Dienstag, 1. September 2015

Emotional unterversorgt: Die armen reichen Promi-Kinder

Materiell fehlt es ihnen an nichts, doch seelisch verkümmern diese Kinder.

Sie haben alles, was man sich wünschen kann, trotzdem gehören sie zu den Ärmsten unserer Gesellschaft: Kinder, die unter Wohlstandsverwahrlosung leiden. Denen es materiell zwar an nichts fehlt, die auch das Wort Frühförderung schon mit drei Jahren buchstabieren können und die es für völlig normal halten, dass ihnen Erwachsene unangenehme Aufgaben abnehmen und Cluburlaube finanzieren. Die aber mit ihren emotionalen Wünschen und Bedürfnissen von ihren Eltern komplett allein gelassen werden. Eine psychische Verwahrlosung, die oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist.

Ein schönes Haus in einer guten Gegend, alles vom Feinsten, mehrmals Urlaub im Jahr, Putzfrau und Nachhilfelehrer sind selbstverständlich. Wie kommt man dabei auf die Idee einer Verwahrlosung? Doch auch Kinder aus wohlhabenden Verhältnissen können arm sein – innerlich arm. Es fehlt ihnen an Zuwendung durch die Eltern, Zeit in der ihnen einfach nur zugehört wird, Interesse an ihnen und ihrem Leben. Aber vor allem an Zuneigung

Natürlich hat nicht jede Familie mit hoher Arbeitszeitbelastung und hohem Einkommen automatisch ein Problem. Auch nicht jeder, der zu wenig Zeit für sein Kind hat, lässt dies emotional verkümmern. Wichtig ist die Qualität der Beziehung und wie gemeinsame Zeit erlebt wird. Auch Eltern mit viel Zeit können ihre Kinder emotional verhungern lassen. Auch das Überhäufen der Kinder mit Geschenken schadet nicht automatisch. Denn zur Wohlstandsverwahrlosung gehört nicht nur Wohlstand, sondern vor allem emotionale Verwahrlosung, sagt Psychotherapeut Klaus Nitsch.

Luxus ist nicht Liebe

Eltern, die vor lauter Selbstverwirklichung keine Zeit mehr für ihre Kinder haben, versuchen das häufig durch materielle Zuwendung auszugleichen. Oft leben Kinder, die unter Wohlstandsverwahrlosung leiden, in einer nach außen hin intakten Familie, in der es innen brodelt oder schlimmer noch, schon das große Schweigen zwischen den Eltern herrscht.

Ebensolche, die durch eine Trennung in einen materiellen Wettstreit treten, berufstätige Mütter, die versuchen, ihr schlechtes Gewissen ruhig zu kaufen oder unsichere Eltern, die sich die Liebe ihrer Kinder zu kaufen versuchen. Oder solche, die davon überzeugt sind, ein glückliches Kind sei eines, dessen Wünsche sofort und jederzeit erfüllt werden. Eine solche Luxusverwahrlosung und der damit zusammenhängende falsche Begriff von Liebe führen automatisch zu emotionalen Problemen.

Zu den Grundbedürfnissen eines Kindes gehören nicht nur Essen, Trinken, saubere Kleidung und ein Dach über dem Kopf, sondern auch die Befriedigung seiner Schutzbedürfnisse, Anregung, Verlässlichkeit, Verständnis und körperliche wie seelische Wertschätzung. Kinder brauchen eine sichere Bindung und emotionale Zuwendung. Wohlstandsverwahrlosten Kindern fehlt es aber nicht nur an Aufmerksamkeit für ihre Bedürfnisse, es fehlt ihnen auch an Grenzen. Denn diese zu setzen, Konflikte auszutragen und auszuhalten, das kostet Zeit, und um die nicht opfern zu müssen, wird nachgegeben. Das sorgt ja erst einmal auch für Ruhe. Aber eben nur erst einmal. Denn auf Dauer macht es die Kinder immer orientierungsloser und oft tyrannisch.

"Wohlstandsverwahrlosung ist also keine vorübergehende Kinderkrankheit, sondern immer auch eine Hypothek, die weit in die Zukunft ausstrahlen kann", warnt Nitsch.

Mit Informationen aus t-online

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