Mittwoch, 8. August 2012

Psychiater warnt vor “digitaler Demenz” und Internetsucht

“Digitale Medien zur Förderung des Lernens grundsätzlich ungeeignet”

Vor “digitaler Demenz” durch Computerspiele und Internet hat der ärztliche Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm, Prof. Dr. Manfred Spitzer, gewarnt. 

Digitale Medien machten süchtig, schadeten dem Gedächtnis und seien zur Förderung des Lernens im Bildungsbereich grundsätzlich ungeeignet, schreibt der Psychiatrie-Professor in seinem neuen Buch, aus dem das Nachrichtenmagazin “Focus” vorab Auszüge veröffentlicht.
Sog. “Soziale Netzwerke” (Facebook etc) beeinträchtigen  -  Prof. Spitzer zufolge  – das Sozialverhalten: Mangelnde Gehirnbildung, vor allem in den für Aufmerksamkeit und soziale Funktionen zuständigen Bereichen, führe zu Aufmerksamkeitsstörungen und gesteigerter Depressivität.

Angesichts der vielfach wissenschaftlich nachgewiesenen negativen Auswirkungen digitaler Medien auf Geist und Körper vor allem junger Menschen stelle sich die Frage, warum die Politik das vorhandene Wissen um die Gefährdung durch die digitalen Medien systematisch ausblende, so Dr. Spitzer.

Die Tatsache, dass ein “Killerspiel” – Crysis 2 – den deutschen Computerspielpreis 2012 gewonnen hat, zeige exemplarisch, “wie wenig sich Politiker und Medienpädagogen mit dem wirklich vorhandenen Wissen über Killerspiele auskennen: Kein Wort über deren abstumpfende Wirkung gegenüber Gewalt und der bahnenden Wirkung von Gewaltbereitschaft.”

Ein medienkritischer Politiker werde von den Medien demontiert, beklagte Spitzer. “Das wissen alle, und daher geschieht nichts.”
 
In diesem Zusammenhang verwundere insbesondere, “dass gerade die politische Linke die Freiheit der Medien vehement verteidigt, obgleich digitale Medien nachweislich dazu beitragen, dass die Kinder aus einfachen sozialen Schichten noch geringere Chancen für Aufwärtsmobilität haben”.

Spitzer forderte die Vertreter aller Parteien zum Umdenken auf:

“Sie werden zwar nicht von Kindern und Jugendlichen gewählt, dürfen sich aber ihrer Verantwortung für die nächste Generation im Hinblick auf deren Bildung ebenso wenig entziehen wie hinsichtlich ihrer sozialen Absicherung.”

Quelle: dts-Nachrichtenagentur

1 Kommentar:

Old Geezer hat gesagt…

Das Buch müßte man sich mal zu Gemüte führen, aber dabei nciht Vergessen, das Prof. Spitzer schon wegen seiner gewagt Vermischung von Daten, schlampigen Argumentation und oberflächlichen, populistischen Barbietung kritisiert wurde.
(Es wirkt merkwürdig, wenn jemand, der so pauschal Massenmedien verurteilt, selbst schwerpunktmäßig über diese veröffentlich.)

Gerade die These "Digitale Medien zur Förderung des Lernens grundsätzlich ungeeignet”
erscheint mir sehr gewagt, denn genau dafür werden sie seit vielen Jahren von abermillionen Arbeitnehmern, Schülern und Studenten genutzt, gerade weil sie es ermöglichen, das komplette Wissensumfeld eines Themas oder einer Fragestellung gezielt zu verfolgen, ohne Dutzende von Büchern lesen zu müssen (was zeitlich absolut nicht machbar wäre).

Das sich das Gehirn dem Trainuing und der Umwelt anpaßt ist ebenso wahr wie altbekannt und genau seine Funktion - welchen Wert hat eine auf direkten physischen Kontakt spezialisierte Fähigkeit im Sozialverhalten, wenn unsere Lebensrealität diese Art Kontakte zu Ausnahmen von geringer Bedeutung degradiert, wenn wir die menschenlichen Kontakte, die für uns interessant oder wichtig sind, in erster Linie über soziale Netzwerke pflegen?

Ich möchte nochmal anmerken, daß seine Fachkollegen die angeblich abstumpfende Wirkung von Gewaltdarstellungen in Spielen nicht einheitlich teilen (und keine konsistenten Testergebnisse es bestätigen).

Zudem wird hier in dem Artikel 'digitale Medien' mit 'Computerspielen' gleichgesetzt - auch auch dieses Forum oder Projekt Gutenberk sind 'digitale Medien'!