Dienstag, 24. März 2015

Absurd: Grundschulverband fordert die Abschaffung der Schreibschrift

Es soll rein theoretisch mal wieder alles einfacher werden – in immer mehr Grundschulen wird deshalb die Druckschrift als einzige Schrift gelehrt. Am Ende der vierten Klasse soll aber eine flüssige lesbare Handschrift geschrieben werden. Ob dies ausschließlich durch Druckschrift erreicht wird ist fraglich.

Der Grundschulverband hat der Lateinischen Ausgangsschrift, die 1941 von den Nationalsozialisten im Westen eingeführt worden war, in den siebziger Jahren eine vereinfachte Ausgangsschrift hinzugefügt. Der erwartete Durchbruch blieb aus, weil sie etabliert worden war, ohne vorher auf ihre Lerneffekte zu achten.

Es gibt bisher keine ausreichenden Erkenntnisse darüber, mit welcher Schrift Kinder besser Schreiben und Lesen lernen. Überzeugt hat der Verband Lehrer und Eltern sowie Politik und viele zeitgeistanfällige Erziehungswissenschaftler mit demselben fadenscheinigen Argument, mit dem auch die Rechtschreibreform aufgezwungen wurde: Für die Schüler sollte alles einfacher werden…

…Zur Erinnerung an die missglückte Rechtschreibreform, die einst unter dem Vorwand eingeführt wurde, häufige Rechtschreibfehler der Schüler zu minimieren: Laut einer Studie der Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS) zehn Jahre nach Inkrafttreten der Reform verdoppelte sich die Anzahl der orthographischen Fehler von Schülern in deutschen Schulen. Und besonders hoch war danach die Fehlerquote in solchen Textpassagen, die von den Änderungen durch die Reform betroffen waren. Ergebnisse einer verfehlten Sprachen- und Bildungspolitik in Deutschland.

Reform- und Schreib-Chaos in deutschen Schulen

Grundschüler in Deutschland lernen zurzeit vier unterschiedliche Schriften. Denn in den ostdeutschen Ländern wird häufig weiter die Schrift gelehrt, die 1968 von der DDR eingeführt wurde. Im Westen beginnen viele Grundschulen mit Druckschrift, um dann in der zweiten und dritten Klasse mit der Schreibschrift fortzufahren. Doch es gibt nicht einmal ländereinheitliche Regelungen.

Spätestens seit den siebziger Jahren hätte es die Gelegenheit gegeben, zu untersuchen, welche Schriftart sich wie auf das Lernen auswirkt. Aber darauf wurde verzichtet. Der Deutsche Lehrerverband versucht jetzt wenigstens in einer Umfrage herauszufinden, wo Lehrer die Schwierigkeiten mit dem Schreibchaos sehen und wie mögliche Lösungen aussehen könnten.

Studien belegen, dass Kinder, die flüssig mit der Hand schreiben, andere und mehr Hirnareale aktivieren als beim Schreiben einzelner Buchstaben. Schüler mit einer Verbundschrift können sich Texte besser merken und ihren Sinn besser erfassen. Denn das Schreiben mit der Hand ist gerade in der Anfangsphase des Lernens ein Prozess, bei dem nicht einzelne Buchstaben isoliert verschriftet werden, sondern sprachliche Einheiten, die Silben und Morphemen entsprechen. Gute Schreiber rhythmisieren entlang von Silben, während schwache Schreiber keinen Rhythmus finden und nur den einzelnen Buchstaben sehen. Verbundene Schriften machen sprachliche Einheiten besser lernbar.

Die Schreibschrift fördert nämlich motorische Fähigkeiten, ästhetisches Bewusstsein und fließendes Denken. Wer nur eine Druckschrift lernt, schreibt in der Regel langsamer, wenig leserlich und muss sich ständig stärker anstrengen.

Mit Material der FAZ

Kommentare:

NikoBelik1 hat gesagt…

Wer schreibt heute mit der Hand bzw Schreibschrift ? Papierkram wird heute alles über EDV gemacht,im Internet finden Unterhaltungen über Chat statt, wenn heute mal geschrieben wird dann vielleicht mal ne Postkarte oder der Einkaufszettel !
Nur wo sind hier Kinder in Gefahr ?

Gerd Quedenbaum hat gesagt…

Nana, Niko Belik1, das ist doch gerade die Frage, "wo bleibt der Lerneffekt". Ohje, sind Sie nun überfordert ? Tut mir leid. Hatte ganz vergessen, daß Lernen und Üben bei uns ja schon seit über fünfzig Jahren verpönt und und nun schon seit fast dreißig Jahren durch Quasseln im Internet ersetzt worden ist.

Lehrer i.R. hat gesagt…

@NikoBelik1

An Ihrer Stelle würde ich noch einen Schritt weitergehen: Wozu müssen Kinder überhaupt zur Schule gehen? Es würde doch reichen, wenn man sie frühzeitig auf die Freuden des Lebens vorbereitet und diesen Stressfaktor Lernenmüssen einfach von ihren zarten Schultern nimmt ... -

Überall da, wo man in Lernsystemen „Erleichterungen“ in Form besonderer Methoden eingeführt hat, die den Schülern ein nicht geringes Maß an Eigenentscheidungen und Selbstbestimmung zugestehen bzw. zumuten, sind die Lernqualitäten rapide geschrumpft, denn die dazu nötige Binnendifferenzierung und individuelle Kontrolle können die Lehrer nicht stemmen, sie sind maßlos überfordert. Doch das wird von den Ideologen solcher Systeme - in der Hauptsache von grün-rot und GEW iniziiert - geleugnet, obwohl sie das schon mitbekommen: Hauptsache modern ...

Solche „Neuerungen“ kapitulieren meistens vor dem immer mehr schwindenden Konzentrationsvermögen unserer Jugendlichen oder auch vor den schlechten Sprachkenntnissen von Migranten in der irrigen Annahme, man könne so das System Schule verbessern - die Resultate sprechen eine ganz andere Sprache, und eine derartige Nachgiebigkeit führt zu immer größeren Forderungen in diese Richtung!

Genau auf diese Schiene passt die Vernichtung der Schreibschrift! Alles, was Lernende zur Bequemlichkeit hin entlastet, schadet einer konstruktiven Vorbereitung auf die wirklichen Anforderungen des Lebens. Und dann heißt es: Berufsstress, Burnout usw. . Genau das sind die Folgen, wenn man Kinder und Jugendliche nicht dazu bringt, als Lernende auch solche Dinge zu bewältigen, die sie nicht von vornherein „lustbetont“ machen wollen. Solche Vorgaben sind der falsche Weg, der im Lebensalltag bald schon zur gefährlichen Sackgasse wird.

Ermutigung zum Bewältigen von Anforderungen ist die bessere Lebenshilfe, als wenn man so tut, als können man durch die Wegnahme von „unnötigen Belastungen“ das Leben leichter machen: Das ist eine ausgesprochen Abseitsfalle!

Gerd Quedenbaum hat gesagt…

Danke, Lehrer i.R., das ist mir aus der Seele gesprochen. Wer Kinder wie Erwachsene behandelt, hat jedenfalls nicht die Aufgabe der Erwachsenen gegenüber den Kindern begriffen. Dabei muß man aber wohl auch erkennen, daß Lehrer allgemein einen denkwürdigen Hang zur Politik haben, es jedoch nicht verstehen, in ihren eigenen Berufsständen für Stabilität zu sorgen. Sonst wäre es wohl nicht verständlich, wie sehr sich im Bereich Bildung
immer noch das föderative Elemenbt behauptet - und das in unserer ach so "aufgeklärten"
Gesellschaft. Und sonst wäre es wohl auch nicht verständlich, wieso die Politik den Bereich Bildung immer weiter aufweicht, nur um den Kindern (egal welcher Nationalität) das Lernen und Üben möglichst leicht zu machen resp. gar zu ersparen. - Mir scheint, hier finden Denkprozesse statt, die sich allein mit heutigen Wünschen, nicht aber mit der Zukunft befassen.

Markus hat gesagt…

Unser Schulsystem ist veraltet und marode, das Personal schlecht ausgebildet und wird nicht wirklich auf die heutigen Anforderungen vorbereitet ! Was soll es werden ? Wieder die Einführung getrennter Klassen,die Prügelstrafe und die Kirche entscheidet wieder was gelehrt wird ? Alles was Modern ist ist ja eine Gefahr für Kinder,nicht wahr ! Alles wird besser wenn sich die Leute wieder nach den "Christlichen Werten" richten und schön brav die "Weisheiten" der Bibel befolgen ! * Achtung Spuren von Sarkasmus enthalten *

Lehrer i.R. hat gesagt…

@Markus
Diese Zungenschläge haben wir von Ihnen schon öfters gehört; so zu argumentieren, ist eigentlich schon dümmlich, denn wer sich ideologisch so festlegt wie Sie, der kann nicht mehr klar denken.

Es war schon zu allen Zeiten so, dass Lehrer überfordert sein konnten. Allerdings hat man heute vermehrt mit einer standardmäßigen Disziplinlosigkeit von vielen Schülern zu kämpfen, und falsch ausgerichtete Ideologien meinen, man könnte das Problem durch „moderne“ Methoden mit „Erleichterungen“ gegenüber den Lernenden beheben.

Natürlich muss man als Lehrer in jahrelanger Selbstkontrolle lernen, immer besser mit den schulischen Gegebenheiten umzugehen, das dauert seine Zeit. Deshalb ist es auch geradezu absurd zu behaupten, junge Lehrer könnten das besser als ältere. Gerade solchen „neuen Kräften“ wird von gewissen Schulleitungs-Ideologen zugemutet, sie könnten neu ersonnene Lehr- und Lernmethoden „schon stemmen, besser als die alten Kollegen“. In der Praxis aber zeigt sich, dass das sehr oft nicht läuft!
Warum Sie hier abfällig-ironisch auf die Institution Kirche anspielen, ist typisch für Leute wie Sie, die alles ideologisierend zuordnen anstatt sachliche Gegebenheiten und Hintergründe zu bewerten. Eine solche Art von Polemik nutzt niemandem und zeigt, wo Sie zuhause sind: nicht in den Anforderungen der Lebenswirklichkeit, sondern völlig im Abseits!

Markus hat gesagt…


*standardmäßigen Disziplinlosigkeit*

Und woher kommt die ?