Mittwoch, 6. März 2013

Babys können Silben im Mutterleib unterscheiden/Verstehen von Sprache entgegen bisheriger Meinung doch angeboren

(Pressetext pte020) - Forscher der Universite de Picardie Jules Verne http://www.u-picardie.fr haben herausgefunden, dass Babys Sprache bereits drei Monate vor der Geburt entziffern können. Das Team um Fabrice Wallois erstellte Gehirnscans von zwölf Kindern, die zu früh auf die Welt gekommen waren. In der 28. Schwangerschaftswoche schienen die Kinder einem PNAS-Bericht http://pnas.org zufolge zwischen verschiedenen Silben wie "ga" oder "ba" und männlichen oder weiblichen Stimmen zu unterscheiden. Die Forscher gehen nicht davon aus, dass die Erfahrungen der Kinder außerhalb des Mutterleibes die Forschungsergebnisse beeinflusst haben.

Kinder reagieren im Mutterleib

Die Ergebnisse dieser Studie sprechen für die Vorstellung, dass Kinder bereits im Mutterleib als Reaktion auf die Stimmen ihrer Eltern Sprachkenntnisse entwickeln. Es war bereits bekannt, dass Kinder im Mutterleib Geräusche hören können. Das Ohr und der dafür entscheidende Bereich des Gehirns bilden sich rund um die 23. Schwangerschaftswoche.

Es gibt jedoch immer noch Diskussionen darüber, ob Menschen mit der Fähigkeit Sprache zu verstehen, geboren werden oder ob diese erst nach der Geburt erworben wird. Die Autoren der aktuellen Studie gehen davon aus, dass Umwelfaktoren unzweifelhaft wichtig sind. Sie vermuten jedoch auch, dass Sprachverarbeitungsprozesse angeboren sind.

Feine Unterschiede wahrgenommen

Laut Wallois kann das Gehirn bereits am Beginn der Bildung der kortikalen Schaltkreise für eine auditive Wahrnehmung subtile Unterschiede zwischen Sprachsilben unterscheiden. Das bedeutet dem Experten zufolge jedoch nicht, dass Erfahrung für die weitere Entwicklung und das Erlernen der Muttersprache von entscheidender Bedeutung ist. Die Gehirnscans wurden in den ersten Tagen nach der Geburt durchgeführt. Es kann daher sein, dass die Geräusche und Töne, die die Kinder in diesem Zeitraum hörten, zu einer raschen Entwicklung geführt haben.

Die Wissenschaftler bezweifeln das jedoch. Sophie Scott vom University College London http://ucl.ac.uk betont, dass diese Studienergebnisse den aktuellen Forschungsstand bestätigen und erweitern, wie die BBC berichtet. "Wir wissen, dass Babys die Stimme ihrer Mutter bereits vor der Geburt hören können. "Kinder werden von dem Augenblick ihrer Geburt an durch die Stimme ihrer Mutter beruhigt", erläutert Scott.

Kommentare:

WÄCHTER hat gesagt…

Primitive Tierrassen, eigentlich alle Tierbabys, die mit Lauten kommunizieren müssen das nicht erst erlernen, sondern direkt Fähigkeit ist angeboren, wie zb das riechen. Warum sollte das beim Menschen nicht ähnlich sein

Anonym hat gesagt…

Diese wichtigen Ergebnisse unterstreichen wieder die bedeutsame Fixierung der Kleinstkinder in den ersten Lebensphasen hinsichtlich weiterer Sprach- und damit kognitiver Entwicklung auf die enge, dyadenspezifische Bindung an die Mutter.
Allerdings sind derartige Untersuchungen auch schon seit längerem bekannt: Klänge, Melodien, Geräusche, die vorgeburtlich gehört wurden, werden nach der Geburt schneller erkannt [R. J. Ruben: Language - A medical concern. Unpubl. Manuscript; Albert Einstein College of Medicine, New York 2000] Kinder mit französisch sprechenden Müttern reagieren im Alter von zwei Tagen auf Französisch und nicht auf Russisch [ P. W. Juscyzk, J. Bertoncini: Viewing the development of speech perception as an initially guided learning process. Language and Speech 1988, S. 31217–238] Kinder mit englisch sprechenden Müttern reagieren im Alter von zwei Monaten auf Englisch und nicht auf Italienisch [L. Mehler et al.: A precursor of language. Cognition 1988, 19; S. 143–178]
Die enorme Bedeutung der Bevorzugung der Mutterstimme gegenüber allen andern für die Entwicklung in der Säuglingsphase und den Kleinkindphasen I und II ist z. B. ausführlich in dem Buch „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie", 3. Auflage, Logos-Verlag, Ansbach, 2013 nachzulesen.

Old Geezer hat gesagt…

Der Titel ist hier irreführend.

Sie 'verstehen' nicht, sie 'klassifizieren' - 'unterscheiden' ist dabei auch korrekt.

ISt auch rein technisch bedingt.
Die Erkennung läuft über ein neuronales Netz, und dieses wird trainierrt, sobald die ersten Neuronen verknüpft sind und ein Input anliegt - und der liegt beim Gehör natürlich von Anfang an vor.

Aber auch hier wird nichts beobachtet, was nicht alle anderen Wirbeltiere vermutlich (zumindst die mit Gehör) auch zeigen.
Und sicher läßt sich hieraus keine Seele, Bewußtsein oder Vernunft, also Grundbestandteile einess menschlicher Charakters, herleiten.

Verstehen von Aussagen kommt allerdings erst viel später.

(Interesant wäre hierbei, ob bereits eine Verknüpfung von Emotionen durch die Anwesenheit von Stress- oder Glückshormonen
bei gleichzeitigem Hören von bestimmten Lauten trainiert wird.)

Old Geezer hat gesagt…

@Anonaym:

Die Frag hier ist dann "wie beuteutend ist 'bedeutend'".
Das natürlich Aufwachsen von Kindern (bei Primaten) beinhaltet, daß sie während der Schwangerschaft auch andere Stimmen, aber in derselben Sprache und demselben Dialekt hören.
Zudem muß eine früher Tod der Mutter mit Übernahme dieser Rolle durch eine andere nahe Verwandte gedeckelt sein (denn dieses ist ein recht häufiges Ereignis).
Man müßte mal nach Untersuchungne suchen, die die relativee Sprachlernfähigkeit von Mutter, Tante, Fremder auf der einen Achse und eigener Dialekt, eigene Sprache, eigene Sprachfamilie und gänzliche fremde Sprache auf der anderen in Relation stellt.