Mittwoch, 13. März 2013

Die Familie gibt Kindern einen Platz den Facebook nicht bieten kann

Immer noch sehr beliebt bei Kindern und Jugendlichen ist der Küchentisch zu Hause.
Die Lebenswelten der Jugendlichen und die der Erwachsenen liegen somit gar nicht so weit auseinander. Obwohl sie verschiedene Sprachen sprechen – die einen in virtuellen Welten – die anderen in der Realität, treffen sie sich doch bevorzugt an dem Platz, der Familie heißt und der sämtliche Schluchten überbrückt.

Dies ist das Ergebnis der neuen Jacobs-Krönung-Studie über Familie in einer digitalisierten Welt, die das Institut für Demoskopie Allensbach durchführte (Quelle:  Die Welt vom 27.02.2013).

Nur ein Drittel der Eltern ist der Ansicht, dass ihre Kinder in einer Welt leben, die ihnen völlig fremd ist. Die Hälfte der Jugendlichen findet, dass ihre Eltern gar nicht so weit weg sind von ihrer eigenen Welt. Zwei Drittel der Eltern sagen, dass sie von ihrem Nachwuchs den Umgang mit technischen Geräten gelernt haben.

Auch das Jugendwort des Jahres 2012 Yolo zeigt, dass sich die Welten von Jung und Alt nicht unähnlich sind. Die Abkürzung Yolo steht für „You only live once“ (Du lebst nur einmal). Früher sagte man: „Nutze den Tag.“

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass es verstärkt die Mütter sind, die zu Hause die Gespräche führen, sich nach dem Alltag der Kinder erkundigen, aber auch nach Konflikten mit Freunden fragen. Es sind also die Mütter, die Ansprechpartner für die Gefühlswelt sind. Die Gesprächsthemen der Väter sind überwiegend Computer, Technik und Sport. Schwerpunkte der Gespräche sind aber weitgehend die Interessen des Nachwuchses. Probleme der Eltern stehen ganz hinten auf der Gesprächsliste. Die Lieblingsthemen der Jugendlichen sind Hobbys, Taschengeld, berufliche Zukunft und moderne Medien.

Dies zeigt doch ein positives Bild unserer Familien. Auch wenn es die Eltern ärgert, dass der Nachwuchs zu oft vor dem Computer sitzt, sehen aber die meisten Eltern kein gravierendes Problem. Es wird trotzdem immer noch viel miteinander geredet, denn 47 Prozent der Eltern unterhalten sich täglich oder mehrmals am Tag mit ihren 14- bis 17-jährigen Kindern. Immerhin 36 Prozent mehrmals in der Woche.

Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach erwähnte, dass die Themen Liebe und Sexualität in den Familien keine großen Gesprächsthemen sind. Im Gegensatz zu den Medien, die diesbezüglich keine Tabus kennen. Dennoch bringen Eltern diese Themen gelegentlich zur Sprache, auch wenn die meisten Teenager nicht gerne darüber reden. Konflikte sind im Vergleich zu Früher seltener geworden.

„Die Generationen leben heute sehr entspannt miteinander“, sagt Renate Köcher. 84 Prozent der befragten Jugendlichen bezeichnen ihre Eltern als tolerant, die Atmosphäre als frei.

Der Hamburger Psychologe Michael Thiel sieht diese Entwicklung eher kritisch. „Familie muss auch ein Platz für Konflikte sein“. Renate Köhler bestätigt, dass die junge Generation nicht besonders konfliktfreudig ist, und Untersuchungsergebnisse weisen darauf hin, dass auch Frauen und Männer um die 30 schlecht mit Kritik umgehen können.

Thiel plädiert für ein gutes Maß an Medienkontrolle, für Zeiten, in denen der Computer ausgeschaltet wird. „Facebook ist ein Zeitfresser“, sagt er. Für ihn gilt hier: „Weniger ist mehr, und je später desto besser. Kommunikation muss man lernen, sonst wird der Umgang mit anderen Menschen allmählich angstbesetzt“.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Kommunikation in der Familie ist sehr wichtig.Familienleben muss an erster Stelle stehen. Facebook, was bietet das schon? Es kann keine Familie ersetzen - keine Probleme lösen, bringt höchstens Probleme.

Cliff hat gesagt…

Und manchmal bleibt nur der PC oder andere Elektronik, um eine Familie zu haben, Probleme ansprechen zu können, sich artikulieren zu können, zeigen, dass man noch lebt.
Familie als Einbahnstraße - Vater Mutter Haustier Kind - können dazu führen.
Ein PC verbietet nicht, macht neugierig, ist interessant. Manche Familie hat da Nachholebedarf.
Die beste Statistik hat da Löcher. Es wird nur auf Häufigkeit der Kontakte gesehen, und das meist, ohne auf die Qualität zu achten.
Ein erhobener Zeigefinger ist wie ein zielloser Zeigefinger.
Der Beginn und das Aufgeben entscheiden über das Weiter. Nicht das Nachher.

Old Geezer hat gesagt…

Kann es ein, daß Sie hierbei von kleinen Kinder ausgehen?
Sowie von Familien mit einem Verdiener ohne große Pendelzeit?

Es gibt (viele!) Familien, in denen die Kinder weite Wegen und lagen Schulzeiten haben, bzw. Praktika oder Ausbildungstellen haben, in denen sie Ihre Familie bestenfalls noch spät abbends mal treffen; oder bereits Studieren.
Es gibt auch Familien, in denen ein Elternteil trennungs- oder Jobbedingt nur am Wochenende (und auch da nicht an jedem) zur Verfügung steht.
Oft sind auch durch Arbeitsbedingte Umzüge selbst in sogenannten 'intakten' Familien die Großeltern oder Freunde nur noch für gemeinsame Foren, Facebook, InstantMessenger, Chatroom, Skype, etc. sinnvoll zu erreichen.