Mittwoch, 14. November 2012

Skandal: Selten wird Werbung gerügt, wenn religiöse Gefühle verletzt werden

Nach Einschätzung des Deutschen Werberates, werden religiöse Gefühle in der Werbung nur selten verletzt. In den vergangenen zehn Jahren gab es aus diesem Grund 111 Beschwerden. In nur einem Fall wurde eine öffentliche Rüge ausgesprochen und eine Werbemaßnahme in 22 Fällen gestoppt. Dies teilte die Selbstkontrollinstanz der Werbebranche anlässlich des 40-jährigen Bestehens mit. In 81 Fällen lag nach Ansicht des Gremiums kein Grund für eine Beanstandung vor, in zwei Fällen wurde die Beschwerde weitergeleitet. 

Diese Zahlen stehen im krassen gegensatz zu den heftigen Auseinandersetzungen rund um das Thema "Religion in der Werbung".

Nach der Ansicht von Hans-Henning Wiegmann, Vorsitzender des Deutschen Werberates (Wiesbaden), verhalten sich die meisten Unternehmen bei der Verwendung religiöser Themen und Symbole, vorsichtig. Allerdings hätten sich die Bewertungskriterien des Werberates im Lauf der Zeit verändert. Wiegmann: „Viele Themen, bei denen wir vor 40 Jahren noch gesagt hätten, ‚das gehört sich nicht‘, würden heute keinen mehr aufregen. Aufsehen ist noch kein Ansehen.“

Von den 262 Fällen, die der Werberat im Jahr 2011 zu entscheiden hatte, betrafen lediglich sieben die Verletzung religiöser Gefühle. In 90 Fällen ging es um die Diskriminierung von Frauen, in 25 um die Benachteiligung von Personengruppen und in 24 um Gewaltverherrlichung. In sieben Fällen wurde eine Rüge ausgesprochen.

„Kauf ein, wenn Mutti in die Kirche geht“

Die einzige Rüge in den vergangen zehn Jahren wegen Verletzung religiöser Gefühle erteilte die Einrichtung 2003. Damals hatte eine Brennerei für ein alkoholisches Produkt mit dem Titel „Das Vaterunser des Gräf‘s Pflümli“ geworben. Einige weitere Fälle, in denen sich Konsumenten beklagten: Eine Handelskette und ein Mineralölkonzern bewarben ein 24-Stunden-Einkaufsangebot an sieben Tagen in der Woche mit dem Slogan: „Kauf ein, wenn Mutti in die Kirche geht“. Das Plakatmotiv karikierte eine alte, gebrechliche Frau auf dem Weg zur Kirche. Durch den Werberat zur Stellungnahme aufgefordert, erklärten sich die Unternehmen bereit, die Werbung nicht mehr zu schalten.

„Heute schon gesündigt?“ – kein Grund zur Rüge

Ein Hersteller bewarb sein Schaumbad im Internet mit den Worten „höllisch gut“ oder „Heute schon gesündigt?“. Ein Beschwerdeführer empfand die Verwendung der Worte „Hölle“ und „Sünde“ im Zusammenhang mit einem Körperpflegemittel als unangemessen und sah sich in seinen religiösen Gefühlen verletzt. Der Werberat sah dies anders und verwies darauf, dass Worte wie „Hölle“ oder Sünde“ bereits lange Teil der Umgangssprache seien. In der Vorweihnachtszeit bewarb ein Versandhandelsunternehmen seine Produkte mit dem Slogan „Quelleluja“ – in Anlehnung an das Wort „Halleluja“ (Gelobt sei der Herr). Der Werberat konnte hier keinen Verstoß gegen seine Verhaltensregeln erkennen. In einem weiteren Fall warb ein Händler im Schaufenster seines Geschäfts mit einem Poster, das eine junge Frau in Unterwäsche zeigt. Die Frau saß breitbeinig auf einer Treppe, über ihr der Spruch „Macht hoch die Tür, die Tor’ macht weit“ – in Anspielung auf den Anfang eines Weihnachtsliedes. Nach Intervention des Werberates wurde die Werbung gestoppt.

Christus mit Dornenkrone und Fernbedienung

2006 warf das Gremium dem Fernsehsender MTV eine „eklatante Verletzung religiöser Empfindungen“ vor. Er hatte während der Karwoche unter der Überschrift „Lachen statt rumhängen“ in Anzeigen für den Start einer Zeichentrickserie geworben, die sich mit dem Vatikan beschäftigt. In der Anzeige ist im Hintergrund ein leeres Kreuz zu sehen, im Vordergrund sitzt Christus mit Dornenkrone und Fernbedienung vor einem TV-Gerät und lacht. Der Sender zog die Anzeige zurück.

Kommentare:

Old Geezer hat gesagt…

Hmmm, könnte das evtl. daran liegen, daß 'religiöse Gefühle' hierzulande sehr schwach ausgeprägt sind?
Daß ein Großteil der von religiösen Gefühlen bewegten Bürger im fortgeschrittenen Alter sind und sich das Unterschit-TV und die dort plazierten Werbeslots eh nicht antun, und so gemäß "wo kein Kläger, da kein Richter" sich einfach niemand an diesen Spots stört?

Grandloser hat gesagt…

Die hier zitierten Beispiele sind ja noch recht harmlos. Und haben Sie schon gesündigt, sich darüber Aufregen, ist etwas kindisch, besonders wenn man bedenkt das ein ein guter Pfarrer dies jeden Sonntag seinen Schäfchen ins Gewissen redet.

Daher wie so oft viel Lärm um nichts.

Der Chorleiter hat gesagt…

Haben sich die Religiösen mal gefragt, ob ihre Worte und Taten für andere verletzend sind?
Schaut mal auf die Diskussionen von einer Religion zur anderen.
Und auf die Humoresken über Unzulänglichkeiten religiöser Art.
Ich werde täglich mit verletzenden Worten gegen meinen Berufsstand, mein Hobby, meine Nation, meine Familie, meinen Freunden, meinr Welt und fast allem weiteren in mir und um mich traktiert. Ich hoffe immer, mich dessen erfolgreich, sofort und überzeugend erwehren zu können. Die Unvernunft ist sehr oft der treibende Teil der plappernden Kritik. Soll ich eines zerstochenden Reifens wegen alle sofort Greifbaren verhauen, mit keinem mehr sprechen?
Wenn ich Berichte vom Amazonas lese, finde ich sehr viel Veletzendes den Ureinwohnern gegenüber. Da interessiert mich, wie diese das sehen. Und ob mancher tote Missionar das durch sein gewolltes Verletzen der Tradition vorbestimmte Schicksal sich selbst zuschreiben sollte?
Bei uns ist es Tradition, links zu fahren?
Einiges Dümmliche in der Werbung ist vermeidbar und sollte vermieden werden. Doch manchen Gag sollte man als solchen verstehen und nicht mimosenhaft reagieren.
Vielleicht erleben es unsere Kinder.

Anonym hat gesagt…

Ihrh bat ehct gewaltig einen an der Waffel ! Sucht euch hilfe