Freitag, 6. November 2015

Bundestag erlaubt private Sterbehilfe und ebnet Weg zur völligen Freigabe

Mathias von Gersdorff

Der Bundestag hat am heutigen Freitag die assistierte Sterbehilfe durch Angehörigen oder nahe stehenden Personen gesetzlich erlaubt. Dadurch ist von nun an Euthanasie in Deutschland legal.

Etliche Medien und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter Bischof Stephan Ackermann von Trier, feierten die Entscheidung, weil die gewerbliche Sterbehilfe, also auf Wiederholung angelegte, so genannte „geschäftsmäßige Suizidbeihilfe“ verboten wurde. Ein Arzt, der im Einzelfall einem Kranken zum Freitod hilft, soll nicht bestraft werden.

Doch diese Personen erkennen nicht, dass sich die gesetzliche Lage hinsichtlich des Lebensschutzes trotzdem verschlechtert hat, denn bislang war de facto jegliche Sterbehilfe verboten.

Aus ähnlichen Abstimmungen in der Vergangenheit weiß man, dass die neue Gesetzeslage von kurzer Zeitdauer sein wird. Stammzellenforschung, Präimplantationsdiagnostik, Abtreibung usw.: In all diesen Fällen wurden die Gesetze mit der Zeit immer weiter liberalisiert.

Es gibt keinen Grund, wieso das nicht auch mit der Sterbehilfe passieren soll: Wenn nun Verwandte und Angehörige „privat“ Sterbehilfe durchführen dürfen, ist sogar naheliegend, dass sie sich „professionelle“ Hilfe holen.

Bald wird man das Argument hören: Um eine „sichere“ Sterbehilfe zu gewährleisten, dürfen sich Verwandte an professionelle – also gewerbliche – Euthanasieanbieter wenden.

Dass es so kommt, kann man schon heute erahnen, denn viele Ärzte haben jetzt schon ihre Weigerung, Sterbehilfe durchzuführen, angekündigt. Mit der Zeit werden sich manche Ärzte auf das Töten spezialisieren, regelmäßig ausführen und dafür auch entlohnt werden wollen. Spätestens dann wird man auch gewerbliche Sterbehilfe einführen, zunächst wohl in „nur ganz speziellen Fällen“, wie das üblicherweise in Deutschland passiert.

Kommentare:

Fritz - Ulrich Hein hat gesagt…

Herr von Gersdorff, dann wünsche ich Ihnen einen qualvollen Tod. Vielleicht erkennen Ihre Angehörigen dann, dass ein qualvoller Tod nicht sein muss. Auch ich habe, Dank Prof Hackethal, schon vorgesorgt und werde meinem Tod einen menschenwürdigen Abgang ermöglichen.

Fritz Brand hat gesagt…

Sogar Tiere (die sich dazu nicht äußern können) werden eingeschläfert damit sie nicht leiden! Aber der Mensch ist das nicht Wert oder wie? Er muss leiden bis zum letzten Atemzug. Obwohl er sagen kann: "Ja, ich will sterben."
Weiterhin ist dies eine enorme Entlastung der sozial- und Gesundheitskassen. Nützt also auch der Allgemeinheit.

Konrad Kugler hat gesagt…

Der korrekte Name dieses Gesetzes lautet:

GESETZ ZUR SELBSTMORDBEIHILFE UND ERMÖGLICHUNG VON ERBSCHAFTSBESCHLEUNIGUNG.

Hochmut ist sicher die Sünde wider den Heiligen Geist, die nicht vergeben werden kann. Wer also unbedingt nach seinem Selbstmord in die Hölle kommen will - der Teufel wartet schon.

Aber was sage ich Leuten, die glauben, daß das Leben in der Ursuppe entstanden ist.
Obwohl eindeutig fest steht, daß Leben nur aus Lebendem hervorgehen kann.
Punkt

Anonym hat gesagt…

Leiden nach dem Tod
Wenn Jemand meint, man könne dem Leiden aus dem Weg gehen, indem man je nach Situation sich selbst oder leidende Angehörige durch menschliche Hand das Leben nimmt, der sollte mal über die Leiden im Fegefeuer nachdenken. Wer meint es gibt kein Fegefeuer der sollte sich fragen ob er so heilig lebt, das er keins braucht, und wo er reklamieren kann, wenn es doch Eines gibt, das er im Todesaugenblick erkennt.
Die Leiden im Reinigungsort sind nicht zu vergleichen mit irdischem Leid.
Da das Töten eine schwere Sünde ist kann Jeder über die Folgen nachdenken.
Manche Menschen will Gott durch Leiden vor der Hölle retten, was ist beim Abbruch dieses Gnadengeschenkes?

Heinz.H. hat gesagt…

Diese leichtfertigen Kommentare werden dem qualvollen Leiden vieler Kranker überhaupt nicht gerecht.
Wer kann sich wirklich vorstellen ,was in einem Menschen vorgeht der einen qualvollen Sterbeprozess vor sich hat,der durch das schrittweise Versagen vitaler Körperfunktionen leidvoll und lange sein kann ?
Hier wird aber deswegen ein Szenario hochgekocht , dass fast in jedem guten deutschen Krankenhaus und jeder gut geführten Pflegeeinrichtung so nicht stattfindet.
Dort bekommt nämlich jeder Sterbende die Zuwendung und medikamentöse Hilfe wie sie für ein würdiges Sterben unter den gegebenen Umständen möglich ist. Schon vor Jahrzehnten war ich mit der pflegerischen Versorgung Sterbender betraut und jeder Patient hat soviel Schmerzmittel bekommen wie es für ein erträgliches Dasein nötig war. Allerdings wurde dabei auch eine veränderte Bewusstseinslage herbeigeführt und in einigen Fällen auch ein früherer Todeseintritt. Es wurde nur nicht soviel darüber geredet. Das wahre Problem wird heute durch das Gerede um Hilfe zum legalen Selbstmord doch verdrängt. Medikamente für ein schmerzfreies Lebensende gibt es genug , aber leider nicht genug Personal um Kranke auf ihrem letzten Weg damit durch menschliche Nähe liebevoll zu begleiten. Mit der grauenvollen tödlichen Infusion oder dem " Giftbecher " entledigt man sich Menschen , die es verdient hätten in würdevoller Weise mit aller medizinischen Versorgung , ohne Selbstmord begehen zu müssen, im Frieden zu sterben. Stattdessen wird eine Sterbekultur eingeführt , in der Menschen wie Tiere eingeschläfert werden und das auch noch selbst tun sollen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Menschen die noch gar nicht sterben wollen , sich aber nicht ausreichend mitteilen können , durch egoistisches Verhalten ihres Umfeldes unfreiwillig aus dem Leben scheiden. Das ist leider in einem Nachbarland schon Realität . Diese ganze Diskussion ist eine scheinheilige Angelegenheit , weil unsere gesamtes Gesundheitswesen seinen Charakter der Gemeinnützigkeit verloren hat und die Versorgung Kranker nur noch auf Profit und gute Börsenkurse von medizinischen Konzernen ausgerichtet ist. Für sterbende auch Kosten verursachende Menschen ist da einfach kein Platz mehr. Über das Horrorszenario das demnächst durch gelockerte Sterbehilfe auf uns zukommt mag ich nicht nachdenken.