Donnerstag, 15. November 2012

Vor „Einheitsschulen“ in Hessen warnt die CDU gegen die Pläne der SPD

Christiane Jurczik

Die hessische CDU warnt vor einem schulpolitischen Systemwechsel. In scharfen Worten kritisierte sie Pläne der SPD, das dreigliedrige Schulsystem abzuschaffen. Die nächsten Landtagswahlen werden voraussichtlich im November 2013 stattfinden, wodurch um die Schulpolitik besonders heftig  gestritten werden wird.

Zwischen CDU und SPD zeichnet sich eine heftige Auseinandersetzung über die Zukunft der hessischen Schulen ab. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag und frühere Kultusminister, Christean Wagner, warf den Sozialdemokraten in Wiesbaden vor, sie wollten Gymnasien und Förderschulen abschaffen und durch eine „Einheitsschule“ ersetzen. Das sei „eine offene Kriegserklärung an Schulvielfalt und Wahlfreiheit“. Die CDU nehme die Herausforderung gern an, sagte Wagner mit Blick auf die Landtagswahl in einem Jahr. „Wir werden mit aller Kraft dafür kämpfen, dass ein solcher Unsinn zu Lasten unserer Kinder nicht Wirklichkeit wird.“

Wagner wies darauf hin, dass die SPD das erklärte Ziel habe, alle weiterführenden Schulen bis zur zehnten Klasse zu einer „Gemeinschaftsschule“ zu entwickeln. „Nach diesem Modell sitzen alle Schüler, von Förderschülern bis zu Gymnasiasten, in einer Klasse.“ Die CDU wolle keinen Systemwechsel hin zu „Einheitsschulen“, ergänzte der bildungspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Günter Schork. 

Das gegliederte Schulsystem mit schulformbezogenen Lehrplänen, Stundentafeln und Abschlüssen habe sich bewährt und sei die beste Antwort auf die unterschiedlichen Begabungen von Schülern. Mit dem Versuch, „Einheitsschule, Einheitslehrer und Einheitsschüler“ zu schaffen, vollziehe die SPD eine „Rolle rückwärts in die siebziger Jahre“, äußerte Schork. „Schule ist kein Mittel zur Gesellschaftsveränderung.“

Der Generalsekretär der hessischen SPD, Michael Roth, konterte den Vorwurf des CDU-Fraktionschefs, die Sozialdemokraten hätten in der Bildungspolitik „Steinzeit-Vorstellungen“, mit den Worten: „Für CDU-Bildungsdinosaurier ist auch die Steinzeit schon Zukunft.“ Seine Partei wolle „keine ideologischen Grabenkämpfe“, betonte der SPD-Landesvorsitzende und Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel, sie werde einer Debatte über die bessere Schulpolitik im Landtagswahlkampf aber auch nicht ausweichen.

„Gefährliche Bildungspolitik muss vermieden werden“

Auch die FDP, der Koalitionspartner der Union, warnte davor, das funktionierende System mit einem Höchstmaß an Schulvielfalt zugunsten einer Einheitsschule abzuschaffen. „Eine derart ideologisch gefärbte und gefährliche Bildungspolitik zu Lasten der hessischen Schüler muss vermieden werden“, sagte der Abgeordnete Mario Döweling.

Die Landtagsfraktion der Grünen nannte es bedauerlich, dass CDU und SPD offenbar „eine weitere Runde im hessischen Schulkampf“ einläuten wollten. Eine gedeihliche Entwicklung der Schulen sei nicht mit Zwangsbeglückungen von oben, sondern nur im Konsens mit Schülern, Eltern und Lehrern zu erreichen, äußerte der Abgeordnete Mathias Wagner.

„Die Einheitsschule wird von einer großen Mehrheit der hessischen Bevölkerung abgelehnt. In einer repräsentativen Allensbach-Umfrage vom März 2012 wurde die Frage gestellt: ‚Was finden Sie grundsätzlich besser: Wenn es nach der Grundschule eine Einheitsschule für alle Schüler gibt, in der für begabte Schüler spezielle Leistungskurse angeboten werden, oder wenn es nach der Grundschule ein mehrgliedriges Schulsystem gibt, zum Beispiel Gymnasium einerseits und eine Mischform von Haupt- und Realschule andererseits?“ In Hessen präferierten lediglich 21 Prozent die Einheitsschule, wohingegen sich 62 Prozent für das mehrgliedrige Schulsystem ausgesprochen haben.

Deutlicher können die Menschen in unserem Land den bildungspolitischen Vorstellungen der SPD keine Absage erteilen“, so Schork.

Im Gegensatz zur SPD setzt sich die hessische CDU auch in Zukunft weiterhin für Schulvielfalt und Wahlfreiheit durch ein begabungsgerecht differenziertes Schulwesen, das eine bestmögliche individuelle Förderung der Kinder ermöglicht vielfältige Schulabschlüsse und Anschlussmöglichkeiten eine schulformbezogene Lehrerausbildung, die den unterschiedlichen Schülern und dem unterschiedlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulformen gerecht wird schulformbezogene Lehrpläne und Stundentafeln

„Nahezu alle wissenschaftlichen Studien belegen die Überlegenheit des mehrgliedrigen Schulsystems. Dass die hessische SPD mit ihrem radikalen Bildungssozialismus in die 1970er Jahre zurückfällt, zeigt, dass wir aus der Geschichte der Hessen-SPD lediglich lernen können, dass diese nichts aus der Geschichte gelernt hat“, ergänzte Schork.

Kommentare:

Old Geezer hat gesagt…

Die Nachteile des gegeliederten, föderalen Schulsystems läßt der Autor hier unter den Tisch fallen, wie z.B. die weiteren Schulwege, die Schwierigkeiten beim Wechseln zwischen diesen Schulformen, die Probleme beim Wechsel des Wohnortes oder gar des Bundeslandes, die Willkürlichkeit von Prüfungsn und Noten oder das häufige Versagen bei der Bereitstellung von Unterichtsstoff, -stunden oder garantierter Betreuungszeit.

Alles Dinge (oftmals nur logische Probleme), die eine einheitliche Schulform besser handhaben könnte.

Es gibt in der Regel keine 'Wahlfreiheit', da einige Schulwechsel praktisch unmöglich gemacht werden, viele Fachkombinatioen nirgenwo angeboten werden, oftmals die Arbeitswege und -zeiten der Eltern nur eine einzige Schule zulassen, usw.
Und wieder versteht jemand das Konzept von wählbaren Kursen aus einem Angebot nicht - eine EINHEITSschule bedeutet nicht 'gleicher Unterricht für alle', sondern eben nur 'Gleiche Auswahl für alle'

Das gegleiderte Schulsystem hat sich eben auch keinesfalls 'bewährt', sondern ist nur tradiertes Mittelmaß.

Und selbstverständlich ist Schule ein Mittel zur Gesellsachftsänderung, wie jeder zielgerichtete Erziehung; denn wo sonst soll man beginnen, wenn man eine gebildete, moderne, gewaltfreie und tolerante Gesellschaft schaffen will, wenn nicht bei den Kindern, denen man zeigen kann, wie man ohne Prügel und Drohungen kooperativ Ziele erreichen kann?

Daß bei Umfragen die Bevölkerung das bevorzugt, was ihnen vertraut ist - und wenn es nur darauf zurückzuführen ist, daß in ihrer romantisierten Erinnerung die schlechten Seiten schneller verblassen als die guten - ist ein alter Hut.

Diese 'wissenschaftlichen Studien' hätte ich gerne mal gesehen.
Es ist schwer, den Wert eines Schulsystems ohne Einfluß der dort aktuellen gesellschaftlichen Umstände zu bewerten, aber i.A. schneiden einheitlichere Schulsystme im internationalen Vergleich besser ab, mit Außnahme von Eliteinternaten, die aber nicht als allgemeine Schulform in Frage kommen.

Lehrer hat gesagt…

Old Geezer, Sie haben offenbar keinerlei Ahnung, wovon Sie da reden! Müssen Sie sich immer als Besserwisser aufspielen?
Kurz gesagt: Als Lehrer, der 40 Jahre lang in unterschiedlichsten Schulsystemen unterrichtet hat, weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das gegliederte Schulsystem dem Heranwachsenden am besten gerecht wird. Weltweit war das deutsche Bildungssystem immer als beispielhaft und vorbildlich anerkannt, bis die Sozis aus purem Bildungsneid heraus ihre Gemeinschaftsideologie versuchten, in den Bundesländern durchzudrücken, wo sie die Regierung stellten.
Die Erebisse sprechen eine sehr deutliche Sprache: Berlin, Bremen, Hamburg sind in den Vergleichstests ganz hinten dran, während Bayern, wo das gegliederte System nach wie vor gilt, auf allen Gebieten vorne liegt! Hessen hat das Glück, dass die Sozis abgewählt wurden, wodurch sich das Schulsystem in diesem Bundesland allmählich erholen kann. NRW eine absolute Katastrophe! Je länger das „gemeinsame Lernen“ angewandt wird, desto schlechter werden die Lernergebnisse!
Nehmen Sie bitte endlich zur Kenntnis, dass eine Gleichmacherei in Sachen Bildung noch nie den behaupteten Erfolg gebracht hat, und die maßgeblichen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse belegen dies eindeutig! Machen Sie sich doch bitte endlich mal so kundig, dass Ihr Informationsstand den anerkannten Tatsachen entspricht! Alles andere öffnet der weit verbreiteten Volksverdummung in Sachen Bildungssystemen nur noch weiter Tür und Tor!
Also auf, erforschen Sie endlich die Wahrheit in Sachen Bildung!

ra hat gesagt…

Geezer und dazu noch old. Ich verzichte hier mal weitgehend auf korrekte Schreibweise und Interpunktion. Was dieser "verblendete verdrehte umgedrehte Narr" sowieso nicht beherrscht.
Geezer, Sie sind für mich das typische Bild für den unterwürfigen Mann dem anderen Geschlecht gegenüber. Das beweist schon Ihre lächerliche Selbstbetitelung. Aber, hauptsache irgendwie amerikanisch! Und genau DAS wird Ihnen über kurz oder lang im Hals stecken bleiben bzw. zum selben heraushängen. Sie wissen gar nicht wie dumm und - von den Amis - gehirn -bzw. charaktergewaschen Sie sich darstellen!
Was haben Sie Kretin (sowas rutscht mir selten raus ...!) überhaupt an unserem dreistufigen - und ich sage mit bedacht, exzellenten - Schulsystem zu mäkeln??! Wir waren dadurch nicht von ungefähr die geistige Elite in der Welt. Auch ich bin durch dieses System gegangen - mit all seinen persönlichen Nachteilen zu der Zeit - und muß im Nachhinein sagen, es war das Beste überhaupt und insofern - u.v.A. - den Briten und Amerikanern ein Dorn im Auge. Deshalb haben Sie - schon vor Ende des letzten WWII - Pläne ausgearbeitet, wie sie dieses ändern können und damit eine ganze Nation umkrempeln können. Aufgrund der Unwissenheit der Mitglieder dieser Nation und den zu Unrecht!!(inzwischen geschichtlich nachweisbar!!!!!!) eingeimpften Schuldgefühlen für etwas nicht Begangenes wurden wir als deren Nachkommen präpariert.
Inzwischen erkennen diesen Sachverhalt immer mehr Deutsche und deshalb wird immer aggressiver von den Bereitern dieser Unwahrheiten gegengesteuert.
Es gibt leider immer Unverbesserliche Politisch Korrekte (unsere Medien die Wirtschaft und die Politik strotzen davon!) und Vollidioten wie Sie, die einfach die Realität und die Konsequenzen dessen, diese zu ignorieren, nicht erfassen.
Dies, Mr. (Uncle Sam) Geezer geb ich Ihnen und Ihresgleichen auf den Weg - und achten Sie auf den Ihrigen. Er wird nicht mehr lange der Ihrige sein.....

Pauker hat gesagt…

Ich möchte der Behauptung: "Weltweit war das deutsche Bildungssystem immer als beispielhaft und vorbildlich anerkannt,..." als fragwürdig hinstellen, denn die Realität, auch in den hiesigen Kommentaren spricht eine andere Sprache.
Dass unser Bildungssystem verbesserungswürdig ist, wird neben geplagten Lehrern und Erziehern auch einigen, wenn nicht gar vielen Eltern aufgegangen sein.
Ja, es ist schlimm und unverantwortlich den Streit, es ist mehr Gezanke, gut hörbar für Kinder. Schüler, Jugendliche ungefiltert in unsere Landschaft abzugeben.
„Wir werden mit aller Kraft dafür kämpfen, dass ein solcher Unsinn zu Lasten unserer Kinder nicht Wirklichkeit wird.“
Besser wäre es, auch andere Ungereimtheiten unseren Kindern zu ersparen.
Ich habe mir schon vor 1990 mit einigen Vorschlägen keine Freunde gemacht. Ich habe auch keine Häme gezeigt, wenn so manche Idee davon im Alltag Einzug hielt.
Heute mit der Freiheitsfanfare und Demokratiekeule wieder Gleiches zu erleben, schmerzt mich sehr.
Im Beschimpfen sind die sich klug Meinenden einsame Spitze. Das Geschreie übertönt die leise Kinderseele. Das Vokabular dabei ist auch mehr unterste Schublade denn vorbildlich zu nennen. Was würden diese Herren wohl sagen, von Schülern Wahrheiten gleichtönend um die Ohren geschlagen zu bekommen?
Die Kleinen schreien nach Mama und Papa, die großen beschimpfen die Erziehungsmethoden Anderer. Ihre Art und Weise ist, natürlich, über alle Anderen erhoben.
Was meinen sie wohl kommt alles zum Tragen, wenn es um Schulschließungen geht?
Dann geben sie noch Statistiken zum Besten, die ein Ziel ansteuern sollten. Das alte Leiden in Deutschland: "Wollt ihr..." findet hier seine Fortsetzung. Wenn die Befragung aus dem Hause Kultusministerium kommt, ist sie für mich fragwürdig. (Um es nicht noch härter zu formulieren.)
Warum, frage ich mich, schaffen es kluge Köpfe nicht, etwas für ganz Deutschland gültiges zu schaffen?
Solange da nichts passiert ist alles nur Getue. Viel Lärm um nichts.
Es ist egal, welcher Schulminister uns was sagt. Doch was er sagt und anordnet ist nicht egal.
"Wir waren dadurch nicht von ungefähr die geistige Elite in der Welt."
Man sieht es deutlich - doch mit starken Zweifeln. Wenn nicht gar schlimmer.

Gino hat gesagt…

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Mahatma Gandhi