Donnerstag, 6. März 2014

Bildungsplan 2015 und "Akzeptanz Sexueller Vielfalt": CDU-BW muss endlich Farbe bekennen

Mathias von Gersdorff

Auf der zweiten Demonstration gegen den „Bildungsplan 2015“ am 1. März in Stuttgart sprach auch Karl-Christian Hausmann, stellvertretender Kreisvorsitzender CDU Stuttgart-Ost.

Hausmann übermittelte auf der Kundgebung Grußworte des CDU-Fraktionsvorsitzenden Peter Hauk, der nicht kommen konnte, er sprach sozusagen in Vertretung Hauks. Damit stellt sich ein wichtiger CDU-Politiker auf der Seite der Gegner des Bildungsplanes.

Eigentlich sollte das für eine C-Partei selbstverständlich sein. Doch bislang haben sich die Christdemokraten sehr bedeckt gehalten. Selbst die äußerst erfolgreiche Petition gegen den Bildungsplan hat wenige CDUler bewegt, sich entschieden gegen das grün-rote Umerziehungsprojekt zu stellen. Insofern ist Hauks Positionierung ein Novum.


Rein zufällig kommt das allerdings nicht: Am 8. April 2014 soll die CDU-Fraktion in Stuttgart einen neuen Vorsitzenden wählen. Gegen Amtsinhaber Hauk tritt Landtagspräsident Guido Wolf an. Fernziel ist die Spitzenkandidatur bei der nächsten Landtagswahl im Jahr 2016. Ein weiterer Anwärter dafür ist MdB Thomas Strobl, gegenwärtiger CDU-Landeschef.

Hauks Positionierung zugunsten der Gegner des Bildungsplanes und seine Tiraden gegen die Grünen – aus seiner Sicht betreiben die Grünen „in allen Bereichen ihrer Politik einen Gesinnungsterrorismus“ – ist auch gegen Thomas Strobl gerichtet. Dieser befürwortete nämlich eine vollständige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der normalen Ehe. Große Probleme mit der Erziehungseinheit „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ hat er auch nicht. Offensichtlich möchte er nicht bei der Homo-Lobby anecken.

Wichtige Teile der CDU waren dermaßen damit beschäftigt, Sympathien bei der Homo-Lobby zu wecken, dass sie die Sprengkraft des Bildungsplanes übersehen haben. Sie meinten wohl, „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ wäre in den Schulen nicht mehr aufzuhalten. Jedenfalls nicht, ohne die Homo-Lobby zu verärgern.

Traditionellerweise genießt die CDU hohes Ansehen in der Schulpolitik. Sie erkannte aber offenbar nicht, dass das Projekt „Bildungsplan 2015“ und die Akzeptanz sexueller Vielfalt“ eine Vermengung von Schulpolitik mit Gesellschaftspolitik ist. Die Eltern auf dem Schlossplatz haben das viel schneller als die Christdemokraten erkannt. Deshalb ist ihre Empörung und Wut so groß. Die Kinder sollen für die Implementierung einer linken Gesellschaftspolitik instrumentalisiert werden.

Möglicherweise hat die CDU immer noch nicht das Trauma der Niederlage der Landtagswahl 2011 überwunden und kann die Panikstarre nicht abschütteln. Die FDP – sicherlich kein notorischer Gegner der Homo-Lobby – positionierte sich gegen die „Akzeptanz Sexueller Vielfalt“ schon Anfang Januar 2014!

Der amtierende Fraktionsvorsitzende Peter Hauk hat wohl das Versagen der CDU in dieser Angelegenheit erkannt und nutzt nun die entstandene Bürgerbewegung dazu aus, Popularität und Profil innerhalb seiner Partei zu gewinnen. Thomas Strobls Situation ist heikel: Sollte er hinsichtlich des Bildungsplans eine Gegenposition zu Hauk einnehmen, würde er die Fronten in der Auseinandersetzung um den „Bildungsplan 2015“ in die CDU hineintragen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Kitzeln wir ihn doch ein wenig,
z.B. durch Interviews in dieser
Sache !
Einem Medium wie Kultur und Medien online wird er sicherlich
Auskunft über seine Position geben.
Auch bei/vor dem CDU-Parteitag
könnte eine Demo stattfinden.
Bitte organisieren Sie das !#JR

Old Geezer hat gesagt…

²Eigentlich sollte das für eine C-Partei selbstverständlich sein. "

Warum denn bloß?

Wie kommen Sie denn nur immer auf die Schiene, daß 'C' seit für CDU-Politiker wichtig?
Ein Großteil von Ihnen sind Karrierepolitiker, deren Parteiwahl von Angebot und Chancen bestimmt wird, nicht vom aktuellen Programm.
Selbst WENN so ein Politiker wirklich Christ wäre, sieht sich die Mehrheit eher in wirtschaftsliberalen oder bündnispolitisch konservativen Positionen als nun gerade an der Speerspitze es esoterischen Rückschritts.
Und selbst wenn diese Leute nun tatsächlich mit christlichen Überzeugungen angetreten sind, und die für sie gegenüber dem politischen Alltagsgeschäft Priorität hätten, warum sollten sie dann gerade die Agenda Ihrer kleinen fundamentalistischen Splittergruppe teilen statt der der Mainstream-Christenheit, die sich nun gar nicht an dem Bildungsplan stören, weil sie aus weniger Stunden im Jahr an Aufklärung keine Indoktrination fürchten oder Toleranz gegenüber anders Lebenden und Liebenden für wichtiger als ausgewählte Textstellen des alten Testaments halten?

" dass sie die Sprengkraft des Bildungsplanes übersehen haben"

...und damit mit fast allen Bürgern übereinstimmen, die sich auch Fragen, wo denn da Sprengkraft stecken sollte.

Ich frage das ja auch immer wieder hier im Forum, und die einzige Antwort ist ein dumpfes Bauchgefühl, daß irgendwie jahrelange fundamentalistisch-christliche Indoktrination durch ein paar Stunden Aufklärung im Klassenverband hinfort gewischt werden könnten.
(Was das über die Belastbarkeit der bibeltreuen Position sagt, möchte sich dabei aber keiner der Gegner des Bildungsplan vor Augen halten.)

AR hat gesagt…

Es freut mich ja, dass auch hier ersichtlich wird, dass die kritische Haltung gegen diesen Bildungsplan keineswegs die Einstellung einer winzigen extremen Minderheit ist ...
Und was die CDU angeht: Was sie für mich als Partei bisher ausgemacht hatte, war die Tatsache, dass sie grundsätzlich noch für christliche Werte stand - wenn das auch nicht heißt, dass sich in der Partei nur Christen befänden (mal vorsichtig ausgedrückt). Sollte die CDU aber nicht in der Lage sein, hier klar Stellung zu beziehen, dann trägt sie ihr "C" absolut nicht mehr zurecht. Es ist in keiner Weise christlich, sich vor lauter sogenannter "christlichen Nächstenliebe" und Stimmenfang in allen Richtungen in Schweigen zu hüllen und dafür die Gesundheit unserer Kinder auf's Spiel zu setzen. So viel "C" muss in der CDU noch vorhanden sein, dass sie unterscheiden kann, was wirklich christlich ist und was unter dem Deckmantel vermeintlicher Liebe und Toleranz nur in christlichem Gewand daher kommt. Jesus Christus, der ja das "C" begründet, hatte bei aller Liebe nie vermissen lassen, Unrecht auch beim Namen zu nennen.
Ich hoffe in diesem Sinne, die CDU bleibt auch in der Zukunft wählbar.

Old Geezer hat gesagt…

@AR:

"dass die kritische Haltung gegen diesen Bildungsplan keineswegs die Einstellung einer winzigen extremen Minderheit ist"

Ist sie nicht?
Woraus schließen Sie das?
Das nach dem Aufriss, den diese Gruppe hier macht, ein Landes-CDU-Politiker aus der 2. Reihe mit Ihnen Kontakt aufnimmt?

"Es ist in keiner Weise christlich, sich vor lauter sogenannter "christlichen Nächstenliebe" "

Offensichtlich sehen das aber die Mehrheit Ihrer Glaubensbrüder- und Schwestern anders...

"und Stimmenfang in allen Richtungen in Schweigen zu hüllen und dafür die Gesundheit unserer Kinder auf's Spiel zu setzen. "

Und nach wie vor sind Sie es uns immer noch schuldig geblieben, diese Gesundheitsgefährdung zu belegen!

2Jesus Christus, der ja das "C" begründet, hatte bei aller Liebe nie vermissen lassen, Unrecht auch beim Namen zu nennen."

Als einzige Analogie im Jesus-Mythos zu Ihrem Fall ist mir die Szene mit dem Feigenbaum gegenwärtig, der Christus verflucht, weil dieser im Winter wagt, keine Früchte zu tragen.

Grandloser hat gesagt…

Wer glaubt das Konservative Parteien christliche Werte leben sollte mal LALAL-Land verlassen. Nur zur Info die CSU/CDU finden immer wieder Geldkoffer, lügen, fischen mit aller Absicht im Klärwerk, und haben soviel Nächstenliebe das Sie sich persönlich wie Horst Seehofer um zwei Frauen kümmern können oder wie auch schon öfter passiert mit den magischen Stab die Straßendirnen retten wollen. Komischerweise treten bei solchen Geschichten die Christen und Konservativen dort gehäuft auf. Wenn das Gersdorff jetzt erst auffällt muss man sich fragen ob Naivität eine neues Wort für dumm ist.

Tony-PL hat gesagt…

@Old Geezer
" jahrelange fundamentalistisch-christliche Indoktrination" - was meinen Sie denn? Dass wir als Christen geleehrt wurden, gute Menschen zu sein und die anderen zu lieben? Das ein Verbrecher muss sich letztendlich vor Got verantworten? Diese ganze Relativismus und "mir ganz egal - Toleranz" hat mit der guten Erziehung nichts zu tun. Ich bin Vater von vier, dann habe ich Recht, glaube ich, anders zu fühlen als ganze Homo-Lobby. Warum sollte diese über Gesinnung meiner Kinder entscheiden? Was für eine Farse ist das denn?

Anonym hat gesagt…

Sehe es auch so, dass die CDU zunächst mal eine Ansammlung von Karrieristen ist. Das "C" kommt halt noch von früher, als ein christlicher Anstrich auch nötig war, um gewählt zu werden. Wenn einem moralische Werte wirklich wichtig sind, sollte man eher zur ÖDP oder PBC wechseln.
Man siehts ja bei Merkel, dass bei dieser praktisch sämtliche Positionen verhandelbar sind, wenns um den Machterhalt geht.

Franz Josef Mandel hat gesagt…

Zum "C" in CDU: es ist nun mal ein Zusammenschluß auf parteipolitischer Ebene von Christen der verschiedenen Kirchen. Als Katholik ist für mich die CDU nicht das gleiche, wie innerhalb der kath. Kirche z.B. die Kolpingsfamilie, die eine konfess. Vereinigung ist; was für die CDU ja garnicht zutrifft. Trotzdem bin ich der Auffassung, daß die CDU gerade wegen dem "C" sich z.B. aufgrund der inzwischen ausgeuferten Abtreibungspraxis aktiv werden. Denn wie in der ehem. DDR war die gängige Abtreibungsausübung zu einer Art Geburtenregelung ausgestaltet worden. Eigentlich müßte das höchste Bundesgericht, daß einerseits den § 218 Stgb nicht aufhob, wohl aber bei nachgewiesener besonderer Notlage Straffreiheit eine Abtreibung erlaubte, inzwischen aktiv werden.
Denn bei ca. 1000 Abtreibungen pro Tag, kann es sich doch sicherlich nicht immer um eine besondere Notlage gehandelt haben. Wo zeigen sich da eigentlich die hochgelobten Früchte der allseits verordneten Sexualaufklärung, wenn den Schulkindern schon praktisch die Verhütung beigebracht wird? Wenn im Leben wegen der offenbar laxen Abtreibungspraxis eine "Lösung" möglich ist, warum sollte man einen spontanen Sex durch lästige Verhütung erst aufhalten!? Wo wird noch die selbstverständliche Verantwortung für Menschenleben in seiner möglichen Entstehung im voraus be- und geachtet? Oder hat das in unserer Gesellschaft inzwischen auch mit der bestehenden Wegwerfmentalität zu tun? Wie oben gesagt, wünschte ich wegen des "C" der CDU hier ein bewußtes Aktivwerden, was sicherlich jetzt in unserer Gesellschaft Unruhe auslösen würde; aber eine Not-wendige Unruhe und ein erforderliches Wachwerden.

Old Geezer hat gesagt…

@Tony PL:

Mit Indoktrination meine ich nicht die normale Erziehung in einer christlichen Familie, sondern die in solchen Gemeinden, sie sich strikt nach einer Bibelinterpretation ausrichten - incl. der Ablehnung von Schule und Medizin, tägliche mehrere Gebete, jeden Sonntag Kirchgang und jede Woche Sonntagschule; Auswahl von Freunden nur Hobbies nur aus dem, was der Religion genügt; etc.
also die Familien, in denen der Glaube wirklich den Alltag prägt.
(Andere beschweren sich ja auch kaum).

Bei Ihnen klingt das so, als könne nur ein guter Mensch sein, ...dem ist nicht so.
Oder als würde sich aus dem Bekenntnis zum Christentum stets Nächstenliebe entwickeln, was aber auch nicht der Fall ist.

Toleranz: doch, genau das.
Lehre Deinen Kinder das Gleichnis vom Splitter und Balken im Auge.
Und gewöhne Sie beizeiten daran, daß Sie nichtmehr in einer Gemeinschaft von Glaubensbrüdern und -Schwestern lebt, sondern unter Leuten, von denen es vielleicht ebenso Toleranz erfahren möchte, die die von ihm.

Klar dürfen Sie anders fühlen (müssen aber nicht - eine Frage des Abstraktionslevels), was Sie nicht dürfen, ist hingegen diese Leute gänglen, Ihre Kinder gegen sie aufhetzten, oder Lügen verbreiten, schon gar nicht mit dem Ziele sich zu Bereichern oder Haß zu schüren.

Niemand entscheide über die Gesinnung Ihrer Kinder (schon gar nicht Lehrer in ein paar verteilten Stunden über die gesamte Schullaufbahn), und diese beeinflussen zu 90% Sie!
Wenn Sie hingegen von der sexuellen Neigung Ihrer Kinder sprechen, ...die ist vermutlich schon bei der Geburt prädisponiert; hier beschränkt sich Ihr Einfluß wohl darauf, ihnen ein erfülltes Liebesleben mit dieser Neigung zu ermöglichen oder Ihnen Steine in den Weg zu legen.

Old Geezer hat gesagt…

@Anonym:

"Wenn einem moralische Werte wirklich wichtig sind, sollte man eher zur ÖDP oder PBC wechseln."

Nicht "moralisch Werte" per se, sondern nur ein ganz bestimmter Satz an Werten, ein partikulärer Moralkodex, den nicht so viele teilen, wie man an dem Stimmenanteil ablesen kann.

"Man siehts ja bei Merkel, dass bei dieser praktisch sämtliche Positionen verhandelbar sind, wenns um den Machterhalt geht."

Nicht nur um den Machterhalt!
Sie halt halt begriffen, daß der Kanzler für alle Deutschen spricht, und das es immer wieder unvereinbare Gegensätze im Volk gibt, nur mit gewichteten Kompromissen arbeiten kann, wenn sie der Mehrheit gerecht werden will.