Montag, 8. April 2013

Spielsucht: Chinese wohnt sechs Jahre im Internetcafé

Wie die Beijing Times berichtet, hat Li Meng sechs Jahre lang in einem Internetcafé in der Stadt Changchun im Nordosten Chinas gelebt. Tagsüber habe er dort geschlafen, nachts am Computer gezockt.

Er habe das Café nur verlassen, um Essen zu holen oder ab und an zu duschen. Mit anderen Besuchern habe er nie gesprochen und selbst zum chinesischen Neujahrsfest das Lokal nicht verlassen. Der Zeitungsreporter beschreibt Ming als einen jungen Mann, der schon länger keinen Friseur mehr aufgesucht habe. Um Geld musste sich der onlinesüchtige Chinese in diesen sechs Jahren allerdings nicht sorgen. Der Zeitung sagte er, dass er mit Internetspielen rund 2000 Renminbi (etwa 250 Euro) im Monat verdient habe, ein Viertel davon sei als monatliche Gebühr an den Besitzer des Internetcafés geflossen.

Die Zeitung wurde durch einen Professor, der an der Universität Jilin Psychologie lehrt, auf den Onlinespielsüchtigen aufmerksam. Der Wissenschaftler hat die Geschichte über Li Meng laut Beijing Times an die Öffentlichkeit gebracht, um so auf das zunehmende Problem der Onlinespielesucht aufmerksam zu machen.

Die Symptome der Internetsucht sind noch nicht genau zu fassen. Wissenschaftler sprechen etwas schwammig von Kontrollverlust, sozialen Auffälligkeiten und "psychischer Irritabilität". Der Fall von Li Meng, einem jungen Chinesen, dürfte jedoch ziemlich eindeutig sein.

Chinas Computerspieleindustrie ist ein boomender Wirtschaftszweig, er wächst schneller als die gesamte Wirtschaft. Allein im ersten Halbjahr 2012 wurden laut Analysten rund 25 Milliarden Renminbi (3,1 Milliarden Euro) umgesetzt. Nach Schätzungen des chinesischen Internet Network Information Center zocken 330 Millionen der rund 1,3 Milliarden Chinesen im Internet, 150 Millionen davon sind jünger als 19 Jahre.

Mit der Popularität der Onlinespiele gehen laut Behörden aber große soziale Probleme wie eine steigende Jugendkriminalität einher. Um dem entgegenzuwirken, haben die Behörden beschlossen, dass Wissenschaftler Kriterien entwickeln sollen, um frühzeitig Signale für Onlinespielsucht zu erkennen und präventiv eingreifen zu können. Es gibt in China bereits regelrechte Boot-Camps; Eltern, die sich nicht mehr anders zu helfen wissen, können dort ihre onlinesüchtigen Kinder hinschicken. Dort soll den Jugendlichen mit militärischem Drill die Abhängigkeit ausgetrieben werden.


Internetsucht wird auch in Deutschland zum immer größeren Problem. Eine im September 2011 veröffentlichte Studie des Bundesgesundheitsministeriums zeigt Erstaunliches: In Deutschland sind rund 560.000 Menschen vom Internet abhängig – das entspricht dem Anteil deutscher Cannabis-Konsumenten. Besonders gefährdet sind vor allem 14- bis 16-jährige Mädchen, die mehr als vier Stunden am Tag surfen. Insgesamt gibt es mittlerweile mehr Internetsüchtige als Glücksspielabhängig.

Mit Material von Süddeutsche Zeitung und Focus

1 Kommentar:

Old Geezer hat gesagt…

- Tibetaner verbrannte sich vor Botschaft.
- 90-jähriger erschlug Ehefrau mit Hammer.
- Jugendlicher starb bei Fahrstuhlsurfen.
- Briefe erhängte sich bei Show von Brücke.
- usw, usf.

Einige Menschen sind eben bescheuert und haben einen Knall, oder kommen unter dubiosen Bedingungen auf schwachsinnige Ideen.
Was wollen wir daraus ableiten?
Die Forderung, Streichhölzer, Hämmer, Fahrstühle und Brücker zu verbieten oder nur unter Aufsicht zu benutzen?

Skurrile Einzelereignisse sind etwas für die Yellow Press oder für morbide Bücher, aber nichts, aus dem man einen Handlungsbedarf für den breite Masse herleiten könnte.