Montag, 21. Januar 2013

Bremen: SPD will "Pille Danach" gegen Willen der Ärzte durchsetzen

(Bericht der Ärzte Zeitung vom 17. Januar 2012) Die SPD in Bremen will die "Pille danach" von der Rezeptpflicht befreien. Die Gynäkologen in der Hansestadt halten wenig davon. Sie befürchten einen Verlust der ärztlichen Beratung.

Die "Pille danach" rezeptfrei? In Bremen streiten Ärzte und Politik. Während die Bremer SPD und die Frauenbeauftragte des Landes, Ulrike Hauffe, sich für eine rezeptfreie Abgabe des Wirkstoffs Levonorgestrel (LNG) aussprechen, fürchtet der Gynäkologenverband, mit der Verschreibung auch eine wichtige Beratungssituation zur Schwangerschaftsverhütung zu verlieren. Das sagt Dr. Andreas Umlandt, Vorsitzender des Bremer Gynäkologenverbandes.

Die Bremer SPD hatte im vergangenen Frühjahr eine entsprechende Initiative im Bundesrat eingebracht - und war gescheitert. Im Herbst legte die SPD-Bundestagsfraktion mit einem Antrag nach.

Noch in dieser Legislaturperiode solle die Regierung die Rezeptpflicht für LNG abschaffen. Hauffe argumentiert, die freie Verfügbarkeit des Medikaments sei eine Frage der sexuellen Selbstbestimmung.

"Obwohl die ,Pille danach‘ in 78 Ländern, davon 28 in Europa, rezeptfrei verfügbar ist und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte schon 2003 eine Freigabe empfohlen hat, gibt es in Deutschland Widerstände, die Verschreibungspflicht aufzuheben", sagt Hauffe. "Aus Frauensicht ist dies ein unhaltbarer Zustand."

Die Vorbehalte der Frauenärzte führt Hauffe auf "Sorge um finanzielle Einbußen" zurück.

Umlandt weist das Geld-Argument zurück und führt dagegen medizinische Gründe an: Wenn es in den Familien der Frauen Thrombosen gegeben habe, sei die Gefahr einer Thrombose im Vergleich zur Antibaby-Pille um das zehn- bis 15-fache erhöht, wenn die Patientinnen LNG einnähmen. Das müsse im Gespräch geklärt werden.

"Bei den Verschreibungen der Pille danach zeigt sich oft, dass die Verhütung bei den betreffenden Frauen nicht gut organisiert ist. Dieser Umstand ruft nach einer Beratung", sagt Umlandt.

"Bei einer rezeptfreien Abgabe des Medikamentes fiele diese Beratung weg." Der Gynäkologe verweist auf die positiven Folgen der Beratungspraxis, nicht nur von Ärzten, in Deutschland.

"Zwischen 2002 und 2011 sind die Schwangerschaftsabbrüche um 16 Prozent zurück gegangen, bei Teenagern sogar um 45 Prozent", sagt Umlandt. 


Kommentare:

DEWo hat gesagt…

„ ... die freie Verfügbarkeit des Medikaments sei eine Frage der sexuellen Selbstbestimmung ...“
Tatsächlich „Selbstbestimmung“? Hier werden, was schlimm ist, Mädchen schon in der frühsten Pubertät dazu verleitet, sich dem Lustbegehren der Männerwelt oder dem eigenen hinzugeben: Die Gesellschaft entartet immer mehr auf jedwedem Gebiet zur lustgetriebenen Masse! Genau das ist es doch: Sex zu jeder Zeit und überall, denn man braucht ja unerwünschte Folgen in Form einer Schwangerschaft nicht mehr zu fürchten.

Doch was ist mit den vielfältigen Geschlechtskrankheiten? Vielleicht in Zukunft das einzige Regulativ in Richtung Zurückhaltung. Allerdings: Auch zu derartiger Einsicht ist die Menschheit einfach zu blöd, denn das triebgesteuerte Verhalten verdrängt jedwede konstruktive Denkfähigkeit.

Schande über alle, die ein solch perverses Dasein unterstützen und „weiterentwickeln“! Doch in Bremen passt das: Auf jedwedem Gebiet Schlusslicht der Nation - ausgelöst durch eine über 60-jährige SPD-Regierung - da können die Verantwortlichen gar nicht anders ticken! Herzlichen Glückwunsch!

Anonym hat gesagt…

Meine Meinung
Wenn eine Frau vergewaltigt wurde, würde ich eine Pille danach sehr befürworten.
1. kann eine Frau ein Kind, was von einem Vergewaltiger unrer ihrem Herzen wächst, überhaupt lieben?
2. Sie würde doch bei diesem Kind immer an die schreckliche Tat erinnert

Old Geezer hat gesagt…

Es sind nciht 'die Ärzte', sondern eine kleine Gruppe ethisch sehr fundamentalistisch orientierten Menschen, die u.a. auch Mediziner sind, die dieses ablehnen.

IMHO völlig lächerlich, da die 'Pille danach' so schwere Nebenwirkungen hat, daß sie kaum jemand aus anderen Gründen als einem akuten Notfall einnehmen würden, und zudem der Zeitrahmen ihrer Anwendbarkeit so knapp bemessen ist, daß es kaum zu schaffen ist, sich über das Geschehene klarzuwerden, zu realisieren, was die Folgen sein könnten, die Empfängnisbereitschaft zu kalkulieren, einen Arzt zu finden, mit dem am darüber sprechen kann, und dann noch das Medikament zu besorgen und einzunehmen.

Das ganze (Pille danach als normales Verhütungsmittel) ist mal wieder ein Strohmann, an dem sich fundamentalitische 'Lebensschützer' ausweinen und die Grausamkeit der Welt bejammern können, der aber praktisch kaum auftritt.

Old Geezer hat gesagt…

@Dewo:

"Hier werden, was schlimm ist, Mädchen schon in der frühsten Pubertät dazu verleitet, sich dem Lustbegehren der Männerwelt oder dem eigenen hinzugeben"

...wenn Lust da ist, wird der Körper auch so weit sein - hat schließlich der Schöpfer so eingerichtet, und wollen SIE dem HERRN erzählen, wie er seine Schöpfung zu erledigen hat?

"x zu jeder Zeit und überall, denn man braucht ja unerwünschte Folgen in Form einer Schwangerschaft nicht mehr zu fürchten."

Braucht man mit konventionellen Verhüntungsmittel auch nicht, und das ohne die Nebenwirkungen der Pille danach.

"Doch was ist mit den vielfältigen Geschlechtskrankheiten? Vielleicht in Zukunft das einzige Regulativ in Richtung Zurückhaltung."

Bleiben mit halbwegs objektiver Partnerwahl, Kondom und Schaum auch im akzeptablem Rahmen.

Aber sher christlich, wie Sie auf Krankheiten hoffen, um anderen Menschen den Spaß zu vermiesen, den Sie sich selbst nicht gönnen können.

"Auf jedwedem Gebiet Schlusslicht der Nation - ausgelöst durch eine über 60-jährige SPD-Regierung"

Komisch...
...beim Papst stört irgendwie niemanden, daß er über 80 ist - und berufsbedingt weltfremd...

DEWo hat gesagt…

@ Old Geezer

"Auf jedwedem Gebiet Schlusslicht der Nation - ausgelöst durch eine über 60-jährige SPD-Regierung ...

Komisch...
...beim Papst stört irgendwie niemanden, daß er über 80 ist - und berufsbedingt weltfremd... "

Sie haben offenbar nicht richtig verstanden: In Bremen stellt die SPD die Regierung schon seit über 60 Jahren - daher die dortigen eklatanten Missstände auf vielen Gebieten ...

Old Geezer hat gesagt…

@DEWo:

Stimmt, ich hatte Sie falsch verstanden...
...aber auch sorum stellt sich die Frage, wie dynamisch und innnovativ im Vergleich hierzu der Vatikan ist?
Die Geschichte mit dem Spitter und dem Balken, Sie wissen schon...