Sonntag, 6. Januar 2013

Mobbing im Kindesalter hinterlässt deutlichere Spuren als bisher angenommen

(Pressetext/pte016/19.12.2012/) - Mobbing hinterlässt deutlichere Spuren als bisher angenommen, denn die Expression eines bestimmten Gens, das an der Regulierung von Stimmungen beteiligt ist, wird verändert, wie eine Studie kanadischer Mediziner vom Hôpital Louis-H. Lafontaine (hlhl.qc.ca) ergeben hat. Gemobbte Kinder unterliegen somit einem hohen Risiko, im Erwachsenenalter psychisch zu erkranken.

Funktion von Genen beeinflusst

"Die Menschen glauben, dass unsere Gene unveränderlich sind. Aber das soziale Umfeld kann die Funktionsweise der Gene beeinträchtigen. Dies gilt besonders im Fall von Mobbing-Erfahrungen in der Kindheit. Diese Erfahrung ändert die Reaktion der Betroffen auf Stress", sagt die Hauptautorin der Studie, Isabelle Ouellet-Morin. Bei jungen Außenseitern ändert sich durch den Stress die Struktur, die ein Gen umgibt.

Der Serotonin-Haushalt wird verändert. "Serotonin ist ein Übertragungsstoff, ein Neurotransmitter im Gehirn, der im Zusammenhang mit Depressionen steht", so Neuropsychologin Monika Liersch http://psyline.de gegenüber pressetext. Die kanadischen Forscher haben in ihrer Studie eineiige Zwillinge untersucht. In Deutschland wird eine Studie mit Zwillingen von den Universitäten Bielefeld und Saarland durchgeführt.

Frühe Traumata, späte Auswirkungen

Am Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) http://mpipsykl.mpg.de haben Forscher belegen können, dass misshandelte Kinder stark gefährdet sind, gemütskrank zu werden. Denn der einwirkende hohe Stress kann die Regulation ihrer Gene dauerhaft verändern. Die MPI-Wissenschaftler konnten dokumentieren, dass manche Varianten des FKBP5-Gens durch ein frühes Trauma epigenetisch verändert werden.

Bei Menschen mit dieser genetischen Veranlagung verursacht das Trauma eine dauerhafte Fehlregulation des Stresshormonssystems. Die Folge: Eine lebenslange Behinderung im Umgang mit belastenden Situationen für den Betroffenen. Häufig führt dieser Weg zu Depressionen oder Angsterkrankungen im Erwachsenenalter.

MPI-Forscher Torsten Klengel: "Traumata im Kindesalter hinterlassen je nach genetischer Veranlagung dauerhafte Spuren auf der DNA: Epigenetische Veränderungen im FKBP5-Gen verstärken dessen Wirkung. Die mutmaßliche Konsequenz ist eine anhaltende Fehlsteuerung der Stress-Hormonachse bei Betroffenen, die in einer psychiatrischen Erkrankung enden kann. Entscheidend für das kindliche Traumaopfer ist aber, dass die Stress-induzierten epigenetischen Veränderungen nur dann auftreten, wenn es auch diese spezielle DNA-Sequenz besitzt."

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vater im Himmel,
Du kennst die Kinder und die Verletzungen in ihren Herzen,aber halte du ihre Herzen offen für dich,damit sie zu deiner Zeit auch die Heilung erfahren,wo sie verletzt wurden und den Nächsten vergeben können. Danke für dein Wirken durch deinen Geist,der uns erforscht. Ich beanspruche deinen Sieg über deren Verletzungen,damit aus ihnen Männer und Frauen werden,wo du sichtbar zu erkennen bist,das hier dein Leben wiederspiegelt. In Jesu Namen,Amen!!

wolfganh hat gesagt…

Amen! So soll es sein!

Old Geezer hat gesagt…

Das ist alles nciht neu!
Scon im letzten Jahrzehnt hat man bestätigen können, das epigenetische Faktoren sich generationenübergreifend auswirken; als z.B. daß Hungerphasen der Eltern oder Großeltern sich auf den Stoffwechsel der Kinder und Enkel auswirken, die erst nanach geboren wurden.
Allerdings wirken diese nicht auf das vererbte Genom (hier wirken nur echte Mutationen), sondern auf den Keimzellen beigefügte Proteine, die ihrerseits die Ausprägung von Genen bzw. die Synthese der von ihnen codierten Proteine beeinflussen.

Das Umwelteinflüsse in ein und derselben Person auf die Genausprägung einwirken ist allerdings nun offensichtlich klar, denn wie sonst soll der Körper auf veränderte Lebensbedingungen reagieren?

"Die Menschen glauben, dass unsere Gene unveränderlich sind. Aber das soziale Umfeld kann die Funktionsweise der Gene beeinträchtigen."

Mal abgesehen davon, daß er hier wohl die hieran nicht interessierte Masse meint: diese Mechanismen verändern auch nicht die Gene selbst, sondern Häufigkeit oder Effizienz, mit der sie abgelesen werden, bzw. die von ihnen codierten Proteine synthetisiert werden.

Und daß Kinder lange später unter Mißhandlung leiden, bedarf eigentlich doch keiner molekularbiologischen Beweisführung - das aollte jedem klar sein, der schon mal mehr als eines gesehen hat.
(Und ändert nichts daran, daß es immer Elternbruchstücke oder auch fremde geben wird, denen dieses einfach völlig egal ist.)

Old Geezer hat gesagt…

@Anonym:

Tja, ich unterbreche Sie in Ihrer Danksagung ungern, aber hätte der HErr den Kindern hier einen effizientere Verdrängungsmechanismus mitgegeben, oder den Mitmenschen einen stärkeren Schutzinstinkt bzw. mehr Mitgefühl, dann wäre dieses Problem gar keines.

Ist wie mit dem Bus voller Pilger, der in die Schlucht stürzt und alle sind tot, tragisch; aber oh Wunder, ein Kind hat überlebt, lobet den Herrn???