Dienstag, 10. Juni 2014

Millionen Analphabeten in Deutschland

In Deutschland leben 7,5 Millionen Analphabeten, obwohl in unserer Gesellschaft auf Lese- und Schreibkompetenz immer mehr Wert gelegt wird. Jeder siebte Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren kann nicht richtig lesen und schreiben – viele von ihnen verbergen diese Tatsache.

Aus der im Jahr 2011 veröffentlichten Studie geht hervor, dass unter den Analphabeten 0,3 Millionen Menschen überhaupt nicht lesen und schreiben können. Weiter verbreitet ist der “funktionale Analphabetismus“. Gemeint ist dabei die Fähigkeit, einzelne Wörter oder Sätze lesen zu können, den Sinn aber nicht mehr zu verstehen, sobald sich mehrere Sätze zu einem Text aneinanderreihen. Hinzu kommen 13,3 Millionen Menschen, die zahlreiche Wörter, die sie beim Sprechen benutzen, nicht fehlerfrei schreiben können.

Analphabetismus zieht sich quer durch die Gesellschaft. Junge wie Alte sind betroffen, Männer mit 60,3 Prozent mehr als Frauen mit 39,7 Prozent. Weniger als ein Fünftel der Analphabeten haben einen Schulabschluss.

“Funktionale Analphabeten kommen häufig aus bildungsfernen Schichten“, sagt der Pädagoge Jan-Peter Kalisch von iChance, einer Initiative vom Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung. Meist seien schon die Eltern in einem schriftfremden Umfeld aufgewachsen.

Dabei ist gerade in den ersten Lebensjahren der gemeinsame Umgang mit Büchern zwischen den Eltern und den Kindern wichtig, damit sie Lesen und schreiben lernen. Etwa die Hälfte der Erstklässler kann schon ein wenig lesen und schreiben, wenn sie in die Grundschule kommen.

Was Kinder bis zur dritten Klasse nicht gelernt haben, holen sie erfahrungsgemäß auch nicht mehr auf. Probleme ziehen sich durch die gesamte Schulzeit. “Die Kinder merken, dass sie nicht mehr mithalten können. Das führt zu Frustrationen“, sagt Jan-Peter Kalisch. Die Lehrer haben selten Zeit sich um die Nachzügler zu kümmern oder individuelle Förderung anzubieten. Lehrer geben diesen Kindern oft zu gute Noten. Statt einer sechs bekommen sie noch gerade eben eine vier, bleiben nicht sitzen und nehmen ihre Lücken mit in das nächste Schuljahr. Die Kinder werden so durchgereicht und landen früher oder später auf der Haupt- oder Sonderschule.

“Unser Lehrer setzte die schlauen Schüler in die ersten Reihen. Wir anderen mussten nach hinten. ‘Ihr bleibt sowieso dumm‘, hat er gesagt, berichtet eine Betroffene. Den Schulabschluss habe sie trotzdem bekommen.

Trotzdem sind mehr als die Hälfte der funktionalen Analphabeten in Deutschland erwerbstätig, zeigt eine Studie, die Wissenschaftler an der Universität Hamburg 2012 veröffentlicht haben.
Einen Lese- und Schreibkurs zu besuchen erfordert Mut, sagt Kalisch. Bis sich ein Analphabet dazu entscheidet, vergeht oft viel Zeit. Die Kursteilnehmer sind in der Regel zwischen 30 und 50 Jahre alt, wenn sie anfangen lesen und schreiben zu lernen.

Mit Material von Planet Wissen

Kommentare:

Donald Duck hat gesagt…

Woher sollen sonst die Zuschauer für RTL udn Sat 1 kommen !

Anne Nichtpoc hat gesagt…

Bei der Pisastudie hat man die Qualität des Unterrichts zu wenig getestet.Doofer Unterricht hält die Lernschwachen vom Lernen ab und die Schlauen verlieren wichtige Impulse.Die individuelle Pädagogig als Kampfbegriff erlaubt den Lehrern , Schüler nach ihrem Gutdünken zu beurteilen.Heraus kommen sekundäre und funktionale Analphabeten, die sich einbilden,sie könnten lesen und erst spät ihren Irrtum bemerken.Über Helikoptereltern mag man schimpfen.Was bleibt dem Volk denn anderes übrig, wenn die Kinder halbgare sebstgebastelte Texte als Bausteine für ihre Theateraufführung in der Grundschule benutzen und gute Schulbücher unbenutzt bleiben?Kein Unterricht zum Unterricht erklären, das war die größte Untat der 68er.Anstatt das Autoritäre hat man die Autorität abgeschafft.So haben wir heute ein autoritäres Laissez-faire System, das in kein Links-Rechts- Schema mehr passt.Ausserdem hat man die Behindertenpädagogig bei normalen Kindern angewendet, wie z.B. das Lesen durch Schreiben.Kinder dürfen ruhig mit komplizierten Texten konfrontiert werden. im jetzigen System reproduzieren sie ihr Erbrochenes.Das schafft Lernverweigerungen und eine Verblödung, die früher durch den Rohrstock erzielt wurde.

Old Geezer hat gesagt…

@Anne Nichtproc:

Haben Sie Informationen darüber, daß autoritärer Frontaluntericht (früher oder in anderen Staaten) eine niedrigere Quote an funktionalen Analphabeten zur Folge hat?
Ich bezweifle diese These.

Aber zur individuellen Förderung von Schülern muß mehr Lehrerzeit pro Schüler zur Verfügung stehen, also mehr Lehrer oder längere Unterichtszeiten (also auch wieder mehr Lehrer oder die Bildungskarriere), was ich persönlich begrüßen würde, aber das genau Gegenteil der LIBERAL-KONSERVATIVEN Regierungsbemühungen wie G8 ist.