Montag, 8. Oktober 2012

Laut einer Studie im Auftrag der Drogenbeauftragten von 2011 gelten rund 560.000 der 14 bis 64-jährigen in Deutschland als Internetabhängig



So geht es aus der ersten repräsentativen Studie zur Internetsucht (PINTA-Studie) hervor. Hinzu kommen rund 1,4 Millionen Jugendliche, die suchtgefährdet sind. Die Online-Computerspielsucht nach Informationen der LWL-Klinik der Ruhr-Universität in Bochum ist die häufigste Form der Internetabhängigkeit.

Von Internetsucht spricht man, wenn ähnliche Phänomene wie bei anderen, zum Beispiel stoffgebundenen Süchten auftreten: Vernachlässigung des Freundeskreises und sonstiger Beziehungen in der realen Welt, der Arbeit beziehungsweise der Schule, aber auch beispielsweise der Wohnungs- und Körperpflege. Exzessive Nutzung des Internets – seien es nun „Onlinespiele, Cybersex oder soziale Netzwerke wie Facebook“ – über einen längeren Zeitraum, viele Stunden am Stück, mit Kontrollverlust (das bedeutet, der Betreffende kann nicht mehr den Willen aufbringen, die Tätigkeit am Computer zu unterbrechen oder zu beenden) und unentwegte gedankliche Beschäftigung mit dem Internet. Bei Nichtbeschäftigung mit dem Suchtverhalten kommt es oft zu Entzugserscheinungen wie Schweißausbrüchen, Schlafstörungen oder Aggressivität und innerer Unruhe.

90 Prozent der Hilfesuchenden sind Männer

Tatsächlich handelt es sich zum Großteil um junge Männer zwischen 18 und 27 Jahren. Häufig geht eine Computerspiel- oder Internetsucht einher mit Leistungsabfall in Schule, Ausbildung oder Beruf. Folgen können Depressionen, soziale Ängste oder Aufmerksamkeits-störungen sein.

Internetabhängigkeit ist von der Weltgesundheitsorganisation noch nicht als Krankheit anerkannt; das könne noch „fünf bis zehn Jahre“ dauern, meint Anke Quack von der Mainzer Ambulanz für Spielsucht. Behandelt werden Betroffene in einer Grauzone der therapeutischen Möglichkeiten, obwohl die Zahl der Süchtigen immer größer wird, berichtet RP.online.

Die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) warnt vor einer steigenden Medienabhängigkeit in Deutschland. Am 9. Oktober berät sie in Berlin mit Experten über Entwicklungen und Erkenntnisse zur „exzessiven und pathologischen Computerspiel- und Internetsucht”.
Bei dem Deutschen Suchtkongress wird es um das Thema Mediensucht gehen. In Mannheim treffen sich Experten aus der Suchtforschung, Suchttherapie- und Psychologie, um dort unter anderem ein Schriftwerk zu verabschieden, das als politische Grundlage dienen soll, die Anerkennung der Internetsucht international voran zu bringen.

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