Mittwoch, 20. April 2011

Frankfurt am Main streitet über Karfreitag

Am Karfreitag dürfen keine Tanzveranstaltungen stattfinden, da dieser Tag zu den „stillen Feiertagen“ gehört, wie das hessische Feiertagsgesetz aus dem Jahr 1952 festgelegt hat. In den vergangenen Jahren haben aber die Behörden oft ein Auge zugedrückt und das Gesetz nicht mit voller Härte durchgesetzt. Dieses Jahr haben aber etwa 40 Lokale massiv für Veranstaltungen für eben an diesem Tag geworben, so daß das Ordnungsamt sich veranlaßt sah, deutlicher auf das Gesetz hinzuweisen und mit Geldbußen von bis zu 1000 Euro zu drohen. Verantwortlich für die Aktion ist der Ordnungsdezernent Volker Stein von der FDP.

Seine Vorgehensweise wird nicht nur von der Frankfurter CDU unterstützt. CDU Chef Boris Rhein, Kirchendezernent Uwe Becker und CDU-Fraktionschef Helmut Heuser wiesen auf die christliche Prägung Deutschlands hin.

Volker Stein wurde auch von der Fraktion der „Freien Wähler“ im Römer gelobt: „Abgesehen davon, dass Dezernent Stein lediglich für die Einhaltung geltender Gesetze sorgen will: die protestierenden Tanzwilligen haben offenbar völlig vergessen, warum es diese Feiertage überhaupt gibt - nämlich weil noch immer das Christentum die Kultur und Sitten Deutschlands entscheidend prägt. Wäre es anders, würde es kein Osterfest mehr geben. Dann stünde ein ganz normales Wochenende bevor und alle könnten tanzen bis zur Erschöpfung. Dann allerdings würden garantiert selbst viele Tänzer und wohl alle Nichttänzer zwei arbeitsfreie Tage und ein ganz langes Wochenende schmerzlich vermissen.“

Auch die Vertreter der christlichen Kirchen setzen sich auf die Achtung des Karfreitags ein. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau warnte, daß die Mißachtung des stillen Feiertages die Abschaffung desselbigen vorbereiten würde. Der katholische Stadtdekan, Dompfarrer Dr. Johannes zu Eltz, wies darauf hin, daß die Trennung von Kirche und Staat nicht zu einer „aggressiven Indifferenz“ führen dürfe.

Empört über die Vorgehensweise des Ordnungsamtes zeigten sich die Grünen. Der Bundestagsabgeordnete Tom König, die Landtagsabgeordnete Sarah Sorge und der Fraktionsvorsitzende im Frankfurter Stadtverordnetenhaus (Römer) Olaf Cunitz monierten das Verhalten des Ordnungsdezernenten Stein mit der Begründung, „das Gesetz sei nicht mehr zeitgemäß“. Ähnlich argumentierten die „Grüne Jugend“ und die „Jungen Liberalen“.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 20. April 2011 kommentierte die Debatte so: „Im aktuellen Streit treten die kirchenkritischen Stimmen offener zutage als bisher, auch solche aus der Politik: Wozu sich länger christlichen Anschauungen beugen, die in einer Stadt wie Frankfurt eine Minderheitenmeinung sind? Wieso sichert ein säkularer Staat per Gesetz christliche Vorstellungen? Säkularität heißt nicht, dass dem Staat Religionen und deren Einsichten einerlei sind. Deswegen ist etwa der Religionsunterricht grundgesetzlich gesichert. Deswegen schützt der Staat Feiertage, von denen die meisten nun einmal aus dem christlichen Festkalender stammen. Dass der Karfreitag - einschließlich von großen Teilen des Gründonnerstags und des ganzen Karsamstags - dabei einen besonderen Schutz genießt, ist richtig.“

Die „Deutsche Vereinigung für eine christliche Kultur“, die ihren Sitz in Frankfurt am Main hat, unterstützt selbstverständlich die Bemühungen des Frankfurter Ordnungsamtes.

Kommentare:

Yoshimo hat gesagt…

Die FDP ist wohl noch nicht unbeliebt genug. Haben die Kommunalwahlen in Hessen als Warnschuss nicht genügt?

Geltende Gesetze sind eben noch lange keine guten Gesetze.

Ich kenne mich hat gesagt…

Das ist das lästige Erbe der DDR:

Einen guten Marxisten verläßt der liebe Gott nicht so leicht.

Leider auch trotz säkularem Staat.

Wenn man also nicht glaubt, warum sollte man dann ausgerechnet dem Grundgesetz glauben sollen?

Anonym hat gesagt…

Mal was nettes:

Bibliothek der Universität Konstanz
Sonn-und Feiertagsregelung
Die Buchbereiche J und N sind derzeit an Sonn- und Feiertagen rund um die Uhr geöffnet. Es ist kein Bibliothekspersonal anwesend, sondern ein Wachdienst.
Im Buchbereich N befindet sich eine Station, an der Sie grundsätzlich Bücher selbst ausleihen können.
An Sonn- und Feiertagen sind Rückgaben beim Wachdienst gegen Quittung möglich.


Öffnungszeiten der Bibliothek über Ostern

Die Bibliothek bleibt durchgehend geöffnet.
An Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag ist die Bibliothek wie an Sonntagen durchgehend geöffnet. Die Schalterdienste stehen an diesen Tagen nicht zur Verfügung. Für die Ausleihe können Sie die Selbstverbuchungsgeräte im Buchbereich N und J nutzen.
Am Ostersamstag sind Ausleihe, Information und Lesesaal besetzt. Es gelten die üblichen Öffnungszeiten.

Anonym hat gesagt…

Ich habe da auch noch wat feines:

Feiertagsregelung im Vereinigten Königreich

Im Vereinigten Königreich werden Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, am darauffolgenden Montag bzw. Dienstag nachgeholt.

Dem gemäß sind heuer Montag, der 27.12. und Dienstag, der 28.12. in Großbritannien offizielle Feiertage , um die auf einen Samstag bzw. Sonntag fallenden Feiertage des 25.12. und 26.12. nachzuholen.

Gleiches gilt für den 3.01.2011: An diesem Tag wird der auf den Samstag fallende 1. Jänner nachgeholt.

Gerhard hat gesagt…

Ich habe Ihren Artikel auch eingestellt.
http://deutscheseck.wordpress.com/2011/04/21/woanders-gelesen-frankfurt-am-main-streitet-uber-karfreitag/

Anonym hat gesagt…

Um diese alljährlich wiederkehrende leidige Diskussion zu beenden und dem antichristlichen Mainstream zu genügen plädiere ich für die Abschaffung aller Feiertage. Soll das gottlose Volk doch malochen, bis die schwarte kracht. Und wem Karfreitag u.a. Feiertage wichtig sind, nimmt sich Urlaub, um den Tag entsprechend zu begehen. Ich empfinde es als Schande, wenn die "Soldatenkameradschaft in A. ihr traditionelles Pfingstfest am ersten Pfingsttag feiert" und an Himmelfahrt besoffene Leute durch die Natur taumeln. Als der Buß- und Bettag abgeschafft wurde, erregten sich keine Christen, sondern Gastwirte, die an diesem Tag Skatturniere veranstalteten und Vereine, die ihre Jahreshauptversammlung durchführten. So verlogen ist dieses System unter christlichem Deckmantel!

Armin hat gesagt…

Es ist einfach traurig, dass man über diese Frage überhaupt streitet. Ist denn kaum noch jemandem bewusst, welche Bedeutung der Karfreitag für den gläubigen Christen hat. An diesem Tag hat Christus für uns alle sein Leben hingegeben und an einem solchen Tag zu feiern und zu tanzen ist eine Blasphemie ohnegleichen.

Die Aktion ist in jeder Hinsicht zu unterstützen und mich verwundert es immer wieder aufs Neue, dass unsere Wähler derart ignorant sind und diesem grünen Sammelbecken von Atheisten weiterhin ihre Stimme geben. Diese Partei ist auf dem besten Weg, die christliche Kultur unseres Landes zu zerstören.

VäterPower hat gesagt…

Es ist doch völlig logisch, dass christliche Feiertage zu ehren sind. Schliesslich verdanken wir unsere Werte dem christlichen Glauben und unseren Wohlstand dem Segen des an wen wir glauben, nämlich Gott. Wenn dieses Volk Gottes Ordnung weiter so freudig und übermütig mit Füßen tritt, dann muss man sich über die Verrohung der Gesellschaft und ihren Niedergang nicht mehr wundern.

Ja zum C-Feiertag hat gesagt…

Die Christliche Kultur hat Europa zur Blüte geführt und Werte beschert wie Respekt, Großzügigkeit, Achtung des anderen. Darum gebietet es auch der allgemeine Anstand, wenn wesentliche Elemente dieser Kultur, und das sind zB Feiertage, gefeiert werden und Störungen als deplaziert nicht hingenommen werden.

Der Chorleiter hat gesagt…

Die Zeiten waren christlich geprägt, die Christen hatten sich eine Vormachtstellung erworben - auch beim Begehen von Untaten zur Machterhaltung.
Die leidige Diskussion geht, wie auch hier zu sehen, um das Weiterbestehen und Vorherrschen christlicher Traditionen.
Eine Neuordnung und Neuorientierung in Feiertagsfragen wäre angebracht. Das Leben ist anders, die Menschen sind anders. Von den Christen habe ich wenig gesehen, was neben den ihnen eigenen, oft zu Positiven führenden Ereignissen und Erkenntnissen, der vergangenen Zeit, durch notwendige neuzeitliche Werte für heute und die Zukunft mit gestaltet worden ist.
Rückbesinnung ist gut und notwendig. Doch das Leben ist mehr.
Also: Neuordnung der Feiertage in Art und Warum; Einbeziehen der verlaufenden Entwicklung der Menschen und der Gesellschaft der Menschen; nicht ein Abwarten bis es nicht mehr geht.
Einem jeden für seine Feiertage die benötigte Ruhe oder Bewegung, dem eigenen Wohlergehen und der Gemeinschaft sonniges Wetter, gute Laune und bestes Gelingen (und das nicht zum Nachteil der anderen) wünscht euch der Chorleiter.
So ihr dürft, wollt und könnt versucht euch an Liedern; ob allein oder gemeinsam.
Übrigens: Wer kann zu Ostern Osterlieder schaffen? Hat doch Weihnachten auch geklappt. Oder bin ich da auf einer Spur, die einigen von euch mißfällt?
Täte mir aufrichtig leid.

Anonym hat gesagt…

Weil es gern gesehen wird:
http://www.ftd.de/wissen/leben/:kulturkampf-um-karfreitag-osterstreit-wegen-partyverbot/60041918.html

Übrigens:
Wer so leben will, wie er eben will, ist beileibe nicht antichristlich.
Wer die Feiertagsgesetzlichkeiten ablehnt, ist nicht gegen Feiertage.
Nicht alles, was bellt, ist ein Hund.
Bald kommen die ... und plädieren für die Osterhäsin und Eier für Linkshänder; oder jedenfalls so.

Auch ihr schafft es nicht, mir das Osterfest zu vermiesen. Und das fehlende Gebimmel ist auch mal ganz schön. Osterlieder wären prima, wenn sie denn nicht zu Streitereien führen würden.
Geruhsame Zeit, unaufregsam, miteinander.
Ei, Ei, Ei, Hmmm.

Anonym hat gesagt…

So ist das richtig! Da werden christliche Feiertage per Gesetz geschützt und Nicht-Gläubige gezwungen, an dem Feiertag durch ein Unterlassen von Fröhlichkeit teilzunehmen. Was würde der liebe Herr von G. wohl sagen, wenn er gezwungen würde, durch welche Form auch immer am CSD teilzunehmen???

Anonym hat gesagt…

Und was sagt man dazu?
http://www.spiegel.de/flash/0,,25732,00.html

Anonym hat gesagt…

http://www.thercg.org/de/broschuren/ttooe-de.html

sylvester freitag hat gesagt…

wenn eine bessere abstimmung von feiertagen wäre käme jeder zu seinem recht - arbeitsfreie tage
sollte jeder am jahresanfang benennen, sollten einen Namen erhaltem oder ein fragezeichen
mensch wäre das lustig
und die statistiker fassen den ganzen schmuss zusammen und die menschen wüssten wofür feiertage gut wären und unser staat braucht sich keine sorgen um reli zu machen