Montag, 12. März 2012

1000-Kreuze Münster 2012: Augenzeugenbericht


Seit 2009 werden die 1000-Kreuze-Aktionen gestört. Im Jahr 2012 gab es besonders viele Aufrufe zu Störaktionen seitens der Linksradikalen, Feministen und einiger Antifa-Gruppen, darunter die Antifa Bielefeld, die „Emanzipatorische Antifa Münster“ und die Antifa-NRW. Wenige Tage vor dem Termin rief auch noch der ASTA-Münster zu einer Gegendemonstration auf.

Zunächst sollte es bei „kreativen Störaktionen“ und einer Gegendemonstration bleiben, doch schließlich wurde eine Blockade des Lebensrechtler-Umzuges verkündet. Um den Einsatz der Polizei zum Schutz der Lebensrechtler zu erschweren, planten die “Gegendemonstranten”, Aktionen auf die ganze Stadt zu verteilen. So würden sie eine Einkesselung durch die Polizei verhindern.

Die „Emanzipatorische Antifa Münster legte kein Blatt vor dem Mund: „Die Polizeistrategie der letzten Jahre be­stand darin, die Gegenaktivist/innen einzukesseln und den Kreuzemarsch anschließend durchzusetzen. Auch deswegen ist es wichtig, den Protest gegen diese christlichen Fundamentalist/innen an viele Orte der Stadt zu tragen und auf ganzer Strecke zu verhindern, dass sie ihre reaktionären und menschenverachtenden Inhalte ungestört verbreiten können.“

Dementsprechend war das Polizeiaufgebot massiv – wenn man zum Treffpunkt für den Beginn des Marsches zu Fuß ging, sah man schon auf Straßen vorher postierte Polizisten. Die "Westfälischen Nachrichten" berichtete von 200 Beamten.

Weiträumig wurde der Marienplatz vor der Sankt-Ägidii-Kirche abgesperrt, nur die Lebensrechtler wurden durchgelassen. Ich kam gegen 14 Uhr an und es waren wenige Leute da. Ich dachte: Die Linksradikalen haben es geschafft, viele einzuschüchtern. Zudem war es gar nicht einfach, in die Innenstadt zu kommen, drei von vier Parkhäusern rund um die Ägidii-Kirche wurden geschlossen.

Schließlich kamen doch an die 150 Lebensrechtler, also immerhin etwa die Zahl der Vorjahre. Allerdings bleiben die Ankündigungen der Chaoten nicht ganz ohne Wirkung. Eine Mutter in den Vierzigern berichtete mir, sie hätte nur kommen können, weil sie an diesem Tag ihre Kinder, die schon im Schulalter waren, irgendwo unterbringen konnte. Aufgrund der Chaoten könne man keine Kinder zum Marsch mitbringen.

In der Tat: Nicht nur drohen die Chaoten die Reihen der Lebensrechtler während des Umzuges „aufzumischen“, sie brüllen und zeigen ununterbrochen Obszönitäten, schreien Gotteslästerungen, bewerfen die Lebensrechtler mit Verhütungsmitteln, in großen Plakaten zeigen sie Bilder und Sprüche, die man aus Anstandsgründen nicht wiedergeben kann.

Der Umzug konnte schließlich pünktlich beginnen und planmäßig durchgeführt werden, weil die äußerst gut vorbereitete und organisierte Polizei jeden Versuch der Linksradikalen, zu den Reihen der Lebensrechtler vorzudringen, verhinderte.

Nach Polizeischätzungen waren 200 an den Störungen beteiligt. Mehrere dutzend Mannschaftswagen und hunderte Beamte waren hierfür nötig. Ansonsten hätten die Lebensrechtler ihr Recht auf freie Meinungsäußerung nicht ausüben können.

Um Zwischenfälle zu verhindern, wurde zudem die Route verändert. Man wusste, dass die “Antifa” Aktionen entlang der Route vorbereitet und Strategien ausgedacht hatte, um nicht von der Polizei eingekesselt zu werden.

Somit konnten die Chaoten die Lebensrechtler nur begleiten, aber keine Blockaden herrichten. Die „Westfälischen Nachrichten“ berichteten, daß fünf Personen ein Platzverweis erteilt werden musste, weil sie “anschließend aktionsorientiert an mehreren Stellen den Aufzug zu stören” versuchten. Zwei leisteten Widerstand. Gegen sie wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Gegen eine weitere Person wurde Anzeige erstattet, weil sie ein Pfefferspray mit sich führte.

Schließlich konnte der 1000-Kreuze-Marsch den Domplatz erreichen. Dort endete die Veranstaltung mit einer Würdigung des „Löwen von Münster“, Kardinal Clemens August Graf von Galen und einer Abschlussrede von Wolfgang Hering, der Leiter des Veranstalters “Europrolife”.

Mathias von Gersdorff

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Menschen erheben sich gegen "Auftritte Fundamentalisten, die reaktionäre und menschenverachtende Inhalte verbreiten!" Wer die Videos des Marsches am Wochenende in Münster ansieht, fragt sich, was das wohl für Menschen sind, die johlend blasphemische Parolen von sich geben und abartige Transparente mit sich tragen. Freiheit, Toleranz und andere Tugenden fordern sie zwar für sich, wollen sie aber keinem Andersgesinnten zugestehen. Möge Gott sich dieser armen verblendeten Menschen erbarmen!

Anonym hat gesagt…

Und man muß sich auch fragen, wer für den Schutz der Demonstration bezahlt. Warum kann man heute nicht mehr seine Meinung zu der massenhaften Tötung von Menschen, und das sind die bis zu 3 Monate alten Kinder, öffentlich sagen. Was ist in dieser Republik passiert, daß Meinungen und Gesinnungen immer stärker mit Gewalt bekämpft werden.

Anonym hat gesagt…

Ich hätte eine Frage: es gibt Meinungsfreiheit. Gibt es auch eine Störungsfreiheit?

ich hat gesagt…

ihr habt schon das land mit bauwerken belegt die ihr nicht mehr füllen könnt. wettert gegen den ton der strasse begebt euch auf diese und wundert euch?
ab in die klingelbüchse und bleibt dort. oder gebt die schneller frei für die nutzung durch gemeinden.
oder macht einen friedlichen 2. mai. wer auf die strasse geht hat auch die hände zur faust geballt.
wenn nicht ein verbot als losung über alles stehen würde könnte man sich seinen teil vorstellen. ihr verhindert mit einer verhinderung eine helfende klärung.
wie soll man das auffassen?
einer hat auf diesen heiligen seiten der vernunft abgeschworen. was wollt ihr denn dann noch?
ich hätte in meiner strasse für die bewegung schliesst die fenster und lasst sie sich in totenruhe austoben geworben und versucht es umzusetzen. lauter krawall gegen leisen krawall beides ohne verstand ist nicht brauchbar.
ihr vermeidet das wort kreuzzug so schön und es schaut hinter manchen satz hervor.
da wollte man auch das christentum predigen. ausser schutt asche vergewaltigung und eigentumsdelikte kam für die menschheit nichts raus. und wir knappern noch heute dran.
wer ein mal tötet dem glaubt man keinen echten l(i)ebe(n)swillen mehr.
versucht mal was neues. wenn ihr wisst was neues ist.
hofft dass man sich euch und eurer ansichten mal erbarmt auch wenn ihr in der inderzahl saed.

Gino hat gesagt…

„Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen." Albert Schweitzer

Anonym hat gesagt…

Uns das Feiern verbieten, weil ein stiller Tag sein soll, mit Kirchen die Szädte zupflastern und jetzt auch nich die Straße it privater Meinungsäußerung einfordern. Wollt ihr noch extra Abteile in Bussen und Bahnen? Oder lautlose Kneipenplätze, äh, Verzeihung, Restaurantsitins?
Was kommt noch?
Biker in der Kirche mit Radau, dafür zur Weihnacht nur Kirchenknautsch in Veranstaltungen mit der Gemeinde? Ohne Rücksicht auf Teile der Anwesenden.
Da hat so mancher mehr Gemüt und Einstellung. Hebt euch weiterhin mehr hervor. Bis nix mehr echt wahrgenommen wird.
Im Ausland habe ich beim Rausgehen bemerkt, dass die Kaufhalle ne ehemalige Kirche war. Muss also nix unbedingt weggerissen werden. Kann auch nützlich für alle sein. Es kann also viel erreicht werden, wenn es in Gemeinschaft passiert.
Doch sollte der Bestimmer kein Verstimmer sein. Schützt die Gemeinschaft und bringt euch mit ein. Dann seid auch ihr geschützt.
Nich immer auf die anderen zeigen. Auch mals die eigene Nase fassen.

Anonym hat gesagt…

Dass es bei einer Demonstration nicht zu Angriffen auf Andersdenkenden kommen darf, versteht sich von selbst.

Aber wer in einer Gesellschaft radikale Positionen vertritt und Gegendemonstrationen beim CSD veranstaltet, kann nicht andererseits verlangen, dass die anderen bei den eigenen Veranstaltungen nicht demonstrieren. Im übrigen haben beide Seiten das Recht, ihre Meinung öffentlich zu äußern.

Und einmal zu dem ausufernden Wort blasphemisch. Auch wenn es Katholiken ärgert, selbst eine Beleidigung des Papstes bleibt eine Beleidigung eines Menschen und ist keine Blasphemie. Das gleiche gilt, wenn über die katholische Kirche hergezogen wird. Blasphemie ist nämlich die Beleidigung Gottes und nicht die von Menschen und/oder Organisationen.

Und es gibt auch einen weitere Begriffe, die nichts mit Blasphemie zu tun hat: Ketzerei. Der berühmte Ausspruch "Gott ist tot" ist Ketzerei und nicht Blasphemie.

Vielleicht einmal auch darüber nachdenken, bevor ständig von Blasphemie geredet wird und damit die Stimmung letztlich aufgeheizt wird.

Und noch eines zum Schluss: In Deutschland findet keine Tötung von bis zu 3 Monaten alten Kindern statt. Ungeborene sind Ungeborene und keine Kinder respektive Babys. Solche Begriffsverwischung um das Gefühl anzusprechen führt auch zu einer unangemessen Aufheizung der Situation, worauf es dann von der Gegenseite entsprechende Reaktionen gibt, die auch nicht besser sind, als was die andere Seite macht.

Es sind bei solchen aufgeheizten Stimmungen nicht immer nur die anderen, hier schaukeln sich die Anhänger zwei extrem gegensätzlicher Positionen gegenseitig auf und das ist gar nicht gut, weder für die Gesellschaft als solches, die daran zerbrechen kann, als auch für die Wahrnehmung Dritter von beiden Seiten. Die Mehrheit will weder radikale Lebensschützer noch radikale Abtreibungsbefürworter, die unversöhnlich aufeinander losgehen.

Vielleicht sollten sich beide Seiten dies einmal überlegen, ob die Art ihres Vorgehens der Erreichung ihrer Ziele und der Gemeinschaft nutzt. Ich habe da meine begründeten Zweifel.

Anonym hat gesagt…

Sehr schön geschrieben. Danke.