Dienstag, 15. Juli 2014

Gute Noten – bessere Bildung?

Rund 330 000 Abiturienten in ganz Deutschland bekommen im Sommer wieder ihre Zeugnisse. Die Quote liegt stabil bei 40 Prozent – vor zwanzig Jahren lag sie noch bei 27 Prozent. Und dazu werden konstant diese Schüler auch immer besser.

Der Anteil derjenigen, die ein glattes Einserabitur gemacht haben, ist allein zwischen 2006 und 2012 bundesweit um vierzig Prozent gestiegen - auf 4600 Schüler. Auch die Durchschnittsnote der Abiturienten hat sich in fast allen Bundesländern verbessert (Ausnahmen: Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern). Spitzenreiter ist Berlin mit einer Steigerung der Durchschnittsnote von 2,68 auf 2,4 zwischen 2006 und 2012.

Dass die Schüler trotzdem weniger gebildet sind als früher, weist das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln in einer noch unveröffentlichten Untersuchung nach. Dazu wird folgende Berechnung angestellt: Wenn man alle Schüler eines Jahrgangs, geordnet nach den von ihnen erreichten Pisa-Punkten in der Klasse neun, in eine lange Reihe stellt und dann die offenen Studienplätze, vorne in der Reihe beginnend, an diese Schüler vergibt, dann würden heute auch Schüler einen Studienplatz bekommen, die in der Reihe weiter hinten stünden als noch 2003.

Erstsemester in Mathematik erzielen nach diesem Modell im Schnitt 17 Pisa-Punkte weniger als noch vor sechs Jahren. Die Lesekompetenz aller Erstsemester ist sogar um 27 Punkte gesunken.

Wie passt dies mit den vielen guten Abiturnoten zusammen? Ganz einfach: Bildungsforscher kritisieren, dass das Abitur immer leichter werde und damit eine schleichende Entwertung der Abiturzeugnisse beinhaltet.

In vielen Ländern wurde ein fünftes Abiturprüfungsfach eingeführt, in dem eine „besondere Lernleistung“ geprüft wird. In diesem Fach erzielen die Schüler regelmäßig ihre besten Noten. „Im Schnitt sind dadurch alle Schüler in Deutschland um ein Zehntel besser geworden“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Bundesdirektorenkonferenz Gymnasien, Ralf Treptow. Zudem wird dieselbe Leistung heute oft höher bewertet als früher.

Mit Material der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Kommentare:

Ralph Mielke hat gesagt…

Merke ich bei Vorstellungstermine

U. Schneider hat gesagt…

Tja, und ich frage mich die ganze Zeit warum ich, die ich 1979 den qualifizierten Hauptschulabschluss (in Bayern) gemacht habe, immer noch meiner Tochter, 8.Klasse Realschule locker bei den Hausaufgaben helfen kann!? Ein Grundschullehrer meines Sohnes, immerhin 8 Jahre älter als ich, sagte dazu, das mein Abschluß heute Realschulniveau hat! Das deutliche Absinken des Bildungsniveaus liegt also im allgemeinen Schulsystem! Nicht nur bei den Gymnasien!

Ulrich hat gesagt…

Das Problem sind die Elternhäuser, in denen die Kinder zunehmend nicht mehr erzogen werden. Wie auch, wenn beide Eltern außerhäusig arbeiten! Besonders schwer wiegt die mangelnde Liebe, die Kinder heute im Elternhaus erfahren. Die Gehirnforschung weiß ganz genau, das geistiges Vermögen in späteren Jahren von entsprechenden Liebeserfahrungen in den ersten drei Lebensjahren abhängt. Die Formel lautet vereinfacht: Je mehr (echte) Liebe ein Kleinkind erfährt, desto besser die Entwichklung seines Gehirns. Das ständige Absinken des Bildungsniveaus in unseren Schulen ist darauf zurückzuführen, dass die meisten heute nicht mehr bereit sind, die Wahrheit über das Scheitern im Bereich der Erziehung, aber auch im Bereich der Bildung (Wissensvermittlung) zu hören und anzunehmen. Deshalb wird in unserem Vaterland im Bereich der Bildung (noch) gelogen und betrogen ("geschummelt"), dass sich die Balken biegen! Solange aber dieser Betrug nicht in der Wirtschaft ankommt, wird sich an diesem Trauerspiel nichts ändern! Leider!

666 hat gesagt…

Was glaubt ihr wohl warum in den letzten Jahren der Bedarf an Ganztagskitas/schulen immer mehr gestiegen ist,immer höher,immer schneller, immer weiter ! Schon in der Grundschule leiden immer mehr Kinder unter Stress, haben Kopf/Bachschmerzen und leiden unter Einschlafstörungen ! Unser Schulsystem ist veraltet und muss dringend Modernisiert werden !

Hört zu was der gute Mann zu sagen hat !

https://www.youtube.com/watch?v=Y7ww9p2MQVg&list=FLSBaYJhwYO0BOITOtB0Tn8g&index=68

Lehrer i.R. hat gesagt…

@ 666
"Schon in der Grundschule leiden immer mehr Kinder unter Stress, haben Kopf/Bachschmerzen und leiden unter Einschlafstörungen ! Unser Schulsystem ist veraltet und muss dringend Modernisiert werden !"
Was Sie schreiben, ist in der Konsequenz völlig unsinnig: Stress und Einschlafstörungen haben mit dem Schulsystem - es gibt leider deren zu viele verschiedene in unserem Land - kaum etwas zu tun, sondern mit allen möglichen anderen Faktoren, die das Leben eines Heranwachsenden wesentlich bestimmen: Insgesamt oft eine völlige Entgleisung seitens der Eltern ins Erziehungs-Nirwana: was Spaß macht, das dürfen die Kinder machen, das dürfen sie zu Hause, im Kindergarten und leider auch schon oft genug in der Schule machen.
Doch weiß man, dass gerade Menschen, die machen dürfen, was sie wollen - und das ist ein Hauptanliegen "moderner" Methodik - absolut entscheidungsunfähig werden, und sie können nichts mehr aushalten - d a s führt zu Stress überall da, wo sie mal etwas durchstehen müssen, nicht die Schule an und für sich!
Bevor Sie wieder auf solchen Aussagen beharren, machen Sie sich bitte erst einmal kundig!

Außerdem ist eindeutig nachgewiesen durch entsprechende Leistungsvergleiche, dass Berlin, Bremen, NRW und Hamburg die Schulqualität vor die Wand gefahren haben. Dort wird bei bundesweiten Vergleichsarbeiten sogar seitens der Lehrerschaft nach allen Regeln der Kunst betrogen, um die Ergebnisse zu schönen: Mehr scheinen als sein - das ist die moderne Pädagogik in diesen Bundesländern und Stadtstaaten - eindeutig immer wieder bewiesen!!!
Doch leider wird nichts dagegen getan, diese angeblich "modernen" Lehrmethoden zu unterbinden, obwohl sie ins Leistungs-Aus führen.
Bayern, Sachsen Thüringen dagegen erreichen durch konsequent die Schüler führende Strenge wesentlich bessere Lernabschlüsse, BW ebenfalls noch, doch Grün-Rot hat hier schon leider manches auf den Weg gebracht, um das zu unterbinden!

Ein Beispiel: In Bayern werden Migranten-Kinder zur regelmäßigen Teilnahme an Deutsch-Sprachkursen verpflichtet, und erst, wenn sie genug Deutsch können, werden sie eingeschult. Berlin dagegen hat das Einschulungsalter für alle um ein Jahr vorgezogen, "damit Migranten-Kinder" eher an die deutsche Sprache kommen" - welch ein hirnrissiger Unsinn, der sich entsprechend durchschlagend negativ auswirkt!

666, schau doch mal genau in verschiedenartig organisierte Schulsysteme hinein, was da so tagtäglich abläuft: Es kommt immer auf jede einzelne Lehrerin und jeden einzelnen Lehrer an, was schließlich an Lernerfolg herauskommt! Schulen, die sich zum Beispiel auf "moderne schülerbestimmte Lernmethodik" festlegen, erreichen deutlich weniger Qualität: die Guten werden ausgebremst, die Schlechten zu wenig gefördert!
Neue Untersuchungen weltweit haben ergeben, dass der lehrergeführte Unterricht eindeutig die besseren Lernergebnisse zeitigt. Eine abwechslungsreiche Methodik versteht sich dabei natürlich von selbst.

Nicht der Ruf nach "modernen Lehrmethoden" ist der Schlüssel zur Lösung von Problemen in der Schule, sondern ein Umdenken in der Gesellschaft hinsichtlich der Erziehung, deren Wirkung in erster Linie die Eltern zu verantworten haben. Doch sind diese leider allzu oft hilflos, unfähig oder unwillig, sodass sie ihren Kindern schon vor der Kindergartenzeit mitunter große Bildungs-Schäden zufügen. Also müsste gerade auch den Eltern das nötige Wissen zu sinnvoller Erziehung vermittelt werden: Hierzu könnte man entsprechende Sendereihen in den seriöseren Medien einführen ...

Zwiebelring hat gesagt…

Was soll es sein ? Wieder die "Gute Alte Zeit" mit Rohrstock und getrennte Klassen nach Jungen und Mädchen ? Und was machen die Kinder bitte in der Schule ? Sicher kommt nun wieder das übliche, die "Bösen" Computerspiele, die Musik,das TV-Programm und dann noch das Internet mit seinen vielen Gefahren und Verführungen die die Jugend verderben. Das mit dem Stress in den Schulen ist nur ein Faktor von vielen, viele Kinder haben heute einen Terminplan wie ein Erwachsener (das wurden Wissenschaftlich untersucht ) am Morgen bis zum späten Nachmittag Schule, danach Hausaufgabenhilfe, dann Nachhilfe oder zum Tennis,Geigen oder anderem Unterricht und Abends noch kurz was Essen und ab ins Bett !
Das Ausländertische Kinder erst mal Deutsch lernen sollen liegt ja wohl auf der Hand, was nützt es wenn sie eingeschult werden aber nicht verstehen was der Mann oder die Frau am Pult ihnen erzählt, um Klassen für Ausländer Kinder zu schaffen fehlt es sicher an Geld und Personal ! ( Schau dir mal das von 666 verlinkte Video an )

Wie sieht also eine "Sinnvolle Erziehung" bitte aus ?

Old Geezer hat gesagt…

Was soll denn dieses fünfte Fach umfassen?
Wenn es einfach nur eine weiter Spezialisierung in der Art eines
3. LK ist, so wäre dieses sinn voll und zu begrüßen.
Es gibt keine Verpflichtung der Schulen, eine über Generationen vergleichbares Bildungs-Maß bereitzustellen, die Schulabgänger sollen lediglich untereinander vergleichbar sein.

@Kommentatoren:

Bitte nicht immer die viel schmaleren Lernvorgaben von vor 30 oder 50 Jahren mit den heutigen verglichen

Ganztagsschulen sind der Ausweg aus der durch Überlast, Organisationsschwächen und Mangelnden Investitionen hervorgerufene Misere.