Dienstag, 6. November 2012

Dokumentation: Norbert Blüm konstatiert die Enteignung der Kindheit und die Verstaatlichung der Familie

In der „Zeit“ vom 19. März 2012 konstatiert Norbert Blüm, ehemaliger CDU-Arbeitsminister, in einer längeren Streitschrift mit dem Namen „Freiheit“ eine Enteignung der Kindheit und die Verstaatlichung der Familie.

Wir dokumentieren einige Zitate aus Blüms Streitschrift:

Wissen wird in der Schule gelehrt. Die Schule ist die Kirche der Modernität, die Lehrer sind ihre Priester. Die Liturgie der neuen Religion ist der Unterricht. Die Wissensgesellschaft gilt als Inbegriff des Fortschritts. In der Wissensgesellschaft findet der Mensch scheinbar sein Paradies.

Schule ist die allein selig machende Erlösung aus der Dummheit.

So predigen es uns die Kardinäle der Wissensgesellschaft. Aber: Sie überschätzen die Kraft des Wissens, Probleme zu lösen. Die großen Bedrohungen der Menschheit wie Krieg, Hunger und Umweltzerstörung sind nicht die Folge von Wissensdefiziten, sondern das Ergebnis des Mangels an Moral und gutem Willen. Wissen allein löst keine Probleme.

Das neue schulische Unfehlbarkeitsdogma ist eine Anmaßung, keine Beschreibung der pädagogischen Realität. Das meiste, was ich gelernt habe, habe ich nicht in der Schule gelernt. Reden und Singen, Arbeiten und Spielen, Essen und Trinken, Lieben und Trauern, all das beherrsche ich aufgrund außerschulischen erworbener Kenntnisse und Fähigkeiten.
Schreiben, Lesen und Rechnen sind dagegen wahrscheinlich stärker schulvermittelt. Obwohl bei Licht betrachtet selbst diese Kenntnisse mehr durch externe Nutzung als durch Schulung trainiert wurden.

Die Praxis ist eben der bevorzugte Schulmeister des Lebens.

So wie mir erging es vermutlich vielen Kindern. Meine erfolgreichsten Lehrer waren Mama und Papa, Oma und Opa, Tanten, Onkel, vor allem aber Freunde, Spielkameraden, Nachbarn und Cliquen. Auf der Straße wurde mir mehr beigebracht als in Klassenräumen, in denen ich – Gott sei Dank – nur Teile meiner Kindheit verbrachte.

Meinen stärksten Lernschub erhielt ich allerdings in der Werkzeugmacher Lehre bei Opel. Durch meine Lehrgesellen, die mir keine Lehrware lieferten, sondern mir das Erlebnis ermöglichten, mit- und nachzumachen, was sie mir vorgemacht hatten. Auch Werkstoffkunde erfuhr ich beim Feilen, Sägen, Bohren, Hobeln, Schmieden nachhaltiger als an den Wandtafeln der Berufsschule.

Ganz anders waren meine schulischen Lernerlebnisse. Ihre Erfolge wurden abgepackt und mit Noten versehen. Freilich, die Theorie war nicht nutz- und sinnlos. Theorie begleitet die Praxis.

Wir knüpfen den Berufszugang weitgehend an benotete Schul- und Hochschulzertifikate. Ein Dampfkesselüberwacher hat möglicherweise in seinem Studium niemals etwas von den komplizierten Druckverhältnissen in komplizierten Dampfkesseln gehört, dafür aber ein Diplom erhalten. Gott sei Dank hat sich die Lebenspraxis Wege gesucht, um das Zugangsmonopol des Diploms zu umgehen.

Lernen durch Erprobung verliert jedoch leicht sein Lehrmaterial in Zeiten, in den sich Produkte schnell abnutzen und Erhaltung durch Wiederherstellung nicht mehr lohnt. Früher war die Reparatur eines defekten Motors auch ein Lernerlebnis für den Autoschlosser. Heute wechselt er die Ersatzteile aus, die ihm ein Elektrogerät als defekt meldet, und ist vor allem Monteur.

„Ist es aber nötig und möglich, dass ein Kind alles lernt, was ein Erwachsener wissen muss“, fragte schon vor mehr als zwei Jahrhunderten der Philosoph und Pädagoge Jean-Jacques Rousseau. Die Aussichtslosigkeit eines solchen Versuchs hat sich verschärft.

In einer Gesellschaft, in der Wissen schnell veraltet, wirkt das Vorhaben, alles Wissen, das zukünftig gebraucht wird, in die kleinen Köpfe der Kinder zu trichtern, wie der Versuch, Eis auf Vorrat in der Sahara zu lagern.

Kommentare:

Onkel Kurt hat gesagt…

Aus einer Spirale eine Gerade zu formen ist schwer. Doch solche Arten von Beweisen noch zustimmend Geltung verschaffen wollen, heißt die Spirale schon im Vorfeld zur Geraden zu benennen.
Das zeigt, wie man etwas in die Sicht rücken will.
Der Herr Blüm ist kein gutes Beispiel für uns. Seine Äußerungen kann man schwerlich ernst nehmen.
Wie war das mit kleinen Männern und ihrem Geltungsbewußtsein?
Ihr tut mir leid in eurer Suche nach einem Recht, welches für alle sein soll. Und nicht einmal für und von euch tragbar ist.
Ihr habt die Unwissenheit enteignet.
Wr wollen sie nicht. Behaltet sie. Sie steht euch besser.

ich hat gesagt…

und so was war minister?
pfui teufel
wieviel dieser schmach sind noch an der tete?
wenn so was aus der schulbildung hervorgeht stimmt da was nicht. wenn sone leute unterstützung erhalten sind die untersützer ebenso mies.
oder spielt hier schon senilität rein?

Old Geezer hat gesagt…

Man merkt doch immer wieder, daß Herr Blüm nicht zum Bildungsbürgertum, geschweige denn zur Bildungselite gehört, sondern seine Zeit bei Opel am Band geschafft hat:
"Die Schule ist die Kirche der Modernität, die Lehrer sind ihre Priester"

Herr Blüm, Schule vermuittelt im Großen und Ganzen prüfbare FAKTEN - wann haben Sie das letzte mal soetwas von einem Priester gehört?
Oder halten Sie etwa sprechende Schlangen, Alien-Bewustseine, die Seelen Verstorbener, Seeligkeit durch Mord oder lenkbare Ströme von Lebensenergie für prüfbare Fakten?

"Wissen allein löst keine Probleme"
Nein, aber Wissen zeigt mögliche Lösungen auf!
Ob die, die Macht haben, sie dann ergreifen, bleibt natürlich fraglich.

"Das neue schulische Unfehlbarkeitsdogma ist eine Anmaßung"
Das in was bestehen soll?
Habe ich vorher nie von gehört...
...wer behauptet denn dieses?

"Das meiste, was ich gelernt habe, habe ich nicht in der Schule gelernt"
SIE, Herr Blüm vielleicht nicht, ANDERE hingegne schon, deren Qualifikation zu mehr als dem ewigen Rezitieren von Märchen über Renten reichen muß!

"Gott sei Dank hat sich die Lebenspraxis Wege gesucht, um das Zugangsmonopol des Diploms zu umgehen"
So?
Hat Sie?
Vielelicht mit dem Vitamin B eines Parteibuchs im Rücken.
Aber bei dem Gros der Arbeitnehmer erfordert der Job eine VORHERIGE Qualifikation.
Es wäre schön, wenn Politiker dahingehend wirklen würden, daß mehr Menschen neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalten würden, statt nur nach Alter, Größe, Ethnie, Aussehen und evtl. verbriefter Qualifikation in Schubladen eingeteilt zu werden - allein sah ich da gerade bei Ihrer Partei herzlich wenig Ambitionen in dieser Richtung.

Friedensreich Hundertwasser hat gesagt…

...an die sehr geehrten Vorkommentatoren: BITTE LEGEN SIE IHRE SOZIALISTISCHEN SCHEUKLAPPEN AB,
auch wenn es bei Ihnen noch etwas dauern wird, andere sind schon SEHR viel weiter !!!:

http://www.youtube.com/watch?v=GCwKIbMzGek&feature=player_embedded

P.S. Ich freue mich immer wieder, wenn die Vasallen dieser Welt lange Gesichter bekommen !

P.P.S. Dios bendiga a todos los niños en el universo!

Karl Mags hat gesagt…

Schau mal in den Spiegel.
Ein himmelwärts gerichteter Blick sieht nun auch nicht gerade gegenwärtig aus.
Vielleicht sieht ein Gesicht auch lang aus, weil die Augen zu weit aufgerissen sind; oder der Körper, der dranhängt zu klein geraten ist.

Andere sind schon weiter?
Da sage ich ihnen unverblümt: Das sind oft Scheuklappen gegen das reale Leben. Der Letzte, wenn er ständig zurück blickt, meint, vorn zu stehen, da er niemanden sieht.
Lieber mit Klugen in der Hölle als mit sowas im Himmel.
Lieber einen glaubwürdigen Stammtisch als einen Würde durch Glaube verordnenden Altar.
Auch Religion enteignet die Kindheit zu ihrem Vorteil.
Es ist gut, dass man Glaube nicht mehr einprügeln darf. Und das sich anders Denkende immer mehr zur Wehr setzen.
Da fällt dir dann das Gesicht runter!?
Wer mit Regierenden von Staat und Kirche umgehen muss, sollte auf der Hut sein und sich nicht untreu werden. Diesen Extremisten nicht mit Extremismus entgegen treten.
Jagt sie gegeneinander. Und passt auf, das sie euch im blinden um sich Schlagen nicht treffen.
Lasst euch nicht durch ihr Hassgefasel zu Hass hinreißen. Sie haben Angst vor der Vernunft. Also nutzt diese. Breitet sie über alle davor Schreckenden aus.
Lasst euch nicht einreden, wer und wie ihr seid. Seid so und seid ihr selbst. Stehen viele Aufrechte fest zusammen, wird sie so was, wie hier geboten, nicht umkippen.
Kraft dem Leben.

Friedensreich Hundertwasser hat gesagt…

... meinem Sie das Versagermagazin aus Hamburg? Ich hab da ein exclusiveres Schmankerl für Sie!:

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/spucktueten-raus-deutschlands-miese-volksvertreter.html

P.S. Die Lösung ALLER Probleme liegt so nahe, wie IMMER!:

http://uhupardo.wordpress.com/2012/11/10/burgermeister-raumt-bank-konto-und-stoppt-zwangsraumungen/

P.P.S. Dios bendiga a todos los niños en el universo-
La fuerza de la vida!!

Karl Mags hat gesagt…

Das Leben bietet uns viel.
Es sollte nicht nur aus Kritik oder Vergötterung bestehen.
Wir sollten uns einander verstehen.
Wir haben nur dieses eine Leben und, solange nichts anderes bewiesen ist, auch nur jetzt.
Wir sollten alle verfügbaren Möglichkeiten nutzen, erweitern, nicht überstrapazieren.
Wer dazu Hilfsmittel braucht, die andere nicht beeinträchtigen, sollte sie, vorsichtig, gebrauchen.
Immer daran denken: Wirf niemanden vor, etwas anders zu verstehen, wenn es ein anders gibt.
Arbeite mit dem Kopf, nicht mit Kopp.
Nahe ist auch das Vergangene.
Nahe Lösungen bleiben für Weitsichtige im Unklaren. Wer sich passender Hilfsmittel bedient, wird mehr von den Dingen haben.
Ich lasse anderen den Kuckucksruf als solchen, wenn es auch eine Unke war.
Das Leben ist schön. Wer die Sonne genießt sollte dran denken, daß auch der Regen dazu gehört. Er erfrischt mich. Andere macht er nur nass.
Causa finalis movet non secundum suum esse reale, sed secundum esse cognitum.

Old Geezer hat gesagt…

@Friedensreich Hundertwasser:

Von welchen 'sozialistischen Scheuklappen' sprechen Sie?
Können Sie diesen Kritikpunkt etwas präzisieren?

Ich halte eigentlich weder Preußenkönige noch Eiserne Kanzler für sozialistisch, aber auch die haben die Notwendigkeit eines öffentlichen Schulsystems erkannt, will man eine moderne Gesellschaft aufbauen, in der das Bildungniveau der breiten Massen über dem der Elterngeneration liegt.

Anonym hat gesagt…

N. B. - derName spricht für sich - war für mich ein hyperthymer Psychopath mit histrionischem Gehabe. Er hat u.a. das deutsche Gesundheitswesen zerstört. Anderen hat er in Sachen Rente irregeführt und geschädigt. Ich verdanke ihm als Arzt 5 Jahre Arbeitslosigkeit und das Ende meiner Arztcarriere. (Danach war ich Hauptabteilungsleiter in einem Gesundheitsministerium im Ausland und riet meinem dortigen parlamentarischen Staatssekretär die Nichtnachahmung der deutschen Politik.)

Anonym hat gesagt…

Viel Kommentare hier lassen vermuten, daß Herr Blüm doch wohl nicht ganz daneben liegt.
Wissen mag Macht sein, ja, aber wo bleibt die Moral?