Mittwoch, 13. Oktober 2010

Vatikan kritisiert Medizin-Nobelpreis für Robert Edwards

Felizitas Küble, Leiterin des kath. KOMM-MIT-Jugendverlags in Münster

Katholische Kirche gegen „künstliche Befruchtung“ und Embryonenvernichtung

Der Präsident der vatikanischen „Akademie für das Leben“, Prälat Carrasco de Paula, äußerte sich am 4.10.2010 entschieden gegen die Vergabe des diesjährigen Medizin-Nobelpreises an den 85-jährigen Robert Edwards: „Ich halte die Wahl von Edwards für vollkommen deplaziert.“ – Die Gründe für seine Kritik an dieser Vergabe der bedeutendsten Medizin-Auszeichnung seien „zahlreich“, erklärte der Vatikanvertreter.

„Das von Edwards erfundene Verfahren der künstlichen Befruchtung produziert Embryonen, die zum Großteil zum Sterben verurteilt sind“, erläuterte Monsignore Carrasco. Der Erfinder der Reagenzglas-Befruchtung sei nicht nur verantwortlich für die Vermarktung von Eizellen; auf sein auf sein Konto gingen auch zahlreiche Embryonen, die im besten Fall darauf warteten, in eine Gebärmutter verpflanzt zu werden, aber mit größerer Wahrscheinlichkeit dazu verurteilt seien, zu sterben.

Außerdem wies Prälat Carrasco darauf hin: „Edwards hat das Problem der Unfruchtbarkeit nicht gelöst, sondern übergangen.“ – Er habe nicht die Unfruchtbarkeit als solche beseitigt, sondern statt dessen einen sittlich verwerflichen Umweg eingeführt. Der Embryo (Fachbezeichnung für ein menschliches Wesen ab der Befruchtung) ist die kleinste Erscheinungsform des Menschen.

Der Vatikan hatte die von Edwards entwickelte sog. In-Vitro-Fertilisation (IVF) – also die künstliche Befruchtung – bereits 1987 eindeutig abgelehnt. Die damals von Kardinal Joseph Ratzinger (heute Papst Benedikt XVI.) geführte Glaubenskongregation verwarf die Befruchtung außerhalb des Mutterleibs, weil dadurch die natürliche Liebesvereinigung von Mann und Frau umgangen werde. Die katholische Kirche lehrt, daß Sexualität, eheliche Liebe und Fruchtbarkeit zusammengehören. Zudem führe dies Verfahren zur Zerstörung von Embryonen, was in keinem Fall zulässig sei.

Am 8. Dezember 2008, dem Fest der “Erwählung Mariens“ (es erinnert an die ohne Erbsünde empfangene Jungfrau Maria) veröffentlichte die Glaubenskongegration die Instruktion „Dignitas personae“, auf deutsch „Die Würde der Person“. Dieses Grundsatzwerk zu bioethischen Fragen entstand in Zusammenarbeit mit der "Päpstlichen Akademie für das Leben". Ihre besondere Autorität gewinnt sie aus der Approbation durch Papst Benedikt XVI.

„Dignitas personae“ bekräftigt die Positionen der kath. Kirche und orientiert sich zugleich an neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Instruktion lehnt gewisse Entwicklungen der „Reproduktionsmedizin“ eindeutig ab, vor allem die in Großbritannien propagierte Herstellung von Mensch-Tier-Mischwesen sowie die embryonale Stammzellforschung.

Das vatikanische Lehrschreiben wendet sich vor allem gegen die künstliche Befruchtung, zumal hier die Produktion überzähliger Embryonen und deren Vernichtung in Kauf genommen wird.

Unterdessen äußerte sich auch die „Aktion Leben“, eine bekannte katholische Lebensrechts-Initiative in Deutschland, in einer Pressemeldung vom 5.10. 2010 zu diesem Thema:

„Mit der Begründung, seine Erfolge hätten die Behandlung der Unfruchtbarkeit möglich gemacht, wurde der Engländer Robert Edwards mit dem diesjährigen Nobelpreis für Medizin geehrt.

Abgesehen davon, daß schon diese Begründung wissenschaftlich unhaltbar ist, denn das tatsächliche Problem der Unfruchtbarkeit wurde gerade nicht gelöst, wirft die Verleihung dieses hoch angesehenen Preises an Edwards viele Fragen auf, die letztlich die Preisverleihung zu einer peinlichen Angelegenheit machen.

Was ist z.B. mit den vielen künstlich erzeugten Menschen, die im Rahmen der Forschungsarbeiten von Edwards zu Tode kamen, bevor es zu der ersten Lebendgeburt der Louise Brown kam? Das sind Experimente am lebenden Menschen, die schon immer und weltweit moralisch geächtet wurden.“

Außerdem weist die „Aktion Leben“ mit Sitz in Absteinach (Odenwald) darauf hin:
„Die künstliche Befruchtung (IVF) ist die Grundlage aller nachfolgenden unmoralischen Handlungen wie Selektion im Reagenzglas (PID), selektive Abtreibung bei Mehrlings-Schwangerschaften nach IVF, Forschung an embryonalen Stammzellen bis hin zur Kreation von Designerbabys. Insofern kann man die künstliche Befruchtung als den “Sündenfall der Reproduktions-medizin” betrachten.“

Die Aktion Leben e.V. gibt außerdem zu bedenken, „daß es kein unabdingbares Recht auf ein Kind gibt. Kinder sind ein Geschenk, das der liebevollen Vereinigung der Eheleute hinzugegeben wird.“ – Die Lebensrechts-Initiative erinnert sodann an die vatikanische Instruktion “Donum vitae”, in der es heißt:

“Jedes menschliche Wesen muß um seiner selbst willen geachtet werden und darf nicht auf den bloßen und einfachen Wert eines Mittels zum Vorteil anderer herabgewürdigt werden.”

Kommentare:

Einer hat gesagt…

Wahrscheinlich war die natürliche Entsorgung mit Scheiterhaufen und ist die Entsorgung mittels Sprenggürtel besser geeignet?
Oh, ihr ewig Gestrigen.
Ist nicht mehr weit bis zur Forderung nach Unversehrtheit des menschlichen Körpers (kein Blinddarm, keine Amputation) und keine körperfremden Bestandteile (keine Spenserorgane, kein Fremdblut)

Wo kann man sich über gewollte Unwissenheit bei religiösem Denken und Kritisieren beschweren?

Eure Ansichten bringen kaum die Lösung aber meist unsinnige Probleme.

Anonym hat gesagt…

Wo kann man sich eigentlich über die Ergüsse des Vorkommentators beschweren?

Matthäsius hat gesagt…

Hier!

Einer hat gesagt…

Eine Meinung, wissend und helfend, würde da weiterhelfen.
Wenn sie es nicht verstehen, dann beschweren sie sich nicht bei anderen. Dann gehen sie im Glauben in sich. Wundern sie sich nicht über das Alleinsein.
Noch einmal: Der Vatikan darf kritisieren. Ohne bessere Lösung, denn Verbot ist hier keine Lösung.
Wenn sie dem zustimmen - schön.
Ich verwehre mich gegen solche Halbheiten und Scheinheilgkeiten.
Wenn ihnen das nicht zusagt: Sagen sie es. So ist es ein Nichts. Und sie?

Matthäsius hat gesagt…

»Der Vatikan darf kritisieren. Ohne bessere Lösung, denn Verbot ist hier keine Lösung.«

Sie meinen einen anderen Vorschlag für die Vergabe des Nobelpreises, statt ihn zu verbieten...?

Einer hat gesagt…

Ich kenne nicht die Ausschreibung oder Bestimmung zum Nobelpreis, vielleicht kann der Vatikan mal anfragen wie es gewünscht wird.
Doch für Wissenschaft, sprich Forschung und Entwicklung kann er nur etwas sagen, wenn er etwas weiß, nicht nur glaubt. Seine peinlichen Verbote bringen keine Erkenntnis. Da es seiner Meinung nach nur eine gibt, kann er sich daran ergötzen. Damit behindert und drangsaliert hat er genügend lange Jahrhunderte und interessante Leute.
Die Erde wurde schon lange als Zentrum des Weltraums, sprich auch Himmel, entmächtigt. Leider vergaß man dabei, die Vertreter der alten Ansicht ebenso zu entmächtigen. War wohl ein Fehler.
Beim Zahnarzt führt es oft zu Komplikationen, wenn nach dem Ziehen des Zahnes noch die Wurzel verbleibt.

Matthäsius hat gesagt…

»Damit behindert und drangsaliert hat er genügend lange Jahrhunderte und interessante Leute.« »Leider vergaß man dabei, die Vertreter der alten Ansicht ebenso zu entmächtigen. War wohl ein Fehler.«
Damit haben Sie leider recht! Aber wenn Sie zugestanden bekommen wollen, sich nach einem Fehler ändern zu dürfen und einen neue Chance zu bekommen, dann müssen Sie dies auch der kath. Kirche zugestehen. Es ist dumm auf alten Fehlern herum zu reiten. Wie oft nutzen wir doch selbst das Argument, man müsse sich der Zeit anpassen und tun es dann auch, vertraten wir doch in der Vergangenheit manch' schräge Ansicht.
Nehmen wir also DIESES Problem her und diskutieren es (fair), ohne alte Themen wieder auszugraben. Schließlich sind wir doch keine kleinen Kinder!

»Doch für Wissenschaft, sprich Forschung und Entwicklung kann er nur etwas sagen, wenn er etwas weiß, nicht nur glaubt.«
Ich glaube sie wissen genügend um eine Bewertung abzugeben. Die Forschung oder Wissenschaft ist keineswegs neutral. Sie bewerten ihre Ergebnisse genauso mit einer Weltanschauung dahinter, wie das die Kirche tut. Wollen sie beurteilen welche besser ist?
Die der Kirche ist überholt, sagen sie? Man müsse doch mit der Zeit mitgehen? Nun, die Kirche erfreut sich auch nach 2000 Jahren noch großer Beliebtheit. Sie hat viele weltanschauliche Wellen und Strohfeuer überdauert. Das kann der Naturalismus noch nicht von sich sagen.

Bis bald

Anonym hat gesagt…

Bei einem disput über Athanasius Kircher und seine zeit wäre ich noch der ansicht gewesen, dass der vatikan über forschung mitreden gekonnt hätte. Von ihm sind einige erkenntnisse auch heut noch gern beachtet. Doch aus der heutigen zeit und deren näherer umgebung ist mir ähnliches unbekannt. Woher sollte die kenntnis von wissen kommen, die zur beurteilung nötig wäre?
Bis jetzt war nur etwas die forscher und wissenschaftler hinderliches zu vernehmen, wenn die ergebnisse den glaubensrahmen überschritten, ähnlich erde und zentrum.
Und daher hat sich, vom wissenden standpunkt aus, die kirche selbst überlebt.
Zur zeit ist aber der grösste irrglaube der glaube an die vorfahrt. Dieser zeigt, dass das vorausdenken wichtiger ist als, wenn noch möglich, die fehlersuche bei nichtfunktion nach buns.