Dienstag, 14. Oktober 2014

Selbstfindung im Netz!? - Psychologen warnen

Psychologen machen die sozialen Medien für einen grassierenden Narzissmus in den jüngeren Generationen verantwortlich. Im Netz kann sich der neue Narzissmus wunderbar austoben. Gerade junge Menschen in unserer wettbewerbsorientierten Gesellschaft, werden früh damit konfrontiert, sich unterscheiden zu müssen.

Wer etwas Besonderes ist, findet statt, existiert, hinterlässt Spuren. Das ist die Logik unserer Zeit. Für Jugendliche wiederum hat das Stattfinden und Bemerkt werden eine ganz andere Dinglichkeit bekommen. Angela Tilmann vom Institut für Medienforschung Köln sagt: „Sie müssen eine eigene Identität ausbilden, und das ist ein Stück Entwicklungsarbeit.“ Nur sorgt der Zeitgeist mit den Möglichkeiten des Internets dafür, dass sie noch nie auf so hohem Level darum kämpfen mussten: Klar, die Youngsters können Filme auf YouTube, Bilder auf Instagram oder Facebook, ihre Taten in Kommentaren , Onlinetagebüchern und Blogs unter die Leute bringen – aber weil das jeder macht, ist es schwieriger geworden , damit noch aufzufallen; die Latte liegt inzwischen hoch. „Im Netz“, sagt Tillmann, kommt es dann zu einer Art Überbietungslogik. Man versucht sich so zu inszenieren, dass man eher wahr genommen wird, als andere.

Früher reichte Small Talk mit der Clique, heute muss man stärkere Kaliber auffahren: Ich-auf-der-Party-Bilder, Ich-Botschaften, Likes und ständige Feedbacksuche in den sozialen Netzwerken. Und: Das Selfie – die perfekte Metapher für eine immer narzisstischer werdende Kultur: „Es ist ein verzweifelter Aufschrei nach Aufmerksamkeit im Stil von: Schaut mich an.“

Das Ego in ständiger Oktoberfeststimmung, leicht besoffen von sich selbst. In dieser Form, sind sich die Narzissmusforscher einig, gab es das noch nie. Der neue Narzissmus kann sich im Netz wunderbar austoben. Überhöhte Selbsteinschätzung, Ichbezogenheit, selbstschmeichelnde Verzerrung der Wahrheit, Betonung von Erfolg, Macht und eigener Großartigkeit, übertriebene Selbstdarstellung, schnell geschlossene oberflächliche Bekanntschaften. Alles das gehört zur narzisstischen Persönlichkeit. Und folgerichtig auch zu Facebook und Co.

Das Gefühl überall der eigene Mittelpunkt zu sein, kann abhängig machen. Aber auch Experten betrachten das Netz als Jahrmarkt der Eitelkeiten – speziell für Heranwachsende. Viele Nutzer orientieren sich an allgemeinen Maßgaben, wie sie glauben, sein zu müssen. Sie hechten der Einzigartigkeit hinterher und bedienen sich dabei an bestimmter Muster und Inszenierungen. Die Selbstporträts zeigen fast immer die gleichen Posen, die schmollmündigen „Duckfaces“, und immer die gleichen Looks. Selbst der „Gefallt mir“-Button, ergaben Untersuchungen, wird nur geklickt, wenn man sich sicher sein kann, dass die „Freunde“ im Netzwerk derselben Meinung sind. Man guckt was gut ankommt und lebt danach.

Psychologen warnen vor Gefallsucht und davor, sein eigenes Leben nur noch mit den Augen anderer zu sehen. Übermäßiges Surfen auf den Profilseiten der anderen kann zu Depressionen führen. Vor allem junge Menschen stellen fest, dass vor allem auf Facebook so viel gelacht, gefeiert, gekuschelt und lieb gehabt wird, dass man schnell das Gefühl bekommt, der Rest der Welt sei schöner, beliebter, wichtiger und glücklicher.

Mit Informationen aus "Psychologie heute"/September 2014

Kommentare:

Observer hat gesagt…

Total witzig das Verhalten der jungen Leute! :-)

Kaum merken sie, daß eine Kamera auf sie gerichtet ist, verfallen sie in den Schauspielmodus. Ist die Sache beendet, gehen die Mundwinkel wieder runter.

Zum Kringeln, wenn man das mitbekommt! :-)

Anne Nichtpoc hat gesagt…

Ich bin überrascht , wie scharf Erwachsene im Netz auf Selbstdarstellung sind und in der Realität kaum Beziehungen eingehen. Wie soll es Jugendlichen da anders gehen ? Nur die Jugendlichen gehören zu den Gewinnern, die zwischen diesen abstrusen Selbstübersteigerungen in der Realität bleiben können. Immer mehr Jugendliche träumen von vollkommen abwegigen Karrieren. Für sie ist die Landung auf dem Boden der Tatsachen besonders hart.Die massive Einwanderung bringt auch einen immer stärkeren Billiglohnsektor mit sich und viele Arbeitnehmer werden gemobbt und in Ich-Ags getrieben, was nichts anderes als Zeitarbeit ist.Die Mütter wissen nicht mehr, wie wichtig gerade sie für ihre Kinder sind und das finde ich am traurigsten. Darum geraten auch viele Kinder mit Begabungen unter die Räder, die um ihre Fähigkeiten immer mehr beneidet werden.Dass sie sich selbst betrogen haben, merken die Neider relativ schnell,sehen sie Kinder, die wirklich ihre Begabungen auch wegen der echten Unterstützung durch Familen leben können.
Das ist die Antwort auf den Artikel:Ohne Familien,Freunde , Begleiter, und Sportvereinen, Musikschulen , guten Schulen und einer gelebten Moral und Religion sind immer mehr Kinder und Jugendliche zum Scheitern verurteilt, gerade auch viele Migranten. Die Männer der ISIS aus Deutschland sind nichts weiter als durch die Unfähigkeit der Elternhäuser und dem bildungsfeindlichen Islam gescheiterte Existenzen, die nun irgendeine Pseudoindentität ausleben.

joschua xxl peter hat gesagt…

Grenzen setzen schon von klein auf, so steht es auch in der Bibel. Denn die lieben Kleinen können Eltern bis aufs Blut reizen und sperren die Ohren erst nach einem Klaps auf den Po auf. Das ist aber gesetzlich verboten. die "gewaltfreie" Erziehung in den Medien ist Mord-und Totschlag schon im Nachmittagsprogramm. Ist die Seele der Kinder ausgenommen von dem Gewaltverbot? Es gibt Kinder, die lassen sich mit Worten erziehen, andere leider nur mit strengeren Mittel. Ich habe drei Kinder erzogen, alle sind gut geraten und haben werde Drogen- noch Alkoholprobleme.

Gunnhild Fenia Tegenthoff hat gesagt…

Kinder gehören Grenzen gesetzt, keine Frage. Aber Kinder haben aus meiner Sicht auch ein Selbstgestaltungsrecht innerhalb dieser Grenzen.
Ich bin froh, das ich meine Kinder ins Leben herein begleiten durfte als die ersten Computerspiele, Handy ec auf den Markt kamen. Rasch merkte ich, das ich keine PC Spiele spielen kann, aber meine Kinder schon. Vorzugsweise haben sie es getan in der Zeit, da ich als Alleinerziehende arbeiten ging. Im doppelten Sinn stelle ich die Frage: wie hätte ich kontrollieren können, was meine Kinder spielen? Die meisten Spiele haben meine Kinder von Klassenkameraden, Freunden sich ausgeborgt. Man muss auch mal eine versalzene Suppe kosten um zu begreifen, wie eine versalzene Suppe schmeckt und welche Auswirkungen das hat. Wenn ich Zu Hause war, haben wir vieles gemeinsam ohne PC unternommen. Heute sind meine Jungs selbsterhaltend berufstätig und ich bin auch bereits Oma. Davon lese ich ab, das ich einiges richtig gemacht haben dürfte.