Donnerstag, 11. Juni 2015

Bischof Athanasius Schneider: Über die Probleme der Ehe in der modernen Welt

Interview mit Weihbischof Athanasius Schneider (Astana, Kasachstan)

Fragen von Dr. Maike Hickson, USA für Lifesitenews



1)      Soeben wird Ihr neues Buch, Option für die Familie. 100 Fragen und 100 Antworten zur Synode, auf Italienisch in Rom veröffentlicht. Es soll in naher Zukunft auch in verschiedenen anderen Sprachen erscheinen. Sie haben dieses Buch gemeinsam mit Erzbischof Aldo di Cillo Pagotto (Paraiba, Brasilien) und Bischof Robert Francis Vasa (Santa Rosa, USA) geschrieben. Was war der Grund für dieses Buch, das sich mit Fragen rund um die Synode zum Thema Ehe und Familie beschäftigt?
Seit nun mehr als einem Jahr wird in der ganzen Kirche auf allen Ebenen sehr intensiv über die Ehe und die Familie und über andere, mit diesem Thema zusammenhängenden, Fragen gesprochen. Es handelt sich um sehr aktuelle Themen, die den Glauben und das sittliche Leben der Gläubigen unmittelbar betreffen. Es ist eine vorrangige Aufgabe der Bischöfe, die Gläubigen über solch wichtige Wahrheiten wie Ehe und Familie klar und deutlich zu belehren.

2)      Was sind die zentralen Themen, die Sie und Ihre Kollegen in Ihrem neuen Buch aufwerfen, und die Sie sich wünschen, dass sie auf der nächsten Synode diskutiert werden?
Das zentrale Thema des Buches ist zunächst vom Thema der Bischofssynode selbst vorgegeben, nämlich die Berufung und die Sendung der Familie in der heutigen Welt. Im Buch werden die göttlichen Wahrheiten über Ehe, Familie und Sexualität in Erinnerung gerufen, wie sie vom Lehramt der Kirche in beständiger und unveränderter Weise seit zwei Tausend Jahren weitergegeben wurden. Die heutige antichristliche und beinahe globale Gesellschaftsordnung greift die göttliche Ordnung der Ehe und der Sexualität frontal an und propagiert Ehescheidung, Konkubinat, und homosexuelle Lebensstile. Deswegen wird im erwähnten Buch die objektive Falschheit vor allem dieser Phänomene anhand von Aussagen des Lehramtes dargestellt und bewiesen.

3)      Während der letzten Bischofssynode zum Thema Familie sind Fragen aufgeworfen worden und zur Diskussion gebracht worden, die bislang als absolut ausgeschlossen galten, wie etwa die Zulassung der geschiedenen Wiederverheirateten zu den Sakramenten und die Akzeptanz homosexueller Verbindungen. Wie erklären Sie sich, dass es zu einer solch starken Wandlung innerhalb der katholischen Kirche kommen konnte, und so plötzlich?
Die Akzeptanz von eindeutig unchristlichen und sogar heidnischen Lebensstilen innerhalb der katholischen Kirche ist das Ergebnis einer längeren Entwicklung, es stellt gleichsam die Frucht des doktrinellen Relativismus dar, der nun schon seit über 50 Jahren in vielen Bereichen des kirchlichen Lebens herrscht. Der doktrinelle Relativismus besagt, dass radikale Änderungen stattfinden dürfen und sollen, weil es ja nach dieser Theorie keine Beständigkeit und Unveränderlichkeit gibt: weder im Bereich des Dogmas, der Sittlichkeit noch in der Liturgie. Ferner besagt diese Theorie des Relativismus, dass man den Wortlaut einer Lehre beibehält, deren Sinn aber so interpretiert, dass man dann in der Praxis (Pastoral) durchaus Handlungen tun darf, die dem Wortlaut widersprechen. Solch eine Theorie des Relativismus ist letztlich eine Form des Gnostizismus. Eine der Ursachen für die Übernahme des doktrinellen Relativismus in unseren Tagen – und das meistens seitens des Klerus – ist ein Minderwertigkeitskomplex, der sich darin äußert, dass man dem Mainstream in der modernen Welt gefallen will. Letztlich ist aber solch eine Haltung nichts anders als Untreue gegenüber dem Wort Christi, Verrat der Taufversprechen und Feigheit vor der Welt.

4)      Walter Kardinal Kasper ist die führende Stimme unter den Prälaten, der für die Lockerung der kirchlichen Disziplin gegenüber denjenigen Katholiken argumentiert, die nach einer Scheidung erneut eine zivile Ehe eingegangen sind. Er schlägt vor, dass solche Paare nach einer Zeit der Sühn zu den Sakramenten zugelassen werden könnten. Sehen Sie und Ihre beiden Bischofskollegen irgendeine Möglichkeit, einen solchen Weg zu beschreiten, ohne die Lehre Jesu Christi über die Unauflöslichkeit der Ehe zu unterminieren?
Dieser konkrete Vorschlag von Kardinal Kasper und seiner Gesinnungsgenossen bedeutet ohne Zweifel eine Unterminierung der Lehre Christi über die Unauflöslichkeit der Ehe. Kardinal Kaspers Theorie offenbart einen unchristlichen Begriff von Sühne und Buße. Was konkret tut man in diesem Fall sühnen oder für was konkret tut man Buße? Tun die betreffenden Gläubigen Buße, also bereuen sie lediglich, dass sie sich von ihrem legitimen Ehegatten in der Vergangenheit getrennt haben? Oder bereuen sie, dass sie nun durch das eheliche Zusammenleben mit einem neuen Partner Gottes Gebot ständig verletzen? Das biblische Verständnis von Reue besagt allerdings, dass man den festen und ehrlichen Vorsatz hat, das, was man bereut, künftig nicht mehr zu wiederholen. Es ist offenkundig, dass nach Kardinal Kaspers Theorie diese Gläubigen keine Reue darüber haben, dass sie Handlungen begehen, die das Gebot Gottes „Du sollst nicht die Ehe brechen“ und somit die Unauflöslichkeit der Ehe, direkt verletzten. Wenn sie darüber eine echte Reue haben würden, müssten sie den festen und ehrlichen Entschluss haben, diese Akte nach Kräften und mit Gottes Hilfe künftig nicht mehr zu wiederholen. Eine Zeit einer solchen angeblichen Sühne oder Buße wäre letztlich eine Pervertierung des biblischen Begriffs der Buße, eine Farce, eine Verspottung der Unauflöslichkeit der Ehe, ein Missbrauch des Sakramentes der Eucharistie, welche ja die Feier der Hochzeit des Lammes und der Braut (der Kirche) ist. Was in diesem Zusammenhang besonders schlimm ist, ist der Umstand, dass man das durch den gnostischen Missbrauch der biblischen Begriffe Buße und Barmherzigkeit rechtfertigt.

5)      Könnte man nicht, mit Kardinal Kasper sprechend, mehr Barmherzigkeit gegenüber denjenigen Katholiken zeigen, die eine zweite Ehe eingegangen sind, und sie zu den Sakramenten zulassen? Kann man diesen Menschen zumuten, sich vom jetzigen Partner zu trennen und womöglich allein zu bleiben? Und wie muss die Kirche heute das Seelenheil dieser Menschen im Auge behalten, das ja wohl über dem leiblichen Wohl und der materiellen Sicherheit des Menschen steht?
Sicherlich muss man Barmherzigkeit zeigen gegenüber Katholiken, die durch ihre Lebensweise ständig ein wichtiges Gebot Gottes verletzten. Barmherzigkeit im Sinne Gottes bedeutet, dass man den Sünder aus seiner unglücklichen Situation herausholt, sofern dieser es auch ehrlich will. Man muss auch einem Sünder seine Freiheit lassen, und selbst Gott respektiert sie, denn Er zwingt niemandem Seine Barmherzigkeit auf. Gott bietet jedem die Gnade der echten Reue und der Vergebung der Sünden an. Es wäre eine Gotteslästerung zu denken und zu sagen: „O Herr, ich nehme Deine Barmherzigkeit und Vergebung an, aber ich habe nicht die Absicht, diese meine konkrete Sünde, diese meine konkrete Ablehnung Deines Willens, künftig zu unterlassen“. Katholiken, die objektiv das Gebot Gottes schwer verletzten, zu den Sakramenten zuzulassen, ohne von ihnen den festen und ehrlichen Vorsatz zu verlangen, künftig diese Sünde zu meiden, wäre keine Barmherzigkeit, sondern Grausamkeit, denn man würde sie in ihrer objektiven Ablehnung des Willens Gottes noch bestärken und sie sogar zur Gefahr der Gotteslästerung und zum Missbrauch des Heiligen treiben. Das Wort Christi ist hier wasserklar: „Wenn dich deine Hand oder dein Fuß zur Sünde verleiten, dann hau sie ab, Denn es ist besser für dich mit einer Hand oder mit einem Fuß  das Reich Gottes einzugehen, als mit zwei Händen oder zwei Füßen in das ewige Feuer der Hölle geworfen zu werden“ (vgl. Mt 5, 30). Wenn ein Priester, ein Bischof oder ein Kardinal diese Worte Christi bagatellisiert und entsprechend die Menschen lehrt, dann ist er sicherlich nicht barmherzig, sondern wird mitschuldig daran, dass Menschen ewig verloren gehen. Oder ist für solche Kleriker ein eheliches Zusammenleben außerhalb einer gültigen Ehe keine Sünde mehr? Oder gibt es für solche Kleriker keine objektive Todsünde und keine ewige Verdammnis mehr?

6)      Sie haben vor kurzem von dem “gnostischen Charakter des Kasper Vorschlages” gesprochen. Können Sie uns diesen Ausdruck erklären?
Die Gnosis war ein weitverbreitetes Phänomen in der intellektuellen Elite der ersten Jahrhunderte, also zur Zeit Jesu, der Apostel und der ersten Kirchenväter. Die Gnosis drang vor allem im zweiten Jahrhundert sogar in kirchliche Kreise ein. Es war das Verdienst des hl. Irenäus von Lyon, der diese schleichende Gefahr entlarvte und mit seinem berühmten Werk „Adversus haereses“ sozusagen die Alarmglocke läutete. Hier nur einige der wichtigsten Grundsätze des altchristlichen Gnostizismus: 1) Es darf einen Gegensatz und sogar einen Widerspruch geben zwischen dem, was wir denken, und dem was wir tun. 2) Nur das erhabene Denken und intellektuelle Erkennen bringt den Menschen das wahre Heil. 3) Alle äußeren Werke im Leib sind zu verachten und sie haben keinen Einfluss auf das wahre Heil des Menschen. 4) Die Gebote im Alten Testament, wie z.B. „Du sollst nicht die Ehe brechen“, sind der Ausdruck des bösen und nicht des guten Gottes, deshalb ist das Alte Testament abzulehnen und es gilt nur der gute und barmherzige Gott des Neuen Testaments. 5) Die Apostel und das Lehramt der Kirche haben die wahre Absicht Christi nicht richtig verstanden und weitergegeben, deshalb ist eine neue geistige Interpretation der Worte Christi notwendig.

7)      Was denken Sie, von Ihrer eigenen Erfahrung, wie viele praktizierende Katholiken gibt es überhaupt, die regelmäßig zur Heiligen Messe gehen und den Glauben leben, und dennoch nicht Gottes Gesetzen folgen und ihre Ehe brechen oder nach einer Scheidung wieder heiraten? Ist dieses Problem sehr prominent in den Gemeinden, oder sind die meisten geschiedenen Wiederverheirateten meistens mehr oder weniger nicht-praktizierende Katholiken, die den Glauben gar nicht mehr leben und daher sich auch gar nicht so sehr nach der Heiligen Kommunion sehnen?
Nach meiner pastoralen Erfahrung gibt es nicht viele wiederverheiratet Geschiedenen, die regelmäßig an der Hl. Messe teilnehmen und den Wunsch haben, ernstlich nach den Geboten Gottes zu leben. Im Kasachstan haben wir solche Fälle, die meisten davon lebten vor ihrer Bekehrung in einer Naturehe (welche allerdings nur relativ unauflöslich ist, der Papst kann sie zu Gunsten des Glaubens, in favorem fidei, lösen, weil es keine sakramentale Ehe ist). Diese Menschen haben sich dann ihre Naturehe zivil scheiden lassen und leben nun in einer neuen Verbindung. Ich kenne keinen einzigen Fall im Kasachstan, wo Gläubige in solchen Situationen die Sakramente verlangen würden, denn sie erkennen in aller Wahrheit und Demut ihre unrechtmäßige Situation an.

8)      Was wäre in Ihren Augen und mit Ihrer Erfahrung und Ihrem Wissensschatz die richtige Weise, wie sich die katholische Kirche denjenigen Katholiken nähern sollte, die, objektiv gesehen, im Stand der Sünde leben?
Die einzige richtige Weise, solchen Katholiken zu helfen, wäre die Werke der geistigen Barmherzigkeit zu üben, z.B.: Unwissende belehren, Zweifelnden den richtigen Rat geben und für die Lebenden beten. Wir müssen mit viel Liebe, Taktgefühl und Geduld diesen Menschen helfen, dass sie mit der Gnade Gottes Ihn nicht mehr durch die schwere Sünde des Ehebruchs beleidigen und das heilige Band ihrer ersten sakramentalen Ehe nicht weiter entweihen. Wir können vieles tun, um diesen Menschen zu zeigen, dass dir kirchliche Gemeinschaft sie ernst nimmt, sie nicht vergisst und ihnen stets helfen will, damit sie den Willen Gottes durch ihre Lebensweise nicht missachten. Man kann diese Menschen zu Wallfahrten, zu eucharistischen Anbetungen, zu Exerzitien, zu religiöser Fortbildung, zur Teilnahme an Werken der Barmherzigkeit einladen. Das wichtigste wäre für diese Menschen, dass sie die Gnade der wahren Demut erbitten und erhalten. Demut bedeutet, in Wahrheit die eigene Sündhaftigkeit zu bekennen. Nur den Demütigen gibt Gott Seine Gnade (vgl. Jak 4, 6).

9)      Wie würden Sie die moralische und spirituelle Schönheit des Sakraments der Ehe und den damit verbundenen Segen beschreiben, auch in Bezug auf die schöne Ehre und Aufgabe, Kindern Leben zu schenken, und sie zum Himmel zu führen? Wie kann die Kirche zukünftige Ehepaare besser auf das Ehe- und Familienleben vorbereiten?
Das Ehe-Sakrament ist deshalb moralisch und spirituell so schön, weil sie in ihrer absoluten Unauflöslichkeit die unwiderrufliche Treue Gottes zu uns Menschen und die unauflösbare (inseparabiliter) Einheit Christi mit der menschlichen Natur im Geheimnis der Kirche, Seiner Braut, darstellt. In den Zeiten der ersten Christen, konnte man aus dem Mund der heiligen Kirchenväter oft dieses Wort hören: „O Christ, erkenne deine große Würde!“. Wir müssten auch heute sagen können: „O christlichen Eheleute, erkennt die große Würde eurer Ehe!“ Die christliche Ehe besitzt ihren erhabensten Zweck darin, durch die Geburt der Kinder der Kirche, dem Mystischen Leib Christi, neue Glieder zu schenken und damit Menschen leben zu schenken, die einst Bürger des Himmels sein werden (vgl. Gaudium et spes, n. 51). Der Priester ist derjenige, der durch das Tauf- und Bußsakrament den Menschen neues göttliches Leben schenkt. Beide Aufgaben: den Menschen durch die Zeugung das natürliche Leben zu schenken, d.h. die Aufgabe der Eheleute, und den Menschen das übernatürliche göttliche Leben zu schenken, d.h. die Aufgabe der Priester, sind die schönsten, heiligsten und glücklichsten Aufgaben, die Gott Menschen auf dieser Erde anvertraut. Beide Aufgaben müssen zusammen gesehen werden: die Gnade setzt ja die Natur voraus. Die Familie hat die edle Aufgabe, die Kinder religiös zu erziehen und eine Hauskirche zu sein und oft das erste Priesterseminar zu sein.

10)  Wie würden sie die Bedeutung der Kindererzeugung und -erziehung in Bezug auf eine gedeihende Ehe einschätzen? Helfen Kinder Ehen, besser zusammenzuwachsen und eine gemeinsame Zielorientierung zu haben? Ist heute vielleicht ein Grund für die hohen Scheidungsraten, dass die Paare keine oder kaum mehr Kinder haben?
Die Eheleuten müssen wissen, dass jedes Kind ihnen von Gott persönlich geschenkt wurde, dass nicht sie letztlich das Entstehen eines neues Lebens bestimmen, sondern Gott selbst. Ferner vertraut Gott jedes Kind den Eltern an, damit sie es nicht zu einem guten Bürger der Erde, sondern vor allem auch zu einem Bürger des Himmels erziehen. Über jedes ihrer Kinder wird Gott einst die Eltern beim Gericht Rechenschaft verlangen. Es besteht kein Zweifel, dass Kinder und vor allem zahlreiche Kinder normalerweise die Eltern zusammenhalten, weil die Eltern durch die Sorge um die Kinder notwendigerweise in Anspruch genommen werden und dadurch weniger egoistisch werden. Mit jedem Kind weitet sich bei einem richtigen Vater und bei einer richtigen Mutter das Herz, weil sie mehr Platz machen müssen, um jemanden zu lieben. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, wo manchmal auch eine kinderreiche Familie zu Konflikten oder zur Scheidung führen kann und zwar aufgrund von psychischen und charakterlichen Krankheiten der Eheleute. Die Wirklichkeit hat es bewiesen, dass keine Kinder oder zu wenige Kinder in nicht seltenen Fällen ein Grund der Scheidung ist, denn die Eltern sind dann zu sehr mit sich selbst beschäftigt und werden mehr egoistisch.

11)  Lassen Sie mich nun konkreter auf die Bischofssynode, ihre Dokumente und die Gesamtbotschaft eingehen. Könnten Sie mir Ihre Bedenken gegenüber der Botschaft der letzten Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie darstellen? Wenn Sie einen Kommentar zum Endbericht der Synode schreiben würden, wie würden Sie die Stärken und Schwächen des Dokumentes beschreiben?
Die Botschaft der letzten Bischofssynode enthält im Allgemeinen einen guten theologischen Inhalt und will die katholischen Familien in ihrem Glauben bestärken. Allerdings erwähnt die Botschaft das Thema der Zulassung der wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramente, ein Thema, das eigentlich gar nicht zur Diskussion stehen dürfte, weil vom beständigen Lehramt der Kirche schon eindeutig entschieden. Dasselbe gilt für den Endbericht. Eine Versammlung von katholischen Bischöfen kann ja auch nicht darüber nachdenken bzw. diskutieren, ob Christus wirklich Gott ist oder nicht. Das wäre ein Zeichen von Unglauben. Im Endbericht gibt es eine Reihe von positiven Inhalten wie z.B. es wird öfters von der Gnade gesprochen und auch von der Familie als Hauskirche, ferner wird die Gültigkeit der Lehre der Enzyklika Humanae vitae betont. Der allgemeine Ton der Botschaft verrät eine gewisse Sentimentalität und begünstigt dadurch das heutige weitverbreitete Phänomen einer Gefühlsreligion, die bleibende Elemente wie Wahrheit, Opfer und Übernatur ausklammert oder sie marginalisiert. Diese Sentimentalität drückt sich aus in einem häufigen Gebrauch von Wörtern wie „liebevoll“, „barmherzig“, „Gefühl“. Als wahre Mängel des Endberichts muss man folgendes bezeichnen: es fehlen überhaupt die Begriffe Sünde, Todsünde und deren Thematisierung, ferner die Hervorhebung der Wichtigkeit von kinderreichen Familien; das Gebet in der Familie wird zu wenig betont; die Begriffe Opfer und Verzicht fehlen auch; die Bedeutung des Sonntags wird kaum erwähnt, sondern nur einmal im Zusammenhang mit der sonntäglichen Eucharistiefeier; über den Zusammenhang zwischen Familie und Priesterberufungen wird nicht gesprochen; es fehlen die Themen Glaubensbekenntnis und Glaubensmut gegenüber der unchristlichen Umwelt ebenso die Notwendigkeit des Widerstandes; ferner fehlen die Worte Kreuz und Nachfolge des Gekreuzigten.

12)  Um auf den Endbericht der letzten Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie selbst im Detail zu sprechen zu kommen. Paragraph 41 betont die positiven Aspekte derjenigen Ehen, die nur zivil geschlossen wurden – also außerhalb der katholischen Kirche – und sogar der unverheirateten Paare. Ist hier nicht die Gefahr, dass Menschen, die in solchen Vereinigungen leben, es nach solchen Stellungnahmen gar nicht mehr nötig sehen, das Sakrament der Ehe  und damit Gottes Segen zu erbeten?
Es ist vom Glauben her sicherlich falsch von positiven Aspekten von einer Wirklichkeit zu sprechen, die für einen Katholiken einen objektiven sündhaften Zustand bedeutet wie eine zivil geschlossene Ehe. Vom pädagogischen Gesichtspunkt her ist so eine Sprache schädlich, weil sie die objektive schwere Sündhaftigkeit einer ungültigen ehelichen Verbindung bagatellisiert. Solch eine Sprache zu gebrauchen ist unwürdig für Bischöfe, weil sie der Sprache und der Lehre Christi und der Apostel widerspricht.

13)  Bezüglich des Wunsches der Bischofssynode, wie er im Endbericht ausgedrückt worden ist (Paragraph 48), den kanonischen Prozess der Nichtigkeitserklärung einer Ehe zu beschleunigen und sogar organisatorisch zu vereinfachen, was für Empfehlungen würden Sie geben? Bejahen Sie auch die Abschaffung der zweiten Instanz in der Urteilsfindung sowie eine mögliche stärkere Involvierung von Laien in den Prozess? Wie kann die Kirche die Wahrheitsfindung in diesen Prozessen sicherstellen und verhindern, dass das Sakrament der Ehe unterminiert wird? Denken Sie, dass bereits die enorme Zunahme von Nichtigkeitserklärungen in den letzten Jahren selbst zur Schwächung des Instituts der Ehe beigetragen hat?
Die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben wiederholt eine zu laxe Praxis von manchen Ehegerichten in Ehenichtigkeitsprozessen in unserer Zeit beklagt. Solch eine laxe Praxis kommt de facto einer Ehescheidung gleich. Wenn es um das Heilige geht – und die Ehe ist etwas Heiliges - und um die Gültigkeit von Sakramenten, die ja keine menschliche, sondern göttliche Einrichtungen sind, dann ist die Kirche immer den sichereren Weg gegangen (via tutior). Gott hat in der Heiligen Schrift oft die Menschen und die Hirten des Volkes gewarnt: „Verflucht sei, wer das Werk des Herrn lässig tut (maledictus qui facit opus Domini negligenter)“ (Jer 48, 10). Als positiv und hilfreich kann man den Vorschlag des Endberichts der Synode bewerten, die Kosten der Ehenichtigkeitsprozesse zu mindern oder ganz zu erlassen.

14)  Was sagen Sie zu der Idee, dargestellt in Paragraph 53 des Endberichtes, dass ein Sünder, der nicht die Heilige Kommunion empfangen darf, doch auf irgendeine Weise Jesus Christus in einer geistigen Kommunion empfangen könne? Wie sehen Sie hier den Zusammenhang mit der Lehre von dem Stand der Gnade, in dem ein Mensch sein muss, um Jesus Christus empfangen zu dürfen?
Die eigentliche Frucht des Empfanges des Sakramentes der Eucharistie besteht in der Einheit der Seele mit Christus. Die heilige Kommunion ist das Zeichen der Einheit (signum unitatis) und das Band der Liebe (vinculum caritatis) in erster Linie zwischen dem Kommunizierenden und Christus selbst. Das Konzil von Trient lehrt (sess. XIII, cap. 8), dass jeder sakramentale Empfang der hl. Kommunion immer auch geistig sein soll und dass für eine geistige Kommunion ein lebendiger Glaube vorhanden sein soll, der durch die Liebe wirksam ist (vgl. Gal 5, 6). Wenn nun jemand in einer schwerwiegenden Weise ein Gebot Gottes übertritt und die Heiligkeit des sakramentalen Ehebandes dauerhaft verletzt, dem fehlt das wahre Werk der Liebe zu Gott und zu Seinem Willen. Der Herr sagte nämlich: „Wer Meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der Mich liebt“ (Joh 14, 21). Folglich erfüllt er nicht die Bedingungen, um geistig zu kommunizieren. Er kann jedoch eine Sehnsucht nach dem Stand der Gnade haben, um dann in solch einem Stand eine größtmögliche innere Einheit mit Christus zu erlangen. Der Hinweis in Paragraph 53 des Endberichtes über die geistige Kommunion entspricht sicherlich nicht der beständigen Lehre der Kirche und verursacht eher Verwirrung.  

15)  Der Endbericht der Synode in den Paragraphen 57 und 58 sagt wenig zum Thema Empfängnisverhütung und lässt viele Fragen offen, wenn er nur betont, dass Offenheit zu neuem Leben essentieller Teil der Ehe ist, aber die Würde der Person in der Frage der Methoden der Geburtenregelung geachtet werden müsse. Müsste die Kirche nicht den Seelen mit mehr Nachdruck klarere katechetische Anleitungen geben, zum Beispiel darüber, welche Methoden moralisch akzeptabel sind? Angesichts einer weit verbreiteten Praxis selbst unter Katholiken, sich dem Segen und dem Geschenk des Lebens, das Gott uns in den Kindern geben möchte, zu verweigern, was würden Sie zu diesem Thema gerne in dem Endbericht der nächsten Familiensynode geschrieben sehen?
Die gesamte Überlieferung der Kirche hat immer gelehrt, dass zahlreiche Kinder ein besonderer Segen Gottes für eine Familie sind (vgl. Gaudium et spes, 50; Katechismus der Katholischen Kirche, n. 2373). Man müsste erwähnen, dass man auch schwer sündigen kann, wenn man die natürliche Methode der Geburtenregelung, d.h. die periodische Enthaltsamkeit,  egoistisch gebraucht, d.h. ohne schwerwiegende Gründe. Für die sittliche Gutheit des Gebrauchs der natürlichen Methode müssen gerechte Gründe vorliegen (vgl. Humanae vitae, n. 16).  

16)  Verschiedene UN-Konferenzen in den 1990er Jahren haben zur Unterminierung der Familie beigetragen, indem sie die Frauen wie die Kinder durch eigene Rechtserklärungen aus dem Familienverband herausgelöst und als unabhängige Elemente dargestellt haben. Anfänglich hat die katholische Kirche dieser Entwicklung mit Sorge zugeschaut und sogar Widerstand geleistet. Nun aber bezieht sich der Endbericht der letzten Bischofssynode auf diese Konferenzen indirekt, wenn er vom “Globalen Dorf” spricht, und direkt, wenn er auf die Frauen- und Kinderrechte Bezug nimmt. Bejaht die katholische Kirche nun zum Beispiel die UN-Kinderrechtserklärung, die die Familie als Einheit unterminiert? Tut die Kirche gut daran, sich auf diese Dokumente zu beziehen und sie zu akzeptieren?
Wenn man sich auf Dokumente von nichtchristlichen Organisationen bezieht, dann muss man höchste Sorgfalt walten lassen, zumal wenn in solchen Dokumente Thesen und Vorschläge enthalten sind, die gegen den natürlichen und christlichen Sinn der Familie sind. In der völlig sexualisierten heutigen Gesellschaf bedürfen die Frauen und Kinder sicherlich des effektiven Schutzes vor Ausbeutung. Wenn man sich nun auf entsprechende internationale Dokumente beruft, dann soll man sich nur auf jene Punkte berufen, die in sich sittlich einwandfrei sin. Zur Vermeidung von Missverständnissen bei der Gläubigen, müsste man dann allerdings klar auf die sittlich bedenkliche Grundtendenz des betreffenden Dokumentes hinweisen.

17)  Zu welcher Vorsicht sollte die Kirche uns bezüglich der Sprache der Gegner des Christentums mahnen, damit wir sie nicht unbewusst übernehmen und damit auch gleichzeitig deren Vorgaben und Maßstäbe? Diese Frage stelle ich Ihnen auch im Zusammenhang mit Ihrer eigenen Lebenserfahrung mit dem Kommunismus und seiner ideologischen und manipulativen Sprache.
Wenn man Begriffe gebraucht, die auch bei den Gegnern des Christentums verwendet werden, sollte man immer den wahren christlichen und von Gott gegebenen Sinn dieser Begriffe erwähnen. Der Kommunismus in der Zeit der Sowjetunion missbrauchte z.B. ständig den Begriff „Friede“.

18)  Inwiefern sehen Sie, dass das Konzept der Sünde – und besonders der Todsünde – aus den Debatten während der letzten Bischofssynode zu Fragen der Ehe und Familie herausgefallen ist?
Diese Unterlassung ist schwerwiegend, denn ohne die Annahme der Wahrheit über die Erbsünde und die Sünden überhaupt, kann man die Erlösung des Menschengeschlechts durch das Kreuzesopfer Christi nicht richtig verstehen. Eliminiert man die Sprache von der Sünde, dann eliminiert man auch letztlich die wahre Erlösung und man verwandelt das Christentum in einen Humanismus oder in einen Pelagianismus. Übrig bleibt dann die Selbsterlösung oder eine Religion der sittlichen natürlichen Ethik und Pädagogik oder eine Religion der Ökologie und des Klimas (climate change).

19)  Was sind Ihre Erwartungen und Einschätzungen bezüglich der kommenden Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie?
Meine Erwartungen sind die, dass es eine Bischofssynode sein wird, die diesem Namen entspricht und der Nachfolger der Apostel würdig ist. Es soll eine Versammlung der „Lehrer des Glaubens“ sein, die gelegen oder ungelegen mit aller Klarheit und Gesundheit der Worte die Gläubigen lehren (vgl. die Briefe des hl. Paulus an die ersten Bischöfe der Kirche, an Timotheus und Titus) und der unchristlichen Welt furchtlos und ohne Minderwertigkeitskomplexe das ganze Evangelium der Familie künden. Einschätzungen sind für mich schwer zu machen. Für mich besteht allerdings kein Zweifel, dass es eines mächtigen Gebetes seitens der ganzen Kirche bedarf, damit die Lehrer der Unwahrheit auf der Synode, auch wenn sie im Rang von Bischöfe und Kardinälen sein sollten, die Herde Christi nicht verderben und unter dem Vorwand der Gnade und Barmherzigkeit Gottes sittliche Ausschweifung erlauben. Denn schon der heilige Apostel Judas Thaddäus hatte in seinem Brief die damaligen Gläubigen vor solchen in die Kirche eingeschlichenen Lehrern der Unzucht gewarnt: „subintroierunt homines impii, Dei nostri gratiam transferentes in luxuriam“ (Jud 4).

20)  Was können Katholiken noch tun in Vorbereitung auf die kommende Synode, um die Lehre Christi zu verteidigen und zu stärken?
Zunächst sollen die Katholiken viele und flammende Gebete verrichten, damit die Bischöfe von der Versuchung der Anpassung an die Welt bewahrt werden und im apostolischen Bekennermut gestärkt werden, und dass Gott sich erhebe und die Pläne der Frevler bei der Synode zerstören möge, welche die Klugheit des Fleisches (vgl. 1 Kor 1, 26) lehren. Gott aber spricht: „Ich verwerfe die Weisheit der Weisen und vernichte die Klugheit der Klugen“ (1 Kor 1, 19). Die Katholiken sollen im Hinblick auf die Synode vor allem die beständige Lehre der Kirche und aller Heiligen über die Ehe und Familie durch Schriften, Konferenzen und durch persönliches Zeugnis verbreiten.

21)  In welchem Masse gibt es eine Parallele zwischen der Unterminierung der innerhalb der Kirche in unserer Zeit und derjenigen in der Zeit der Reformation?
Unterminiert man die Unauflöslichkeit der Ehe, dann verliert die Ehe im Laufe der Zeit ihre Heiligkeit und verwandelt sich so in eine Art „weltlich Ding“, wie Martin Luther die Ehe bezeichnet hatte. Die Folge davon ist dann die Erlaubtheit der Scheidung und die weitere Folge davon ist dann die Erlaubtheit der geschlechtlichen Beziehungen außerhalb der Ehe. Das hat die Geschichte vieler aus der protestantischen Reformation hervorgegangenen Konfessionen gezeigt.

22)  Sie haben einmal die heutige Kirchenkrise als die vierte Große Kirchenkrise der Geschichte bezeichnet. Könnten Sie uns das erklären?
Was einem jeden unvoreingenommenen Beobachter der heutigen Krise der Kirche auffallen muss, ist der Zustand einer enormen und gleichsam globalen Verwirrung in Bereich des Dogmas, der Moral und der Liturgie; mit anderen Worten gesagt: es herrscht ein Relativismus in allen diesen Bereichen. Vieles ist dem Uminterpretieren unterworfen, so dass die einzelnen dogmatischen Lehren, sittlichen Grundsätze und Gesetzte der Liturgie bei Gläubigen, vielen Priester und selbst bei Bischöfen ins Schwimmen geraten sind. Unzählige Theologen und selbst einige Bischöfe dürfen oft ungestraft echte Häresien verkünden und an die Gotteslästerung grenzenden Liturgien feiern. Die früheren großen Krisen der Kirche waren irgendwie thematisch umschrieben, z.B. die arianische Krise (Leugnung der Gottheit des Sohnes Gottes), das saeculum obscurum im 9. – 10. Jahrhundert (Konkubinat und Simonie des Klerus und monströse Sittenlosigkeit einiger Päpste), das Avignoner Exil mit dem großen abendländischen Schisma (70-jährige Abwesenheit der Päpste von ihrem römischen Bischofssitz; zwei und drei Päpste gleichzeitig) und als Teil dieser Krise dann das Renaissancepapsttum (völlige Verweltlichung des Lebensstils der Päpste, Übernahme des heidnischen Naturalismus als Öffnung zur damaligen Welt). Die heutige Krise ist eine Krise, die gleichsam alle Bereiche des kirchlichen Lebens umfasst, wobei der schwerwiegendste Aspekt der doktrinelle Relativismus ist, der augenscheinlichste aber die liturgische Anarchie ist.

23)  Auf dem Hintergrund des Schicksals Ihrer eigenen Familie und Ihrem Leben und Leiden unter dem Kommunismus in der Sowjetunion, welche Erfahrungen können sie nun fruchtbar machen für den derzeitigen Kampf in der Kirche um den Glauben?
Die Notwendigkeit der Furchtlosigkeit vor den Feinden des Christentums; die reichen Gnaden, die aus dem Leiden und der Kreuzesnachfolge fließen; die Notwendigkeit der integralen Weitergabe des katholischen Glaubens vor allem in den Familien bei Abwesenheit bzw. beim Mangel der Priester.

24)  Da wir beide Deutsche sind, erlaube ich mir, Ihnen eine besondere Frage zu stellen. In unserer Geschichte sind die Deutschen mit dem Problem des Widerstandsrechtes konfrontiert worden und der Frage der Verantwortung des Einzelnen, selbst wenn er nur einem Übel schweigend zuschaut. Was sollten wir davon auf unsere innerkirchliche Situation anwenden, wenn wir fürchten, dass allzu reformfreudige Kirchenvertreter die ewige Lehre Christi anzutasten versuchen? Wie können wir hier der Lehre Christi Treue beweisen, aus Liebe zu Jesus Christus selbst und zu unseren Mitmenschen? Was können wir tun, wenn wir die Integrität des Glaubens angegriffen sehen, seien wir Kleriker oder Laien?
Wir sollten ob gelegen oder ungelegen die ganze Integrität unseres katholischen Glaubens in Wort und Schrift bekennen, und zwar angefangen im Bereich der kirchlichen Gemeinschaften und Organisation, mit denen wir in Berührung kommen und selbst wenn es sein muss vor dem eigenen Pfarrer oder Bischof, falls dieser sich erdreisten sollte, die Lehre Christi in einem bestimmten Punkt aus Liebe zur Welt und aus politischer Korrektheit zu leugnen. Wir sollten das immer mit Würde, Ruhe und mit Demut tun, jedoch klar und furchtlos.

25)  Nach den Stellungnahmen von Reinhard Kardinal Marx über die angebliche Unabhängigkeit der Nationalen Bischofskonferenzen von der Autorität Roms und des Papstes, wie würden Sie das Thema der Kollegialität besprechen? Was ist das rechte Verhältnis von Bischofskonferenzen und der Päpstlichen Autorität? Wo ist da Raum für Kollegialität?
Der katholische Glaube besagt, dass der Papst als Nachfolger Petri der mit wahrer Leitungsgewalt ausgestattete oberste Hirte aller Jünger Christi ist, der Gläubigen und ihrer Hirten, also auch der Bischöfe. Andernfalls wäre der Papst lediglich eine Dekoration, und das widerspräche der von Gott selbst gegebenen Struktur der Kirche. Unabhängigkeit der einzelnen Bischöfe oder einer Gruppe (z.B. einer Nation) vom Papst widerspricht der göttlichen Verfassung der Kirche. Bischöfe, die solch eine Haltung vertreten und leben, sind dann nicht mehr katholisch, sondern schismatisch. Der Papst ist das sichtbare Haupt der sichtbaren Kirche und die Bischöfe sind die Glieder am Leib der Gesamtkirche. Haupt und Glieder sind gegenseitig verbunden und gehören organisch zusammen (ein Bild für die Kollegialität). Die Glieder, also die Bischöfe oder das Kollegium, können nicht gleichzeitig das Haupt für den Gesamtleib bilden. Die Bischöfe sind Haupt nur für einen Teilbereich der Gesamtkirche (Diözese). Der Papst als Haupt kann einzelne Bischöfe oder ihre Gesamtheit (Kollegium) an seinem Lehr- und Regierungsamt teilnehmen lassen, so dass dann solch ein Lehr- und Regierungsakt ein gemeinsamer kirchlicher und wahrer kollegialer Akt sei. Der Papst ist dazu allerdings nicht gezwungen. Wenn das so wäre, dann hätte die Kirche von ihrer Verfassung her ein Doppelhaupt und das wäre gegen die von Christus gegebene Verfassung und gegen das Prinzip der wahren Hierarchie, die aus Ordnung und Unterordnung im Leib Christi und im Reiche Gottes besteht.

26)  Als Deutscher, wie würden Sie die aktuelle Rolle der Deutschen Bischofskonferenz einschätzen? Wie beurteilen Sie das neue deutsche kirchliche Arbeitsgesetz, das ja nun Kirchenmitarbeitern erlaubt, gegen die kirchliche Moral zu Verstoßen (etwa durch Wiederheirat nach einer Scheidung, oder durch Eingehen einer homosexuellen Partnerschaft), ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen erfahren zu müssen (wie etwa Entlassung)?
Solche eine Entscheidung ist sehr traurig, weil dadurch die praktische Verhaltensweise der deutschen Kirche dem widerspricht, was sie glaubt. Es ist ein Ausdruck der Untreue im Glauben und der Feigheit vor dem Geist dieser Welt.

27)  Was sagen Sie zu der Forderung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, zum Beispiel, dass die katholische Kirche homosexuelle Partnerschaften segnen und auch das Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung aufweichen solle?
Wer solche Forderungen vertritt, der ist in der Tat kein Katholik und kein Christ mehr, auch wenn er es behaupten sollte, das wäre ein Pseudokatholik und ein Pseudochrist. Auf ihn müsste man diese Worte des heiligen Apostels Johannes anwenden: „Sie sind von uns ausgegangen, gehörten aber nicht zu uns, denn wenn sie zu uns gehören würden, dann wären sie mit uns (in der Glaubenslehre) geblieben“ (1 Joh 2, 19). Folglich müsste das Zentralkomitees der deutschen Katholiken realistischer- und ehrlicherweise heißen: „Zentralkomitees der deutschen Pseudokatholiken“. Deren jüngste Machenschaften erinnern übrigens an die Methoden von Zentralkomitees, wie wir sie aus manchen ideologischen Diktaturen der jüngsten Geschichte kennen. 

28)  Der Endbericht der Synode, wenn er in Paragraph 55 von praktizierenden Homosexuellen spricht, wiederholt nicht die Lehre der Kirche, dass homosexuelles Verhalten eine Verletzung der Lehre und Gesetze Gottes darstellt. Im Gegenteil, der Bericht betont ausschließlich die Notwendigkeit, solchen Menschen mit Respekt und Sensitivität gegenüberzutreten. Hier stellt sich nochmals die Frage, ob eine solche Botschaft den Sündern noch hilft, sich von der Sünde zu befreien und auf den Weg zum Himmel zurückzukehren, oder ob sie gefährlicherweise die Sünder im Glauben lässt, dass ihre Sünde gar nicht mehr so schlimm sei? Was ist die Doktrin und umsichtige Betrachtung dieses Themas von Seiten der Kirche, aus Liebe zu den Betroffenen?
Bei praktizierenden Homosexuellen handelt es sich um Personen, welche sich in einer schwerwiegenden Weise gegen den Willen Gottes des Schöpfers verfehlen, denn mit ihren Akten lehnen sie die Tatsache der göttlichen Ordnung der Geschlechtlichkeit ab. Nun besteht aber die geschlechtliche Ordnung nur aus zwei Geschlechtern, dem männlichen und dem weiblichen, und diese Ordnung hat Gottes unendliche Weisheit und Güte ausgedacht und als gut erklärt. Wenn sich jemand durch seine Handlung bewusst gegen diese Ordnung auflehnt, dann lehnt er sich gegen die Weisheit und Liebe Gottes auf und lehnt letztlich den Willen Gottes in einem sehr wichtigen Bereich ab. Wenn jemand Gottes Willen in einem wichtigen Bereich ablehnt, dann setzt er seinen Willen, seine eigene Einsicht und seine Leidenschaften an die Stelle Gottes. Dadurch tut sich so ein Mensch von der ewigen Gemeinschaft mit Gott, von der ewigen Seligkeit selbst ausschließen und wählt die ewige Verdammung. Praktizierende Homosexuelle, wie auch jeder Todsünder, befinden sich in einer höchst gefährlichen geistigen Lage, gleichsam vor dem Abgrund, weil sie Gefahr laufen, ihre Seele auf ewig zu verlieren. Christus hat gelitten und Sein kostbares Blut am Kreuz vergossen, damit kein Mensch ewig verlorengehe, sondern sich bekehrt, d.h. den Willen Gottes in allem voll annimmt, und so ewig gerettet wird. Christus kann keinen heilen und keinem vergeben, wenn dieser sich nicht bekehrt (vgl. Mk 4, 12). Angefangen von Pfingsten war eine der wichtigsten Aufrufe in der Predigt der Apostel und der Kirche dieser: „Es soll sich jeder von seiner Bosheit bekehren!“ (Apg 3, 26); und er wird es auch bis ans Ende der Zeiten bleiben. Das unfehlbare Wort Gottes spricht ganz klar darüber, dass homosexuelle Handlungen gottwidrig und schwer sündhaft sind und denjenigen, der sie begeht, in Gefahr bringt, ewig verloren zu gehen: „Hat einer mit einem Mann Geschlechtsverkehr so wie man ihn mit einer Frau hat, dann haben beide eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft, ihr Blut soll auf sie kommen.“ (Lev 20, 13), „Männer, der mit einander Geschlechtsverkehr haben, werden das Reich Gottes nicht erben“ (1 Kor 6, 10) und „Homosexuelle Handlungen widerstreiten der gesunden Lehre des Evangeliums“ (1 Tim 1, 10. Das sagt uns der Heilige Geist durch den Mund Moses´ und des heiligen Apostels Paulus (vgl. auch Lev 18, 22; Gen 18, 20; Jes 3, 9; Röm 1, 26-27; Jud 7).Wenn Vertreter der Kirche diese Mahnungen des Heiligen Geistes heute auf einmal nicht mehr aussprechen, und sie verschweigen, unter dem Vorwand, homosexuell handelnde Menschen „willkommen zu heißen“ und ihre Würde zu achten, dann begehen sie eine schwere Sünde der Unterlassung und Gott wird von ihnen Rechenschaft verlangen, wenn homosexuell handelnde Menschen einst ewig verloren gehen, weil sie nicht gewarnt wurden. Es wäre eine Sünde, einen Menschen nicht darauf aufmerksam zu machen, dass er sich in einer realen Gefahr befindet abzustürzen. Allen Priestern, Bischöfen und Kardinälen, die in unseren Tagen unter dem Vorwand des Respekts es unterlassen praktizierende Homosexuelle auf die sittliche Schwere ihrer Handlungen hinzuweisen, wird Gott einmal beim Gericht diese Worte entgegenhalten: „Wenn du nicht warnst und nicht redest, um den Schuldigen von seinem schuldhaften Weg abzubringen, damit er am Leben bleibt, dann wird der Schuldige seiner Sünde wegen sterben, von dir aber fordere ich Rechenschaft für sein Blut“ (Ez 3, 18).Der hl. Johannes Chrysostomus rügte jene Geistliche seiner Zeit, die aus Menschenfurcht öffentlichen Sündern die Hl. Kommunion reichten: „Auf Euch wartet keine geringe Strafe, wenn Ihr solche Sünder des Tisches des Herrn teilhaben lässt. An Euren Händen klebt deren Blut, für das von Euch Rechenschaft verlangt wird. Wenn jemand unwürdig zur Kommunion herantritt, mag er ein Heerführer, ein Gouverneur oder ein Fürst mit einer Diademenkrone sein, so verbietet es ihm, denn Ihr habt eine größere Gewalt als jene. Darin besteht Eure Würde, Eure Sicherheit, Eure Krone“ (Hom. ad pop. Antioch. 60). Man muss bei der enormen sentimentalen und intellektuellen Konfusion des Themas Homosexualität den gesunden Menschenverstand bewahren und den durch alle Jahrhunderte konstanten pastoralen Grundsatz der Kirche befolgen: „Die Sünde verachten, den Sünder aber lieben“. Man darf die homosexuell fühlenden Menschen nicht belügen und man muss ihnen die Wahrheit sagen, dass die homosexuelle Neigung in sich eine Störung der von Gott in die Natur grundgelegte Ordnung ist. An sich ist eine solche Tendenz keine Sünde. Diese Störung ist Folge der Erbsünde, wie alle anderen Störungen des sittlichen Verhaltens und in der Persönlichkeitsstruktur. Es gibt viele Störungen im sittlichen Verhalten der Menschen, die auch sehr tiefsitzend sind, wie z.B. die Neigung zum Alkohol- und Drogenmissbrauch. Wenn solche Tendenzen nicht ausgelebt werden, dann müssen sie keine Schande sein. Man muss Menschen mit objektiv ungeordneten Tendenzen, wie in unserem Falle Menschen mit homosexuellen Neigungen, taktvoll und liebevoll helfen, einen Prozess der Heilung zu machen. Mit der Gnade Gottes und der kompetenten Hilfe von Fachleuten kann man diesen Menschen helfen, wie es die Erfahrung in sehr vielen Fällen schon reichlich bewiesen hat. Erst wenn diese Menschen so einen Prozess der Heiligung beschreiten und in ihm Fortschritte machen, werden sie wahrhaft glücklich. Alles andere wäre Betrug und Illusion. Die unmissverständlich klare Lehre der Kirche über die Homosexualität, vorgetragen mit Liebe und Respekt, wird diesen Menschen wahrhaft eine Hilfe sein, damit sie ihre Seele für die Ewigkeit retten und schon hier auf Erden durch die Übung der Keuschheit als Ledige oder durch eine Eheschließung nach dem Gebot Gottes ein glücklicheres Leben führen können. Das wäre die wahre pastorale Antwort auf dieses aktuelle Problem in unserer Gesellschaft gemäß dem Wort Gottes und dem uns überlieferten Glauben der Apostel.

29)  Was ist die klare Lehre der katholischen Kirche zu homosexuellen Paaren, die Kinder adoptieren wollen, besonders in Hinblick auf das Wohl der Kinder?
Es gibt klare Aussagen des Lehramtes zur Sündhaftigkeit homosexueller Handlungen, zur objektiven Unordnung der homosexuellen Tendenz, und zur Unsittlichkeit von gleichgeschlechtlichen Verbindungen und erst Recht zur Unsittlichkeit und Unrechtmäßigkeit der Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare, z.B. Erklärung der Glaubenskongregation Persona humana vom 29.12.1975; Brief der Glaubenskongregation Über die pastorale Sorge um die homosexuelle Personen vom 01.10.1986; Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 2357-2359; Glaubenskongregation, Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen. Aus diesem Dokument sei die folgenden klare Stellungnahme des kirchlichen Lehramtes zitiert: „Wie die Erfahrung zeigt, schafft das Fehlen der geschlechtlichen Bipolarität Hindernisse für die normale Entwicklung der Kinder, die eventuell in solche Lebensgemeinschaften eingefügt werden. Ihnen fehlt die Erfahrung der Mutterschaft oder der Vaterschaft. Das Einfügen von Kindern in homosexuelle Lebensgemeinschaften durch die Adoption bedeutet faktisch, diesen Kindern Gewalt anzutun in dem Sinn, dass man ihren Zustand der Bedürftigkeit ausnützt, um sie in ein Umfeld einzuführen, das ihrer vollen menschlichen Entwicklung nicht förderlich ist. Eine solche Vorgangsweise wäre gewiss schwerwiegend unsittlich und würde offen einem Grundsatz widersprechen, der auch von der internationalen Konvention der UNO über die Rechte der Kinder anerkannt ist. Demgemäß ist das oberste zu schützende Interesse in jedem Fall das Interesse des Kindes, das den schwächeren und schutzlosen Teil ausmacht“ (Nr. 7).

30)  Wie beurteilen sie das jüngste Referendum in Irland, das nun die Homosexuellen-"Ehe" erlaubt? Muss ein Staat unter allen Bedingungen dem Willen des Volkes gehorchen, auch, wenn dieser Wille eigentlich dem Willen Gottes widerspricht?
Das Ergebnis des jüngsten Referendums in Irland ist ein Spiegel und ein Indikator dafür, wie sehr sich breite Massen eines Volkes und selbst Katholiken und unter ihnen, Gott sei es geklagt, selbst Vertreter des Klerus sich von der neo-kommunistische Gender-Ideologie haben indoktrinieren lassen. Die Massen gehen mit dem Zeitgeist und nicht wenige Kleriker, manchmal sogar hohe Kleriker, kollaborieren aus politischer Korrektheit mit diesem Zeitgeist. Die jüngste Geschichte Europas hat gezeigt, dass die Massen sehr schnell Ideologien und selbst menschenverachtende Ideologien (wie z.B. Faschismus, Nationalsozialismus, Sowjetkommunismus) annehmen. Im Unterschied zu früheren Zeiten, haben wir in unseren Tagen in den Reihen des Klerus einen deutlich höheren Anteil von Kollaborateuren mit der neuen herrschenden Ideologie. Das ist ein Zeichen des Ausmaßes der Krise des Glaubens innerhalb der Kirche. Auf der anderen Seite ist das auch eine Chance für alle, die ihren Taufgelübden und dem Glauben der Apostel und der Heiligen treu geblieben sind, den Glauben zu bekennen und zu verteidigen. Die heutige Zeit ist nicht eine Zeit des Schlafens, sondern eine Zeit ein guter Soldat Christi zu sein (2 Tim 2, 3). Unser Kampf ist ein geistiger Kampf, ein Kampf für die Wahrheit mit Liebe (vgl. Eph 4, 15).



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