Montag, 13. Mai 2013

Evangelivm Nekromantia indiziert - Erfolg für „Kinder in Gefahr“

Am 4. April indizierte die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ die CD „Evangelivm Nekromantia“ der Death-Metal-Band „Antropomorphia“. Die Entscheidung des Gremiums wurde im Bundesanzeiger vom 30. April veröffentlicht.

Die Vertriebsfirma, SONY-Music-Entertainment, bietet die CD nicht mehr an. Sonys Internetseite enthält auch keinerlei Informationen mehr über die CD und über die Band selbst. Internethändler wie „Amazon“ haben ebenfalls das Angebot der CD entfernt.

Nachdem sich einige Jugendämter für die Indizierung einsetzten, stellte die „„Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ selbst einen Indizierungsantrag. Diesem war eine Protestaktion von „Kinder in Gefahr“ vorausgegangen. Briefe, Postkarten und E-Mails wurden an Sony, an etliche Internethändler und an mehrere Jugendämter geschickt.

Einige wichtige Internet-Firmen, darunter JPC und Weltbild, haben sofort auf die Protestaktion reagiert und die CD aus dem Angebot entfernt.

Die Bundeszentrale übernahm im Wesentlichen die Argumentation der Protestkampagne von „Kinder in Gefahr“. Insbesondere das Deckblatt der CD, die eine nekrolesbische Szene mit okkultistischem Elemente zeigte und gewaltverherrlichende Texte kritisierte.

Der wichtigste Informationsportal für Heavy-Metal-Musik in Deutschland, „Metal-Hammer“, berichtete: „In dem Antrag wird vor allem das Coverartwork und der Song ‘Fleisch’ beanstandet, die Mord und Gewalt selbstzweckhaft illustrieren. Weiterhin sollen Nekrophilie (Geschlechtsverkehr mit Toten), Totenbeschwörung und nekrolesbische Lust verherrlicht werden, was unter anderem der Initiative “Kinder in Gefahr” sauer aufstößt. Auch über den Albumtitel selbst (“Evangelium der Totenbeschwörung”) scheint die BPjM nicht ganz glücklich zu sein.“

Die Nachricht über den Indizierungsantrag und die vorausgegangene Protestaktion von „Kinder in Gefahr“ wurde weltweit in hunderten von Heavy-Metal-Informationsportalen veröffentlicht.

Kommentare:

Old Geezer hat gesagt…

Seuftz, ein toller 'Erfolg'...
...Sie haben es damit geschafft, eine eher unbekannte Band mit praktisch keiner Fangemeinde unter Jugendlichen zu einem 'verruchten' Geheimtip zu machen, den zu besitzen und zu hören cool ist.
Ich bin sicher, das Label wird Ihnen diese PR danken.

Ach ja - und natürlich die Christen wiedermal als Bücher verbrennde Spießer darzustellen, über deren Anmaßung man sich trefflich aufregen und amüsieren kann.
(Wie über die Wachturmgesellschaft, nur daß die wenigstens nicht versuchen, ihre Moral Außenstehenden aufzuzwingen.)

Aber nun müssen Sie auch Konsequent weitergehen, noch dürfen Poster von Favole, Bücher von Lovecraft und Vampir-Schmonzetten und -Filme frei vermarktet werden, ganz zu Schweigen von so einigen Warhammmer-Minaturen...

Old Geezer hat gesagt…

P.S.:

"Internethändler wie „Amazon“ haben ebenfalls das Angebot der CD entfernt?"

Das hätte mich jetzt gewundert...
...und in der Tat: es ist nur aus dem DEUTSCHEN Angebot verschwunden.
Ersetzt man das .de schlicht durch ein .uk oder .com, schon wird es wieder zum Download für Cent-Beträge angeboten, ebenso schnell wie im Deutschen und ebenso mit derselben Kreditkarte oder demselben PayPal-Account bezahlbar.

Anonym hat gesagt…

Die "Logik" von Old Geezer erstaunt immer wieder.

Mal im Klartext seine Logik übersetzt: Da ein Verbot manche (v.a. Jugendliche) nur noch mehr ermuntert, Verbotenes zu besitzen oder zu tun, sollte man lieber erst keine Verbote erstellen.

Daß dies keine Logik ist, sondern einfach nur abstrus, braucht nicht weiter erklärt zu werden. Eigentlich. Doch für Old Geezer und weitere mit solcher "Logik" ist das wohl notwendig:
Genausogut könnten wir jetzt die Regelung abschaffen, bei roten Ampeln stehen zu bleiben. Den das reizt doch nur dazu, drüber zu gehen (oder zu fahren). Also weg mit solchen Verboten und evt. Strafzahlungen...
Natürlich müssen Verbote und Gebote erlassen werden. Sie dienen ja nicht dazu, jemanden gerade zu dem Verbotenen zu verleiten, sondern ihn davor zu beschützen. Ansonsten ist es einfach nur rebellisch und trotzig (wie so oft bei Jugendlichen, meist aber nur zeitweilig). Und den Schaden hat dann, wer eben diese gutgemeinten Verbote und Gebote ignoriert. Nicht in erster Linie diejenigen, die sie erlassen oder fordern.
Verbote müssen oft auch wegen entwicklungspsychologischer Unzulänglichkeiten erlassen werden - von solchen Leuten und deren Verfechter oder Sympathisanten wimmelt die "Death Metal"-Szene ja nur so. Der Unterschied zu diesen ist: Jugendliche werden meist mit der Zeit ihrer entwicklungspsychologischen Anforderungen gerecht, indem sie sich entsprechend gesund weiter entwickeln; sie befinden sich sozusagen nur vorübergehend in dieser "Krisis". Und das gilt eben nicht für die eben genannten Sympathisanten und Verfechter, vor allem um die "rebellisch" erscheinenen Metal-Rocker: diese scheinen auf einer prä-adoleszenten Stufe stecken geblieben zu sein und kompensieren dies mit solcher Produktion von "musikalischer Fäkalausscheidung".

Old Geezer hat gesagt…

@Anonym:

Es gibt einige Unterschiede zu 'roten Ampeln':
- auf rote Ampeln stößt jeder im Alltag, nach exotischem Death Metal muß man schon suchen.
- über rote Ampeln zu gehen stellt eine akute Lebensgefahr dar, ein Black Metal-Album zu besitzen zumindest keine akute Gefahr für irgendetwas, und selbst ob für langjährige Fans ein wie auch immer geartetes Risiko besteht, ist noch mehr als umstritten.
- über rote Ampel zu gehen stellt kein Rebellentum dar, sondern eine alltäglich Schlampigkeit, gerne von Senioren und Kindern begangen.

Zu Ihren Ausführung über Reife haben Sie allerdings teilweise REcht...
...ich finde es auch immer wieder erschütternd, wenn Menschen statt erwachsen zu werden und selber Verantwortung für ihr Handeln und ihr Leben zu übernehmen, sich zu weiteren, imaginären Vaterfiguren flüchten und die Verantwortung auf diese abschieben, bzw. ihr Leben nach Anweisungen von deren Sprechern führen; leider ist hier auch keine allgemeine therapeutische Versorgung in Aussicht.

Dredd hat gesagt…

@anonym

Sehen sie, Tatsache ist dass die Indizierungsliste für viele Jugendliche eher ein Einkaufszettel ist. Diese Band ist mir als "Metalspezialisten" gänzlich unbekannt gewesen.
Hätte mich gewundert wenn sie von dem entsprechenden Album auch nur 200 Einheiten in Deutschland abgesetzt hätten. Und wenn man dann bedenkt das der durchschnittliche Death Metal Fan etwa 27 Jahre alt ist, muss man sich fragen was diese Aktion hier nun gebracht hat.
Man hat letztendlich nur eine mittelmäßige Band als "Cool und anrüchig" dargestellt und damit für sie quasi kostenlos Werbung gemacht.
Beim nächsten Album zahlt sich das dann aus. Dann gibt es deswegen mehr Interviews und einen größeren Bekanntheidsgrad und mehr potentielle Kunden.
Man kann dann evtl. sogar wieder das alte album auf den Markt werden, einfach 1-2 Songs ausgetauscht,das Artwork ein bisschen entschärft und schon ist es wieder auf Amazon. Sogar Rammstein haben es mit ihrer letzten Platte so gemacht.

Was habt ihr also gewonnen? Garnichts! Es ist wie bei einer Diät. Man freut sich dass man was abgenommen hat aber der Jo Jo Effekt wird kommen. ^^

Dalian hat gesagt…

Der Autor ist heimlicher Heavy Metal-Fan^^

Und Anonym hat keine Ahnung bzw. gehört wohl einer älteren Generation-Mensch an. Die von ihnen erzeugte Werbung ist besser als alles andere. :)