Dienstag, 7. Juni 2016

130 getötete Kinder im Jahr 2015, andere Delikte steigen teilweise um 51 Prozent

(PM Deutsche Kinderhilfe) Die Deutsche Kinderhilfe hat heute gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, der Professorin für klassische und neue Arbeitsfelder der Pädagogik der Frühen Kindheit an der HS Koblenz, Kathinka Beckmann und der Regionalleiterin des regionalen Sozialpädagogischen Dienstes, Region Gesundbrunnen im Jugendamt Berlin-Mitte, Kerstin Kubisch-Piesk, die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik 2015 zu kindlichen Gewaltopfern vorgestellt.

In der Bundespressekonferenz  erläuterte BKA Präsident Holger Münch, dass im Jahr 2015 insgesamt 130 Kinder getötet wurden. 81 Prozent von ihnen waren zum Zeitpunkt des Todes jünger als sechs Jahre. In 52 weiteren Fällen blieb es bei einem Tötungsversuch.

Die Fallzahl vollendeter fahrlässiger Kindstötungen stieg um 51 Prozent an. Die Landeskriminalämter der Länder Rheinland-Pfalz und Sachsen meldeten in diesem Bereich einen Anstieg von 300 Prozent, Hessen musste einen Anstieg von 500 Prozent bekannt geben.

Die Zahl der Fälle gegen Kinder gerichteter körperlicher Misshandlungen sank um sechs Prozent. 3.929 Kinder waren hiervon betroffen. Im Bereich sexueller Gewalt weist die Statistik einen geringen Rückgang von 3,24 Prozent auf, doch wurden noch immer 13.928 Fälle registriert. Das sind fast 270 Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder pro Woche – 38 betroffene Kinder jeden Tag.

Die in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Fallzahlen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischen Materials verringerten sich im Vergleich zum Vorjahr, trotz der Erfolge des Bundeskriminalamtes bei der Löschung von im Inland gehosteten kinderpornographischen Internetangeboten im Vorjahr, um nur 0,52 Prozent.

„Kinder werden täglich Opfer von Gewalt und Misshandlung. Sie werden vernachlässigt, sexuell missbraucht und die Bilder des Missbrauchs im Internet veröffentlicht. Kinderpornographie ist ein Massenphänomen.“, erklärt BKA Präsident Holger Münch und verdeutlicht: „Die PKS ist Beleg für viele solcher Fälle – und das, obwohl sie nur das Hellfeld der Kriminalität beschreibt. Wir müssen davon ausgehen, dass viele Taten unentdeckt bleiben. Darüber hinaus nutzen pädophile Täter beim sogenannten „sexting“ und „grooming“ die Arg- und Sorglosigkeit der Kinder und Jugendlichen aus und animieren diese, beispielsweise intime Bilder von sich freizugeben. Neben der konsequenten Strafverfolgung, der ständigen Weiterentwicklung von Ermittlungsinstrumenten, wird daher Prävention und Aufklärung über die Gefahren im Netz immer wichtiger.“

Prof. Kathinka Beckmann verdeutlicht das Ausmaß der gegen Kinder verübten Gewalt: „Experten gehen davon aus, dass sich hinter jedem der statistisch erfassten Kinder fünf weitere Gewaltopfer verbergen.“ Die Sozialwissenschaftlerin fordert ein Umdenken der Bundesregierung: „Ein Ausruhen auf den Maßnahmen des seit vier Jahren umgesetzten Bundeskinderschutzgesetzes ist mit diesen Zahlen nicht möglich, zumal dieses Gesetz die strukturelle Problematik der Jugendhilfe – nämlich die Ausrichtung an wirtschaftlichen statt an bedarfsgerechten Maßstäben – nicht gelöst hat. Solange allerdings die Politik lieber über die Subventionierung der Autoindustrie debattiert, sich die Bevölkerung eher über gequälte Tiere als über gequälte und zu Tode geprügelte Kinder empört, wird sich auch in Zukunft wenig ändern.“

Dem stimmt auch Kerstin Kubisch-Piesk, Regionalleiterin des regionalen Sozialpädagogischen Dienstes, Region Gesundbrunnen im Jugendamt Berlin-Mitte, zu. „Kinderschutz und Qualität gibt es nicht zum Nulltarif. Durch den Personalabbau sind die Jugendämter am Ende ihrer Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit, Reflektion und Analyse kommen zu kurz, nicht die Qualität einer Maßnahme entscheidet über die Ein- oder Fortsetzung, sondern ihre Kosten.“ Strukturelle Mängel in der Kinder- und Jugendhilfe nähmen den Helfenden Zeit und Kraft für die Kinder und Familien. Eindringlich warnt Kerstin Kubisch-Piesk vor dieser Entwicklung: „Die Zusammenarbeit mit den Familien ist Kernaufgabe im Kinderschutz, denn wer in Krisen keinen Kontakt zu Familien herstellen kann, ist als KinderschützerIn vom Scheitern bedroht."

Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe e.V., fordert einen ganzheitlichen Wandel: „Kinderschutz ist keine freiwillige Wohltätigkeit, sondern originäre Pflicht des Staates. Wir bitten nicht um Unterstützung, sondern fordern einen Paradigmenwechsel. Wir fordern mehr Geld und Zeit für Qualität, wir fordern, dass die Stimmen aller Beteiligten, also auch jene der einzelnen Mitarbeitenden, der Kinder und ihrer Familien, gehört werden. Wir fordern eine durchgängige wissenschaftliche Begleitung von Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe und die gesetzliche Pflicht zur Analyse von fehlgegangenen Hilfefällen. Wir fordern echte Netzwerkarbeit in der Bundesrepublik und niedrigschwellige Hilfsangebote. Wir fordern verpflichtende Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zum Kinderschutz für alle, die mit und für Kinder arbeiten und, dass die Medien und die Zivilgesellschaft entschlossen für Kinder eintreten.“

Die Deutsche Kinderhilfe ist die staatlich unabhängige Lobbyorganisation für Kinder. Sie informiert die Öffentlichkeit über Missstände und leistet bundesweite Projektarbeit, um Veränderungen im Sinne von mehr Kinderschutz und Kinderrechten auf faktischer, gesetzlicher und politischer Ebene zu erzielen.

Kommentare:

NikoBelik1 hat gesagt…

Kinderpornografie ist sicher kein Massenphänomen,an echte harte Kinderpornografie kommt man nur sehr schwer ran,außerdem muss man mal fragen was ist Kinderpornografie und was nicht ! In den 70-90ziger Jahren gab es viele Filme wie Madita in denen Kinder nackt zu sehen waren und keinen hat es gestört,nebenbei gab es Aufklärungsbücher wie "Zeig mal" oder Filme von Osswald Kolle die Thema Kindliche Sexualität behandelt haben,früher ganz Normal,heute ein Skandal Wie immer wird das Thema Pädophile lauern überall,die Kinder sind nicht mehr sicher mal wieder künstlich aufgeblasen,die meisten Übergriffe circa 90 Prozent finden in der Familie statt,die Täter sind keine Pädophilen sondern Ersatzobjekttäter,genau so war es auch in den Fällen in Katholischen Einrichtungen ! Gegen Sexuellen Missbrauch oder Gewalt kann Aufklärung am besten helfen,die sollte in der Kita beginnen und die Grundschule bis zu weiterführenden Schulen fortgesetzt werden !

Leona hat gesagt…

Und was tut Mathias von Gersdorff persönlich dagegen ? Außer hetzen und alles kritisieren was nicht "Christlichen Werten" entspricht kann er scheinbar nichts !

Anonym hat gesagt…

ausschließlich an beliks verschmutztes gehirn - du denkst, um so mehr du dir die finger wundschreibst, um so eher kannst du dir die finger oder etwas anderes an dir gewachsenes wundrubbeln am kindlichen genital (gemäß dem von dir sicher auch favorisierten buch - bauch, beine, po ... "die scheide ist nicht nur zum pullern da ... es kitzelt so fein... mach weiter ..."
es gab auch mal einen kentler und berliner jugendämter, die kleine jungs diversen pädokriminellen auslieferten, die dann fürs kinderschänden auch noch bezahlt wurden. vermutlich seelige zeiten für einen belik ...

NikoBelik1 hat gesagt…

Anonym,die dürfte schon klar sein das ich dich für diesen Post anzeigen könnte oder?
Auch wenn es euch Bibeldeppen nicht passt,es ist Wissenschaftlich bewiesen das auch Kinder schon Sexuelle Lust empfinden können ! Ich würde mit solchen Äußerungen vorsichtig sein,bitte bring mal echte Argumente und nicht immer wieder den selben Mist !

Leona hat gesagt…

Niko,regt dich nicht auf,solche Trolle sind es nicht wert,die müssen ihren Frust rauslassen und machen andere runter weil sie selber massive eigene Probleme haben ! Auf dieser Seite scheint das so gut wie immer vor zukommen !

Leonie hat gesagt…

Niko Belik ist ein echter Pädophiler und darf ausgerechnet in diesem Blog ungehindert schreiben. Ich finde das sehr seltsam. Vielleicht erklärt er uns ja mal, wo er den Unterschied zwischen "echt harter Kinderpornographie" und weicherer ansetzt. Auch die Wortschöpfung "Ersatzobjekttäter" hat bei ihm ein G'schmäckle.

Leona hat gesagt…

Lustig wenn sich alle aufregen und Leute die sie nicht kennen in eine Schublade stecken,das scheint heute ja in Mode zu sein ! Harte Kinderpornografie sind alle Videos wo Kinder gegen ihren Willen zum Sex oder anderen Dingen gezwungen werden,die gehört zu bekämpft und die Macher schwer bestraft, heute gelten aber schon harmlose Filme wie Madita oder Ronja Räubertochter fast als Kinderporno ! Für Religiöse Deppen ist alles eine Gefahr für was mit Sexualität und Nacktheit in Verbindung mit Kindern zu hat eine Gefahr ! Bisher habe ich hier außer den Beiträgen von Niko noch nichts brauchbares gelesen,scheinbar kommen hier Leute her die ihren Frust raus schreiben oder einfach keine Ahnung haben MFG Lenoa

Leonie hat gesagt…

Heißt du Leona oder Lenoa? Nach dir die Sintflut?

Leo Trotzki hat gesagt…

Buchbesprechung

Eine marxistische Kritik der Frankfurter Schule

Von Peter Schwarz
11. Juni 2016

David North, „Die Frankfurter Schule, die Postmoderne und die Politik der Pseudolinken“, Mehring Verlag (Essen), April 2016

Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule und verwandte ideologische Strömungen werden in linken akademischen Kreisen seit Jahrzehnten als Marxismus ausgegeben. David North hat nun ein Buch vorgelegt, das sie vom Standpunkt des orthodoxen Marxismus kritisiert. Es enthüllt die tiefe Kluft, die den klassischen Marxismus von diesen Theorien trennt.(...)

(...)North versteht also den Zusammenbruch der Zweiten Internationale selbst als objektiven historischen Prozess – nicht in dem Sinne, dass er unvermeidlich war, sondern dass die theoretischen Konzeptionen, die ihn begleiteten, selbst historisch bedingt waren.

„Dieselben objektiven Umstände, die das gewaltige, organische Anwachsen der sozialistischen Arbeiterbewegung im späten 19. Jahrhundert begünstigt hatten“, schreibt er, „trugen auch zur Entwicklung bestimmter Denkmethoden bei, deren Grenzen erst in einem späteren, weit fortgeschrittenen Stadium der ökonomischen und politischen Krise offenbar werden sollten.“ Das Auftreten des Imperialismus habe eine „lange Ära der ‚organischen‘ sozioökonomischen Entwicklung“ beendet und durch „eine neue Periode revolutionärer Kämpfe“ abgelöst. Diese objektive Veränderung habe den Hintergrund der Krise des Marxismus innerhalb der Zweiten Internationale gebildet. „Die Ideologie ist ein wichtiger Faktor der Politik, aber nicht ein bestimmender; ihre Rolle ist eine politisch dienende“, zitiert er Trotzki.

Bald zeigte sich, dass hinter der Auseinandersetzung über Plechanow tiefere Meinungsverschiedenheiten standen. Steiner und Brenner griffen das Internationale Komitee heftig an, weil es das Schwergewicht seiner politischen Arbeit auf die Erarbeitung politischer Analysen und Kommentare und die Herausgabe der World Socialist Web Site legt. Sie warfen ihm „Objektivismus“ vor und beschuldigten es, die Bedeutung der Psychologie und des Utopismus für die Herausbildung sozialistischen Bewusstseins und das revolutionäre Handeln zu unterschätzen.

North antwortet, Steiner und Brenner versuchten, die Konzeptionen der Frankfurter Schule und der Postmoderne in die trotzkistische Bewegung einzuschleusen. „Ihr wollt, dass sich das Internationale Komitee nicht vorrangig mit Politik und Geschichte beschäftigt, sondern mit Psychologie und Sex, wie sie insbesondere in den Werken Wilhelm Reichs und Herbert Marcuses dargelegt werden. Diese Themen bilden für euch die Grundlage für die Entwicklung von ‚sozialistischem Bewusstsein‘…“

Um diese Fragen dreht sich die Auseinandersetzung. In ihrem Verlauf wird immer deutlicher, dass die von Steiner und Brenner vertretenen Auffassungen nicht mit der Entwicklung einer sozialistischen Perspektive und einer revolutionären Orientierung für die Arbeiterklasse vereinbar sind. Während Steiner und Brenner das Problem in der Psyche und dem Denken des Individuums verorten, verteidigt North die marxistische Methode.

Ausgangspunkt des Marxismus sind nicht die Psyche oder das Denken des Einzelnen, sondern die „historisch entwickelten sozio-ökonomischen und politischen Widersprüche des Kapitalismus als Weltsystem“. Aus ihrer Analyse leitet er seine Strategie ab. Eine revolutionäre Perspektive müsse sich „auf eine wissenschaftlich begründete Einschätzung der objektiven Tendenzen der sozioökonomischen Entwicklung gründen“, betont North. „Getrennt von den notwendigen, objektiven sozioökonomischen Voraussetzungen“ könne sie „nichts weiter als ein utopisches Konstrukt sein“.(...)