Montag, 25. März 2013

Überlebende berichtet auf einer Tagung in Münster über Satanismus in einer Sekte

Es ist unvorstellbar, was Nickis durchgemacht hat. Die 51-Jährige versteckt sich hinter dem Pseudonym, um nicht gefunden zu werden. Denn sie ist Aussteigerin einer satanistischen Sekte. Am 19. März 2013 berichtete sie rund 260 Teilnehmern der Tagung „Rituelle Gewalt in satanistischen Sekten“ im Franz-Hitze-Haus in Münster von ihren Erlebnissen.

Den Namen der Sekte will Nickis nicht nennen. „Ich habe keine Angst, aber man weiß nie“, sagt die 51-Jährige. Sie wurde in die Sekte hineingeboren.

„Das Leben in einer Sekte bedeutet, dass man trainiert wird. Es gibt ganz viel Gewalt, man wird gefoltert, vergewaltigt“, sagt Nickis. Sie ist sachlich, beinahe emotionslos. Als es um Einzelheiten geht, fällt ihr das Sprechen schwer, aber sie will darüber reden. Seit sie 2001 mit ihrer Geschichte im Film „Höllenleben“ die Öffentlichkeit gegangen ist, wird sie von der Sekte in Ruhe gelassen.

Die Frau spricht von sich immer in der Mehrzahl. Denn Nickis ist eine multiple Persönlichkeit. „Man wird so lange gefoltert, bis man es nicht mehr aushält. Dann entsteht entweder eine neue Persönlichkeit, die es aushält, oder man stirbt.“ Bis zu 70 Persönlichkeiten lebten in der rothaarigen Frau. Heute sind es sieben.

Ihre Umwelt bekam von ihrem Leben in der Sekte nichts mit, sagt Nickis. Sie habe einen normalen Schulalltag gehabt, mit Freunden und sozialen Kontakten.

Den Ausstieg schaffte sie Mitte der 1990er Jahre. „Eine der Innenpersonen ist zur Therapie gegangen, wegen Eheproblemen“, sagt Nickis. Welche ihrer Persönlichkeiten es war, wisse sie bis heute nicht. „Unsere Therapeutin hat uns viele schöne Dinge vom Leben gezeigt. Und wir wollten leben. Einige der Innenpersonen lebten nur für den Kult“, sagt Nickis. Durch die Therapie habe sie es geschafft, dass viele der Persönlichkeiten in anderen aufgegangen seien.

Heute kämpft Nickis gegen satanistische Sekten. Denn: „Das Gefährlichste an diesen Organisationen ist, dass die überall sitzen.“

Gewalt in Sekten stand gestern im Vordergrund der Tagung im Franz-Hitze-Haus in Münster. „Das ist ein Thema, das sehr viele Anreize bietet. Es ist ganz wichtig, das Schweigen zu brechen und sich sachlich damit auseinanderzusetzen“, sagte Dr. Klaus Hampel vom Hitze-Haus. Er freute sich über die große Zahl der Teilnehmer, die aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren. Vertreten waren vor allem Ärzte, Psychologen und Religionslehrer, sagte Hampel: „Menschen, die mit dieser Thematik zu tun haben.“

Quelle: Münsterländische Volkszeitung (Claudia Feld)

Kommentare:

Old Geezer hat gesagt…

Auch in diesem Punkt sind sogenannte 'Sekten' nicht besser als Christen - die machen auch Mißbrauch durch Personen, die ihren Status und den Vertrauensvorschuß mißbrauchen in ihren Reihen, Lebensgefahr dursch Charlatanerie, (Was beim Christentum der Exorzizmus oder das Kondomverbot ist, ist bei Fiat Lux eben das dreckige aufgeladene Wasser und bei Schamanistischen Gruppen vielleicht die extreme Belastung in Schwitzhütten).

Es sind halt in allen Fällen diesleben Menschen dabei, die oft leichtgläubit und allzu willig alles mit sich machen lassen, und es stecken in allen Gruppe dieselben Halbirren und Trickbetrüger dahinter, die ihre Wahnvorstellungen ohne Nachzudenken auf ihre Gläubigen anwenden, bzw. das Geschäft eh nur auf mit der Absicht betreiben, ihren Anhänger möglichst effizient auszunehmen.

Dantalion hat gesagt…

Wie wärs wen wir uns mal mit der Gewalt in "christlichen" Heimen usw. beschäftigen? Was so in Namen Gottes getan und von nötig erachtet wird, gerade an jungen Schutzbefohlenen.

Anonym hat gesagt…

Ach ja, immer die gleiche Leier, wie man nur zu gut bei diesen beiden vorangehenden Kommentaren sehen kann: anstatt sich mal an die eigene Nase zu fassen oder einfach mal in die nackte Realität zu blicken, erstmal (oft unhaltbare, manchmal aber auch zutreffende) Seitenhiebe und Klieschees aufrecht zu erhalten. Man bekommt den Eindruck als wolle man von (eigenen?) Fehlverhalten ablenken.
(Denn siehe "Patchwork-Familien", die ständig wieder aller Vernunft als "Ideal" hochgepriesen werden: in diesen kommt eine signifikant höhere Kindesmißhandlung vor, als in "traditionellen" sprich nach christlichem Vorbild gehaltenen Familien etc. Vieles weitere mehr könnte genannt werden...)

Immer die selbe Leier hat gesagt…

zum ersten Kommentar:
Immer wieder das allgemeine Christentum am Fehlverhalten Einzelner festzumachen (oder auch einzelner Institutionen) - wann hört das endlich mal auf? Bitte etwas mehr Niveau und Logik bitte! Das wäre genauso, sämtliches Autofahren abzuschaffen, weil immer wieder von unvernüftigen Rasern zu hören ist, die mitunter Menschenleben aufgrund ihrer rücksichtslosen Fahrweise auf dem Gewissen haben. Aber deshalb gleich alle (vernünftigen) Autofahrer diskreditieren? Nach der Logik von "old geezer" schon...

Anonym hat gesagt…

Ach ja, woher hast du (old geezer) den zweiten Absatz deines Kommentars?
Scheint sich wie aus der Alltagspolitik anzuhören. Gewissen Parallelen gibts da jedenfalls. (Politiker vs. ihre "gläubigen" Bürger)

Old Geezer hat gesagt…

@Immer dieselbe Leier:

Ist hier nicht mein, sondenr nur ein Indiz dafür, daß zwischen dem gemeinen Sektenpriester und Gemeindepastor kein großer Unterschied besteht - dieser Job zieht densleben Typ Menschen an.

Aber zu Ihrem Argument:
Ja, es kommt immer dieslebe Leier, weil dsich die Kriche seit Jahrzehnten weigert, etwas daran zu ändern!
Nachwievor, heute wie vor Generationen, selektiert Sie (zumindest die katholische) bei der Wahl der Mitarbeiter auf Männer mit gestörter Sexualität (anderer würden mit Anfang 20 nie den Zölibat akzeptieren).
Unverändert werden Kritiker und Opfer eingeschüchtert und diskreditiert, oder ihren Angehörigen Schweigegelder gezahlt.
Bis Heute behält sich die Kriche vor, bekannt gewordene Täter zu decken und in andere, nichts ahnende, Gemeinden zu versetzen, gerne auch im Ausland und sich so der Strafvereitelung schuldig zu machen.
Selbst wenn ein Mitarbeiter suspekt ist oder gar einschlägig straffällig geworden ist, so wird er evtl. trotzdem in Positionen versetzt in denen er ohne aufsicht im regelmäßigen Kontakt mit Kindern kommt.
usw.
Die Täter mögen Individuen sein, aber das dermaßen die Taten begünstigende Umfeld ist eine systematischer Fehler der Kirchenorganisation, den sie schn lange hätten beheben können und müssen, und somit ein unentschuldbares Versagen der Kirche als solches.

Old Geezer hat gesagt…

@Anonym:

sicher ist es das...
...Menschen die Machtpositionen ausnutzen sind doch etwas alltägliches.
Organisationen, in denen solche Personen aufgrund dieser Qualifikation aufsteigen, ebenso.
Warum sollte man hier also mehr erwarten?

Es gibt allerdings einen Unterschied - die Politik und ihre Kritiker könnte sich auf demographische und historische Fakten und gesellschaftspolitische Simulatinen sowie Umfragen zur Ermittlung von WÜnschen und Prioritäten der Souveräns berufen und somit ein halbwegs objektives Handeln etablieren (was leider von keiner Seite eingefordert wird), in der Religion schließt sich soetwas völlig aus und der Willkür der Entscheidungsträger sind Tür und Tor geöffnet.