Dienstag, 30. Juni 2015

Privatschulen: Nachfrage größer als das Angebot

Immer mehr Eltern möchten ihre Kinder lieber auf eine Privatschule geben. Das geht aus einer aktuellen Studie des Privatschulverbands hervor. Grund dafür ist meist die individuellere Betreuung.

Ein außerdem überraschendes Ergebnis der Studie: Je niedriger der Bildungsabschluss der Eltern, umso größer der Wunsch nach einer Privatschule. Unter den Eltern mit Hauptschulabschluss sähen 37 Prozent ihr Kind gerne an einer Privatschule.


Im Auftrag des Verband Deutscher Privatschulverbände (VDP) wurden bundesweit etwas über 1000 Eltern minderjähriger Kinder durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragt. Privatschulen seien weiterhin „eine gefragte Alternative“, heißt es – und müssten deshalb staatlich stärker gefördert werden, berichtet der Tagesspiegel am 22.04.2015.

"Das hat uns überrascht. Aber auch freudig überrascht. Also wir finden das sehr gut und führen es darauf zurück, dass das Thema Bildung in der Bevölkerung angekommen ist. Insofern ist es sehr wichtig, dass wir über Bildung sprechen und wir uns darüber Gedanken machen, dass Bildung nicht gleich Bildung ist“, sagt Petra Witt, die Präsidentin des Privatschulverbandes VDP. Etwa 10 Prozent der Kinder besuchen momentan eine Schule in freier Trägerschaft, aber etwa 30 Prozent der Eltern wünschen sich eine solche Schule für ihr Kind. Die Nachfrage ist also größer als das Angebot.

Laut VDP stiegen die tatsächlichen Schülerzahlen an freien Schulen in den letzten zehn Jahren um 17 Prozent. Verglichen mit den Elternwünschen sei die Nachfrage aber weit größer als das Angebot.

"Das ist sehr bedauerlich. Und wir würden uns natürlich sehr wünschen, dass wir als freie Schulen auch in unseren Gemeinden, vom Staat und vom Land auch unterstützt werden in den Bemühungen, dieses Angebot auszuweiten. Denn auch das ist ganz wichtig: dass das Angebot in der Nähe ist. Also da, wo die Familien und die Kinder wohnen."

Die meisten Privatschüler gehen bundesweit auf Gymnasien, nämlich mehr als ein Drittel. Es folgen Realschulen (14,7 Prozent), Grundschulen (12,3 Prozent) und Freie Waldorfschulen (11,2 Prozent). Insgesamt gibt es derzeit fast 5700 privat getragene Schulen in Deutschland, das ist fast ein Drittel mehr als noch 2003. Verglichen mit 1992 sind es sogar 76 Prozent mehr. Dieser hohe Anstieg erklärt sich zu großen Teilen auch durch einen Nachholbedarf in Ostdeutschland, weil in der DDR kaum private Schulen existierten. Heute gehören die ostdeutschen Länder zu denen mit dem höchsten Privatschulanteil. Zum Vergleich: Insgesamt gibt es in Deutschland fast 34 000 staatliche Schulen.

Schnell und flexibel auf Veränderungen reagieren

Das Ergebnis der Studie ist eine Steilvorlage für den Privatschulverband, der natürlich politische Forderungen damit verbindet. Zum Beispiel die, dass die staatliche Förderung für private Ersatzschulen 80 bis 85 Prozent aller Kosten decken sollte - und bei der Berechnung der Zuschüsse nicht nur die Lehrergehälter berücksichtigt werden. Wichtig sei es auch, Neugründungen zu erleichtern und die Wartezeiten für Neuanträge zu verkürzen.


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