Montag, 28. Januar 2013

Eltern kämpfen weiter für die Beschulung ihrer Kinder

Immer wieder müssen Eltern um das Recht der Unterrichtung ihrer Kinder kämpfen. Nur die feste Überzeugung, zum Wohl des Kindes zu handeln, lässt sie behördliche Eigenmächtigkeiten überstehen.

So auch für den Erhalt der Schule aus dem Sachsenstädtchen Seifhennersdorf, kämpfen die Eltern von 16 Schülern der fünften Klasse. Diese sitzen nämlich ohne schulamtlichen Segen weiter in ihrer Schule, die sich angeblich wegen zu geringer Insassenzahl, nicht mehr rechnet.

Dafür hagelt es jetzt Bußgeldbescheide für die selbst unterrichtenden Eltern – aufgeben wollen sie trotzdem nicht. Jeder Erziehungsberechtigte soll ganze 600 Euro wegen „Verletzung der Schulpflicht“ bezahlen, obwohl die Kinder ordnungsgemäß in der fünften Klasse angemeldet waren. Das Schulamt setzte diese aber kurzerhand wieder vor die Tür. Seit September letzten Jahres kämpfen die Eltern nun offen gegen diese Bildungspolitik und das Dresdner Kultusministerium.

Von „Dummheit" und „Ignoranz" der herrschenden Parteien spricht Torsten Dietrich vom Schulförderverein. Das Kultusministerium zieht er der „Lüge", hatte man in Dresden doch bis zuletzt so getan, als wäre besagte fünfte Klasse „sicher". Das Bautzener Oberverwaltungsgericht sprang dem Kultus bei und belehrte elterliche Gutgläubigkeit, das Wort einer Ministerin müsse „keinen Wahrheitsgehalt aufweisen". Im November stellte ein Verwaltungsgericht fest, dass hier möglicherweise verfassungsrechtliche Fragen berührt sind. Seine Entscheidung verschob es – jetzt erwartet man das Urteil zum Schulstreit für Ende Februar 2013.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer hinterlässt der juristische Zwischensieg aus dem südhessischen Groß-Gerau. Adrian Klinik will auch zur Schule gehen, aber er darf nicht. Das staatliche Schulamt selbst hielt ihn über fünf Jahre von einem Schulgebäude fern, weil er angeblich ein „Schläger“ war. Dies war er aber nicht, sondern gleich nach der Einschulung wurde Adrian von der Klassenlehrerin und Schulleiterin traktiert bis das örtliche Schulamt „Ruhen der Schulpflicht“ anordnete und das Kind absurder Weise in ein Heim für Erziehungshilfe zwangsunterbringen wollte.

Doch seine Eltern wehrten sich gegen behördliche Bevormundung, wollten nicht zulassen, dass der Junge mit dem Etikett „behindert“ die Zukunft verbaut bekommt. Gegen die als „Abschiebung“ empfundene Zwangseinweisung in eine Förderschule klagten sie, 2009 kam es zu einem Vergleich. Schul- und Jugendamt hingegen weigerten sich, ihn umzusetzen. Zwischenzeitlich erhielt Adrian auch Hausunterricht. Der Schulfrieden indes hielt nicht lange. Wurde Adrian von seiner Wiederbeschulung erneut ausgeschlossen, wandte die amtliche Stoßrichtung sich nun gegen die wehrhaften Eltern. „Mangelnde Kooperationsbereitschaft“ warf man ihnen vor. Mitnichten, belegen doch die Akten, dass die Behörde sich die Eltern für ihre Politik gefügig zu machen versuchte.

Einer Amtshaftungsklage gegen das Land Hessen des inzwischen 14-Jährigen gab das Landgericht Darmstadt schließlich im Wesentlichen statt.

Das jüngste Urteil kam zustande, weil Adrians Familie den Gerichtsweg weiter beschritt. Wie zu erwarten war, lässt das Schulamt den Makel nicht auf sich sitzen. Das nächste Wort hat das Oberlandesgericht in Frankfurt. Dort soll entschieden werden, wer Recht hat: Das Land Hessen oder Adrian.

Der Leidensweg der Familie ist längst nicht zu Ende.


 Mit Material aus  Der Blaue Brief


Kommentare:

Armin Held hat gesagt…

"keinen wahrheitsgehalt aufweisen"

könnt ihr dafür bitte einen beleg geben, das ist der hammer!

es ist fast unglaublich,
aber sehr wichtig.

danke

Armin Held hat gesagt…

"keinen wahrheitsgehalt aufweisen"

könnt ihr dafür bitte einen beleg angeben, ein urteil oder so?

das ist der hammer, unglaublich fast,
aber sehr wichtig.

danke!

Pauker hat gesagt…

Wenn alle Eltern, pardon, fast alle Eltern, mit der gleichen Bereitschaft für die allgemeine Beschulung ihrer und unserer Kinder einstehen würden, wäre allen geholfen. Doch nur in den eigenen Fressnapf investieren ist die Krankheit unserer Gesellschaft. Doch das zu bewerkstelligen ist den Intelligenten zu kompliziert.
Meckert weiter. Macht so weiter.
Es lebe der Superschlaue für sich allein.

Old Geezer hat gesagt…

Ohne die Details kann man dazu nichts groß sagen...
...welche Eltern geben schon freiwillig zu, daß sie ihr agressives oder hyperaktives Kind nicht in den Griff kriegen?
Sollte da etwas dran sein, wäre eine medizinische Behandlung und eine Förderschule vermutlich auch im Sinne dieses Kindes der bessere Weg gewesen.

Zudem sollte der einzelne Bürger nicht wegen jeder Meinungsverschiedenheit vor Gericht ziehen - ist die Förderschule okay und gibt es eine Aufstiegsmöglickeit daraus, bzw. macht es eh keinen Unterschied; und beklagen sich tatsächlich viele andere Eltern und derne Kinder über das Stören des eigenen Kindes, dann kann man auch mal zurückstehen; wenn die Keilerien ausbleiben hat doch auch der eigene Nachwuchs etwas dabei gewonnen.

Wenn da hingegen der Amtsschimmel wiehert, hat man als Bürger verloren, da die verantwortlichen Beamten in der Regel, tja, eben keine Verantwortung übernehmen müssen.

Der Chorleiter hat gesagt…

Ich hätte meine Tochter auch selbst Bilden können, doch sie wäre heute darüber nicht froh gewesen. Sagen würde sie so etwas kaum.
Sie arbeitet mit einer jungen Frau zusammen, die in Brasilien zu Hause geschult wurde. Es ist für mich interessant, einen Knautsch zwischen Frauen, der auch dieses Thema gern streift, zuzuhören zu können.
Da wird der Stolz mancher Eltern zum Schein. Die Klugheit mancher stellt sich auch mal als nicht weise heraus. Was nutzt ein schöner Ast in der Vase, wenn der Baum fehlt, um seinen Wuchs zu krönen?
Das Leben ist so schön.