Samstag, 8. März 2014

Bildungsplan 2015: GEW öffnet Fluchtweg für Kretschmann

Mathias von Gersdorff

 Winfried Kretschmann kann sich freuen, dass es die „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft – GEW“ gibt. Sie hat nämlich einen Weg gefunden, dass er sich des lästigen Themas „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ in den Schulen entledigen kann, ohne einen totalen Gesichtsverlust hinnehmen zu müssen.

Über die “Stuttgarter Zeitung“ verbreitete die GEW ihren Vorschlag, die Einführung des Bildungsplanes auf das Schuljahr 2016/2017 zu verschieben.

Außerdem sollen inhaltliche Veränderungen vorgenommen werden:

„Die GEW empfiehlt nun „dringend“, ein neues Leitprinzip in den Bildungsplan aufzunehmen. Das könnte „Anerkennung gesellschaftlicher und kultureller Diversität“ heißen. Unter dieser Überschrift könnte die Akzeptanz sexueller Vielfalt Platz finden. Überhaupt regt die GEW an, die Leitprinzipien zu revidieren“, schreibt die „Stuttgarter Zeitung“ am 7. März 2014.

Wohlgemerkt: Nach Ansicht der GEW soll „Sexuelle Vielfalt“ weiterhin vorkommen. Die Gewerkschaft hat sich also alle Möglichkeit offen gehalten.

Wie wird Winfried Kretschmann zum Vorschlag der GEW reagieren?

Für ihn wäre es politisch das Beste, den Vorschlag anzunehmen. Damit würde man den „Bildungsplan 2015“ auf die lange Bank schieben um einen günstigeren Zeitpunkt abzuwarten.

Möglicherweise hat die GEW den Schlichtungsvorschlag mit Kretschmann abgesprochen, denn für ihm wäre es demütigend gewesen, einen solchen der Öffentlichkeit zu unterbreiten. Auf diese Weise kann sich Kretschmann einigermaßen heil aus der Affäre davonschleichen.

Das hat wohl rasch CDU-Landescherf Thomas Strobl erkannt, der gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ am 7. März gefordert hat:

„Der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl forderte Kretschmann auf, selbst einen Kompromissvorschlag zu formulieren und dies nicht einer Gewerkschaft zu überlassen: „Der Ministerpräsident muss verantwortlich sein für das, was seine Regierung macht, er ist der Regierungschef.““

Strobl will mit diesem Vorstoß das Heft an sich reißen, nachdem sein potentieller Kontrahent für die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2016, Fraktionschef Peter Hauk, rabiat gegen die Grünen und gegen den Bildungsplan gewettert hat.

Allerdings hat sich Strobl nicht explizit gegen die Einbeziehung von „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ ausgesprochen. Hinsichtlich der Inhalte des Bildungsplanes laviert er also weiter.

Wie lange wird das die CDU-Basis akzeptieren? Wie kann es sein, dass der CDU-Landeschef in einer so wichtigen Angelegenheit keine klare Meinung vertritt?

Winfried Kretschmann könnte genauso gut die Schlichtung der GEW ablehnen und versuchen, den Bildungsplan mit der Brechstange durchzusetzen. Einfach wäre das nicht. Der Plan müsste erst in einen Gesetzentwurf gegossen werden.

Bei so viel öffentlicher Aufmerksamkeit einen solchen auszuarbeiten, dürfte schwer sein. Immer wieder würde Kretschmann den Gegnern Munition liefern. Im schlimmsten Falle könnte sich die heftige Auseinandersetzung bis zur Landtagswahl hinziehen.

Interessant wird sein, wie sich nun die CDU positioniert. Eigentlich ist jetzt der richtige Zeitpunkt, dem Bildungsplan den Todesstoß zu versetzen. Eine Allianz von „Besorgten Eltern“, Union, Kirchen usw. wäre dazu stark genug.

Wieso zögert die CDU? Die Erziehungseinheit „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ wurde in weiten Strecken von Homosexuellen-Verbänden redigiert, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mehrmals nachgewiesen hat. Strobl und andere haben aber Angst vor der Homo-Lobby und unterstützen sogar manche ihrer Forderungen.

Kretschmann will sich am 27. März 2014 mit Vertretern der württembergischen Landessynode, der Deutschen Evangelischen Allianz, der Gruppierung „Lebendige Gemeinde“, des württembergischen Gemeinschaftsverbandes „Die Apis“ sowie einzelnen Pfarrer treffen und über den Bildungsplan verhandeln.

Spätestens bis dann werden sich Kretschmann und die Union positionieren müssen.

Kommentare:

Gerhard hat gesagt…

Anerkennung gesellschaftlicher und kultureller Diversität“

Da hat alles Platz und jedem Mist ist Tür und Tor geöffnet. Die Leute sollen genau sagen was sie wollen und was nicht.

Anonym hat gesagt…

Ich bin Brillenträger und Bartträger - ich will auch eine
gesellschaftliche Sonderrolle !!!
Bäääh - huhu !!!

Und mein Nachbar ist ein Glatzkopf, auch er will endlich anerkannt werden !!!

Müssen wir nun einen Bundesverband der BBG gründen ?
# JR

Lupusmagnus hat gesagt…

Hahaha JR was für ein Juwel sie da fabriziert haben.

Dann zeigen sie mir mal bitte in welcher Weise Bart-, Brillen- und Glatzenträger ungerechtfertigt aufgrund von religiösem Unfug als schlechtere Menschen dargestellt werden. Welche Repressalien müssen sie erdulden? In welchen Berufsgruppen werden sie immer komisch angesehen, wenn sie dort arbeiten? Welche kriminelle Energie wird ihnen angelastet? (Gut bei Glatzen könnte der Verdacht des Neonazis aufkommen aber das lässt auch schon stark nach)

Grad bei Glatzen lässt Gott ja auch gerne mal Kinder zerfetzen wenn sie sich über eine Kahlen Mann lustig machen.

AR hat gesagt…

Lupusmagnus, ich vermisse bei ihnen die Unterscheidung in die 2 Themenbereiche, die hier vorliegen und die sie in einen Topf schmeißen.

Das eine Thema ist die Toleranz von Homosexuellen und diese steht hier gar nicht zur Diskussion. Hier verlangt niemand, dass Homosexuelle verfolgt oder bestraft werden sollen, wenn sie ihre Beziehung sexuell ausleben. Wir sind ein freies Land! Und in den Schulen wird heute schon ganz klar für Toleranz geworben.

Aber Toleranz setzt die andere Meinung voraus und heißt nicht, ich müsste jede sexuell gelebte Lebensform für gut, oder mehr noch für gleich erstrebenswert wie die heterosexuelle halten oder dies gar vermitteln wollen. Der zweite Themenbereich wirft also die Frage auf, ob es richtig ist, Kindern weitere sexuelle Lebensformen als erstrebenswert und gleichwertig nahe zu legen, obwohl offensichtlich kein körperliches Zusammenpassen und so keine Chance auf eigenen Nachwuchs besteht. Die Frage ist also, ob dies für Kinder gut ist - noch dazu in einem so frühen Alter, wo man sich fragen muss, ob dies nicht eine sexuelle Belästigung und Verletzung der natürlichen Scham der Kinder ist. Und hier darf man mit guten Argumenten auch anderer Meinung sein, ohne deshalb als krank (homophob), diskriminierend oder intolerant diskriminiert zu werden.

Und was den Seitenhieb auf die Bibel angeht: Um diese Situation richtig zu beurteilen, muss sicher berücksichtigt werden, dass damals wesentlich mehr Respekt der Kinder gegenüber den Erwachsenen üblich war und auch verlangt wurde. Doch bei diesem kahlköpfigen Erwachsenen kommt noch dazu, dass es sich um einen Propheten Gottes handelte, der hier so verspottet wurde. Letztlich traf diese Verspottung also Gott direkt und hier befürchte ich, nehmen wir heutzutage Gott auf die zu leichte Schulter. Der biblische Gott, der ihnen sicher zu brutal erscheint, setzt immer wieder auch Zeichen, um deutlich zu machen, dass er auch heilig und ein Richter ist, der sich nicht verspotten lässt. Und wer kann abschätzen, wie viele Menschen sich auch durch dieses abschreckende bibl. Beispiel wieder an diese Wesenszüge Gottes erinnern ließen, um einen schlechten Weg zu verlassen, der in der Summe noch viel mehr Elend bewirkt hätte ...
Ja, ich glaube an diesen biblischen Gott und die Realität beweist eindeutig, dass Gott nicht nur ein Kuschelgott ist, denn er hat diese Welt nicht in Watte gepackt, nicht wahr? Wo andere also wegen dieser Welt nicht an den Schöpfer glauben können, erkenne ich, dass Er auch zu fürchten ist. Und doch hat er seinen Sohn in diese Welt gesandt ...

el_vizz hat gesagt…

@AR: "Hier verlangt niemand, dass Homosexuelle verfolgt oder bestraft werden sollen, wenn sie ihre Beziehung sexuell ausleben."

Und dennoch wäre es Ihnen genehm, wenn Homosexuelle als minderwertig dargestellt werden, denen man gleiche Rechte vorenthalten darf. Das passt überhaupt nicht zusammen, und hat bestimmt was mit dem doppelzüngigen "liebe den Sünder, aber..." zu tun.

Das Problem ist, dass Wissenschaft und Gesellschaft schon viel weiter sind, während die Bildungsplangegner an lange widerlegten und überholten "Argumenten" festhalten. Ein Phänomen, was seit Jahrhunderten vorkommt, bei dem irgendwelche Religionen IMMER den Kürzeren gezogen haben, weil sie einfach im Unrecht waren.

Ihr Gottesbild mag ich auch nicht teilen. Bei der Vorstellung, einer rachsüchtigen und sadististischen Instanz zu huldigen, fahre ich lieber gepflegt zur Hölle. Der Geschäftsführer da kann definitiv nicht schlimmer sein, als der liebe (bzw bösartige) Gott.

AR hat gesagt…

el_vizz,

ich bin mir sicher, Gott wird ihren Wunsch ernst nehmen. Aber nun zu folgenden Äußerungen von ihnen:

Sie behaupten, mir wäre es lieb, dass Homosexuelle als minderwertig dargestellt werden. Es ist wieder diese Mentalität, all diese unterschiedlichen Themenbereiche in einen Topf zu werfen. Wer also Homosexualität sexuell ausgelebt nicht als von Gott gewünscht sieht, sieht den Betroffenen in ihren Augen als minderwertig an. Das trifft aber auf mich nicht zu! Ich habe schon manch nette Zusammenkunft mit Homosexuellen gehabt. Wie war es bei Jesus?: Er saß auch mit den sogen. Zöllnern und Sündern zusammen und Sünder sind wir nach christl. Glauben alle, aber er hat dennoch die Sünde beim Namen genannt. Sie werden das wahrscheinlich weder bei Jesus noch bei einem so fehlerhaften Menschen wie mir zusammen bringen.

Und was die Wissenschaft und Gesellschaft angeht, so wird hier von den Bildungsplanbefürwortern immer wieder so getan, als wenn nur eine winzige extreme Randgruppe den Bildungsplan ablehnt und sich die Wissenschaftler ja so einig wären. Aber nichts davon stimmt. Was hier als wissenschaftlich daher kommt, verdient beim genaueren Hinsehen diese Bezeichnung oft gar nicht und ist selbst sehr stark weltanschaulich eingefärbt. Außerdem gibt es von allen Seiten gewisse Behauptungen ... Und im Gespräch mit verschiedenen Leuten, die ich kenne und die gar nicht immer so christlich sind, kenne ich niemanden, die diesen Bildungsplan für gesund hält. Hier wird, was die Meinung der Masse angeht, ganz schön was eingeredet. Ich habe überhaupt kein Problem, hier die Bevölkerung abstimmen zu lassen. Doch eine faire öffentliche Debatte scheint mir von vielen Anti-Christen-Hetzern gar nicht gewünscht zu sein, so wie auch der Demonstrationszug in Stuttgart permanent gestört wurde. Es ist doch sehr deutlich, wer hier wirklich anderen Meinungen gegenüber tolerant ist und die demokratischen Grundrechte beherzigt ...

Old Geezer hat gesagt…

Seit wann bitte benötigt ein demokratisch gewählter Ministerpräsident eine "Fluchtweg", weil ein einzelnes Projekt im Bildungssektor von einer kleinen Gruppe der des religiösen Fundamentalismus und der konservativen Revolution kritisiert wird?

Die Wortwahl ist wieder mal unterirdisch.

Old Geezer hat gesagt…

@Gerhard:

Sie kapieren es nicht.
Nicht "die Leute" wollen etwas sondern "viele Bürger haben unterschiedliche Bedürfnisse".
Diesen gegebenen Unterschieden zwischen den Bürgern soll Rechenschaft gezollt werden, zum einen, indem die Kinder darauf vorbereitet werden, mit diesen unterschiedlichen Vorstellungen im Alltag erwachsen und kooperativ umzugehen, zum anderen in dem ihnen erklärt wird, daß sie nicht vor den Trümmern ihres Lebens stehen, sollten sie selber zu einer dieser Gruppen gehören.

Alles was darüber hinausgeht sind STROHMÄNNER der Gegner; im besten Falle die Folge irrationaler Ängste und zuviel Faulheit, um sich zu informieren, im schlimmsten Fall gezielte politische Verleumdung.
Man fragt sich nur immer, warum es soviele vermeindliche Christen sind, die sich auf diesen Pfad weit weg ihrer Gebote bewegen?

Anonym hat gesagt…

„Die GEW empfiehlt nun „dringend“, ein neues Leitprinzip in den Bildungsplan aufzunehmen. Das könnte „Anerkennung gesellschaftlicher und kultureller Diversität“ heißen. Unter dieser Überschrift könnte die Akzeptanz sexueller Vielfalt Platz finden.

Also nur eine Umbenennung, und keine Änderung der Inhalte.
Eine Verschleierungstaktik.

http://kreuznet.wordpress.com/2014/03/10/vorsicht-salamitaktik/

Lupusmagnus hat gesagt…

Da haben sie ja eine tolle Seite gefunden anonym sie homophober, frauenfeindlicher Mistkerl.

Lesen sie sich lieber erst mal den Rest durch ehe sie so eine Seite zitierenn

el_vizz hat gesagt…

@AR: Da bin ich mit Desmond Tutu in bester Gesellschaft. Der geht auch lieber in eine Hölle, als mit homophoben Idioten die Wolke zu teilen.

Da sollten sich so einige eine Scheibr von abschneiden, aber es zählen allein Hass und Lügen, um das kleine Weltbild intakt zu halten.

Sie wundern sich, dass Menschen gegen die Demo in Stuttgart demonstrieren? Dann soll man gefälligst keine Lügen auf die Plakate pinnen. Solchen Idioten würde ich mich in meiner Stadt auch in den Weg stellen.

Warum wird überhaupt so ein Wind gemacht? In anderen Bundesländern klappt es doch auch, ohne dass Fundamentalisten und Rechtsradikale auf die Strasse gehen?

Bleibt nur noch die Volksabstimmung. Hält die Gegenseite dann endlich den Schnabel?


el_vizz hat gesagt…

@Lupus: Da können Sie mal sehen, wie unterirdisch das Niveau der Bildungsplangegner ist!

Anonym hat gesagt…

Ich finde Schwul zu sein hat genauso viel mit Sex zu tun wie Hetero zu sein.
Ich habe persönlich noch vor 10 Jahren während meiner Schulzeit massiv leiden müssen und das nur weil ich geoutet wurde Schüler nix darüber wussten außer Schimpfworte.
Und selbst Lehrer haben noch dazu beigetragen und mich massiv benachteiligt und Gemobbt.

Jeden der sagt das muss so bleiben und Kinder müssen nicht verstehen das wir auch nichts dafür können wie wir sind und das wir trotzdem ganz normale Menschen sind. Dem wünsche ich genau das selbe wir mir Ihr kennt diese Angst nicht den gedanken sich umzubringen weil man es nicht mehr aushält. Ich habe die Schule dann verlassen müssen da alles extreme ausmaße angenommen hat. Leider ist heute alles immer noch genauso und ich war unter den sogenannten gebildeten Gymnasiasten die sogar schlimmer als die Realschüler waren. Ich frage mich manchmal warum Bildung für Ausgrenzung anderer Sorgt. Es gibt ja auch viele Studien die genau diesen punkt beleuchten in Bezug auf Rassismus und Antisemitismus der stark mit dem Bildungsstand zunimmt. Das gleiche gilt für Schwulenfeindlichkeit.

Und noch etwas ich bin Schwul aber kann mir jemand bitte erklären warum ich anders bin ich hatte einen Partner den ich über alles geliebt habe für den ich genauso da war wie ihr für eure Frauen. Ich leiste genauso meinen Beitrag für die Gesellschaft. Auch Schwule können Ihren Beitrag leisten das andere den Mut haben eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen und Sie unterstützen und dieses Pädophile Gerede und das wir eine Gefahr für die Kinder sind ist einfach Krank. So mein Partner ist gestorben und der kleine Unterschied zu einem Hetero ist es konnte keiner verstehen das ich Trauer und das der Verlust genauso ist wie bei einem Hetero.

Vielleicht denkt ihr mal darüber nach wobei ich es nicht glaube.