Donnerstag, 6. Juni 2013

Studie zu Internetsucht zeigt: Mehr als eine halbe Millionen Menschen in Deutschland gelten als internetsüchtig

Aus der ersten bundesweiten repräsentativen Studie zur Internetabhängigkeit geht hervor, dass rund 560.000 Menschen zwischen 14 und 64 Jahren in Deutschland internetabhängig sind. Die Hälfte davon ist zwischen 14 und 24 Jahren alt.

Die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) stellte die Studie am Dienstag in Berlin vor. Bei weiteren 2,5 Millionen Menschen zwischen 14 und 64 Jahren ist die Nutzung von Online-Spielen und sozialen Netzwerken problematisch.

Vor allem Männer, Ledige, Arbeitslose und Migranten haben demnach ein erhöhtes Risiko, internetsüchtig zu werden. Sie vernachlässigen dann ihr soziales Leben, worunter dann die Arbeit oder der Schulbesuch litten, mitunter auch einfache Dinge wie Essen und Waschen. "Das geht bis zur körperlichen Verwahrlosung", sagte Dyckmans.

Laut der von den Universitäten Lübeck und Greifswald durchgeführten Untersuchung entwickeln 1,7 Prozent der Arbeitslosen über 25 Jahre eine Internetsucht. Bei den Berufstätigen sind es nur 0,6 Prozent. In der Altersgruppe von 25 bis 64 Jahren haben Menschen mit Migrationshintergrund das 4,5-fache Risiko, abhängig zu werden. Die Schulbildung hat laut Studie keinen bedeutsamen Effekt, das Geschlecht nur bei den über 25-Jährigen - hier ist das Risiko für Männer um das 2,3-Fache höher.

Computer und Internet haben den Alltag verändert – bei manchen Menschen sogar bis zur Sucht

Doch bislang ist Internetabhängigkeit von der Weltgesundheitsorganisation nicht als Verhaltenssucht anerkannt. Deshalb fordert Dyckmans, dass Internetsucht als Krankheit klassifiziert und in das internationale Diagnoseverzeichnis aufgenommen werden müsse. Gleichzeitig sieht sie die Anbieter von Computerspielen oder sozialen Netzwerken in der Pflicht, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden, indem sie ihre Nutzer über die Risiken aufklären.

Mit Informationen aus: stern.de

1 Kommentar:

Old Geezer hat gesagt…

Die Verhältnisse der Faktoren sind naheliegend (wer noch ein anderes Leben hat, ist weniger gefährdet, usw.), aber den Zahlen traue ich nicht ganz über den Weg.
Zwar ist der Anteil zwischen Nutzern und Abhängigen hier nicht höher als bei z.B. Glücksspiel, aber ich bezweifle die Verläßlichkeit der Messung, da das Internet als Werkzeug und Medium allgegenwärtig ist.
Es dürfte ebenso schwierig sein, wie eine Zucker- oder Arbeitssucht klar zu diagnostizieren, und darum fehl bisher auch die Erfassung im ICD.