnahme Kardinal Ratzingers -bei deutschen Theologen und in deutschen Kirchenkreisen Einzug finden konnte, ist nur logisch, wenn man deren feindschafliche Einstellung zum damaligen Präfekten der Glaubenskongregation in Betracht zieht. Mit Zitaten aus der Ratzinger-Theologie verdarb man sich bezeugtermaßen an deutschen Universitäten alle Erfolgschancen in Prüfungen. Und wohl kaum eine Teilkirche hat dem Emeritus so wenig Respekt und Gehorsam entgegen gebracht (Man erinnere sich, was man beim letzten Papstbesuch des Emeritus in D ganz offen an Obstruktionsplänen aus der Diözese Freiburg verbreitete)

Anonym hat gesagt…

Ihr habt einfach nur einen Knall.Religiöser Fanatismus und Engstirnigkeit sind auch gefährlich ! Zum Glück gehören Vollpfosten wie ihr zu einer schwindenden Minderheit !

NikoBelik1 hat gesagt…

XD In den Reihen der Katholischen Priester sind viele Homosexuell,die meisten machen es nicht öffentlich aus Angst vor Strafe oder Verfolgung durch die Kirche bzw Vatikan! Mit solchen Beiträgen zeigen Religiöse Fanatiker wie Mathias von Gersdorff nur das sie engstirnig,rückständig und allem feindlich gegenüber eingestellt sind das nicht in kleines Weltbild passt ! In immer mehr Ländern werden die Rechte von Homosexuellen gestärkt,die Gesellschaft entwickelt sich weiter,nur die Kirche und die Fundamentalisten hängen immer noch im Mittelalter !

Anonym hat gesagt…

Viele Evolutionsbiologen, Psychologen, Soziologen und andere knallharte rationalle Wissenschaftler haben das selbe Bild von Gender wie der Ratzinger, übrigens.Im Norwegen hat man deswegen auch Gender-Institut zugemacht. All diese Gender Thesen haben sich dort seit 25 Jaren nicht bestätigen können. Sie erweisen sich als eine Ideologie, nicht mehr. Übrigens haben viele Sozial- und Zukunftsforscher die gleiche Meinung wie die extrem religiöse Fanatiker, was unsere Zukunft angeht.
http://www.welt.de/politik/deutschland/article156256183/Job-und-Kinder-treiben-Eltern-in-die-Ueberforderung.html
Das haben die Feministinen erreicht.Ja wohl, wir werden eine neue Geselschaft, von psychisch Kranken Müttern und Kindern, die zu psychisch kranken Erwachsenen werden.
Nun weiter so.

AR hat gesagt…

Hier haben wir ja mal wieder die typischen Einwände der wahren Vollpfosten: Sie schmeißen mit beleidigenden Ausdrücken um sich, wie so oft. Wer nicht mit der modernen Strömung mit läuft, sei "rückständig und wer sich nicht jedem neuen Mist öffnet, "engstirnig" und "allem feindlich gegenüber eingestellt". Das jede gesellschaftliche Änderung eine Weiterentwicklung im positiven Sinn sei, entbehrt jeder Logik. Nicht jeder Schritt nach vorne ist gut - z.B. wenn ich vor einem Abgrund stehe. Da wäre der sogen. "Rückschritt" sehr zu empfehlen! Wenn Menschen so einseitig mit dem Einsatz von Schlagwörtern an dem Artikel Kritik üben, outen sie sich selbst als solche, die letztlich keine festen Werte haben. Interessant dabei ist, dass bei vorgegebener Aufgeklärtheit andere, widersprechenden Erkenntnisse ausgeklammert werden. So offenbart sich auch hier ein eingeschränktes Weltbild, deren Grundlage eine eigene, vorgefasste Moral ist. Diese aber ist allzu gerne das Ergebnis des eigenen Wunsches ungehemmter Lebensführung, der sich kein Gott entgegenstellen soll. Also einfach das eigene Gottesbild unseren Wünschen angepasst oder gleich zum Atheist werden.
Ich sehe nicht, warum diese beschriebene Einstellung so vernünftig und fortschrittlich sein soll. Es gab auch unter Adolf Hitler solch aggressiven Hetzer, die unter Beifall mit der Strömung liefen - nur kamen sie aus einem anderen extremen Lager. Bibel gläubige Menschen haben sich hier als wesentlich unanfälliger erwiesen, auch wenn sie nicht fehlerlos sind. Und es sind genau diese, die auch hier bei den neuen extremen Strömungen Rückgrad beweisen, wenn sie auch verlacht werden. Aber das wäre ja nichts Neues ...
Also, was sollt, beleidigt uns wegen unserer christlichen Werte ruhig weiter. letztlich zählt Gottes Meinung und es kommt der Tag, an dem wir uns alle vor IHM verantworten müssen.
Wie Jesus es in Off 22,11-13 sagt:
"Wer Böses tut, mag es weiterhin tun, wer an schmutzigen Dingen Gefallen hat, mag sich weiter beschmutzen. Wer aber gerecht ist, soll weiter gerecht handeln und wer heilig ist, soll weiterhin ein geheiligtes Leben führen. 12 Ja, ich komme bald. Und ich bringe jedem den Lohn mit, der seinen Taten entspricht. 13 Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Ursprung und das Ziel."

NikoBelik1 hat gesagt…

Klar,alle müssen machen was Gott vorschreibt (sonst werden wir alle bestraft wenn nicht),woher wissen wir was Gott will,keiner hat ihn bisher gesehen oder mit ihm gesprochen bzw konnte beweisen das es so war ! Was soll ungehemmte Lebensführung überhaupt sein ? Wo ist der Unterschied zwischen Christlichen Werten und denen des Humanismus ? Immer noch nicht kapiert worum es geht?
Leute wie Mathias von Gersdorff versuchen mit allen Mitteln allen ihr Weltbild aufzudrücken,jeder soll nach seiner Pfeife tanzen,das zeigen solche Aktionen wie "Verbietet die Bravo" ! Mathias von Gersdorff kritisiert alles und macht sich nicht mal die Mühe hier mal persönlich zu antworten oder sich mal wirklich mit den Dingen zu beschäftigen die verbieten bzw zensieren lassen will !

Leo Trotzki hat gesagt…

Herr von Gersdorff, Sie machen es sich zu einfach!

Gender & Co sind pseudolinke Tendenzen, die u.a. von Grünen und Stalinisten aufgebracht wurden! Mit dem wahren Marxismus hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun! Ich versichere Ihnen, daß solche theoretischen Fehlleistungen jeden nonpablistischen Trotzkisten genauso anwidern wie Sie.

WSWS schreibt:

In diesem Zusammenhang möchten wir unsere Leser auf die Analyse aufmerksam machen, die der Chefredakteur der WSWS, David North, im Vorwort zu seinem neuen Buch darlegt: Die Frankfurter Schule, die Postmoderne und die Politik der Pseudolinken: Eine marxistische Kritik (The Frankfurt School, Postmodernism and the Politics of the Pseudo-Left: A Marxist Critique, Mehring Books, 2015. Eine deutsche Übersetzung des Buchs liegt jetzt vor.)

* Der Begriff „Pseudolinke“ bezeichnet politische Parteien, Organisationen und theoretische/ideologische Tendenzen, die populistische Parolen und demokratische Phrasen benutzen, um die sozioökonomischen Interessen privilegierter und wohlhabender Schichten der Mittelklasse zu fördern. Beispiele für solche Gruppierungen sind Syriza in Griechenland, Podemos in Spanien, die Linke in Deutschland und die zahlreichen Ableger ex-trotzkistischer (z.B. pablistischer) oder staatskapitalistischer Organisationen wie die Nouveau Parti Anticapitaliste (NPA) in Frankreich, die NSSP in Sri Lanka und die International Socialist Organization in den Vereinigten Staaten. Man kann auch die Überreste der Occupy-Bewegung hinzuzählen, die von anarchistischen und postanarchistischen Tendenzen beeinflusst sind. Angesichts der großen Vielfalt kleinbürgerlicher pseudolinker Organisationen weltweit ist diese Liste bei Weitem nicht vollständig.

* Die Pseudolinke ist antimarxistisch. Sie lehnt den historischen Materialismus ab und stützt sich stattdessen auf verschiedene Formen des subjektiven Idealismus und des philosophischen Irrationalismus, wie sie vom Existentialismus, der Frankfurter Schule und der zeitgenössischen Postmoderne vertreten werden.

* Die Pseudolinke ist antisozialistisch. Sie lehnt den Klassenkampf ab und leugnet die zentrale Rolle der Arbeiterklasse ebenso wie die Notwendigkeit einer Revolution für die fortschrittliche Umgestaltung der Gesellschaft. Sie stellt der unabhängigen politischen Organisation und Massenmobilisierung der Arbeiterklasse gegen das kapitalistische System einen klassenneutralen Populismus entgegen. Das Wirtschaftsprogramm der Pseudolinken ist im Wesentlichen prokapitalistisch und nationalistisch.

* Die Pseudolinke tritt für verschiedene Formen der „Identitätspolitik“ ein, die sich auf Fragen der Nationalität, der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts und der sexuellen Orientierung konzentriert, um in Unternehmen, Universitäten, besser bezahlten Berufsgruppen, Gewerkschaften, Regierungsstellen und staatlichen Institutionen mehr Einfluss zu gewinnen. Sie strebt eine für sie günstigere Aufteilung des Vermögens unter den reichsten zehn Prozent der Bevölkerung an. Den Pseudolinken geht es nicht um die Abschaffung gesellschaftlicher Privilegien, sondern darum, selbst stärker daran teilzuhaben.

David North schließt das Vorwort zu seinem neuen Buch mit den Worten: „Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben der trotzkistischen Bewegung, die Klassengrundlage, die rückwärtsgewandten theoretischen Konzeptionen und die reaktionäre Politik der Pseudolinken zu analysieren und zu entlarven. Nur so kann sie die Arbeiterklasse aufklären, vom Einfluss kleinbürgerlicher Bewegungen befreien und ihre politische Unabhängigkeit als entscheidende progressive und revolutionäre Kraft in der modernen kapitalistischen Gesellschaft herstellen.“

"Die Frankfurter Schule, die Postmoderne und die Politik der Pseudolinken: Eine marxistische Kritik" ist ein wichtiger Beitrag zu diesem Ziel und wird der Arbeiterklasse in ihren kommenden Kämpfen gute Dienste leisten.

Anonym hat gesagt…

Das war ja wieder mal klar: Was nicht christlich zu sein scheint, muss natürlich marxistisch sein! Wer nur schwarz-weiß denkt, kann natürlich an den schönen Regenbogenfarben nichts Gutes finden. Wie traurig muss es im Inneren bei diesen Leuten aussehen?

Anonym hat gesagt…

Was für ein Spinner udn so einer läuft frei rum ohne Aufsicht ! Alles soll so bleiben wie zur Zeiten vor 68 alles wird durch die Kirche geregelt und bestimmt !