Dienstag, 10. Juni 2014

Schulpolitik Hessen: Scheitert die Inklusion?

Eltern in Deutschland haben es schwer ihr behindertes Kind an einer Regelschule anzumelden. Dabei ist Deutschland aufgrund einer UN-Konvention zur Inklusion von behinderten und nicht-behinderten Kindern in Schulen verpflichtet.

Die Teilhabe behinderter Schüler an Regelschulen, Inklusion genannt, kommt in Hessen nicht voran. Zu diesem Ergebnis kommt die im April veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung. Zwar sei der Anteil von Förderschülern in Hessen, die eine Regelschule besuchen, in den vergangenen fünf Jahren von 11,0 auf 20,5 Prozent gestiegen. Damit liege Hessen jedoch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 28,2 Prozent.

In Hessen haben dem demzufolge immer mehr Schüler einen besonderen Förderbedarf. Im Schuljahr 2012/2013 lag ihr Anteil bei 5,6 Prozent. Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Konvention der Vereinten Nationen für den Ausbau des gemeinsamen Unterrichts vor fünf Jahren war es von 4,8 Prozent.

Zudem ist die Zahl der Sonderschüler ist im selben Zeitraum leicht gestiegen, und zwar von 4,3 auf 4,5 Prozent. Laut Studie machten 78,4 Prozent von ihnen im vergangenen Schuljahr keinen Hauptschulabschluss.

„Von einem Systemwandel kann in Hessen noch nicht die Rede sein, denn das Doppelsystem aus Regel- und Sonderschulen bleibt bestehen“, sagte Bertelsmann-Vorstand Jörg Dräger. Für den erhöhten Förderbedarf würden nun zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen benötigt. „Bleiben dann auch noch die bisher vorhandenen Ressourcen im Förderschulsystem gebunden, ist die Inklusion in den Regelschulen ernsthaft gefährdet“, sagte Dräger.

Mit Material von faz.net

Kommentare:

Verleihnichts hat gesagt…

Die Inklusion ist ein Angriff auf das deutsche Bildungssystem, weil die Lerngeschwindigkeit letzten Endes auf die schwächsten Schüler abgestimmt wird. Dass heißt, alle anderen müssen warten. Das könnte unserem Bildungssystem den Todesstoß versetzen. Es wird in Deutschland aber Bildungs-Politisch erst mal alles ausprobiert, bis zum Zusammenbruch, dann probiert man etwas neues. So lange bis man das System endgültig kaputt reformiert hat und die Analphabeten Quote noch höher steigt.

Lehrer i.R. hat gesagt…

Die Inklusion ist mit sehr großer Vorsicht zu betrachten:

Man weiß mittlerweile aus Erfahrung betroffener Eltern, dass ihr Kind in einer Inklusionsschule bei weitem nicht so gefördert werden kann, wie das in einer Förderschule möglich ist.
Das liegt vor allem daran, dass das in der Regelschule zusätzlich zur Betreuung Behinderter eingesetzte Personal oft von Grund auf inkompetent ist, da diese Leute weder eine zielgerichtete Ausbildung noch die eigentlich notwendige Erfahrung haben.
So werden behinderte Kinder nur betreut, nicht aber gefördert, denn man weiß gar nicht, wo und wie man da ansetzen soll.
Leider sind manche Eltern zu schnell auf das Inklusions-Angebot eingegangen und haben ihr Kind von der Förderschule auf eine Regelschule umgeschult. Als sie erkannten, dass nichts mehr außer hinhaltender Betreuung lief und das Kind an die Förderschule zurückgeben wollten, gab es diese nicht mehr: Weil zu wenige Kinder übrig geblieben waren, musste sie mittlerweile geschlossen werden!
Natürlich ist es ein schöner Grundgedanke, behinderte Kinder in die Gesellschaft des „normalen“ Schulbetriebs aufzunehmen, wenn man unterstellt, sie würden dort menschlich und gut behandelt. Doch „normale“ Kinder benehmen sich oft genug solchen „Sonderlingen“ gegenüber beleidigend und ausgrenzend, allein schon durch entsprechende Anreden! Insofern kommen sich behinderte Kinder gerade hier spürbar ausgestoßen vor!

Für die staatlichen Stellen ist die Inklusion hauptsächlich deshalb verlockend, weil hier deutlich Kosten eingespart werden können - sehr zum Schaden der Betroffenen, wie sich zeigt.

Es gibt inzwischen genug Erfahrung, und etliche Beobachter und Wissenschaftler haben entsprechende Berichte veröffentlicht, die fast immer vor der flächendeckenden Inklusion warnen, weil sie vielen der betroffenen Kinder deutlich mehr schadet als nutzt. Insofern ist die Entwicklung in Hessen zu verstehen, und man sollte nicht anhand von rein statistischen Erhebungen ein Urteil fällen, sondern eben genauer und besser differenzierend hinschauen.

Die höheren Kosten für die Förderschule zahlen sich oft insofern aus, als ein behindertes Kind später der Gesellschaft weniger zu Last fällt, weil es - wenigstens zum Teil - besser für sich selbst sorgen kann.

Also bitte erst hinter die Kulissen schauen, bevor man sich einem oberflächlichen Trend anschließt!

Anonym hat gesagt…

Als Mutter eines inzwischen erwachsenen Autisten, der trotz frühkindlichem Autismus seinen Hauptschulabschluss gemacht hat, kann ich vor Inklusion nur WARNEN!
Solange nicht die entsprechenden ausgebildeten Schulassistenten in ausreichendem Mass den lehrern zur Seite gestellt werden, ist Inklusion nur eine Sparmassnahme auf dem Rücken der Kinder.
Inklusion ist kein Selbstgänger!Und auch nicht politisch "machbar"!! Eltern behinderter Kinder müssen sich verstärkt engagieren, Gelder gibt es oft nur mit Widerspruch. Nicht behinderte Kinder dürfen nicht unter der Inklusion leiden. Das deutsche Bildungsniveau entspricht jetzt schon nicht den Ansprüchen der Wirtschaft...
Nur weil irgendjemand irgendwo Gesetze gemacht hat sollten wir nicht alles annehmen, was uns aufgedrängt wird.
Inklusion ist möglich und Inklusion kann gut sein - aber sie kostet Geld, Zeit, Engagement, Kommunikation,Geduld und noch viele andere Tugenden, die ich auch noch entwickle.