Mittwoch, 22. Mai 2013

Scharfe Kritik geht von Missbrauchsbeauftragten an Cohn-Bendit

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, vermisst bei Cohn-Bendit eine reflektierte Auseinandersetzung mit den pädophilen Äußerungen sowie mangelnde Distanzierung vom pädokriminellen früheren Leiter der Odenwaldschule.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat Daniel Cohn-Bendit scharf angegriffen. Er vermisse bei dem 68-jährigen Grünen-Politiker eine reflektierte Auseinandersetzung zu dessen pädophilen Äußerungen in den 70er- und 80er- Jahren, sagte Rörig dem Münchner Magazin Focus.

Der Bundesvorstand der Grünen hatte Anfang Mai beschlossen, den Einfluss der Befürworter von Pädophilie auf die Partei in deren Anfangsjahren wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen. Dies müsse „umfassend und systematisch“ geschehen, erklärte Rörig. Alle Akten und Archive müssten frei zugänglich gemacht und die Ergebnisse vollständig veröffentlicht werden.

Spitzenkandidat Jürgen Trittin hatte unlängst Fehlbeschlüsse der Grünen zu dem Thema eingeräumt. So habe ein NRW-Landesparteitag noch 1985 für die Straffreiheit von Sex mit Kindern plädiert. Bis etwa zu dieser Zeit gab es bei den Grünen auch eine Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule, Päderasten und Transsexuelle.

Cohn-Bendits bisherige Erklärungen wertete Rörig als Bagatellisierung. Es sei ein Problem, dass der Politiker seine damaligen Äußerungen nur als Provokationen verstanden wissen wolle. Vor dem Hintergrund des aktuellen Kenntnisstandes zu den Folgen von Kindesmissbrauch sei dies unangemessen und für viele Betroffene äußerst verletzend. Cohn-Bendit habe der damaligen Pädophilen-Szene viel Futter und Rechtfertigungsgründe gegeben. Es wäre angemessen, das zu benennen und zu bedauern, so Rörig.

Als „wirklich enttäuschend“ bezeichnete der Missbrauchsbeauftragte, dass Cohn-Bendit nicht auf die große Zahl der Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule eingehe, deren Schüler er in den 50er- und 60er- Jahren war. „Für die vielen Betroffenen wäre es sicher ein wichtiges Signal, wenn er sich von dem ehemaligen und inzwischen verstorbenen Schulleiter und Pädokriminellen Gerold Becker distanzieren und Solidarität gegenüber den missbrauchten Schülern und Schülerinnen bekunden würde“.

Noch im April 2013 hatte Cohn-Bendit trotz seiner öffentlich bekannt gewesenen Äußerungen den Theodor-Heuss-Preis überreicht bekommen. Nachdem der Preisträger feststand, hatte der vorgesehene Festredner, Andreas Voßkuhle (Präsident des Bundesverfassungsgerichts), öffentlich seine Bereitschaft zurückgezogen, die Laudatio zu halten. Doch dies - sowie heftige Kritik im Vorfeld der Preisverleihung - hielt den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschman (Bündnis 90/Die Grünen) nicht davon ab, seinerseits eine Laudatio zu halten.

Cohn-Bendit hatte in den 70er- und 80er- Jahren fragwürdige Texte veröffentlicht. So schrieb er 1975 in dem Buch „Der große Basar“ über seine Zeit als Erzieher in einem antiautoritären Frankfurter Kinderladen u.a. wörtlich folgendes: „Mein ständiger Flirt mit allen Kindern nahm bald erotische Züge an. Ich konnte richtig fühlen, wie die kleinen Mädchen von fünf Jahren schon gelernt hatten, mich anzumachen. Es ist kaum zu glauben. Meist war ich ziemlich entwaffnet“. „Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln. Ich habe je nach den Umständen unterschiedlich reagiert, aber ihr Wunsch stellte mich vor Probleme. Ich habe sie gefragt: ‚Warum spielt ihr nicht untereinander, warum habt ihr mich ausgewählt und nicht andere Kinder? „Aber wenn sie darauf bestanden, habe ich sie dennoch gestreichelt“.

Mit Material von kath.net

Kommentare:

F.J.Mandel hat gesagt…

In diesem Zusammenhang müssen doch einmal die unterschiedlichen Mißbrauchsfallzahlen in unserer Gesellschaft einerseits, wenn Väter, die ein Kind gezeugt hatten, dieses nachher (auch schon im Kleinkindalter von ca. 2 J. !) für ihre Sexgier mißbrauchten = diese Zahl macht ca. 99,9 % aus. Daneben muß die Zahl bei kath. Priestern gestellt werden: es ist im Bereich "Promille" = 0,... Damit sollen keineswegs diese scheußlichen Untaten kath. Priester (die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. sprachen eindeutig von "Verbrechen"...) unter den Teppich gekehrt werden. Unter den Teppich wird unentwegt gerade auch in unseren Medien, wie in eifrigen Fernseh-Talkshows, gekehrt, in dem ausschließlich die Mißbrauchsfälle von kath. Priestern erwähnt werden; dagegen die ungeheuerlichen Verbrechen in unserer zivilen Gesellschaft übergangen werden. Gewiß: der sakramentale Anspruch an einen kath. Priester hat ganz sicher in sich einen besonderen Wert; aber ist das daneben etwa dann weniger gewichtig, was da ein Familienvater mit seinem eigenen Kind aufgrund seiner ungezügelten Sexaktivität "anstellt" !? Und das reicht zahlenmäßig immerhin sogar im Prozentbereich! Bei allem Benennen dieser besonders abscheulichen Sex-Verbrechen muß man immer noch beim Gegenüberstellen gerecht bleiben, statt ausschließlich auf die eine Seite herumzuhacken und dabei die eigene gesellschaftl. Variante deutlich übersehen, ignorieren. Auch hier gilt die einfache Regel: zeige ich mit einem Finger auf jemanden, zeigen, wenn ich bereit bin, die Hand umzudrehen, drei Finger auf mich (hier: unsere Gesellschaft) selbst.

Dantalion hat gesagt…

Mandel Rechtfertigung?^^

1) Missbrauchsvorfälle werden grundsätzlich in den Medien behandelt so fern sie eine gewisse Größe haben.
2)Da es mehr Familien usw. als kath. Priester gibt, sind diese Relationen wohl verständlich
ABER
3) Wer höchste moralische Ansprüche an sich stellt, beim kleinsten Vergehen sofort mit der Mistgabel auf andere los geht, muss sich nicht wundern wen das Thema nun mal einen gewissen Stellenwert bekommt.
4)gerade die statt gefundene Täuschung und die Vertuschung macht die Sache für die kath. Kirche nicht besser
5) und wieder zeigen Sie mit dem Finger auf andere und relativieren gleichmal kräftig
6) Wäre doch einfacher einzusehen das Missbrauch überall vorkommen kann in der Familie, Sportvereinen und ja sogar in der "heiligen" Kirche :) man sollte an die Opfer und nicht so sehr auf die Zahl der Schuldigen schauen, den den Opfern muss man helfen!