Mittwoch, 4. September 2013

Gabriels fatale Forderung für einen Rechtsanspruch auf Ganztagsschulen

Christiane Jurczik

Alle Schüler sollen nach Auffassung des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz erhalten – und dafür keine Hausaufgaben mehr aufbekommen. “Ich bin dafür, dass man Hausaufgaben abschafft“, sagte er der Rhein-Zeitung vom Samstag.

Hausaufgaben fördern gesellschaftliche Ungerechtigkeit, meint Sigmar Gabriel. Nicht jedes Kind hat Eltern, die ihm dabei helfen können. Es sei ungerecht, „dass Eltern, die Akademiker sind, ihren Kindern bei der höheren Schulbildung einfacher helfen können als Eltern, die nicht studiert haben“. Deshalb müssten die Aufgaben während der Schulzeit erledigt werden und nicht im Elternhaus.

Dabei ist allgemein bekannt, dass Eltern weder die Hausaufgaben ihrer Kinder erledigen noch korrigieren sollen. Hausaufgaben sollen selbstständig von den Kindern erledigt werden und dürfen Fehler enthalten, damit der Lehrer weiß, wo die Stärken und Schwächen des Einzelnen liegen. Hausaufgaben sind eine Wiederholung des Lehrstoffs aus dem Unterricht. Die Abschaffung der Hausaufgaben fördert Unaufmerksamkeit während des Unterrichts.

Prompt folgt angemessene Kritik an Gabriels Plänen

Kritik an dem Vorschlag kommt von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) und der FDP. „Statt Hausaufgaben abzuschaffen, sollte Herr Gabriel lieber seine SPD-Ministerpräsidenten zur dauerhaften Anstellung der vorhandenen Schulsozialarbeiter verpflichten“, sagte Schröder der „Welt am Sonntag“.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte der Zeitung, Gabriels Kuschelpädagogik passe ins Bild: „Leistung im Job soll sich nicht mehr lohnen, darum werden mittlere Einkommen mit der SPD höher besteuert. Und wer seine Hausaufgaben macht und lernt, verhält sich ungerecht gegenüber jenen, die faulenzen. Die SPD und Leistung – das passt einfach nicht zusammen.“
Im Fall eines Wahlsiegs will die SPD Eltern einen Rechtsanspruch auf die Betreuung ihrer Kinder in Ganztagsschulen einräumen. Fatale Folgen für Familien: Noch weniger Zeit für Kinder.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Als unser heute 15-jähriger Sohn
5 Jahre alt war, hörten und sahen
wir im Fernsehen eine Sendung, in der von Ganztagsschulen die Rede war. Er hat von uns Eltern damals schon viel und mit Freude und Interesse gelernt, und als er diese Sendung mitbekam, fing er fast zu weinen an und sagte :
"Können wir nicht in ein anderes Land ziehen ?" - Auch ohne Ganztagsschule hat die Schule durch Unterricht am Nachmittag sein Leben und seine Lernbereitschaft erheblich negativ verändert. Er hat keine Zeit, privat Kurse zu besuchen, die ihn interessiert hätten. Man kann nicht alle Kinder über einen Kamm scheren. Die Eigen-motivation ist das A&O des Lernens. Wenn ein Kind damit gesegnet ist, sollte man es nicht in das Hamster-laufrad einer Ganztagesschule pressen. Es braucht die Freiheit der Selbstentwicklung. Der Zwang in der Gruppe (Klasse) ist eine Tortur und das größte Hindernis zur glücklichen Selbstentwicklung. Ich bin deshalb dafür, nicht einen
Rechtsanspruch auf Ganztagsschulen einzuführen sondern einen Rechts-anspruch auf hometeaching bzw. homelearning, wenn die Voraus-setzung dazu gegeben ist. Ein Schultag pro Woche ist ausreichend, um die Lernleistung von Lehrern kontrollieren zu lassen. Das wäre
mein Gegenkonzept, das allerdings
nicht für alle Kinder machbar ist, weil die meisten die Voraus-setzungen nicht mitbringen. #

Anonym hat gesagt…

Früher hatten wir "Onkel Tobias vom RIAS ist da". Heute macht es jeder selbst. Damals konnten wir damit umgehen. Heute kann man über diese Sachen nicht mehr lachen.
Wer immer erst sieht was er will (im Unterschied zu möchte) ohne auf das zu schauen, was vorhanden ist, der macht auch nicht Licht, wenn er ne schwarze Katze im lichtlosen Raum sucht. Würde er feststellen, sie ist gar nicht da. Ihm war aber so, als wenn er sie gepackt hätte.
Wer sich ein Fahrrad wünscht, muss es nicht neu erfinden. Doch kann er es sich nach seinem Wunsch aussuchen. Bekommen wird er es nur, wenn das nötige Geld fließt.
Ihr habt ne Vorstellung von Freiheit und Persönlichkeit, deren Ausbreitung tunlichst verhindert werden sollte. Da ist ja eine Angel mit Zielfernrohr ansehnlicher.

Lehrer i.R hat gesagt…

Bei vergleichenden Schulstudien kommt immer wieder zutage: Die Gesamtschule sowie das „Förderstufen-System“ haben ungeheuren Schaden angerichtet, was die Lern- und Bildungsqualität betrifft. Die Forderung nach „Chancengleichheit“ ist eine Utopie für die Praxis, denn der Ruf nach „sozialer Gerechtigkeit“ ist aus dem Bildungsneid hauptsächlich der „Roten“ entstanden, was letztlich darauf abzielt, die von ihrer Familie besser geförderten Kinder auszubremsen, um so mehr „Gleichstand“ zu erzwingen.
Beweise dafür gibt es genug: Bayern, Sachsen, Baden-Württemberg und Thüringen gehen mit bestem Beispiel voran, denn diese Bundesländer schneiden bei Vergleichstudien immer deutlich am besten ab. Es ist wohl kein Zufall, das hier die „Schwarzen“ das Sagen haben oder lange genug hatten (BW). Bremen und Berlin (sehr lange rot regiert) sind dagegen die absoluten Schlusslichter!
Nicht eine „moderne“ Lehrmethodik bringt Fortschritte, sondern das konsequente Anhalten der Lernenden dazu, auch solche Dinge durchzuziehen, die angeblich keinen Spaß machen: Dies führt zu einem echten Durchhaltevermögen!
Außerdem gilt es, von der propagierten „Spaßgesellschaft“ abzulassen, denn man weiß, dass eine Entscheidung nach Lust und Laune keine echte ist, folgt sie doch nur dem „Bauchgefühl“ - und macht Kinder entscheidungsunfähig!
Die Folgen: Über 12% der Jugendlichen eines Jahrganges machen in Deutschland keinen Schulabschluss, und mehr als Dreimillionen (!) der jungen Leute zwischen 16 und 28 Jahren haben keine Berufsausbildung!
Dies gilt es endlich zu ändern, und zwar durch konsequentes Anleiten eines Kindes von den ersten Lebenstagen an! Und dazu sind an erster Stelle die Eltern aufgefordert, denn sie sind am nächsten dran! Hier müsste man ansetzen, indem man Eltern konkrete Erziehungshilfen etwa dadurch gibt, dass die öffentlich-rechtlichen Medien entsprechend produziertes Anschauungsmaterial regelmäßig ausstrahlen, wodurch Eltern lernen könnten, wenigstens die gröbsten Erziehungsfehler zu vermeiden!
Das Ansinnen von Gabriel, die Kinder den ganzen Tag in der Schule festzuhalten, ist verwerflich, weil es sich in der Praxis nicht bewährt hat: Wird diese Schultagsverlängerung zur Pflicht, haben die Familien kaum noch eine eigene Gestaltungsmöglichkeit für den Nachmittag.
Viele Schulen haben diese „Pflichtbeschulung am Nachmittag“ wieder abgeschafft, weil sie deren Kontraproduktivität erkannten. Stattdessen wird den Eltern die Möglichkeit gegeben, ihre Kinder dort in einer Aufgabenbetreuung und in Arbeitsgemeinschaften den Nachmittag verbringen zu lassen.
Dieser Ansatz ist der deutlich bessere, denn man darf nicht jene Familien behindern, in denen die Eltern ihre Kinder fördern. Deren Möglichkeiten würden durch die staatliche Vorschrift „Ganztagsschule“ behindert, was zu einem Verlust an Bildungsqualität für das ganze Land führen würde!
Besonders schlimm ist, dass SPD und Grüne die Erfahrungen aus der angewandten Praxis einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollen, obwohl sie eine klare Sprache sprechen. Eine solche Ideologie führt die ganze Nation ins lernqualitative Abseits!

Anonym hat gesagt…

Lehrer i.R. hat völlig Recht.

Schon sein Diskussionsbeitrag unter

http://kultur-und-medien-online.blogspot.de/2013/09/gabriels-fatale-forderung-fur-einen.html

war äußerst treffend.

Ich glaube, wir befinden uns auf dem Weg zu einer Diktatur und die klatschenden Massen gibt es bereits auch wieder. Warum können wir nicht einfach mal aus der Geschichte bzw. von unseren Großeltern lernen?

Anonym hat gesagt…

sorry, ich meinte

http://kultur-und-medien-online.blogspot.de/2013/09/schokierend-homeschooling-familie-wie.html

Old Geezer hat gesagt…

Naja, es ist schon wahr, daß die Hausaufgaben immer nur ein Notnagel waren, der zum großen Teil dann von Eltern gemacht, morgens kurz vor der Stunde abgeschrieben oder schlicht ignoriert wurde.

Ich vermute allerdings, das der Artikel hier mal wieder nicht korrekt berichtet, denn ein Rechtsanspruch konstituiert ja noch keine Pflicht zur Ganztagsschule, also müßten die Hausaufgaben für den Rest der Schüler erhalten bleiben, ebenso bei alternativen Schulformen und Privatschulen.

Old Geezer hat gesagt…

" Ich bin deshalb dafür, nicht einen
Rechtsanspruch auf Ganztagsschulen einzuführen"

...Ihnen ist schon kalr, das ein REchtsanspruch keine Teilnahmeverpflichtung ist, ja?


"sondern einen Rechts-anspruch auf hometeaching bzw. homelearning, wenn die Voraus-setzung dazu gegeben ist. "

Wie wollen Sie diese Voraussetzungen kontrollieren?
Indem di Eltern nachweisen, daß sie selber eine Bildung aufweisen, die mindestens so hoch wie das maximal vom Kind zu erwartende ist?
Oder daß sie einen solchen Privatlehrer einstellen?
Und daß sie auch in den nächsten 12 Jahren so gut situiert sein werden, daß sie mit einem Einkommen auskommen werden oder sich diesen Lehrer leisten können?
Und wie soll sichergestellt werden, daß das Kind nicht durch den einseitigen Blickwinkel nur zweier Personen in seiner Entwicklung ungebührlich eingeschränkt wird?
Wie daß es die Möglichkeit hat, sich mit gleichaltrigen auszutauschen und ein angemessenes Sozialverhalten zu lernen?

IMHO Sehr viel Aufwand, nur um einigen Exoten die Allmacht über ihre Kinder zu erhalten.

Old Geezer hat gesagt…

@Lehrer i.R.:

"Bei vergleichenden Schulstudien kommt immer wieder zutage"

Huch?
welche sollen das sein?
Die Drillresultate aus Bayrischen Schulen, die in erster Linie die Fähigkeit zum Reproduzieren von Auswendig gelerntem abprüfen?

"Die Forderung nach „Chancengleichheit“ ist eine Utopie für die Praxis, denn der Ruf nach „sozialer Gerechtigkeit“ ist aus dem Bildungsneid hauptsächlich der „Roten“ entstanden, was letztlich darauf abzielt, die von ihrer Familie besser geförderten Kinder auszubremsen, um so mehr „Gleichstand“ zu erzwingen."

Unfug!
Dieses Konzept kannten schon deutsche Könige vor Jahrhunderten, die bemerkten, daß die meisten Eltern keine höhere Bildung produzierten als sie selber besaßen und die Wirtschaftslage zuließ.
Man muß nicht eine vorgeblich 'bessere' Klasse drücken, man kann auch eine angenommen schlechtere fördern, deren Elternhaus von sich aus nicht die Möglichkeiten hat.

"Nicht eine „moderne“ Lehrmethodik bringt Fortschritte, sondern das konsequente Anhalten der Lernenden dazu, auch solche Dinge durchzuziehen, die angeblich keinen Spaß machen: Dies führt zu einem echten Durchhaltevermögen!"

Ah, der Geschmack der Erziehung im letzten deutschen Kaiserreich: Drill, und Stock formen den jungen Menschen...

"Außerdem gilt es, von der propagierten „Spaßgesellschaft“ abzulassen, denn man weiß, dass eine Entscheidung nach Lust und Laune keine echte ist"

Hu?
eine Entscheidung ist keine echte Entscheidung?
Ja was ist sie denn dann?

Mein Kind hat nur EIN Leben, und es sollte daraus das meiste machen, ...und das beinhaltet NICHTS, sich für eine obskure herrschende Klasse sein Leben lang krumm zu machen!

"Über 12% der Jugendlichen eines Jahrganges machen in Deutschland keinen Schulabschluss"

Es geht ihnen nicht auf, daß dieses evtl. auch mit der Sinnlosigkeit einiger Schulabschlüsse bei gegebenem Arbeitmarkt zusammenhängen könnte?

"Wird diese Schultagsverlängerung zur Pflicht,"
"staatliche Vorschrift „Ganztagsschule“"

Wo ist denn davon die Rede?

"Viele Schulen haben diese „Pflichtbeschulung am Nachmittag“ wieder abgeschafft, weil sie deren Kontraproduktivität erkannten. Stattdessen wird den Eltern die Möglichkeit gegeben, ihre Kinder dort in einer Aufgabenbetreuung und in Arbeitsgemeinschaften den Nachmittag verbringen zu lassen."

Mitnichten!
sie haben erkannt, daß das GELD kostet, daß die Einstellung weitere Lehrer nötig wäre, und so das knappe Schulbuget belastet wird; wohingegen freiwillige oder ehrenamtliche Mitarbeit von Eltern praktisch GRATIS ist.

"denn man darf nicht jene Familien behindern, in denen die Eltern ihre Kinder fördern."

Wo ist denn das der Fall?
Oder glauben Sie ernsthaft, daß ein großer Teil der hinreicht gut gebildeten Eltern zwischen Eins und Vier am Nachmittag zu Hause sitze und sich Überlegt: "Wäre doch mein Kind nur hier, ich könnte es GENAU JETZT so gut fördern"?
Oder daß im Gegenzug die Sprosse begeistert von der Aussicht sind, statt in einer Gruppe Gleichaltriger irgendwas in der Schule zu machen, von ihren Eltern 1:1 in die Mangel genommen zu werden?

"Eine solche Ideologie führt die ganze Nation ins lernqualitative Abseits!"

...was man auch bestimmt sehr gut an all den vielen Länder sieht, die dieses Konzept durchaus erfolgreich umgesetzt haben, oder?

Lehrer i.R. hat gesagt…

@ Old Geezer 6. September 2013 13:19

Ihre Ausführungen sind zum größten Teil oberflächlich!
Wenn Sie die Ermunterung der Schüler durch einen Lehrer zum „Durchhalten“ als „Geschmack der Erziehung im letzten deutschen Kaiserreich: Drill, und Stock formen den jungen Menschen... “ bezeichnen, dann haben Sie keinerlei Ahnung, was eine vertrauensvolle Pädagogik bewirken kann, ohne Drill und Stock, aber mit konsequentem Ansatz, der sinnvolle Wege aufzeigt und die positive Wirkung des Erreichten als Verstärker gewinnt!
Also zeigt Ihre Auslegung, dass Sie keinerlei Ahnung haben.
Was Ihre Herabwürdigung der bayerischen Schulerfolge betrifft: Hier liegen Sie auch absolut daneben! Fragen Sie doch einmal Ausbilder in Bayern, wozu dortige Hauptschulabsolventen fähig sind, und stellen Sie die gleiche Frage Ausbildern in Bremen, Berlin oder NRW: Eindeutige Belege für die deutlich bessere Schulqualität in Bayern lassen sich aus den Antworten entnehmen!
Ähnlich oberflächlich mit festgezurrten Worthülsen argumentieren Sie auch in den übrigen Punkten, und ich habe weder Zeit noch Lust, mich mit einem solchen Griesgram wie Ihnen (Old Geezer) herumzustreiten, als der Sie immer wieder hier im Forum auffallen.
Meine Berufserfahrung hat andere Perspektiven gewonnen!