Montag, 25. April 2011

Polen: 500.000 Unterschriften gegen Abtreibungen


Eine Koalition von polnischen Organisationen hat die sagenhafte Zahl von 500.000 Unterschriften gegen die (im europäischen Vergleich sehr restriktiven) geltenden Abtreibungsregelungen gesammelt und ein Verbot jeglicher Form von Abtreibung gefordert. Ebenfalls fordert die Petition den staatlichen Schutz des Lebens ab der Empfängnis. Die Petition trägt den Namen „Gesetz zum Schutz des menschlichen Lebens ab dem Zeitpunkt der Empfängnis“.

Die Koalition von Organisationen wurde gegründet durch „PRO – Stiftung für das Lebensrecht“ und die „Stiftung für einen Nationaltag für die Ungeborenen“ und erhielt wichtige Unterstützung des in Polen sehr großen Instituts Fr. Piotr Skarga (SKCh im. Ks. Piotra Skargi).

Das Parlament (Sejm) ist nun verpflichtet, die Petition anzunehmen und zu behandeln. Aufgrund der massiven Unterstützung könnte die Petition noch in der laufenden Legislaturperiode angenommen werden.

Kommentare:

Yoshimo hat gesagt…

Wow! Sagenhafte 1,3% der Polen hat gegen die Abtreibung unterschrieben. Dumm nur, dass dies zugleich auch bedeutet, dass 98,7% NICHT unterschrieben haben. Das sind immerhin 37,6 Millionen Polen.

Das polnische Parlament wird die Anti-Abtreibungs-Petition nun genauso galant wegignorieren, wie das deutsche Parlament die hunderttausenden Unterschriften gegen die Vorratsdatenspeicherung ignoriert hat.

Protector Fidei hat gesagt…

Ist es nicht so, dass in Polen illegale Abtreibungen bereits jetzt blühen? Man redet von ca. 150 legalen und 90.000 illegalen Abtreibungen pro Jahr - bei 400.000 Geburten kein Pappenstiel.

Diese hohe Zahl wird gefördert durch einen Mangel an Sexualerziehung (seit 1999 nicht mehr an den Schulen unterrichtet) und der schlechten Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln. Da auch der Abbruch sehr restriktiv gehandhabt wird, bleibt den betroffenen Frauen dann halt nur noch der Kleiderbügel.

Ich entnehme Ihren Formulierungen, Herr von Gersdorff, dass Sie eine Entschließung im Sinne der Petition begrüßen würden. Aber haben Sie die Konsequenzen überdacht und erachten Sie diese auch als wünschenswert?

Anonym hat gesagt…

Mich würde interessieren:
Welches Alter haben die, die unterschreiben, setzen diese das auch selbst durch und ist es ehrlich gemeint.
Die Kirche sagte auch: Ihr Kinderlein kommet - doch wozu? Darüber streiten wir uns heut rum
Abtreibung gab es und gibt es.
Abtreibung nur zum eigenen Vorteil gibt es, doch die Richtigstellung für uns Menschen ist durch die schnöde Nur-Verbots-Verordnung immer noch in weiter Ferne.
Da könnt ihr gleich ein Verbot der Dummheit verlangen.
Was euch nicht in den Kram paßt ist nicht immer das Erstrebenswerte, das Lebenswerte.
Geht in euch, doch fürchtet euch dan nicht so allein.

Anonym hat gesagt…

Jemand hat hier die Altersgruppe der Leute angesprochen, die diesen Mist unterschrieben haben. Ja, es sind die Sonntags/Kirchengänger, ältere Frauen und hauptsächlich Männer. Ich komme aus diesem Land und das, was jetzt gefordert wird, darf nicht durchkommen. Es ist unvorstellbar, dass eine Frau ein Kind austragen muss, das sie durch eine Vergewaltigung empfangen hat oder wenn durch die Schwangerschaft ihr Leben gefährdet ist. In einem zivilisierten Land wie Deutschland würde niemand so etwas fordern. Leider wird Polen immer mehr zum Religionsstaat und der Vatikan hat dort mehr zu sagen als die Bürgerplattform, die eigenlich momentan das Land regiert.

Protector Fidei hat gesagt…

"Es ist unvorstellbar, dass ..."
Herr von Gersdorff hat meine Frage von neulich zwar noch nicht beantwortet, scheint es sich aber leider sehr gut vorstellen zu können.

Überall, wo die Religion Raum greift, und sich des Öffentlichen bemächtigt, werden die Menschenrechte mit Füßen getreten. Da sind die "Christen" nicht viel besser, als die "Muslime". Umso schlimmer allerdings, und umso verwerflicher, da gerade sie vom Herrn zur Liebe zum Nächsten aufgerufen sind, während das im Koran dem Vernehmen nach ja nicht so die zentrale Rolle spielen soll.