Dienstag, 20. Januar 2015

Computerspiele in der Schule: Lernen oder weiter die Sucht förden?

Es gehört zu den Horrorszenarien von Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, dass Jugendliche nun auch noch während des Unterrichts vor dem Computer sitzen sollen. Eine Studie aus diesem Jahr ergab, dass 15-jährige Jungen rund zweieinhalb Stunden täglich mit Computerspielen verbringen, gleichaltrige Mädchen knapp eine Stunde. Die Folgen machten sich unter anderem im Leistungsabfall der Jungen gegenüber den Mädchen bemerkbar, so Pfeiffer und warnt davor, das Medium in den Schulalltag zu integrieren. 

Die Argumente gegen einen Einsatz der Spiele im Unterricht beziehen sich vor allem auf ihren Suchtcharakter und die Gefahr, über das Computerspiel alles andere zu vergessen: Freunde, andere Hobbys, die Schule.

Trotz der bekannten gesundheitlichen Gefahren, hat Gerrit Neundorf, Medienpädagoge an einem Gymnasium im thüringischen Sömmerda, die hirnverbrannte Idee, Computerspiele jetzt auch in Schulen einzusetzen. Zusammen mit Schülern der elften Klasse hat er ein Lernszenario für den Biologieunterricht entworfen - eines, das nicht mit Kreide an die Tafel gemalt wird, sondern mit Hilfe eines Computerspiels in die Gehirne der Kinder transportiert werden soll.

"Jugendliche spielen zuhause Computerspiele, das ist ihre Lebenswelt", sagt Neundorf. "Wenn wir sie da abholen wollen, müssen wir gute Lernspiele in Bildungsprozesse integrieren." Das Spiel, mit dem er und seine Schüler andere Schüler abholen wollen, heißt Minecraftedu und ist eine spezielle Version des beliebten Bauklötzchen-Computerspiels Minecraft.

Die Schüler steuern darin eine Spielfigur durch ein Ökosystem, gebaut aus digitalen 3-D-Klötzchen. In der Mitte der Spielwelt steht ein großer Baum. Seine Wurzeln wachsen tief in die Erde und Wasseradern verästeln sich in der Krone. Überall sind virtuelle Räume eingerichtet, in denen abgefragt wird, was die Schüler über pflanzliche Versorgungswege wissen: Welche Pflanzenarten benutzen den Kapillareffekt, um Stoffe zu transportieren? Nur wer die Antwort weiß, darf das nächste Level betreten.

Dass Computerspiele als Lernhilfsmittel genutzt werden können, hat die Spiele-Industrie schon länger erkannt und bringt immer neue Produkte auf den Markt, die versuchen wollen, bestimmte Kompetenzen spielerisch zu vermitteln. Mit sogenannten “Serious Games“ sollen schulische Inhalte transportiert werden. Dennoch: Wer glaubt, durch den Einsatz dieser Spiele die Lehrer zu entlasten, liegt falsch. „Je komplexer das Medium ist, umso mehr ist der Pädagoge gefordert, die Eindrücke und Lernerfolge einzuordnen und zu strukturieren“, sagt der Medienpädagoge Helmut Meschenmoser. Dafür aber brauche man Lehrer mit hoher Medienkompetenz.

Bislang gibt es kaum wissenschaftliche Erkenntnisse, ob Lernspiele tatsächlich die Zukunft bedeuten, oder bloß oberflächliches Pseudo-Wissen in Bildern verpackt, die nur motivieren, weil sie vom Standard-Unterricht ablenken.

Mit Informationen aus Süddeutsche.de

Kommentare:

WTF hat gesagt…

Aber sie haben natürlich konkrete Fakten, dass Lernspiele gar nichts bringen was?

Meine Güte mit was für Gift und Galle der Schreiber hier spuckt.

Aus meinem Schulalltag kann ich ihnen berichten, dass ich neben den Übungen aus Büchern auch auf Lernspiele zurückgegriffen habe, was insbesondere mein Vokabelwissen enorm gesteigert hat. Ich habe sogar selbst ein Programm geschrieben um ein ähnliches Spiel für Latein zu haben.

Natürlich kann man nicht ausschließlich mit Lernspielen Unterricht gestalten, das wäre lächerlich und ich glaube auch kaum, dass dies mit dem Lehrplan vereinbar wäre.

Vielleicht sollte der Schreiber erst einmal selbst ein paar Lernspiele ausprobieren, ehe er hier so ausrastet.

NikoBelik1 hat gesagt…

Leute wir leben im 21sten Jahrhundert und nicht mehr im Mittelalter wie die Kirche bzw Religionen ! Wie wäre es wenn man das Lehrpersonal entsprechend schult ? Die Kinder kennen sich meist besser als die Lehrer oder Eltern und können damit schon von klein auf umgehen ! Alles Moderne ist ne Gefahr,nur so ein Schwachsinn wie Religion nicht !

Felix Genn hat gesagt…

Du meine Güte.

Gerd Quedenbaum hat gesagt…

@ NikoBelik1
Da hat sich der Anonymus wieder mal mit seiner unzufriedenen Galle zu Kirche und Religion zu Wort gemeldet. Manche lernen es eben nie ! Naja, wieso auch, wem das Lernen fremd ist...

@ WTF
Glaubt man Ihnen gerne, aber hier geht es ja nicht um den Einzelfall und die einzelne Schule, sondern um jene - in denen dies und vieles andere schief läuft. Und die deutschen Schuilsysteme sind nun einmal
ziemlich fehlgeschaltet, angefangen bei den Föderalisten in der Politik bis hin zum Junglehrer in der Grundschule.

Anonym hat gesagt…

Angesichts der Tatsache, dass Medienkompetenz heute über alles zu gehen scheint, ist dieser Artikel sehr amüsant zu lesen. Nicht nur, dass Lernspiele mit Computerspielen gleichgesetzt werden, nein, auch deren angeblich negativen Folgen werden prompt übertragen. Abgesehen davon, wie wenig bedeutsam die Computerspielsucht im Vergleich zur Drogensucht oder echten Spielsucht doch scheint, halte ich persönlich Lernspiele nicht gerade für suchtgefährdend. Übrigens gibt es Studien, die zeigen wollen, dass Lernspiele im Kindesalter kaum etwas bringen. Dafür werden andere Fakten aus dieser Debatte gänzlich ausgeklammert. So können Actionspiele u. a. Raumvorstellung und Reaktionsschnelligkeit fördern. Andere, wie Strategiespiele, können durchaus der Logik förderlich sein und, wenn sie wie Civilization V gut gemacht sind, sogar Wissen vermitteln. Im Übrigen kann eine Beschäftigung mit Computern eine Informatikbegeisterung wecken und Perspektiven in diese Richtung eröffnen. Ebenso können komplexe Prozesse in Form von Simulationen verständlich und anschaulich gezeigt werden. So oder so ist es nicht angebracht, den Schülern moderne Technologie vorzuenthalten.

Butterkeks hat gesagt…

Horrorszenarien,das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen,klar das die Betreiber dieser Seite sich solche Artikelextra raus suchen um noch mehr gegen alle zu hetzen was nicht in kleines rückständiges Weltbild passt ! Ich frage nochmal: hat sich jemals einer der ständig gegen solche Spiele hetzt wirklich mit der Materie auseinandergesetzt ? Eines dieser "Bösen" Gewaltspiele gespielt ? Ich wette um ein Jahresabo der BRAVO das es nicht so ist ! Was sollen bzw dürfen Kinder heute nach Meinung Religiöser Fanatiker heute eigentlich noch außer Bibel lesen,Beten und in die Kirche gehen ?

Gerd Quedenbaum hat gesagt…

Butterkeks - ein Pseudonym ?
Nein, es ist unwahrscheinlich, daß sich schon mal ernsthaft jemand mit der Thematik befaßt hat. Aber gut, daß Ihr nun gekommen seid um der tumben Menschheit auf den rechten Weg zu helfen. Nur das mit dem BRAVO-Abo gefällt mir ganz und gar nicht. Das Blatt ist doch so hochtrabend und so reinlich... !

Ulrich hat gesagt…

Ja, als "religiöser Fanatiker" tut man weitaus mehr als die heilige Messe zu besuchen, in der Heiligen Schrift zu lesen oder (Rosenkranz) zu beten. Also, wenn ich mein Leben so betrachte, komme ich noch zum Arbeiten, zum Straßenapostolat - was ist denn das?!? - und zum regelmäßigen Treffen von Freunden. Ach ja, hin und wieder bin ich auch verreist und habe mir andere Länder und Leute angeschaut - natürlich nicht ohne dabei in die Kirche zu gehen, zu beten oder Bibel zu lesen - oh Gott, wie schafft der das bloß?!? Tja, ins Stadion zum Fußball gehe ich auch manchmal - um Himmels willen, ein erzkatholischer Betbruder in der Kurve! Und ab und zu lese ich heidnische Schriftsteller wie Platon und Aristoteles, Cicero, Caesar oder Ovid - übrigens auf Griechisch bzw. auf Latein. Hä, wie geht denn das?!? Ein Christ liest heidnische Literatur! Auch der Alltagskram wird von mir erledig, Putzen, Einkaufen oder Kochen! Habe ich noch etwas vergessen? Sicherlich! Es ist schon komisch, für wie eintönig einige Klugscheißer das Leben von "religiösen Fanatikern" halten. Das kommt wohl von der eigenen Lebensgestaltung, die selbstverständlich aufgeklärt ist. Na dann! Der Aufgeklärte schließt eben doch sehr gerne von sich auf andere.

Frank Stein hat gesagt…

Hat einer von euch Hinterwälder schon mal daran gedacht das auch Spiele gibt die Bibelthemen behandeln ? So was gibt es, mir fällt zwar gerade keins ein aber ich wette gegen die habt ihr nichts