Dienstag, 17. September 2013

Die Piratenpartei: Eine skurriler Haufen mit skurrilem Familien-Programm

Christiane Jurczik

Nach ihrer kompletten Strukturlosigkeit hat die Piratenpartei jetzt eine familienpolitische Vorstellung entwickelt: “Selbstbestimmung“, in der Geschlechter- und Familienpolitik.

Geschlechtliche und sexuelle Identität und Orientierung soll selbstbestimmt sein. Jeder soll selbst bestimmen können, wie und mit wem er zusammenlebt und das soll auch noch von der Familienförderung berücksichtigt werden.
Konkret: Die Piratenpartei setzt sich ein für homosexuelle, bisexuelle und Transgender-Lebensstile ein. Unfassbar, aber wahr: Ausdrücklich auch für die Abschaffung des § 173, der Inzest verbietet. Weiterhin fordert die Partei, dass in einem Personalausweis kein Geschlecht mehr eingetragen wird.

In ihrem Wahlprogramm heißt es: “Wir Piraten bekennen uns zu allen denkbaren Formen des Zusammenlebens“. Sie wollen nicht nur die Ehe durch die eingetragene Lebenspartnerschaft ersetzen, sondern dieses Recht soll auch auf Polyamorie erweitert werden. Gleichberechtigung aller Lebensformen, lautet die Devise, statt bevorzugte, traditionelle Familienstrukturen.

Das bietet die Piratenpartei an: Die Abschaffung der Ehe und die rechtliche Aufwertung gleichgeschlechtlicher Paare. Und der krönende Abschluss: Polygamie rechtlich fassen – unter der Bezeichnung “eingetragene Lebensgemeinschaft“.

Welche Rechte die Piratenpartei Kindern zusprechen will, bleibt unklar. Es wird ein kostenfreies “Betreuung- und Bildungsangebot“ des Staates erwähnt und in diesem Zusammenhang ein “Kindergrundeinkommen“.

Noch merkwürdiger sind manche Formulierungen im Grundsatzprogramm: “Kinder zu haben, darf nicht zu Diskriminierung oder Benachteiligung führen. Aus der geschlechtlichen oder sexuellen Identität bzw. Orientierung darf sich weder ein Vorrecht noch eine Verpflichtung zu einer höheren oder geringeren Einbindung in die Kinderversorgung ergeben“. Und: “Kinder zu haben, muss von geschlechtlicher Identität bzw. Orientierung unabhängig sein. Auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften müssen zusammen Kinder bekommen, adoptieren und aufziehen dürfen“.

Was mit diesen Formulierungen der Piratenpartei gemeint ist, ist abstrus. Ganz offensichtlich wollen sie Freiheit und Selbstbestimmung – aber nicht für Kinder. Kinder sind für sie nur Objekte, denen man Betreuung und Pflege angedeihen lassen muss, ansonsten aber ein Anrecht hat. Alle auf irgendeine Weise sexuell zugetane Menschen – homo- oder heterosexuell Paare ebenso wie polyamouröse Gemeinschaften – dürfen Kinder haben. Das ist ihr Recht, und wer ihnen dieses Recht streitig machen will, der diskriminiert sie, und das gehört verboten. Dieses Recht geht so weit, dass die Piraten sogar die Gesetze der Natur außer Kraft setzten wollen, die zwei Geschlechter zur Grundlage der Fortpflanzung gemacht hat.

Diese Partei erinnert an die Anfänge der Grünen – nur noch bizarrer.

Kommentare:

VäterPower hat gesagt…

Die sind einfach durchgeknallte arme Irre

Niko Belic hat gesagt…

Schade das die Piraten nicht mehr Stimmen kriegen, raus aus dem Mittelalter( in dem ihr,Kirche,Religion noch fest hängt) und rein ins 21ste Jahrhundert !

Dalian hat gesagt…

Ich mag die Piraten ein bisschen chaotisch und seltsam aber ganz in Ordnung.

Old Geezer hat gesagt…

Endlich mal eine Partei, die sich nicht mit Halbheiten aufhält, sondern versucht konsequent Strukturen zu schaffen, in denen individuelle Freiheiten zur Partnerwahl eingeräumt werden, und in der keine überflüssige Subventionierung überholter Vorstellungen mehr implizit vorausgesetzt werden.
Ohne Frage sinnvoller, als der konventionelle Ansatz, so zu tun als lebten die Menschen heute noch wie zu Zeiten der ersten Seßhaftwerdung, und sie entgegen ihrer Wünsche und ihrer Lebensrealität in solche Rahmen zwingen bzw. kaufen zu wollen.

Old Geezer hat gesagt…

@OP:

Es gibt auch keinen logischen oder medizinischen Grund für das Inzestverbot (mehr), diese Gründe sind ein Relikt aus den Zeiten kleiner Stammesverbände und Dorfgemeinschaften auch wenigen Dutzend Mitgliedern aus nur einer Handvoll Familien.

Personalausweise, in denen das Geschlecht umgeändert wurde oder ohne Geschlechtsangeben gibt es übrigens schon.
Nur weil konservative Kreise sich mit den Fakt der Existenz von Transsexuellen, körperlich und emotional inkonsistenter Geschlechtsausprägung, Heraphroditen, etc. schwer tut, heißt nicht, daß sich die Realität darum schert und diese Menschen nicht auch Papiere benötigen.

Warum nicht Polygamie?
sequentielle Polygamie ist sowieso die bei weitem verbreitetste Form der Partnerschaft, und bei der Häufigkeit von Seitensprüngen, Ehebrüchen, offenen Beziehungen und langjährigen Affären scheint es leicht bigott und noch dazu sinnfrei zu sein, rein formal auf einer seltenen Ausnahme zu bestehen.

"
Was mit diesen Formulierungen der Piratenpartei gemeint ist, ist abstrus"
Was soll dann da abstrus sein?
-> Kein Herdprämie.
-> Adoptions- und Pflegschaftsrecht auch für irgenswie-sexuelle Paare
-> keine Bevorzugung der bürgerlichen Ehe bei Leistungen für Erziehende.

Also das was das Gros der Experten schon in den vergangenen Diskussionen auch gefordert hat, die Konservativen aber immer abgelehnt haben.

Freiheit und Selbstbestimmung wollen die Piraten nicht weniger für die Kinder als die CDU - und wenn man sich die Punkte zu Bildung und Information / Medien ansieht, in jedem Falle mehr als jene.

Zur Fortpflanzung benötigt es prinzipiell zwei Geschlechter, aber weder Leidenschaft dabei noch eine faste Beziehung, und zur Aufzucht nichtmal mehr mehr als eine Person und keine biologische Verwandtschaft, aber dafür gerne auch mehr als zwei Teilnehmer.
Insofern spielt dieses "Naturgesetz" bei dieser Diskussion eh keine Rolle.