Mittwoch, 16. Oktober 2013

Bildungsstudie der OECD: Deutsche im Lesen und Rechnen nur Mittelmaß

Erwachsene in Deutschland können im internationalen Vergleich nur mittelmäßig lesen und Texte verstehen. Gleiches gilt für einfache Grundrechenarten wie Prozentrechnen und Dreisatzaufgaben. Dies ergab der erste PISA-Test zum Allgemeinwissen und zu Alltagsfähigkeiten von Erwachsenen in 24 wichtigen Industrienationen der Welt. Die Studie wurde am Dienstag von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Berlin vorgestellt.

Weltweit wurden 166000 repräsentativ ausgewählte Erwachsene zwischen 16- bis 65 Jahren in drei Bereichen getestet: Leseverständnis, mathematische Fähigkeiten und Problemlösung mithilfe moderner Kommunikationsmittel. Aus Deutschland nahmen 5000 Personen teil.

In allen teilnehmenden Ländern hatten die Testpersonen große Schwierigkeiten Computer und digitale Netzwerke zu nutzen. Von den Erwachsenen, die den Computer-Test machten, waren die meisten lediglich in der Lage, einfache Probleme lösen, wie zum Beispiel das Einsortieren von E-Mails in bereits angelegte Ordner. Komplexere Aufgaben wie das Navigieren über Webseiten und eigenständige Problemlösungen in mehreren Schritten beherrschte dagegen nur 36 Prozent.

Spitzenwerte im Lesen wie im Rechnen erreichten Erwachsene in Japan und Finnland. Im Schnitt haben die 16- bis 65-Jährigen in diesen beiden Ländern gegenüber Gleichaltrigen in Deutschland einen Kompetenzvorsprung, der einer Lernleistung von vier bis fünf Schuljahren entspricht.

Es geht um Alltagswissen

"Die Aufgaben sind leicht, es geht um Fragen des Alltagswissens", erklärte OECD-Koordinator Andreas Schleicher. Wer Wissensarbeiter sei und jeden Tag mit Informationen umgeht, dürfte keinerlei Schwierigkeiten haben. Allerdings sei das offensichtlich "in der breiten Bevölkerung" nicht der Fall. Bildungsexperte Schleicher, der auch die Pisa-Studien koordiniert, gab zu, dass die Bildungsforscher die Fähigkeiten der 16- bis 65-Jährigen teilweise überschätzt hätten. "Ein Großteil der Menschen weltweit hat Schwierigkeiten, mit alltäglichen Techniken umzugehen, etwa eine Boarding Card auszudrucken." Bis zu 27 Prozent der Testpersonen haben weltweit keinerlei Erfahrungen mit Computern und können nicht einmal eine Maus bedienen. In Deutschland ist der Anteil der Computer-Unerfahrenen allerdings deutlich geringer (12,6 Prozent).

Schwächen zeigen deutsche Erwachsene vor allem beim Leseverständnis, also der Fähigkeit, Informationen aus Texten zu gewinnen. Die Zahl der Spitzenleser, die mit ihren Leistungen die höchsten Kompetenzstufen auf der Skala erreichen, ist in Deutschland geringer als im OECD-Schnitt. Und 17 Prozent der Erwachsenen kommen beim Textverständnis nicht über die niedrigste Stufe hinaus: Sie können lediglich kurze Texte mit einfachem Vokabular verstehen. Das entspricht laut OECD etwa dem Niveau eines zehnjährigen Kindes.

Bei den mathematischen Kenntnissen wie Prozentrechnen und Dreisatzaufgaben ergab sich ein ähnliches Bild. Dabei liegt Deutschland gemeinsam mit Estland zwar knapp über dem Durchschnitt - aber erneut weit hinter den Spitzenreitern Japan und Finnland. Immerhin erreichen gut 14 Prozent der deutschen Erwachsenen die höchsten Stufen vier und fünf. Im OECD-Schnitt waren es 12,5 Prozent. Trotzdem zeigen sich eklatante Schwächen: Fast jeder fünfte Erwachsene (18,5 Prozent) kommt nicht über einfaches Zählen, Sortieren und die Grundrechenarten hinaus.

Bildung der Eltern hat großen Einfluss

Als große Schwäche im deutschen Bildungssystem erweist sich einmal mehr die Abhängigkeit von der sozialen Herkunft: "In kaum einem anderen Land hängt die Lesekompetenz so sehr vom Bildungsstand der Eltern ab wie hierzulande", schreiben die Autoren. Testpersonen, deren Eltern weder Abitur noch Berufsausbildung haben, erzielten beim Textverständnis im Schnitt 54 Punkte weniger als jene, bei denen mindesten ein Elternteil einen Hochschulabschluss oder einen Meisterbrief hatte. 7 Punkte entsprechen auf der Leistungsskala dem Lernvolumen eines Schuljahrs.



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